Rezension Thomas Nehlert: "M1 procar", View-GmbH, Bonn, 2017

Jeder kennt heute die inzwischen legendären M-Modelle von BMW, allen voran M3 und M5 als auch M2 und M4. "M" steht dabei an sich für "Motorsport", denn die M-GmbH ging 1978 aus der 1972 gegründeten Motorsport-GmbH von BMW hervor. Die M-GmbH startete unter der Leitung von Jochen Neerpasch mit einem sensationellen Fahrzeug, das für die Nutzung sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf den Rennstrecken konzipiert worden war, dem BMW M1. 

Das von Michael Thiers View-Verlag herausgegebene Buch "M1 Procar" dokumentiert die Entstehung, die technische Entwicklung und vor allem die Renneinsätze dieser Wettbewerbsversion des M1 bis ins letzte Detail. Autor des Buchs ist Jochen von Osterroth, Motorsportfans bekannt durch zahlreiche Fachbücher und als langjähriger Redakteur der unvergessenen Zeitschrift "rallye racing", die von August 1966 bis Ende 2001 ein unverzichtbares Printmedium im Bereich Automobilsport war. Als rallye-racingMann verfolgte von Osterroth, der übrigens im Ehrenamt auch Vorsitzender des MittelalterVereins Oberwesel ist, nicht nur die Geschichte des M1, sondern auch sämtliche Rennen der Procar Series in den Jahren 1979 und 1980. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen war er wie kaum ein anderer dazu berufen, dieses gigantische Buch über den BMW M1 Procar zu verfassen. 

Das 276 Seiten umfangreiche Buch gliedert sich in elf Kapitel. Nach Vorworten von Jochen Neerpasch und Max Mosley werden im ersten Abschnitt die Entstehung der M-GmbH und die Entwicklung des M1 von den ersten Ideen bis zur Umsetzung dieses für damalige Zeiten einzigartigen Projekts dargestellt. Dank der hervorragenden Kontakte des Autors kommen in diesem Zusammenhang auch zahlreiche Protagonisten zu Wort, die unmittelbar mit dem M1 Procar zu tun hatten. Beispielhaft seien Jochen Neerpasch, der leider vor nicht allzu langer Zeit verstorbene Paul Rosche, Martin Braungart und Rainer Bratenstein erwähnt. Nicht zuletzt wird auch der Einsatz von Max Mosley und Bernie Ecclestone gewürdigt, ohne die eine Installation der Procar Series im Vorprogramm der Formel 1 und bei einigen weiteren ausgesuchten Rennen nicht denkbar gewesen wäre. Und schließlich muss auch Uwe Mahla erwähnt werden, bekannt durch unzählige Veröffentlichungen und durch seine mehrjährige Tätigkeit als Pressesprecher des BMWMotorsports. Mahla hat von Osterroth bei der Erstellung des Buchs maßgeblich unterstützt. Gleiches gilt für Günter Nötzold, der sein ganzes Wissen und auch Teile seines Bildmaterial eingebracht hat. 

Den größten Raum des Buchs nimmt die Dokumentation der beiden Jahre der Procar Series 1979 und 1980 ein. Sämtliche Startaufstellungen der insgesamt 18 Läufe, ausführliche Rennberichte und Porträts der beiden Titelträger Niki Lauda und Nelson Piquet lassen keine Frage offen. Dabei wird auch deutlich, dass diese Serie nicht mit einem Markenpokal im heutigen Sinne zu vergleichen ist, sondern ein beinhartes und hoch dotiertes Championat war, in dem in der Regel die fünf Trainingsschnellsten der Formel 1 auf renommierte Tourenwagen- und Sportwagen-Piloten trafen.

Weitere Kapitel über die M1-Einsätze in der amerikanischen IMSA-Serie, bei den 24 Stunden von Le Mans, in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft und in vereinzelten Rallyes schließen sich an. Eine interessante Würdigung erfahren die künstlerisch gestalteten Exemplare des Procars, sei es das von Andy Warhol bemalte Art-Car 1979, der Nürburgring-M1 oder der als Werbeträger verwendete Wirtshaus-M1. Ausführliche Rennergebnisse der Procar-Rennen 1979/80 und eine dreiseitige Auflistung aller M1 Procar-Fahrgestelle schließen das Buch ab. 

Die Texte des Autors und die zum Teil selbst verfassten Beiträge der am Procar-Projekt Beteiligten verraten nicht nur eine auch heute noch sehr hohe Begeisterung für das Thema, sondern eine aus der Nähe zum damaligen Geschehen stammende überragende Kompetenz.So hatte Jochen von Osterroth nicht nur, wie bereits ausgeführt, sämtliche Rennen der Procar Series jeweils vor Ort verfolgt, sondern auch schon seinerzeit journalistisch begleitet. 

Die Illustration ist mit 221 Fotografien nicht nur sehr reichhaltig, sondern auch in Auswahl und Reproduktion der Abbildungen auf hochwertigem Mattglanzpapier hervorragend. Die Bilder stammen aus zahlreichen namhaften Archiven, darunter auch aus der Sammlung von BMW Classic. Mehrere Aufnahmen erscheinen im gewaltigen Doppelseitenformat, also in den Maßen 48x32 cm; eine bestechende Luftaufnahme dieser Größe zeigt beispielsweise das M1 Procar-Feld in der Grundigkehre des Nürnberger Norisrings. 

Ein paar Worte müssen auch zu der Ausführung dieses imponierenden Buchs verloren werden, weil diese wirklich außergewöhnlich ist und neben dem in jeder Beziehung überzeugenden Inhalt den zweifellos stattlichen Preis erklärt und rechtfertigt. Der Einband besteht aus einem Buchrücken mit Silberprägung und einem Cover in Halb-LeinenAusführung in silberner Farbe, die Buchdeckel sind aus einem Spezialpapier in besonderer Glattleder-Haptik gefertigt, ein geprägter M1 procar-Schriftzug auf dem vorderen Einband ziert das Buch genauso wie ein Web-Etikett und ein Lesebändchen in den BMW-M-Farben. Bei dieser Liebe zum Detail versteht es sich schon von selbst, dass Verarbeitung und Bindung auch höchsten Ansprüchen genügen. Dem Schutz des Buchs dient ein stabiler silberfarbener Schuber. 

Dieses Werk ist eine Zierde jeder Sammlung von Motorsport-Literatur, für wahre BMWFans ein Highlight und für die Eigentümer der noch vorhandenen raren BMW M1 unverzichtbar. Angesichts der limitierten Auflage von 500 Exemplaren dürfte es sich schnell zu einem echten Sammlerstück entwickeln.

Thomas Nehlert. 

M1 procar

Autor: Jochen von Osterroth 
Verlag: View GmbH Bonn, 2017 
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29,5 x 32 cm, 276 Seiten, 221 Fotos 
Text: Deutsch Preis: € 220,-, 
Limitierung auf 500 Exemplare 
ISBN: 978-3-945397-08-4

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