Rezensionen Thomas Nehlert „Carrera RS“ Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim, TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015

Für Porsche-Fans und Porsche-Fahrer war der 1972 vorgestellte und im Folgejahr in Produktion gegangene 911 Carrera RS mit 2,7 Liter Hubraum, 210 PS und dem prägnanten aber aerodynamisch so effektiven Entenbürzel der Traumwagen schlechthin; und er ist es bis heute geblieben. Diesem einzigartigen Porsche haben Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim ihr herrliches Buch "Carrera RS" gewidmet.

Dreizehn Jahre nach der längst vergriffenen und teilweise zu aberwitzigen Preisen gehandelten Erstauflage hat der TAG-Verlag diese überarbeitete und deutlich erweiterte Ausgabe des Prachtbandes herausgebracht. Der Umfang ist von 256 auf 434 Seiten angewachsen, und auch die Illustration hat mit rund 1000 Abbildungen beträchtlich zugelegt.

Der Inhalt lässt sich am Besten durch die Titel der elf Kapitel dokumentieren: "Carrera Panamericana", "Vorgänger", "Porsche 916", "Entwicklung", "Produktion", "Technik", "Modelle & Ausstattungen", "Sondermodelle", "Presse & Marketing", "Sport" und "Alle Carrera RS". Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass wirklich kein Aspekt des 911 Carrera RS unberücksichtigt geblieben ist. Zahlreiche Anhänge mit Reproduktionen aus der Betriebsanleitung, Kundendienstinformationen, Homologationspapieren, den technischen Daten sowie einem Personenregister und einem Literaturverzeichnis runden dieses hervorragende Werk ab. Neben der spannenden Entwicklungsgeschichte, der technischen Dokumentation mit vielen Schnittzeichnungen und Fotografien technischer Details und der Vorstellung des Ausstattungsprogramms inklusive einer Darstellung aller verfügbaren Lackierungen begeistern insbesondere die motorsportliche Historie des RS und die Auflistung aller produzierten Fahrzeuge. Sowohl die Leidenschaft der Autoren für das Thema als auch die unglaublich in die Tiefe gehenden Recherchen zum Carrera RS sind unübersehbar.

Das Buch ist in einer edlen Leinenausstattung mit einem soliden Schuber aufgelegt, die Qualität von Papier, Druck, Bildreproduktion und Verarbeitung ist ausnahmslos erstklassig. Wie schon die erste ist auch diese Auflage auf 3000 Exemplare limitiert, die sicherlich alsbald vergriffen sein werden. Und so relativiert sich der hohe Preis dieses außergewöhnlichen Buchs über einen außergewöhnlichen Sportwagen.

Carrera RS Autoren: Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim
Verlag: TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 434 Seiten im Leinenschuber, rund 1000 Abbildungen
Text: Deutsch (die englischsprachige Ausgabe ist bereits vergriffen)
Preis: € 438,00

"Carrera 2.7" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 

Nur kurz nach dem Buch über den Porsche 911 Carrera RS erschien in gleichem Format der Band "Carrera 2.7" von Ryan Snodgrass. Der Autor hat dieses Werk in seinem Verlag Parabolica Press in den USA verlegt, gedruckt wird es - wie auch "Carrera RS" - im Media Druckwerk Hamburg, und für die Gestaltung ist ebenfalls wie beim RS-Buch Christoph Mäder verantwortlich.

Nachdem der Carrera RS als Sondermodell und Höhepunkt des 911 in seiner Urform nur kurz produziert worden war, verwendete Porsche das 2,7-Liter-Triebwerk mit 210 PS auch im nachfolgenden G-Modell ab Modelljahr 1974 mit den den US-Vorschriften entsprechenden so typischen kantigen Stoßfängern und behielt diesen Carrera 2.7 für zwei Jahre im Modellprogramm, bevor er zum Modelljahr 1976 vom Carrera 3.0 abgelöst wurde. Mit dieser doch sehr überschaubaren Produktionszeit entwickelte sich auch der Carrera 2.7 zu einem sehr raren Modell, das in den Fahrleistungen dem legendären Carrera RS in nichts nachstand.

Mit der gleichen Akribie und Leidenschaft wie im RS-Buch werden hier die Technik, die Entwicklung, die Ausstattungsmerkmale und die Motorsporteinsätze des Carrera 2.7 dokumentiert. Die neun Kapitel des 406 Seiten umfangreichen Buchs lauten "Carrera Unveiled", "Drivetrain", "Rolling Classic", "Body", "Interior", "Special Models", "Racing", "Accessoires" und "Literature". Dazu kommen noch vier Anhänge mit dem Homologationsblatt für Renneinsätze, den technischen Daten und einer Aufstellung der technischen Veränderungen von Mai 1973 bis Juni 1975. Da bleibt wahrhaft keine Frage zum Carrera 2.7 unbeantwortet. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass Georg Konradsheim, ein Autor des RS-Buchs, für den Band über den Carrera 2.7 das Vorwort geschrieben hat. Gerade die enge Verbindung zwischen den beiden Büchern macht den Erwerb beider Bände so reizvoll.

Auch "Carrera 2.7" ist mit weit über 650 Abbildungen großartig illustriert. Auswahl und Reproduktion der bis ins Detail gehenden Fotos begeistern ebenso wie die edle Ausstattung und makellose Verarbeitung. 

Carrera 2.7 
Autor: Ryan Snodgrass 
Verlag: Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 
406 Seiten im Leinenschuber, über 650 Abbildungen Text: Englisch 
Preis: € 279,00 

"turbo 3.0" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, Ende 2017

"911 R", TAG Motor Books GmbH, Hannover, Ende 2017

Voraussichtlich noch dieses Jahr werden beide Verlage jeweils ein weiteres Luxusbuch im vergleichbaren Format herausbringen. Bei Parabolica Press hat Ryan Snodgrass seinen 536 Seiten dicken Band über den Porsche Turbo 3,0 – den Ur-Turbo also – fast fertig. Unter dem Titel „turbo 3.0“ wird das auf 2500 Exemplare limitierte Werk ab Oktober wahrscheinlich 380,00 € kosten. 

Zu dem neuen Buch von TAG Motor Books ist nur soviel bekannt, dass es sich um ein Buch über den Porsche 911 R handeln wird, und zwar sowohl über das aktuell gerade ausverkaufte Sondermodell der Baureihe 991 als auch über die ursprüngliche Version des Ur-Elfers von 1967. 

Alle Bände sind über den jeweiligen Verlag und auch bei "racingwebshop.com" erhältlich bzw. bestellbar.




Rezension Thomas Nehlert „Auto Union DKW - Im Spiegel der Werbung von 1949 bis 1966“, Ralf Friese, Delius Klasing Verlag,

DKW war ein nach dem ersten Weltkrieg gegründetes Unternehmen, das 1932 in der Auto Union aufging und in der Zeit von 1949 bis 1966 in Ingolstadt frontangetriebene Zweitakt-Fahrzeuge herstellte. Die wahre Herkunft des Namens DKW beruhte auf der Entwicklung eines DampfKraftWagens durch Jorgen Skafte Rasmussen und seinen Freund Mathiesen im Jahr 1916, wenngleich auch die Bezeichnung des zur gleichen Zeit von Hugo Ruppe entwickelten kleinen Zweitaktmotors als "Des Knaben Wunsch" und die Titulierung eines Fahrradhilfsmotors als „Das Kleine Wunder“ zur Begründung der Abkürzung DKW herhalten dürfen. 

Im vorliegenden qualitativ hochwertigen Buch werden auf über 330 Abbildungen die Nachkriegsmodelle von DKW unter Bezugnahme auf Werbung und Prospekte in drei Abschnitten dokumentiert. Gut 100 Seiten befassen sich mit den Personenwagen vom DKW F 10 über den 3=6 und AU 1000 bis zum Junior, F 11/F 12 und F 102. Es schließen sich die kommentierten Reproduktionen von Prospekten des Munga-Geländewagens und der Lieferwagen vom F 89 über den F 800 bis zum F 1000 L an. Zu jedem auszugsweise wiedergegebenen Prospekt hat Ralf Friese eine kurze Beschreibung hinzugefügt. Diese Kommentare gehen nicht nur knapp auf das jeweilige Fahrzeug ein, sondern charakterisieren auch das gezeigte Prospektmaterial, das zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des Autors Ralf Friese stammt. 

Auf diese Weise entsteht nicht nur ein überaus reizvoller Überblick über die Entwicklung der DKW-Modelle, sondern insbesondere auch eine Rückschau auf Grafik, Fotografie und Inhalt der Werbung in den 1950er und 1960er Jahren. Hält man heutzutage teilweise über 100seitige Bücher als Prospekte in den Händen, so begnügte sich die Auto-Industrie seinerzeit mit 4- bis 16-seitigen Faltblättern, die durch gelungene künstlerische Gestaltung und eine Beschränkung auf die wesentlichen Daten überzeugten. Allerdings konnte die Modellvielfalt damals mit der heutigen Flut von Varianten und Ausstattung auch nicht annähernd mithalten. 

Es ist eine wahre Freude, durch einen Blick auf die zeitgenössischen Prospekte die damalige Motorisierung noch einmal vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Die kunstvoll gezeichneten Illustrationen zeigen überwiegend ein heiles Familienidyll, in dem der „Herr des Hauses“ am Steuer sitzt, seine Frau mehr als Zierde neben dem DKW steht und manchmal auch die Kinder voller Stolz im oder am neuen DKW posieren. Wenn auch diese früheren Zeiten nicht besser waren, so erinnert man sich mit solch gelungenen Vorlagen doch nur zu gerne.


Autor: Ralf Friese 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 23,8 x 27,2 cm, 160 Seiten, rund 330 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10913-2 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Verlorene Freunde - Das Leben und Sterben der größten Rennfahrer“ Elmar Brümmer und Ferdi Kräling, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Früher war es ein omnipräsentes Thema: der Rennfahrer-Tod. Und die heute zum Glück gewonnene Sicherheit im Automobilsport darf nicht darüber hinweg täuschen, dass Motorsport nach wie vor eine überaus gefährliche Angelegenheit ist. Der tragische Tod von Jules Bianchi hat dies vor nicht langer Zeit wieder in Erinnerung gerufen. In der Epoche zwischen 1960 und 1990 jedoch kamen jährlich mehrere Rennfahrer durch Unfälle auf den Rennstrecken oder auch bei Abstürzen mit ihren Privatflugzeugen ums Leben. 

Der 144 Seiten umfangreiche Band würdigt insgesamt 19 in dieser Zeitspanne verstorbene Piloten in umgekehrt chronologischer Reihenfolge ihres jeweiligen Todesdatums. Die Porträts reichen von Michele Alboreto, Ayrton Senna und Stefan Bellof über Manfred Winkelhock, Rolf Stommelen, Gilles Villeneuve, Harald Ertl, Ronnie Peterson, Carlos Pace, Tom Pryce, Graham Hill, Francois Cévert, Joseph Siffert, Pedro Rodriguez bis zu Jochen Rindt, Piers Courage, Gerhard Mitter, Jim Clark und Graf Berghe von Trips. Die einzelnen Kapitel sind sechs bis zehn Seiten lang. Die Texte hat der bekannte Motorsport-Autor Elmar Brümmer mit tiefgehender Kenntnis und Einfühlsamkeit verfasst, wobei er auch die tödlichen Unfälle und ihre Ursachen zutreffend analysiert. 

Die rund 75 Fotos stammen zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des renommierten Motorsportfotografen Ferdi Kräling. Zu jedem der gewürdigten Fahrer findet der Leser ein bis zwei großformatige Aufnahmen, die die betreffenden Piloten am Steuer der von ihnen gefahrenen Rennwagen zeigen, und ein ganzseitiges Porträtbild. Dazu kommen noch einige Fotos, die das Unfallgeschehen wiedergeben. Am beeindruckendsten sind allerdings die Fahrerbilder, die große Erinnerungen wachrufen. Für mich ragt unter all diesen Ablichtungen das Porträt von Jim Clark ganz besonders heraus; der 1968 verunglückte Schotte beeindruckte nicht nur durch sein unglaubliches fahrerisches Können, sondern auch durch seine Vielseitigkeit und seine charismatische Ausstrahlung – ähnlich wie etwa 25 Jahre später Ayrton Senna. 

Dies ist ein hervorragend verarbeitetes Buch mit brillanter Bildwiedergabe auf edlem Mattglanzpapier, das den älteren Leser in die Zeit seiner Jugend zurückversetzt und dem jugendlichen Betrachter die heute kaum nachvollziehbare Gefährlichkeit des Motorsports vor 50 Jahren vor Augen führt. 


Autoren: Elmar Brümmer (Texte), 
Ferdi Kräling (Fotos) 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 21,6 x 28,6 cm, 
144 Seiten, rund 75 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 ISBN: 978-3-667-10970-5 


Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“, Mats Kubiak, Delius Klasing Verlag, Bielefeld,

Porsche ist die letzte verbliebene Automarke, die im Rahmen der "Edition Porsche Museum" in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verlagen eine eigene Buchreihe herausgibt. Der neueste Band der Edition aus dem Delius Klasing Verlag befasst sich mit dem Wirken und Schaffen Erich Strengers, der das Erscheinungsbild des Stuttgarter Unternehmens im Bereich der "gedruckten Kommunikation" wesentlich geprägt hat. 1952 gründeten Richard von Frankenberg und er die bis heute erscheinende Kundenzeitschrift "Christophorus", zweifellos die beste Zeitschrift auf dem Gebiet der Kundenpflege, die inzwischen in der 380. Ausgabe in elf Sprachen und in einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren auf den Markt kommt. Außerdem gestaltete Strenger zahlreiche Prospekte und Werbeanzeigen für Porsche, bevor er sein eigenes Unternehmen vom für Porsche tätigen Atelier in eine unabhängige Werbeagentur umwandelte. Seinen Lebensabend verbrachte der 1922 geborene Erich Strenger auf Mallorca, 1993 verstarb er. 

Mats Kubiak, Sohn des durch mehrere Bücher über den Porsche 356 und Porsche 911 bekannten Achim Kubiak, zeichnet in sieben Kapiteln das Leben Erich Strengers nach. Nach einem Blick auf Strengers Privatleben bilden die Abschnitte über den „Christophorus“, die Porsche-Prospekte, -Werbeanzeigen und -Rennplakate auf rund 110 Seiten den wesentlichen Teil des Bandes. Beschreibungen zur Werbeagentur Strenger und die Würdigung seiner Freien Arbeiten schließen sich vor einem dreiseitigen Fußnotenverzeichnis an. 

Die Texte sind verhältnismäßig kurz, verraten aber eine sorgfältige Recherche, geben sie doch auch Äußerungen einiger Weggefährten Strengers und auf diese Weise zudem viele Interna der Kommunikationsstrategie bei Porsche wieder. Es spricht für Porsche, dass auch die etwas zwiespältige Trennung von Erich Strenger, die aber immerhin zur großzügigen Übergabe eines 911 führte, nicht ausgespart wird. Und wen es interessiert, wie es zu der für Porsche-Betriebsanleitungen und Prospekte charakteristischen bordeauxroten Farbgestaltung kam, der erfährt ebenfalls unter dem Begriff "HKS17" Aufklärung. 

Das Buch ist in einem kompakten Format gehalten und liegt beim Lesen angenehm in der Hand. Die Kehrseite davon ist, dass die im Original großflächigen Plakate und Prospekte diesem Buchformat entsprechend nur stark verkleinert wiedergegeben werden können. Die Qualität der Reproduktion der rund 195 Abbildungen auf wertvollem offenporigen Papier ist sehr gut, so dass man trotz der reduzierten Größe die prachtvolle grafische Gestaltung der Porsche-Rennplakate von den Läufen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, den 24 Stunden von Le Mans oder aus der CanAm-Serie genauso genussvoll betrachten kann wie die liebevoll ausgeführten Prospekte vom Porsche 904 GTS, vom 911 Carrera RS und all den Varianten des 356. Nicht weniger reizvoll sind die phantasievollen Werbeanzeigen und vor allem auch die abwechslungsreichen und künstlerisch anspruchsvollen Titelblätter des „Christophorus“ - namentlich im Ursprung ja der Schutzheilige der Reisenden, der beim Mitbegründer der gleichnamigen Zeitschrift, Richard von Frankenberg, sowohl auf der Rennstrecke als auch im Straßenverkehr gut zu tun hatte . . . 


Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“

Autor: Mats Kubiak 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Hardcover, 19,2 x 25,6 cm, 192 Seiten, rund 195 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10969-9

Rezension Thomas Nehlert „Porsche Klassik – Ausgabe 11“ und „Porsche Klassik – Ausgabe 11 (Hefte 1-10)“ Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Richard von Frankenberg und Erich Strenger gründeten im Jahre 1952 das Magazin "Christophorus", welches das Porsche-Werk bis heute seinen Kunden inzwischen fünfmal jährlich zukommen lässt. Diese Zeitschrift ist nicht nur die älteste aller PorschePublikationen, sondern gilt nicht ohne Grund als bestes Kunden-Periodikum im AutomobilSektor. Frühe Hefte werden als Sammlerstücke zu immensen Preisen gehandelt. Vom „Christophorus“ sind bis heute 380 Ausgaben erschienen, zuletzt in elf Sprachen mit einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren. 

Seit den 1980er Jahren sind unzählige weitere Titel zum Thema "Porsche" hinzugekommen – von den Blättern der zahlreichen Porsche-Clubs bis zu unabhängigen Zeitschriften in fast allen Ländern, in denen Porsche-Fahrzeuge verkauft werden. Erst jüngst ist in Kalifornien von Pete Stout ein Luxus-Magazin mit dem sich auf die dreiziffrigen Typenbezeichnungen von Porsche beziehenden Titel "000“ ins Leben gerufen worden – das Jahresabonnement mit vier Heften zum grenzwertigen Preis von 350 $.

Der Delius Klasing Verlag, der als sogenannter "Corporate Publisher" auch für den "Christophorus" redaktionell mitverantwortlich ist, bringt seit 2012 das zweimal im Jahr erscheinende Magazin "Porsche Klassik" heraus. Jede Ausgabe hat einen Umfang von 130 Seiten. Der Themenschwerpunkt liegt sowohl auf der Unternehmensgeschichte als auch auf historischen Porsche-Modellen vom 356 über den 911 und die TransaxleFahrzeuge bis zu den Rennwagen. 

Unlängst ist die elfte Ausgabe von "Porsche-Klassik" erschienen, wieder mit zahlreichen Berichten aus der Geschichte des Sportwagenherstellers. Ein Themenschwerpunkt ist der Vergleich dreier Generationen des Porsche 911 Turbo: der 964 3.8 Liter, der 993 und der ganz aktuelle 991/2 zeigen, dass der Turbo in jeder Entwicklungsstufe das Nonplusultra eines alltagstauglichen Hochleistungssportwagens war und ist. So unschuldig die weiße Lackierung der gefahrenen 911 Turbo auch wirkt, so gewaltig ist doch das Leistungsvermögen aller Modelle. Ein weiterer Leckerbissen für die Elfer-Freunde ist der Bericht über den alten 911 R, den seinerzeit Gérard Larrousse pilotierte. Als noch relativ kostengünstiger Einstieg in die Porsche-Welt wird der 944 vorgeschlagen, eine Vorstellung befasst sich mit einem viersitzigen 928-Prototypen, und die Rennsporthistorie findet ihre Berücksichtigung mit einem Artikel über den 904/03. Ein Blick in die US-Szene, zahlreiche Standard-Rubriken und natürlich eine Würdigung Walter Röhrls aus Anlass seines 70. Geburtstages runden das weite Spektrum der Porsche-Themen ab. 

Die Texte stammen wie immer von ausgewiesenen Porsche-Spezialisten, die Illustration auf hochwertigem Papier mit teilweise großformatigen und künstlerisch gestalteten Aufnahmen entspricht dem hohen Qualitätsanspruch des Magazins. 

Zeitgleich mit der elften Ausgabe hat der Delius Klasing Verlag aus Anlass des fünfjährigen Bestehens von "Porsche Klassik" einen Jubiläumsschuber mit den ersten zehn Ausgaben herausgebracht. So kann jeder Porsche-Enthusiast seine Kollektion vervollständigen, und das lohnt sich. Hier nur ein kurzer Ausschnitt einiger Themen der ersten zehn Hefte: 

Nr.1: Die Design-DNA des 911, 550 Spyder – Spurensuche James Dean; 
Nr.2: Ferdinand Alexander Porsche, 911 Targa, 928 GTS, H-J. Stuck in Le Mans; 
Nr.3: Der Turbo, Porsche in Kalifornien, 914, Le Mans 1953; 
Nr.4: 50 Jahre Porsche 911; 
Nr.5: Ikone Porsche 356, Targa Florio, 911 G; 
Nr.6: Porsche in den USA, 911 Speedster G-Modell, 996-Tipps; 
Nr.7: Carrera RS, Vierzylinder: 924-944-968, Mark Webber im Turbo; 
Nr.8: Walter Röhrl: 911 Carrera 2 im Vergleich mit Carrera 4, 30 Jahre 959; 
Nr.9: Mittelmotor-Spezial, McQueen privat in Le Mans; 
Nr.10:911 Carrera Club Sport, Jägermeister 914/6, 50 Jahre Fuchs-Felge. Allein diese nur sehr auszugsweise Übersicht verdeutlicht die große Themenvielfalt der "Porsche Klassik". 

Und wo bekommt man sonst tatsächlich nicht weniger als 1300 Seiten über die Porsche-Historie für nur € 89,- !

Thomas Nehlert

Porsche Klassik Ausgabe 11 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Kartoniert, 23 x 28 cm, 130 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 8,00 

Überall im Zeitschriftenhandel erhältlich Porsche Klassik Jubiläums-Schuber (Ausgaben 1-10) 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 Format und Umfang: Schuber, 23,7 x 29,3 cm, 1300 Seiten Text: Deutsch Preis: € 89,00 

Nur beim Delius Klasing Verlag online bestellbar

Rezension: Peter J. König: VW Käfer Das Buch- Keith Seume - Prestel

Der Autor Keith Seume hat zusammen mit dem Prestel Verlag einen Bildband auf den Weg gebracht, der einen Mythos zum Thema hat. Es geht dabei um das wohl berühmteste Gefährt, das die Automobil-Branche jemals hervor gebracht hat, den Käfer. Sein Erfinder und Konstrukteur Ferdinand Porsche hatte von Hitler persönlich den Auftrag erhalten ein Automobil zu bauen, das im wahrsten Sinne des Wortes ein "Volkswagen" sein sollte, ein Kleinwagen einfach und doch genial konzipiert, der massentauglich, quasi ein Vehikel für jedermann war. 

Mitte der 1930er-Jahre entwarf der innovative Autobauer Ferdinand Porsche ein Konzept, das bis zum Ende der Ära des Käfers immer noch erkennbar ist. Dieser Käfer hat nicht nur Adolf Hitler und das Dritte Reich überlebt, auch dank militärischer Varianten, gegen alle Erwartungen haben die britischen Streitkräfte unmittelbar nach dem Krieg und dem Zusammenbruch der Wirtschaft des "Tausendjährigen Reiches" begonnen, die Wiedergeburt dieses genialen Konstrukts namens Käfer in die Wege zu leiten. 

Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die sich bis zum 30. Juli 2003 dahin zog, als im mexikanischen Puebla das allerletzte Modell vom Band lief. Insgesamt wurden 21 529 464 Käfer produziert. Nur der Toyota Corolla wurde öfters gebaut, hat aber nicht annähernd einen solchen Bekanntheitsgrad und diesen einzigartigen Kult-Status erreicht wie besagter Käfer. Ob als Limousine oder Cabriolet, dieses Auto war der Traum des kleinen Mannes, familientauglich oder gebraucht,  um Studenten die erste eigene motorisierte Fortbewegung zu ermöglichen, sie alle haben ihren Käfer geliebt und waren stolz auf ihn. 

Im Nachkriegs- Deutschland trug er entscheidend zur Massenbeweglichkeit bei und immer noch nach über 50 Jahren und einer stetigen Weiterentwicklung des Modells war die Abstammung und die Handschrift seines Erfinders Ferdinand Porsche klar zu erkennen. Der Käfer hat die ganze Welt erobert, speziell auch die USA als "das" Studenten-Auto, auch Hollywood, wo er Filmgeschichte geschrieben hat, als Hauptdarsteller in mehreren spektakulären Streifen. 

Nachdem in Deutschland die Produktion eingestellt wurde, gab es zunächst noch Modelle überwiegend für den Mittel- und Südamerikanischen Markt, gebaut in Mexiko und Brasilien. Das endgültige Aus kam dann Ende Juli 2003. Heute gelten gut erhaltende Käfer speziell aus den frühen Jahren als begehrte Sammler-Objekte. 

Keith Seume und Prestel haben mit dem Fotoband "VW Käfer Das Buch" eine sehr detaillierte und umfassende Sammlung in Bild und Text zusammengestellt, die bis ins kleinste Detail die Entwicklung des Käfers ganz von den einfachen Anfängen bis zur Ausstattung und Erscheinung des letzten vom Band gelaufenen Modells dokumentiert. Besonders die sehr umfangreiche Palette an Abbildungen sämtlicher Käfer ruft beim aufmerksamen Betrachter, der die aktive Zeit dieses einzigartigen Autos erlebt hat, nostalgische Emotionen hervor. 

Für den Technik-Freak ist die Gesamtheit der Palette mit allen technischen Details interessant, die hier ausgiebig dargestellt wird. Beginnend zunächst mit dem Vorwort, werden folgende Inhalte angesprochen:

Bescheidene Anfänge 
Neubeginn inmitten von Ruinen 
Die Eroberung der Neuen Welt 
Wandel als Konstante 
Neue Horizonte 
Renaissance unter südlicher Sonne 

Danach folgen alle Modelle des Käfers von 1934 bis 1990 und zwar jeweils mit einer Komplett-Aufnahme und vielen Einzel-Ansichten. Dieser Teil umfasst allein 220 Seiten voll mit visuellen Eindrücken und technischen Erläuterungen von den Motordaten bis zur Zahl der hergestellten Fahrzeuge der jeweiligen Modellreihe. Den Abschluss bilden dann "die Details", wo ebenfalls in Wort und Bild akribisch aufgezeigt wird, wie im Rahmen der Modellpflege über die Jahrzehnte der Käfer im Detail verändert und sehr moderat modernisiert wurde. 

Auch hier eine kurze Auflistung:

Motoren 
Räder 
Frontscheinwerfer 
Rückleuten 
Innenspiegel
Türgriffe
Fronthaubengriffe
Kennzeichenleuchten
Fahrtrichtungsanzeiger
Armaturenbrett 

So viel Detail-Liebe ist schon mehr als beachtlich, lässt aber das Herz jeden Käfer-Fans höher schlagen.

Dieser Bildband ist nicht nur eine Hommage an den Käfer, er zeigt eine einzigartige Automobil-Geschichte auf und dokumentiert den gigantischen Erfolg eines Konstrukteurs der zweifellos als genial bezeichnet werden darf.

Mit Ferdinand Porsche begann einst das Unternehmen Volkswagen, das heute mit zu den größten Automobil-Herstellern der Welt zählt. Ohne den Käfer wäre dies alles sicher aber nicht möglich gewesen. 

Sehr empfehlenswert.

Peter J. König

Überall im Handel erhältlich
Online:  Prestel oder Amazon

Rezension Thomas Nehlert "WR 70 – 70 Jahre Walter Röhrl" - Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Zum 70. Geburtstag von Walter Röhrl hat der Delius Klasing Verlag diesen großformatigen Band präsentiert. Es sind in letzter Zeit mehrere sehr gelungene Bücher über Deutschlands Rallye-Legende auf den Markt gekommen, doch WR70 unterscheidet sich vollkommen von den anderen Publikationen. Hier wird nicht die Karriere Röhrls chronologisch nachgezeichnet, hier gibt es keine Rallyeberichte oder Erfolgsstatistiken - nein, hier wird Röhrls Lebenswerk mit rund 80 großartigen Fotos pointiert und doch repräsentativ beleuchtet. 

Es sind fast ausnahmslos erstmals veröffentlichte Abbildungen, allein 59 in einem sich jeweils über zwei Seiten erstreckenden Format. Das reicht von Bildern des jungen Rallyefahrers mit dem Ford Capri und Opel Ascona über die ganze Bandbreite seiner Werkseinsätze für Opel, Fiat, Lancia und Audi bis zu seiner aktuellen Tätigkeit als Porsche-Markenbotschafter und als in die Entwicklung der Stuttgarter Sportwagen eingebundener Versuchsfahrer. Insbesondere die Aufnahmen, die Röhrl als Menschen zeigen, beeindrucken durch die Tiefe ihrer Porträtwiedergabe, und sie spiegeln zudem die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit eines der größten Motorsportlers aller Zeiten wider. Da sieht man Röhrl, wie er die Rallyefahrzeuge über die Pisten peitscht, wie er ebenfalls erfolgreich Ausflüge in den Rundstreckenrennsport unternimmt, wie er sich mit seinen Beifahrern und Teammanagern bespricht, wie er auf dem Fahrrad trainiert und wie er daheim am Schreibtisch - für ihn sicherlich manchmal lästige - andere Arbeiten verrichtet. 

Herrlich die Bilder von einer Fahrt mit dem früheren Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking im Porsche Panamera, einem Motorsport-Skeptiker, der seinerzeit für die wirtschaftliche Gesundung des Familienunternehmens so unendlich viel geleistet hat. Porsche hat dieses Buchprojekt unterstützt, und so ist es kein Wunder, dass man Röhrl auch auf vielen Fotos mit den Sportwagen aus Zuffenhausen sieht. Mir persönlich sind dabei besonders die Aufnahmen von seinen Einsätzen 1981 mit dem Porsche 924 Carrera GTS aufgefallen - sei es in der Deutschen Rallye-Meisterschaft oder bei den 24 Stunden von Le Mans. Röhrls Herz schlägt von Jugend an im Porsche-Takt, und deshalb passt die Äußerung "eine Garage ohne Porsche 911 ist doch ein ödes, leeres Loch!" so hervorragend zu ihm.

WR70 ist jedoch kein reiner Bildband. Acht Wegbegleiter Walter Röhrls - unter ihnen sein langjähriger Copilot Christian Geistdörfer, der renommierte Autor Herbert Völker und der für seine unglaublich guten Rallye-Filmproduktionen bekannte Helmut Deimel - geben in sehr persönlichen Berichten ihre Erinnerungen an den großgewachsenen Regensburger wieder. Und aus diesen jeweils rund vier bis sechs Seiten langen Beschreibungen fügt sich nicht nur das Bild eines begnadeten Motorsportlers sondern auch das einer zutiefst beeindruckenden Persönlichkeit zusammen.

Fotos und Texte sind auf hochwertigem Papier hervorragend reproduziert, auch das Layout des Bandes ist überzeugend. Eine wirklich schöne Hommage an den - kaum glaublich - 70jährigen Walter Röhrl.


WR 70 70 Jahre Walter Röhrl 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Hardcover, 26,5 x 30.5 cm, 200 Seiten, rund 80 Abbildungen
Text: Deutsch Preis: € 29,90 
ISBN: 978-3-667-11021-3 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Peter J. König: Christophorus 378 Porsche Magazin .

Christophorus ist das offizielle Magazin des Sportwagen-Herstellers Porsche. Hier werden Monat für Monat immer wieder neue Beiträge präsentiert, die sich rund um die Kultmarke Porsche drehen. Dabei handelt es sich um alle möglichen Artikel und Reportagen, von der Vorstellung der neusten Modelle aus dem Hause Porsche, über Fahrberichte, wie etwa bei dem hier vorliegenden Heft 4/2016, wo der neue Panamera Turbo seine Prüfung als weltweit schnellste Gran Turismo Limousine auf der Nordschleife des Nürburgrings besteht. 

Die weltumspannende Familie der Porsche-Liebhaber ist vielfältig und facettenreich. Auch dieses zeigt das Christophorus Porsche Magazin, wenn etwa davon berichtet wird, wie Porsche Enthusiasten in Kalifornien frühere Rennsportwagen der Marke mit viel Akribie restaurieren, ebenso aber auch Ersatzteile sammeln, ohne die eine Original-getreue Wiederherstellung gar nicht möglich wäre. Natürlich gibt es ausführliche Berichte von Renn-Einsätzen, überall auf der Welt, wo Porsche-Boliden zum Einsatz kommen. 

Erinnert wird an legendäre Rennfahrer, die für das Haus in Zuffenhausen größte Erfolge eingefahren haben. Auch immer wieder werden ästhetische Momente gezeigt, die einhergehen mit der Stilistik dieser edlen Fahrzeuge, bezüglich ihren Karosserien mit den geschwungenen Linien und der windschnittigen Form. Wie ein Porsche Cayenne seinen Alltag meistert in schwierigen Landschaften, etwa wie hier auf Island, ist ebenso ein Thema, oder aber auch der Bericht, wie der Sohn Jürgen Barth mit dem neuen 718 Boxter S an die legendären Erfolge seines Vaters dem Bergkönig Edgar Barth noch einmal auf der Schauinsland Rennbergstrecke erinnert. Diese und viele andere Geschichten werden im Christopherus Porsche Magazin erzählt. 

Dabei spürt man immer die Nähe zu den Geschehnissen. Hier wird klar, dass die Verfasser der Reportagen mit ganzem Herzblut und hautnah dabei sind. Die Ausgabe 4/2016 wartet allerdings noch mit einer anderen Besonderheit auf. Der Fotograf Martin Schoeller, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter seiner Zunft hat eine Portrait-Reihe entstehen lassen, die mehr als beeindruckend ist. Er hat sechs LMP1-Piloten unmittelbar nach der Ankunft in der Box bei einem Rennen auf dem Nürburgring fotografiert und dabei die unterschiedlichsten Emotionen ausdrucksstark im Bild festhalten können. Es handelt sich um die Werksfahrer Mark Webber, Brendon Hartley, Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani. Authentischer kann der Eindruck von einem Piloten nicht sein, als wenn er unmittelbar nach Ende eines Rennens beim Ausstieg aus seinem Boliden fotografisch eingefangen wird. Und jeder zeigt eine andere Facette seines emotionalen Zustandes, sei es Entschlossenheit, Kampfgeist oder Siegeswille. 

Die Herausgeber des Christopherus haben ein bibliophiles Experiment gewagt, wenn sie die Ausgabe 4/2016 in sechsfacher Ausführung konzipiert haben und dabei jeder Pilot mit seinem Portrait als Cover der gleichen Ausgabe aufgelegt wurde. Um allen 6 Magazinen den geeigneten Rahmen zu verleihen, wurden sie in einen sehr ansprechenden mattschwarzen Einschub integriert. Ergebnis ist die Besonderheit eines Magazins, das sich ideal als Sammel-Objekt eignet. Neben der Fülle von Porsche-Bildbänden ist dies eine bemerkenswert neue Sicht auf das immer präsente Thema: den Porsche. 

Empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Handel erhältlich

Onlinebestellung  Delius Klasing oder Amazon

Rezension Thomas Nehlert "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" und "99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen " - Autoren: Helge Jepsen (Zeichnungen), Michael Köckritz (Text), teNeues Verlag, Kempen, 2016

Jeder Auto-Enthusiast weiß, welche Fahrzeuge sich hinter Begriffen wie "Käfer", "Leukoplastbomber", "Rennpappe" oder "Flügeltürer" verbergen. Aber es gibt sehr viele weitere Automobile, die vom Volksmund oder von ihren Besitzern mit Spitznamen versehen wurden. Der Herausgeber des Automagazins "Ramp", Michael Köckritz, hat in diesem Band insgesamt 99 fahrbare Untersätze und ihre Spitznamen zusammengetragen und nach den sie herstellenden Marken alphabetisch geordnet. Das reicht von der Adler 2.5 Liter Sport Limousine als "Autobahnadler" über die Alfa Romeo Giulia als "Knochenheck", die BMW Isetta als "Knutschkugel", den Glas V8 als "Glaserati" bis zum Mercedes-Benz 300 als "Adenauer" und VW 411 als "Nasenbär" - um nur einige wenige Beispiele anzuführen. Die am stärksten vertretenen Marken sind Ford, Mercedes, Volvo und VW. Die zu den jeweiligen Autos verfassten Texte sind knapp, informativ und unterhaltsam und werden durch die technischen Kerndaten ergänzt. Dabei wird deutlich, dass das mit den Spitznamen zuweilen gar nicht so eindeutig ist: Einige Mobile hatten nämlich mehrere Spitznamen, so z.B. der Messerschmitt Kabinenroller, der nicht nur als "Käseglocke", sondern auch als "Schneewitchensarg" bezeichnet wurde. "Schneewittchensarg" hieß wiederum auch der legendäre Volvo P 1800 ES. 

Jedes der beschriebenen Automobile wird in einer großformatigen und kunstvollen sowie hervorragend reproduzierten Zeichnung dargestellt, der dazugehörige Spitzname durch ein ebenfalls gezeichnetes Symbol verdeutlicht. Zweifellos lebt dieser Band von den wirklich gelungenen Illustrationen des Zeichners Helge Jepsen, deren Anblick Freude bereitet. Es hätte auch das Konzept dieses Buchs durchbrochen, neben die Zeichnungen noch zusätzlich Fotos der Automobile zu platzieren. 

Auf einen Fehler sei dennoch hingewiesen: die Zeichnung zum von 1960-1964 unter dem Spitznamen "Badewanne" produzierten Ford Taunus 17 M zeigt tatsächlich das Nachfolgemodell, das unter Bezugnahme auf die sogenannte "Badewanne" den Namen "Große Wanne" trug. 

Nur kurz nach dem Buch "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" ist auch der vergleichbare Band über 99 Rennsportfahrzeuge und ihre Spitznamen erschienen. In wirklich herrlichen Kunstwerken werden 99 Rennwagen aus allen Bereichen des Automobilsports gezeigt und unter ihren zum Teil volkstümlichen Bezeichnungen beschrieben. Die Zeichnungen sind auch in diesem Folgeband ausnahmslos ein reines Vergnügen und geben die prachtvollen Boliden in der Außenansicht teilweise sehr detailliert wieder. Die Texte gehen sowohl auf die Technik als auch knapp auf die Renneinsätze der Wagen ein und erläutern die Herkunft der zuweilen recht ausgefallenen Bezeichnungen.

Am stärksten ist Porsche mit nicht weniger als 21 Autos vertreten, vom 356 B über diverse 911-Varianten, den Bergspyder und allein fünf 917 bis zum 935. Ferrari und MercedesBenz steuern jeweils sieben Modelle bei, BMW und Chaparral findet man vier Mal. Aber auch ganz ausgefallene Marken wie Ensign, Ligier oder AAR Eagle erfahren eine Würdigung. Das Spektrum reicht von der Formel 1 über Sportwagen und Indycars bis zu einigen Stock Cars der NASCAR-Serie. 

Das ist Motorsportgeschichte, von Michael Köckritz unterhaltsam erläutert an so interessanten Begriffen wie "Entenbürzel", "Batmobil", "Biest von Turin", "Fliegender Ziegelstein", "Moby Dick", "Rosa Sau" oder "Witwenmacher", um nur beispielhaft einige der Spitznamen zu erwähnen. 


99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen 
99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen 

Autoren: Helge Jepsen (Zeichnungen), Michael Köckritz (Text) 
Verlag: teNeues Verlag, Kempen, 2016
Format: Hardcover, 27,5 x 27,5 cm 
Umfang: 208 Seiten, 99 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-8327-3466-4 bzw. 978-3-8327-3467-1 

Überall im Handel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Walter Röhrl – Querlenker – Eine Zeitreise in Bildern“ - Autor: Wilfried Müller, Verlag McKlein Publishing, 2017

Er hat vier Mal die Rallye Monte Carlo gewonnen – auf vier verschiedenen Fabrikaten; er ist Perfektionist. Ihm sind der Wirbel um seine Person und Lobeshymnen ein Gräuel. Viele Motorsportfans stufen seine Fahrzeugbeherrschung höher ein als das Können aller Formel-1-Piloten und liegen damit wohl nicht so falsch. Walter Röhrl hat dem internationalen Rallyesport über Jahrzehnte seinen Stempel aufgedrückt wie kein anderer Fahrer. Jetzt ist er 70 Jahre alt geworden; ansehen tut man ihm das nicht, Anlass für ein wundervolles Buch ist dies jedoch allemal.

McKlein Publishing und die Edition Porsche Museum haben sich – nach dem epochalen Werk über Peter Falk zum zweiten Mal – zusammengetan und einen ohne Einschränkungen zu empfehlenden Band herausgebracht. Schon der Titel eröffnet treffliche Interpretationsmöglichkeiten: "Querlenker" - das Teil aus der Fahrwerkstechnik, das beim Rallyefahren zweifellos beträchtlichen Belastungen ausgesetzt ist, zugleich aber auch die Bezeichnung für den Fahrer, der ein Rallyeauto wie kein Zweiter virtuos bei hohem Tempo zentimetergenau auf abgesperrtem Rallyegeläuf quer durch die Kurven lenkt. Und phonetisch kommt man vom Querlenker geradezu zwingend zum Querdenker. Und ein solcher ist Walter Röhrl ebenfalls: Wie er Motorsport und Naturverbundenheit mit klarem Verstand unter einen Hut bringt, wie er unaufhaltsame Entwicklungen des Zeitgeists aus seiner Erfahrung heraus in Frage stellt – das macht deutlich, dass der Regensburger Rallyefahrer weit über den Tellerrand eigenen Handelns hinausschaut. 

Für die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit des Walter Röhrl hat das vorliegende Buch eine perfekte Form der Darstellung gefunden. Wenn es auch als "Zeitreise in Bildern" tituliert ist, so ist es doch sehr viel mehr als ein reiner Bildband. Den Kernstück des im attraktiven Querformat gehaltenen Buchs stellt der sich über 190 Seiten erstreckende Teil "Röhrl von A bis Z" dar, in dem unter 127 alphabetisch geordneten Stichworten das Leben des Ausnahmemotorsportlers kaleidoskopartig gespiegelt wird. Die Begriffe sind dabei höchst unterschiedlicher Natur, wie die nur beispielhaft herausgesuchten Stichworte zeigen: Aerodynamik und Afrika, Beifahrer Röhrl und Biest, Eifel Rallye Festival und Entdeckung, Golf und Gruppe S Audi, Kadett GT/E und Kussmaul, Lancia und Le Mans, Maß-voll und Monika, Oak Green Metallic und Orange, Schnitzer und Stuck oder schließlich Weltmeister und Wut. Auf diese Weise werden die Motorsportkarriere Röhrls, sein späteres Wirken bei Porsche und auch sein Privatleben abgedeckt. Der Leser erfährt auch viel über Röhrls ausgeprägte und sehr eigene Auffassungen – dieser Mann ist in der Leistung imposant und dennoch im Auftreten bescheiden, er ist von klarer Sicht und doch offen für Neues und Anderes. Und ist es nicht herrlich, wenn in einer Zeit, in der der Fahrer im Alltagsbetrieb von seinem Auto die autonome Fortbewegung beansprucht, ein Mann wie Röhrl von den Porsche 911 der 1970er Jahre schwärmt, die ihrem Fahrer noch Konzentration und Können abverlangten?

Hervorgehoben werden muss bei dieser ungewöhnlichen Biografie folgendes: Das Buch ist in der Museumsedition von Porsche entstanden, es gibt somit auch die besondere Beziehung Röhrls zu dem Stuttgarter Unternehmen wieder. Bis heute ist der Regensburger nicht nur Markenbotschafter, sondern wirkt auch an der Entwicklung neuer Porsche-Modelle mit. Porsche war schon sein Kindheitstraum, der sich durch spätere Renn- und Rallyeeinsätze und heute durch seine aktuelle Tätigkeit zu 100% realisiert hat. Diese Verbindung Röhrl-Porsche ist Gegenstand des ersten 24seitigen Kapitels "Leidenschaft verbindet". In dem nachfolgenden großen Stichwort-Katalog sind zwar auch Ereignisse und Verbindungen zu Porsche enthalten, aber diese dominieren nicht. Im Gegenteil – den großartigen Erfolgen Röhrls mit anderen Fabrikaten wird angemessen breiter Raum gegeben, sei es mit Audi, Fiat, Lancia oder Opel. Und auch seine Fahrten mit Ford oder BMW finden Berücksichtigung. 

Die abschließenden 36 Seiten des Bandes beschreiben unter der Überschrift „1968 bis 1992: Ein Vierteljahrhundert Rallye und Racing“ die aktive Motorsportkarriere Röhrls in einem in sich geschlossenen Bericht und vermitteln dem Leser den Aufstieg dieses "Querlenkers" zum zweifellos vielseitigsten Motorsportler Deutschlands, der nicht nur Rallye-Europameister und zweimaliger Rallye-Weltmeister war, sondern auch für Porsche und Audi ebenfalls erfolgreich Rundstreckenrennen bestritten hat. 

Der Autor Wilfried Müller, auch schon für die Texte des Buchs über Peter Falk verantwortlich, hat tiefgehend recherchiert, lange Gespräche mit Walter Röhrl geführt und die zahlreichen Daten- und Literaturquellen des Historischen Archivs von Porsche gesichtet. Das Ergebnis ist faszinierend und liest sich hervorragend – sei es, dass man den Band in einem Zug von vorn nach hinten durchliest, sei es, dass man punktuell unter den Stichworten des zweiten Abschnitts schmökert. Nicht minder eindrucksvoll ist die Illustration mit über 300 Fotos aus nicht weniger als zehn Archiven. Der Großteil der Abbildungen stammt aus der unerschöpflichen Sammlung von McKlein, dem gigantischen und schon bei so vielen Buchprojekten hilfreichen Historischen Archiv von Porsche und aus der Privatsammlung Walter Röhrls. Die Fotos sind ausnahmslos von brillanter Reproduktion auf sehr gutem Mattglanzpapier, rund 100 Stück im großen Ganzseitenformat. Zum überwiegenden Teil sind sie erstmals veröffentlicht und zeigen sowohl einen ganz jungen als auch einen privaten Walter Röhrl, wie wir ihn bisher so noch nicht zu sehen bekommen haben.

 Außer der hier vorgestellten Ausgabe gibt es noch eine "Limited Edition" im Leinenschuber und von Walter Röhrl handsigniert, die sich zweifellos als besonderes Sammlerstück anbietet. 


Walter Röhrl – Querlenker – Eine Zeitreise in Bildern 

Autor: Wilfried Müller 

Verlag: McKlein Publishing Köln in der Edition Porsche Museum, 2017
Format: Hardcover, 30 x 24 cm Umfang: 256 Seiten, über 300 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 49,90; (Limited Edition € 89,90) 
ISBN: 978-3-927458-91-8; 
(Limited Edition 978-3-927458-92-5?