Rezension Thomas Nehlert: Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet teNeues Verlag, Kempen, 2018

Das Interesse an edlen klassischen Automobilen scheint im gleichen Maße zuzunehmen wie die Kritik an der nüchternen Technik und der Gleichförmigkeit moderner Fahrzeuge. Automobile Pretiosen haben sich nicht nur zu gewinnversprechenden Anlagen entwickelt, sondern stellen vielmehr ein echtes Kulturgut der Industriegesellschaft dar. 

Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass es immer mehr Bücher über klassische Autos gibt, seien es kompakte Kaufratgeber, Technikhandbücher oder attraktive Bildbände. Dieser Band aus dem teNeues Verlag ist ein Buch von außergewöhnlichen Maßen, ein wahres "Coffee Table Book", in dem man mit großer Freude blättert und liest. Mit einem Gewicht von 4,5 kg und einem Umfang von 400 Seiten im gewaltigen Format von 30 x 37 cm sowie einem edlen Einband in einem alcantaraähnlichen Gewebe fällt es schon rein äußerlich aus dem Rahmen. 

Noch mehr gilt dies für den Inhalt. Die Vorworte stammen von Paolo Tumminelli und Jürgen Lewandowski. Unter den Fachleuten, die bei der Erstellung des Buchs beratend tätig waren, finden sich u. a. Leopold Prinz von Bayern und Carl-Peter Forster. Die Autoren Jürgen Lewandowski und Michael Görmann, der zugleich als Herausgeber firmiert, haben sich dem Thema der „Classic Cars“ aus vier Richtungen genähert. 

Etwa die Hälfte des Buchs beschäftigt sich mit Fahrzeugen aus privaten Sammlungen. Aus der Kollektion eines Münchner Sammlers werden nicht weniger als 19 Typen gezeigt – Aston Martin, Ferrari, Jaguar, Mercedes, Bentley, alles Modelle in bestem Zustand vom Mercedes-Benz 540 K bis zum Ferrari 250 GT Lusso. Aus verständlichen Gründen bleibt der Name des Sammlers ungenannt, wenn vielleicht die als Kennzeichen benutzten Buchstaben manchem Insider doch etwas verraten. Es folgen die Sammlung MoCo, die Porsche-Sammlung Diamand, die Abarth-Sammlung Möll, die atemberaubende Sammlung „EFA – Mobile Zeiten“ aus dem Chiemgau, die Landmark Collection Kitzbühel und eine schlicht überwältigende Zusammenstellung von Horch-Automobilen. Dazu gesellen sich zahlreiche Einzelstücke – vom Ferrari 166 MM, der auch den Einband ziert, und Opel RAK 2 über den Ferrari 166 Spider Corsa Scaglietti, einen Mercedes-Benz 600 und einen Opel GT bis zu einem VW Golf 2 Pikes Peak und Michael Schumachers erstem Weltmeisterschaftsauto, dem Benetton-Ford B194-5. 

Unter dem Titel "Events" wird auf einige große Veranstaltungen im Bereich der klassischen Automobile eingegangen wie zum Beispiel den Pebble Beach Concours d'Élegance, den Concorso d'Éleganza Villa d'Este, das Goodwood Revival und das Festival of Speed sowie die Mille Miglia. Im Zusammenhang mit der Mille Miglia äußert sich der Chopard CoPräsident Karl-Friedrich Scheufele, der diese klassische Veranstaltung mehrfach zusammen mit Jacky Ickx bestritten hat. 

Besonders vielfältig zeigt sich der Abschnitt „Connections“, in dem es um die unterschiedlichen Formen des Kontaktes in der Szene der Autosammler geht. Da wird ausführlich über Auktionen der Häuser Bonhams und RM Sotheby's berichtet, ein privater "Drivers & Business Club" wird vorgestellt und die BMW Group Classic sowie die Motorworld Group erfahren eine Würdigung ebenso wie Organisationen, die sich mit dem Organisieren von Ausfahrten mit klassischen Fahrzeugen befassen. Ausführlich werden zahlreiche zum Verkauf angebotene Oldtimer präsentiert.

Sehr reizvoll ist der vierte und letzte Abschnitt "Photography". Vier Fotografen zeigen die sehr unterschiedliche Herangehensweise beim Ablichten von Automobilen. Unter diesen für mich klar herausstechend ist Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein mit ihren unnachahmlichen Rennsportaufnahmen zwischen 1951 und 1970. Dazu im interessanten Kontrast stehen die in infrarotem Licht gestalteten Aufnahmen von Michael Görmann und die eher unterkühlten Bilder von René Staud, die den Focus geschickt auf die speziellen Formen unterschiedlicher Fahrzeuge lenken. Schließlich beeindrucken auch die von einer besonderen Lichtwirkung und Dynamik gekennzeichneten Aufnahmen Bernhard Hartmanns von zumeist winterlichen Rallyes des historischen Motorsports. 

Eigentlich könnten alle 400 Seiten des Prachtbandes unter dem Titel "Photography" stehen. Denn neben den kompetenten und leidenschaftlichen Texten und den detailreichen technischen Daten lebt dieses Buch von seiner fast berauschenden Illustration. 356 Fotos, fast ausschließlich im großen, teilweise doppelseitigen, Format, prägen den Eindruck von diesem Werk nachhaltig. Die Fahrzeuge, die durchgehend als automobile Schmuckstücke anzusehen sind, werden in brillanter Auswahl von Motiv und Blickwinkel sowie makelloser, fast plastischer Reproduktion gezeigt. Es ist als großer Pluspunkt anzusehen, dass zahlreiche Archive und Fotografen hier ihr Können zeigen. Dadurch ist die Illustration vielfältig und abwechslungsreich und hebt sich wohltuend von so manch anderem Buch ab, in dem die Bilder durchgehend und nicht selten gleichförmig von einem einzigen Fotografen stammen. 

Ausstattung, Layout und Verarbeitung des Buchs sind hervorragend - "Classic Cars Review" setzt in Inhalt und Ausstattung einen Maßstab, der dem Untertitel "The Best Classic Cars on the Planet" in vollem Umfang entspricht. 

Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet 

Thomas Nehlert

Autoren: Michael Görmann (zugleich Herausgeber), Jürgen Lewandowski 
Verlag: teNeues Verlag, Kempen, 2018
Format und Umfang: Hardcover, 30 x 37,5 cm, 400 Seiten, 356 Fotos 
Text: Englisch/ Deutsch Preis: € 130,- 
ISBN: 978-3-96171-102-2 Überall im Buchhandel erhältlich

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