Rezension Thomas Nehlert: "Deutsche Autos 1945-1975" und "Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986", Autor: Werner Oswald, Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018

Zweifellos gehörte der 1997 verstorbene Werner Oswald zu den großen deutschen Automobilhistorikern und Motorjournalisten. Er schrieb für "auto motor und sport" und verfasste zahlreiche Typengeschichten über deutsche Automobile. Eines seiner Standardwerke war der 1976 erschienene Band "Deutsche Autos 1945-1975", der schließlich bis zum Jahr 2000 zusammen mit anderen Autoren zu einer sechsbändigen Historie von 1885 bis 2000 ausgebaut wurde. Ein zweibändiges Werk von ihm beschrieb die Mercedes-Benz Personenwagen von 1886 bis 1985, das durch zwei weitere Bände über die Folgezeit bis 2002 von Günter Engelen ergänzt wurde. 

Nachdem der Motorbuch Verlag Stuttgart nun 2017 bereits den Typenband über die Personenwagen und Nutzfahrzeuge in der DDR einer Überarbeitung unterzogen hatte, präsentiert er nun im vergleichbaren Format die Neuausgaben von "Deutsche Autos 1945- 1975" und "Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986". Der Aufwand hat sich gelohnt.Beide Bücher überzeugen. Die Größe der Bände hat deutlich zugelegt, was insbesondere der Illustration zugute kommt. Die Texte blieben im Wesentlichen unverändert, was angesichts ihrer inhaltlichen Kompetenz und klaren Darstellung der Fakten nur gut ist. Die Tabellen sind im Layout großzügiger und somit übersichtlicher gestaltet. 

Wer die frühe Zeit der Bundesrepublik mit ihrer Begeisterung für das Automobil miterlebt hat, wird angesichts der Präsentation der Fahrzeuge der Nachkriegszeit in lebendigen Erinnerungen schwelgen. Viele Marken sind inzwischen verschwunden – Borgward, DKW, Glas, NSU oder auch Messerschmitt, Veritas und Zündapp. Der Mercedes-Band deckt sogar die gesamte Pkw-Geschichte der Marke bis 1986 ab – vom ersten Benz Motorwagen über die mächtigen Limousinen und Sportwagen der Weimarer Republik bis zu den repräsentativen Fahrzeugen der Oberklasse und den eleganten Sportwagen in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Es bleibt wirklich kaum eine Frage zu den vorgestellten Fahrzeugen offen, deren "automobile Persönlichkeiten" inzwischen natürlich einer gewissen Verklärung unterliegen, so dass sie uns heutzutage viel attraktiver erscheinen als die modernen Fahrzeuge der aktuellen Produktion. 

Waren die Erstauflagen der besprochenen Bücher auch sehr reichhaltig illustriert, so gaben die Bilder die Autos doch recht gleichförmig in kleinen Schwarzweiß-Aufnahmen wieder. Hier stellen die Neuauflagen einen großen Fortschritt dar. Zahlreiche farbige Bilder auch in größerem Format und insbesondere zeitgenössische Werbeaufnahmen lockern die Illustration auf. Reproduktion und Layout sind erstklassig. Im Mercedes-Benz-Buch ist die Zahl der Fotos mit 1256 Ablichtungen praktisch gleich geblieben, im Deutsche-AutosBand stellen 825 Bilder einen Zugewinn von über 210 Stück dar. Und noch etwas: Litt die Erstauflage des Buchs „Deutsche Autos“ von 1976 unter einer miserablen Klebebindung (heute ist eine ordentliche Klebebindung kein Problem mehr), bei der sich der Band seinerzeit nach mehrfacher Nutzung in seine Blattbestandteile auflöste, so sind nun beide vorgestellten Bände hervorragend verarbeitet und mit einer soliden Fadenbindung versehen. Ein kleiner Kritikpunkt betrifft den Mercedes-Band: Was hat ein Bild der aktuellen CLS-Klasse auf der Rückseite eines Buchs verloren, dessen Historie 1986 endet? Und vielleicht wäre es auch angemessen gewesen, im Mercedes-Buch – so wie in dem Band über Deutsche Autos geschehen – am Anfang kurz ein paar Worte über Werner Oswald zu verlieren.

Es bleibt nur zu wünschen, dass der Motorbuch Verlag entsprechend der früheren Auflagen die aktuelle Buchreihe bis zum Modelljahr 2000 fortführt. Für die Zeit danach lässt sich dieses Format in vergleichbarer Art angesichts der mittlerweile schon fast perversen Modellflut und Variantenvielfalt leider kaum fortsetzen. Die beiden hier vorgestellten Bände jedenfalls gehören in die Sammlung jedes automobilhistorisch interessierten Lesers. 

Thomas Nehlert

Deutsche Autos 1945-1975 
Autor: Werner Oswald 
Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 23,5 x 26,5 cm, 520 Seiten, 825 Fotos, 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN-Nr.: 978-3-613-04102-8 

Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986 
Autor: Werner Oswald 
Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 23,5 x 26,5 cm, 584 Seiten, 1256 Fotos, 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN-Nr.: 978-3-613-04128-8

Rezension Thomas Nehlert: "Heidi Hetzer – Ungebremst leben", Autoren: Marc Bielefeld/ Heidi Hetzer, Ludwig Verlag, München, 2018,

Heidi Hetzer, wer oder was ist diese unglaubliche Frau? Eine Berliner Institution? Das ist viel zu nüchtern. Ein Berliner Urgestein? Um Gottes Willen, dafür ist sie viel zu junggeblieben. Sie gehört einfach zu Berlin so wie der Funkturm nahe der Avus. 

Für ihr gerade erschienenes Buch "Ungebremst leben" bestand nun auch ein wahrhaft beachtlicher Anlass! Mit 77 Jahren hatte sie sich mit einem deutlich älteren Auto, einem Hudson Great Eight Coach des Baujahres 1930, auf den Weg gemacht, um einmal rund um die Welt zu fahren. Am 27. Juli 2014 ging's los am Olympischen Platz in Berlin, und am 12. März 2017 war sie wieder zurück am Brandenburger Tor in Berlin. Dazwischen lagen 960 Tage und rund 85.000 km !

Ihre Erfahrungen auf dieser gigantischen Tour hat Heidi Hetzer nun verarbeitet, und der Autor Marc Bielefeld, ansonsten unter anderem auch für "National Geographic" schreibend, hat ihre Erinnerungen protokolliert und vortrefflich in Buchform gebracht. Wenn man anfängt zu lesen, legt man das Buch nicht so schnell wieder aus der Hand. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen. Man kann es kaum nachvollziehen, was für eine Energie, was für eine Kraft und was für eine Begeisterung diese Frau antreiben. Ihr uraltes Auto hatte schier endlose Macken und Pannen, gab die seltsamsten Geräusche von sich, blieb immer wieder mal stehen – und wurde immer wieder repariert, fahrbar gemacht. Für Heidi war das keine seelenlose Technik, sondern ein vertrauter und fast sensibler Kamerad – ihr "Hudo" 

Von Europa gen Osten nach Asien, über China bis runter nach Singapur, mit dem Schiff nach Australien, weiter nach Neuseeland, von dort an die Westküste der USA, durch die USA und Kanada wieder bis nach Florida, weiter nach Südamerika, dann in den Süden Afrikas und schließlich über Südeuropa wieder zurück nach Deutschland und Berlin – Heidis Erlebnisse sind an Abwechslungsreichtum und Abenteuerlichkeit kaum zu überbieten. Über alle Sprachbarrieren hinweg hat sie sich mit den Menschen verständigt, freundschaftliche Kontakte geknüpft, Probleme gelöst, ist sie im örtlichen Fernsehen aufgetreten, war aufgrund ihres offenen und freundlichen Wesens stets beliebt und hat fast immer Unterstützung erfahren, wenn dies notwendig war. Was sie in erster Linie von ihrer Expedition mitnimmt und sowohl im Buch als auch bei ihrer Ankunft am Brandenburger Tor den Menschen zu vermitteln versucht hat, das ist der Aufruf, eigene Träume zu verwirklichen, auf Fremde zuzugehen, bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben. 

Und Schwierigkeiten hat Heidi Hetzer reichlich gehabt – die Unpässlichkeiten ihres Hudo waren eigentlich ein Klacks im Verhältnis zu der schweren Erkrankung, die bei ihr in Amerika diagnostiziert wurde. Die meisten Menschen hätten das Projekt da sicher abgebrochen – nicht Heidi. Ein Monat Unterbrechung in einem Krankenhaus in Essen und dann wieder zurück nach Südamerika, und weiter ging's – zum Glück wieder gesund! Die offene Art, mit der sie auch mit dieser Lebensphase umgeht, ist mehr als nur bemerkenswert. 

Sie hat den weitaus größten Teil der Reise allein gemeistert. Die zumeist männlichen Begleiter blieben irgendwie über kurz oder lang auf der Strecke neben dieser Powerfrau. Am besten stellte sich wohl noch der in China staatlicherseits beigeordnete Mister Wang an.Der ausführliche Reisebericht ist nie langatmig, nie selbstgefällig, häufig voller schmunzelnder Selbstironie. Er wird an drei Stellen auch noch aufgelockert. Einmal schildert Heidi Hetzer ihren Lebensweg, ihre Kindheit und Jugend, ihre riesige Begeisterung für Motorräder und Autos. Der Leser erfährt von dem väterlichen Automobilgeschäft, das sie übernommen und als bedeutende Opel-Händlerin erfolgreich fortgeführt hat, bis die Umstände um Opel und General Motors sie dazu brachten, das Geschäft an einen anderen Unternehmer weiterzugeben. Außerdem gibt sie einen Überblick ihrer motorsportlichen Laufbahn – von den Avusrennen bis zu den zahlreichen Fernfahrten und Rallyes in Europa, Asien und Amerika. Ich selbst kann mich noch bestens erinnern, wie sie mit einem mächtigen Opel Diplomat V8 Coupé durch die Nordkurve der Avus donnerte - mit spektakulärem Funkenflug, weil der ziemlich weich abgestimmte Wagen in der holprigen Steilkurve immer wieder aufsetzte. 

Nicht minder interessant ist der Bericht über einen etwa einjährigen Aufenthalt in den USA 1961 im Rahmen eines Händleraustauschs. Da gewährt sie auch noch einen Blick in ihr Privatleben und vermittelt voller Begeisterung das zur damaligen Zeit ungewöhnliche Erlebnis einer Durchquerung der USA in einem VW Käfer. In diesem Zusammenhang findet sich im Text ein kleiner sachlicher Fehler: denn ein Freund in Kalifornien konnte sie 1961 kaum mit einem Porsche 911, sondern „nur“ mit einem 356 (wie auch im abgedruckten Foto dokumentiert) in Empfang genommen haben. 

Heidi Hetzer ist wieder zu Hause – aber bestimmt nicht allzu lange. Denn sie plant noch eine Afrika-Durchquerung, mitten durch die Wüste, diesmal aber mit einem etwas moderneren und vierradgetriebenen Auto. Und von der Afrika-Tour wollen wir wieder einen so tollen Bericht wie von der Weltreise.


Heidi Hetzer – Ungebremst leben 
Autor: Marc Bielefeld, Heidi Hetzer 
Verlag: Ludwig Verlag, München, 2018
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 13,5 x 20,5 cm, 368 Textseiten plus 40 Bildseiten mit über 70 Abbildungen Text: Deutsch Preis: € 20,-
 ISBN: 978-3-453-28113-4 
Vertrieb: überall im Buchhandel

Buchvorstellung Thomas Nehlert: "Ferrari", Autoren Pino Allievi u.a., Verlag Taschen GmbH Köln, 2018

Ferrari – kein anderer Name in der Automobil-Welt übt eine größere Faszination aus, weckt eine glühendere Begeisterung und hat einen besseren Klang. Ein Ferrari verkörpert unnachahmliche Eleganz und überragende Leistungsfähigkeit. Ein Ferrari ist für viele Menschen viel mehr als nur ein Auto, er ist ein Kunstwerk auf Rädern.


Um dieser Dimension gerecht zu werden, hat der Verlag Taschen nun ein Produkt präsentiert, das man mit dem Begriff "Ferrari-Buch" nur unzureichend beschreibt. Es ist ein edler Band von gewaltigem Format, der in der sogenannten "Collector's Edition" in einer Präsentationsbox aus Aluminium ruht, die optisch den Eindruck eines Ferrari Zylinderkopfes hervorruft. Das ist nicht etwa ein bloßer Schuber, es ist vielmehr ein überaus edles Behältnis, das sich durch das Aufklappen zweier Deckelhälften öffnet und dann den Blick auf das Buch freigibt. Die Bücher in dieser Edition mit den Nummern 251 bis 1947 sind alle von Piero Ferrari, dem Sohn des Unternehmensgründers Enzo Ferrari, signiert. 

Noch wertvoller in der Ausführung ist die mit den Buchnummern 001 bis 250 versehene "Art Edition". Bei ihr ist der Band sowohl von Piero Ferrari als auch von John Elkann aus der Agnelli-Familie und dem jüngst verstorbenen CEO von Fiat, Sergio Marchionne, signiert. Die Präsentationsbox ruht auf einem über einen Meter hohen skulpturalen Ständer aus verchromtem Stahl, der die Form der Auspuffendrohre eines FerrariRennwagens in künstlerischer Gestaltung wiedergibt.


Beide Ausführungen sind von dem mehrfach ausgezeichneten australischen Industrie Designer Marc Newson geformt worden. Newson, Jahrgang 1963, hat unter anderem auch Möbelstücke designt, wie zum Beispiel seine drei Aluminium-Liegen mit der Bezeichnung Lockheed Lounge. Zwei dieser Liegen erzielten bei Auktionen Preise von bis zu 1,1 Mio. britische Pfund. So erklärt sich auch der exorbitante Preis für das künstlerische Ensemble aus Buch und Buch-Box bzw. Buch-Ständer von 5.000 bzw. 25.000 Euro. Es wäre deshalb müßig, über die Preise zu diskutieren; man erwirbt nicht nur ein Buch, sondern jeweils auch ein Kunstwerk, das sich der einem bloßen Druckerzeugnis zugrunde liegenden Kalkulation entzieht und bei dem man unter Umständen sogar mit einer Wertsteigerung rechnen kann. 

Bei dem Buch handelt es sich um einen handgearbeiteten Band, in Leder gebunden mit einem skulpturellen Ferrari-Cavallino auf dem vorderen Deckel. Auf 514 Seiten im riesigen Format 32,4 cm mal 43,2 cm wird die Faszination Ferrari grandios dokumentiert. Zwei knappe Vorworte haben Piero Ferrari und Sergio Marchionne beigesteuert. 

Redaktioneller Herausgeber des Bandes ist der bekannte italienische Motorsport Journalist Pino Allievi, der bereits zahlreiche Bücher über den Autosport publiziert hat. Er schreibt in der "Gazzetto dello Sport" regelmäßig über motorsportliche Themen und war 1988 Urheber einer vierteiligen Beilage zu Italiens größter Sportzeitung mit dem Titel "Ferrari Racconta", die auch in Buchform erschienen ist und in der zahlreiche Berichte von Enzo Ferrari höchstpersönlich verfasst worden waren. 

Das Buch ist in zwei einführende Artikel und anschließend zehn Kapitel gegliedert. Vier dieser insgesamt zwölf Abschnitte tragen die Handschrift Allievis, die anderen stammen von weiteren, ausnahmslos namhaften, italienischen Motorjournalisten, wie zum Beispiel Luca Dal Monte (bekannt durch seine epochale Biografie über Enzo Ferrari), Gianni Cancellieri, Alessandro Giudice, Daniele Bresciani, Mario Donnini, Daniele Pellegrini, Giorgio Terruzi und Paolo Artemi. 

Jedes Kapitel beginnt mit einem Textteil, zwischen acht und 16 Seiten lang. Innerhalb des Textes sind zahlreiche Fotos kleineren Formats integriert, bevor jeweils ein Originalzitat Enzo Ferraris den Übergang zum umfangreichen Bildteil vermittelt. Die Texte sind durchgehend in roter Schrift und englischer Sprache verfasst.

Das Spektrum deckt alle bedeutsamen Ferrari-Themen ab – die zeitlose Schönheit und Eleganz der Ferrari-Sportwagen, die Gründung des Unternehmens nach dem zweiten Weltkrieg, die packende Lebensgeschichte Enzo Ferraris mit all ihren Höhen und Tiefen, die großen Rennfahrer und das lebensgefährliche Risiko des Automobilsports, die bedeutenden Sportwagen-Langstreckenrennen wie Le Mans und Targa Florio, die technischen Innovationen und den technische Fortschritt bei Ferrari, die Talentschmiede Ferrari vom Rennfahrer bis zum Ingenieur und Rennleiter, die prominenten Ferrari- Kunden, die Entwicklung des Unternehmens nach Enzo Ferrari. All diese Themen werden angerissen und in ihren wesentlichen Aspekten behandelt – voller Kompetenz und Begeisterung. Dies geschieht zum Teil in einer fast essayistischen Form, die den Wesenskern des Themas für den Leser nachvollziehbar erfasst. Ohne dass alle Details der Historie eingebaut werden, wird deutlich, was für eine Persönlichkeit Enzo Ferrari war, was ihn antrieb, was ihn aber auch zuweilen in die Abgründe tiefer Verstimmung führte. Und dem Leser wird anhand der Geschichte des Unternehmens, der begeisternden Technik der Ferrari-Fahrzeuge und der absolut tragenden Rolle Ferraris in fast allen Sparten des Automobilsports erklärt, was die einzigartige Faszination Ferrari ausmacht.
Ganz wesentlicher Bestandteil des Prachtbandes ist seine Illustration. Nur die besten großen Sammlungen des Motorsports haben ihre Bilder zur Verfügung gestellt, beispielhaft seien hier das Archiv Jesse Alexander, das Archiv Louis Klemantaski, die Bilder von Rainer W. Schlegelmilch und Getty Images erwähnt. Insgesamt zieren 444 Abbildungen dieses Werk, darunter 69 Fotos im ganzseitigen und 50 im sogar doppelseitigen Format, was einer Größe von 64 x 43 cm je Aufnahme entspricht. 

Zu einer so atemberaubenden Illustration kann eine Buchvorstellung natürlich nur ein paar Anhaltspunkte liefern. Zahlreiche Bilder zeigen Enzo Ferrari und verdeutlichen seinen Werdegang vom jungen und ehrgeizigen Rennfahrer bis zum erfolgreichen Unternehmer, der nur ein Ziel kannte: mit dem Verkauf seiner luxuriösen Sportwagen den Einsatz möglichst siegreicher Rennwagen zu finanzieren. Wir sehen ihn als 21jährigen am Steuer eines CMN bei der Targa Florio 1919, als Leiter der Scuderia Ferrari in den 1930er Jahren, in seinem Werk in Maranello zwischen zahlreichen gerade produzierten Ferrari 250 GTE und als hochbetagten Chef in seinem Büro. Das Buch enthält auch eindrucksvolle Reproduktionen von Originaldokumenten – sei es die Fahrerlizenz Enzo Ferraris, seien es einige seiner handschriftlichen Tagebuchaufzeichnungen oder großformatige Schnittzeichnungen des Ferrari 125 S.

Doppelseitige Fotografien zeigen einen herrlichen Ferrari 166 MM vor der Villa d'Este, einen Ferrari 330 P4 und einen modernen Ferrari F12. Noch eindrucksvoller erscheinen die Rennsportaufnahmen sowohl von den Rennen der Formel 1 als auch ganz besonders von den Sportwagenrennen in Le Mans, Daytona, Sebring, am Nürburgring oder auf Sizilien bei der Targa Florio. Da wird nicht nur die Rennaction eingefangen, sondern durch Integrierung der Zuschauer auch das faszinierende Ambiente des Rennsports vergangener Zeiten. Alle großen Rennfahrer der Scuderia Ferrari finden ihre im Bild und Text festgehaltene Würdigung: die Weltmeister Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorne, Phil Hill, John Surtees, Niki Lauda, Jody Scheckter, Michael Schumacher, Kimi Räikkönen – aber auch Eugenio Castellotti, Lorenzo Bandini, Jacky Ickx, Gilles Villeneuve und Sebastian Vettel. In dem Kapitel über das Unternehmen nach dem Tod Ferraris erfährt auch die überragende Leistung und Bedeutung Michael Schumachers für Ferrari eine angemessene Darstellung. Viele Fotos werden nach Angaben des Verlags erstmals veröffentlicht. Unter die Haut gehen einige Aufnahmen von Unfällen im Rennsport, besonders die Ablichtungen von Bandinis schrecklichem und schließlich tödlichen Feuerunfall beim Grand Prix von Monaco 1967. Bei einigen Bildern sieht man den Fahrern während ihres Einsatzes im Rennwagen fast in die Augen, so brillant sind einzelne Momente fotografisch festgehalten, zum Beispiel Mike Hawthorne im Jahr 1958 oder John Surtees im Ferrari 158 1964.

Man könnte noch unzählige weitere Fotos von den traumhaften Straßensportwagen, den erfolgreichen Rennwagen, den großen Fahrern und vor allem vom unvergessenen Enzo Ferrari erwähnen – zu reichhaltig und abwechslungsreich ist die Auswahl fotografischer Kunstwerke in diesem Buch, um sie hier noch detaillierter zu beschreiben.


Es ist selbstverständlich, dass Text und Illustration auf bestem Papier in höchster Qualität wiedergegeben werden und dass der große und gewichtige Band erstklassig verarbeitet ist. 

So fügen sich dieses Buch und seine ganz außergewöhnliche Präsentation zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, das seinesgleichen sucht und einem – leider – nur sehr kleinen Kreis begeisterter Ferraristi vorbehalten bleiben wird, einem Kreis, der noch deutlich überschaubarer ist, als der der Ferrari-Kunden. 

Ferrari 
Herausgeber: Pino Allievi 
Autoren: Pino Allievi, Alessandro Giudice, Daniele Bresciani, Luca dal Monte, Gianni Cancellieri, Mario Donnini, Daniele Pellegrini, Giorgio Terruzzi, Paolo Artemi 
Fotos: Jesse Alexander, Getty Images, Louis Klemantaski, Rainer W. Schlegelmilch, SpA Ferrari und andere Archive 
Verlag: Taschen GmbH, Köln, 2018 

Collector's Edition (Nr. 251-1947) 
Format und Umfang: Hardcover, Ledereinband, 32,4 x 43,2 cm, 514 Seiten, 444 Fotografien, umschlossen von einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, signiert von Piero Ferrari 
Text: Englisch Preis: € 5.000,- 
ISBN: 978-3-8365-6577-6 Art Edition (Nr. 1-250) 

Format und Umfang: Hardcover, Ledereinband, 32,4 x 43,2 cm, 514 Seiten, 444 Fotografien,umschlossen von einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium und auf einem ebenfalls von Marc Newson entworfenen skulpturalen Buchständer aus verchromtem Stahl in Form von Auspuffendrohren stehend (55 x 57 x 110 cm), signiert von Piero Ferrari, John Elkann und Sergio Marchionne 
Text: Englisch Preis: € 25.000,- 
ISBN: 978-3-8365-6579-0 
Vertrieb: www.taschen.com


Rezension Thomas Nehlert: Alfa Romeo Tipo 105 (die Giulia-Baureihe) „Alfa Romeo Giulia“, „Alfa Romeo Giulia GT“, „Alfa Romeo Spider“, „Alfa Romeo Montreal“, „Alfa Romeo Junior Z“, „Alfa Romeo Arese“, Autor: Patrick Dasse, Carl W. Dingwort Verlag, Hamburg, 2018, insgesamt 6 Bände

Patrick Dasse hatte sich mit seinem gewaltigen insgesamt fünfbändigen Standardwerk "Alleggerita" über die Entwicklung und Renngeschichte des Alfa Romeo GTA als einem der erfolgreichsten Fahrzeuge in der Geschichte des Tourenwagensports bereits einen Namen gemacht. 

Nun präsentiert er in fünf Bänden die Geschichte der legendären Baureihe 105 von Alfa Romeo, bekannter unter dem Modellnamen "Giulia". Dazu kommt ergänzend ein Band über die Produktionsstätte der Giulia in Arese. Diese Historie deckt einen Zeitraum von 1962 bis 1977 ab, in dem Alfa Romeo äußerst erfolgreich war und in Deutschland als echte Konkurrenz zu BMW wahrgenommen wurde. 

Alle sechs Bände sind zweisprachig in Englisch und Deutsch verfasst und hervorragend verarbeitet. Druck und Bildreproduktion erfolgen auf hochwertigem Mattglanzpapier in bester Qualität. Die Illustration des gesamten Buchwerks ist schlicht gigantisch. 2019 Fotos auf über 2200 Seiten lassen keinen Aspekt der Modellentwicklung der diversen Giulia-Baureihen unberücksichtigt. Es handelt sich ausschließlich um zeitgenössische Fotos aus den 1960er und 1970er Jahren, die ein unglaubliches Maß an Authentizität vermitteln. Dementsprechend überwiegen die Schwarzweiß-Aufnahmen, von denen ohnehin ein ganz besonderer Reiz ausgeht. Es ist deshalb auch kein bedeutender Mangel, dass einige der Farbfotos – offenbar bedingt durch ihr Alter – etwas rotstichig sind. Die Abbildungen sind zum großen Teil im ganzseitigen Querformat gehalten und spiegeln nicht nur den optischen Reiz der Alfa Romeo wider, sondern beleuchten auch sämtliche technische Details in einer Vielfalt und Genauigkeit, die ihresgleichen sucht. Ob Kühlergrill oder Kofferraum, ob Motorblock oder Unterboden, ob Armaturenbrett oder Türverkleidung, ob Bremsen, Rückbank, Pedalerie oder Vordersitze – praktisch alle wesentlichen und somit zur Unterscheidung der Baureihen geeigneten Merkmale werden erkennbar gemacht. Immer wieder begeistern natürlich die Aufnahmen, die die ausnahmslos optisch so reizvollen Alfa in ihrer Gesamtansicht vor abwechslungsreichen Hintergründen zeigen – auf Ausstellungen, in Landschaften eingebettet oder einfach auf dem Werksgelände. 

Der Autor hatte die Gelegenheit, in den namhaftesten Archiven zum Thema Alfa Romeo zu stöbern. Besonders hervorgehoben muss in diesem Zusammenhang das Centro Documentazione von Alfa Romeo Automobilismo Storico in Arese, das großzügig Fotos zur Verfügung stellte, die zuvor noch nie öffentlich gezeigt worden sind. Allein die Zusammenstellung dieses überwältigenden Bildmaterial zeugt von einer gewaltigen Recherche Patrick Dasses. 

Aber natürlich sind die fünf Bände über die verschiedenen Modelle der Baureihe 105 keine reinen Bildbände. Es werden alle Stufen der Modellentwicklung detailliert beschrieben, alle technischen Daten festgehalten und zum großen Teil auch die technischen Überlegungen, die den Entwicklungen zugrunde lagen, dargestellt. Hierbei muss man berücksichtigen, dass diese Automobilhistorie nun rund 50 Jahre zurückliegt, so dass es umso bemerkenswerter ist, dass der Autor nicht zuletzt dank der Unterstützung von Alfa Romeo derartig viel technische Einzelheiten und Entwicklungswissen zusammentragen konnte. 

Den umfangreichsten Teil der Modellgeschichte machen die beiden Bände über die GiuliaLimousine und das Giulia GT-Coupé aus. Die klassische Giulia gehört bis heute zweifellos zu den legendärsten Fahrzeugen der Automobilgeschichte und führt bei historischen Veranstaltungen noch immer zu glänzenden Augen bei den Alfa-Romeo-Fans. Dasse beschreibt in seinem Buch in chronologischer Reihenfolge nicht weniger als 13 Grundmodelle mit 40 Typ-Varianten. Hilfreich ist dabei auch, dass er die Entstehung der Ziffernfolgen bei der Typbezeichnung in einem ausführlichen Vorwort erklärt. Das von Bertone gestaltete GT-Coupé ist ein wahrer Sportwagen-Klassiker und ein echter "Hingucker". Im Gegensatz zur Limousine deckt es bis zum Ende seiner Entwicklung auch die Motorvarianten 1750 und 2000 ab. Außerdem wird in dem Band "Giulia GT" unter den insgesamt 30 GT-Versionen auch auf den GTA eingegangen sowie auch auf den offenen GTC. Alle Varianten werden auch hier mit ihrer Technik eingehend beschrieben und in all ihren Details hervorragend fotografisch wiedergegeben. 

Im Band über den Alfa Romeo Spider beschränkt sich Patrick Dasse mangels weitergehenden Bildmaterials auf die ersten beiden Generationen bis zum Jahr 1977. Die Entwicklung vom besonders attraktiven Urspider mit seinem rundlichen Heck zum "begradigten" Fastback wird ebenso nachvollzogen wie die "Aufrüstung" vom 1300 und 1600 zum 1750 und 2000, wobei auch die US-Versionen wie schon beim GT jeweils eine besondere Würdigung erfahren. 

Manch Leser mag sich fragen, was in diesem Zusammenhang der 105-Baureihe der Alfa Romeo Montreal zu suchen hat – ein mächtiger Sportwagen mit V8-Motor auf dem Leistungsniveau eines Porsche Carrera 3.0. Nun, dieses Fahrzeug war zunächst als Ausstellungsstück für die Weltausstellung Expo 1967 in Montreal vorgesehen, mit einem Vierzylinder-Motor und der Typenbezeichnung 105.64. Und so gehört er nun einmal zur Baureihe Tipo 105. Es werden sowohl das Vorserienmodell als auch die schließlich in Produktion gegangene Version ausführlich beschrieben und illustriert. Das ist eine sehr abwechslungsreiche und hochinteressante Geschichte, die durch eine Darstellung der Renneinsätze des Montreal bei mehreren Sportwagenrennen und vor allem durch großartige Farbaufnahmen gekrönt wird. 

Der fünfte Band der 105-Typologie befasst sich mit dem Junior Z Coupé, das von 1970 bis 1975 in Zusammenarbeit mit Zagato entstand, erst als 1300 und dann als 1600. Die Kooperation mit Zagato hatte bei Alfa Romeo nicht zuletzt aufgrund des bekannten Rennsportwagens TZ und TZ2 („Tubolare Zagato“) Tradition. Die von den anderen Modellen übernommene Technik dieses kleinen, formal ungewöhnlichen Sportwagens wird wiederum genau dargestellt, wie auch die zahlreichen Fotos das unkonventionelle Design trefflich wiedergeben. 

Ein Leckerbissen der besonderen Art ist der sechste Band der Reihe, der als Ergänzung zur Historie der Tipo-105-Baureihe das Alfa-Romeo-Werk Arese beschreibt. Angesichts der steigenden Verkaufszahlen reichte Anfang der 1960er Jahre die Produktionsstätte in Portello nicht mehr aus, so dass sich Alfa Romeo entschloss, in Arese außerhalb Mailands ein neues Werk zu errichten, das 1963 seinen Betrieb aufnahm. Dorthin wurde die Herstellung der Giulia-Baureihe zügig verlegt. Patrick Dasse beschreibt in knappen aber vollkommen ausreichenden Texten nicht nur die Entstehung des Fabrikgebäudekomplexes, sondern auch alle einzelnen Schritte bei der Herstellung der Fahrzeuge in Arese von der Giesserei und Schmiede über den Komponentenbau, die Blechstanze, die Karosseriefertigung, die Lackiererei und die Innenraumherstellung bis zur Endabnahme und Fahrzeuglagerung. Dazu kommen Berichte über das Ersatzteillager, die Schulungsabteilung und die Fahrzeugentwicklung sowie die Teststrecke in Balocco. Der Schwerpunkt dieses Buchs liegt eindeutig auf den 364 Schwarzweiß-Fotos, durchgehend im ganzseitigen Format. Dieser Band ist weniger ein Autobuch als vielmehr eine Dokumentation zur Industriegeschichte im Italien der 1960er Jahre. Die atmosphärisch dichten Fotos zeigen nicht nur die Technik und den Herstellungsprozess, vielmehr blickt der Betrachter auch in die von Einsatz und Begeisterung gezeichneten Gesichter der Beschäftigten. Fotos dieser Art aus einem Produktionsprozess dürften in dieser Menge und Qualität bisher nur selten veröffentlicht worden sein. Sie stammen alle aus dem Archiv des Werkes und sind zwischen 1963 und 1972 aufgenommen worden. Sie zeigen eine für diese 50 Jahre zurückliegende Zeit bemerkenswerte Industriekultur. Nach der Übernahme von Alfa Romeo durch den Fiat-Konzern 1986 wurden Teile der Fiat-Produktion nach Arese verlegt, bevor das Werk etwa 20 Jahre später geschlossen wurde. Heute befindet sich in Arese das neue Alfa Romeo Werksmuseum. 

Die sechsbändige Buchreihe zur Alfa-Romeo-Baureihe 105 und ihrer Produktionsstätte ist mit insgesamt 534,- Euro sicherlich nicht billig. Angesichts des Gebotenen ist sie für die „Alfisti“, die sich ihr "Cuore Sportivo" mit der dazugehörigen Begeisterung für die Marke erhalten haben, aber ein echter Gewinn. 


Alfa Romeo Tipo 105 (die Giulia-Baureihe) 
Autor: Patrick Dasse 
Verlag: Carl W. Dingwort Verlag, Hamburg, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, jeweils 25,5 x 22,5 cm, 
                                    "Alfa Romeo Giulia", 528 Seiten, 487 Fotos, € 119,- 
                                    "Alfa Romeo Giulia GT", 528 Seiten, 479 Fotos, € 119,- 
                                     "Alfa Romeo Spider", 312 Seiten, 256 Fotos, € 79,- 
                                     "Alfa Romeo Montreal", 264 Seiten, 254 Fotos, € 69,- 
                                     "Alfa Romeo Junior Z", 192 Seiten, 179 Fotos, € 59,- 
                                     "Alfa Romeo Arese", 384 Seiten, 364 Fotos, € 89,- 
                                      Text: Englisch und Deutsch 
                                      Preis: € 534,- (für alle sechs Bände) 
                                      Vertrieb: www.dingwort-verlag.de

Rezension Thomas Nehlert: "Enzo Ferrari - Power, Politics, and the Making of an Automotive Empire -" , Autor:Luca Dal Monte; David Bull Publishing, Arizona, 2018;

Es gibt weit über 1000 Buchtitel zum Thema "Ferrari". Auch die Anzahl der Biografien über Enzo Ferrari ist beachtlich. Da sind zunächst einmal die zahlreichen unterschiedlichen Ausgaben der Auto-Biografie, die Enzo Ferrari erstmals im Jahr 1962 unter dem vielsagenden Titel "le mio gioie terribili" herausbrachte, 1964 vom damaligen Verlag "Moderne Industrie" in München auch auf Deutsch präsentiert. Nach sechs Auflagen wechselte der Titel im März 1970 in "le briglie del successo", bevor im Jahr 1974 das sogenannte "Red Book" erschien - eine großformatige und reichhaltig illustrierte Neuauflage, die sich zu einem sehr raren Sammlerstück entwickelte, da sie nur an einen ausgewählten Kunden- und Freundeskreis verschenkt wurde. 1976 verfasste Enzo Ferrari unter dem Titel "il flobert" ein sehr unterhaltsames Buch über italienische Motor-Journalisten, mit denen ihn eine wahre Hassliebe verband. 1979 und 1980 folgten zwei Neuauflagen seiner Erinnerungen mit der Bezeichnung "Ferrari 80", bevor der Prachtband "piloti che gente . . ." das schriftstellerische Werk Enzo Ferraris 1983 krönte. Neben der gesuchten OriginalWerksausgabe mit 360 Seiten gab es nach und nach deutsche und englische Editionen und - schließlich in fünfter Auflage - eine stark erweiterte 500 Seiten dicke Fassung. Der Schwerpunkt der Ausführungen Enzo Ferraris lag, wie der Titel verrät, auf den Rennfahrern, mit denen er im Laufe seines Lebens Kontakt hatte. 1998 schob Giorgio Nada Editore noch einen großformatigen Bildband über Enzo Ferrari nach; in "Enzo Ferrari - una vita per l'automobile" waren die teilweise aus Ferraris Privatarchiv stammenden Fotos mit von dem Commendatore seinerzeit verfassten Bildunterschriften versehen.

Diese autobiografischen Bände sind - glücklich und gewollt - durch die subjektive Sicht des Commendatore geprägt. Selbstverständlich aber haben sich auch mehrere Autoren mit dem Leben des großen Italieners befasst. Hervorzuheben ist insoweit der 1988 publizierte Band "Ferrari - l'Unico" von Gino Rancati (auch auf Deutsch und Englisch verlegt), einem italienischen Journalisten, den eine tiefe Freundschaft mit Ferrari verband und der deshalb auch einen fast intimen Einblick in das Leben Ferraris hatte. Gleiches gilt für den großformatigen Band von Ferraris langjährigem Pressesprecher und Vertrauten Franco Gozzi "Memoirs of Enzo Ferrari's Lieutenant" von 2002. Durch eine journalistische Distanz objektiver ist die Biografie von Richard Williams "Enzo Ferrari" aus dem Jahr 2001. Ein wirklich nicht empfehlenswertes Machwerk, das das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt wurde, ist der Band "Enzo Ferrari - the Man, the Cars, the Races" von Brock Yates aus dem Jahr 1991. Yates, ein inzwischen verstorbener früherer Chefredakteur der Zeitschrift "Car&Driver", hatte zwar durchaus eingehend recherchiert, wurde dann aber von seinem Ferrari-Hass getrieben und erging sich in einer teilweise weit unter der Gürtellinie liegenden Verbreitung von Gerüchten und Vermutungen. Das ist keine sachliche Kritik an der sicher zuweilen polarisierenden Persönlichkeit Ferraris, sondern eine blanke Schmähschrift.

Diese - sicherlich unvollständige - Darstellung der früheren Literatur über Enzo Ferrari verdeutlicht, dass es bisher wirklich noch keine erschöpfende, auch hohen Anforderungen entsprechende und im Rahmen sachlich-kritischer Würdigung auch faire Biografie über den Gründer des berühmtesten Rennwagenunternehmens der Welt gibt. Das hat sich mit dem Erscheinen des rund 1000seitigen Buchs von Luca Dal Monte gründlich geändert !

Luca Dal Monte, 1963 geboren, mit Hochschulabschluss an der Universität von Kentucky, war im Bereich der Presse-Kommunikation bei Peugeot, Toyota, Pirelli, Ferrari und Maserati sowohl länger in den USA als auch in Italien tätig. Er hat bisher rund zehn Bücher zu Themen des Motorsports verfasst, unter anderem auch den Roman "La Scuderia", für den die Geschichte der Scuderia Ferrari in den 1930er Jahren die Vorlage geliefert hatte. Nun hat Dal Monte über zehn Jahre recherchiert, unzählige Quellen aufgetan und gesichtet und zahlreiche Zeitzeugen interviewt, um diese gigantische Biografie über Enzo Ferrari zu erstellen, die 2016 unter dem Titel "Ferrari Rex" im Verlag Giorgio Nada Editore in italienischer Sprache erschienen ist. Im Frühjahr 2018 hat das renommierte amerikanische Verlagshaus David Bull Publishing die englischsprachige Version herausgebracht.

Um es vorwegzunehmen: Das ist das Standardwerk über das Leben Enzo Ferraris, das die bisher vorhandene Literatur zwar nicht überflüssig macht, aber doch ausnahmslos in den Schatten stellt. 1032 Seiten, 40 Seiten Index und nicht weniger als 2636 Fußnoten als Quellenverweise verdeutlichen, mit welch wissenschaftlicher Akribie hier gearbeitet worden ist. Einem Vorwort von Luca di Montezemolo schließen sich 48 Kapitel an, in denen das Leben Enzo Ferraris von der Geburt am 18. Februar 1898 bis zum Tod am 14. August 1988 chronologisch und bis ins Detail nachvollzogen wird. Ein Post Scriptum zeigt in knapper Form auf, welche motorsportlichen Erfolge das Unternehmen Ferrari nach dem Tod des Firmengründers erzielt hat und wie wirtschaftlich solide sich das Ferrari-Werk heute präsentiert.

Schon im ersten Kapitel räumt Luca Dal Monte mit der Legende auf, ein schwerer Schneesturm in Modena im Februar 1898 hätte die taggenaue Registrierung der Geburt Enzo Ferraris am 18. Februar verhindert - zu dieser Zeit lag in Modena kein Flocke Schnee. Genau beschreibt der Autor die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Norditalien zur Jahrhundertwende, schildert die ersten Kontakte des jungen Enzo mit dem Automobil und dem Automobilsport, der ihn sofort in seinen Bann zog. Kindheit und Jugend Ferraris, seine Bindungen an das Elternhaus, der frühe Verlust von Bruder und Vater und sein Weg in die Selbständigkeit schon in jungen Jahren werden bis ins Detail dokumentiert. Nach dem ersten Weltkrieg knüpfte der schon damals überaus eloquente und zielstrebige Italiener wesentliche Kontakte zu Ingenieuren und auch Rennfahrern in Turin. Im Alter von 26 Jahren hatte er seinen ersten eigenen Betrieb auf die Beine gestellt, der sich mit dem Aufbau von Karosserien auf vorgefertigten Chassis beschäftigte. Wenngleich sein Unternehmen "Carrozzeria Emilia" schlussendlich in die Liquidation ging, so war diese schmerzhafte Erfahrung für Ferrari doch mehr als lehrreich. Parallel startete er eine Karriere als Rennfahrer, in der ihm auf den Fahrzeugen von CMN und insbesondere Alfa Romeo durchaus beachtliche Erfolge auf italienischen Rennstrecken bis hin zur Targa Florio beschieden waren.

Genau beleuchtet Dal Monte die Gründung und den Aufbau von Ferraris eigenem Rennstall, der "Scuderia Ferrari" im Jahre 1929 sowie die Hintergründe seines vorübergehenden Rücktritts als Rennfahrer. Ursprünglich hatte Ferrari die Absicht, seine Scuderia nach seiner Heimatstadt Modena mit deren lateinischem Namen "Mutina" zu benennen, rang sich dann aber doch zu der Verwendung des eigenen Familiennamens durch. Die Scuderia Ferrari setzte zunächst parallel zum Alfa-Werk Rennfahrzeuge von Alfa Romeo ein, bevor sie nach dem werksseitigen Rückzug von Alfa quasi zum Werksrennstall des italienischen Unternehmens aufstieg. Zu allen großen italienischen Rennfahrern - Campari, Antonio Ascari, Varzi und vor allem Tazio Nuvolari - hatte Enzo Ferrari enge Verbindungen, viele von ihnen fuhren zeitweise für seinen Rennstall. Gleiches galt für die großen Ingenieure wie Bazzi, Jano und deutlich später Lampredi und Colombo. 1939 erfolgten die schmerzhafte Trennung von Alfa Romeo und der Übergang der Scuderia Ferrari zu einem vollkommen unabhängigen Rennstall, der fortan in Konkurrenz zu Alfa stand.

Das ständige Auf und Ab, die Überwindung von Krisen und Niederlagen, der von brennender Begeisterung getragene Kampf um die Vorherrschaft auf den Rennstrecken und die mit diesem Bestreben verbundenen Auseinandersetzungen mit den Ferrari umgebenden Menschen beschreibt Luca Dal Monte haarklein und belegt seine Ausführungen stets durch Zitate und Quellenangaben. Dabei spart er das außerhalb des Lebens als Rennfahrer und Unternehmer gelegene Geschehen nicht aus. Er verdeutlicht, dass Enzo Ferrari sehr gut in der Lage war, mit den jeweiligen politischen Strömungen zu spielen und diese zum Nutzen seines Unternehmens einzusetzen. Insoweit ähnelte er Ferdinand Porsche, der wie Ferrari an sich ein unpolitischer Mensch war, aber die Bedeutung politischer Beziehungen sehr wohl erkannt und genutzt hatte. Bis ins hohe Alter pflegte Ferrari einen sehr geschickten Umgang mit den Gewerkschaften und erreichte es so, dass sein Werk von den in Italien doch häufigen Streiks nur sehr eingeschränkt betroffen war.

Ein weiterer Fixpunkt im Leben Ferraris war sein Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Auch da war er ein Getriebener. Ferrari und die Frauen - allein das würde ein ganzes Buch füllen. Mit Laura war er seit April 1923 verheiratet, und die Ehe hatte bis zum Tod seiner Frau 1978 Bestand. Allerdings war das Verhältnis schon früh durch ein psychisches Leiden Lauras beeinträchtigt. So sehr Enzo bemüht war, ein geordnetes Eheleben aufrechtzuerhalten, so sehr ging er doch seiner Neigung nach, Verbindungen zu anderen Frauen aufzunehmen. Es ist erstaunlich, wie viele Erkenntnisse der Autor auch in diesem Zusammenhang zusammengetragen hat. Es entsteht so ein sehr vielschichtiges und - für manchen Leser - auch zwiespältiges Bild von Enzo Ferrari. Mit seiner Ehefrau hatte Enzo seinen 1932 geborenen Sohn Alfredo, genannt Dino; aus der Beziehung mit Lina Lardi ging 1945 sein zweiter Sohn Piero hervor.

Dino litt seiner Geburt an einer schweren Erkrankung aus der Gruppe der Muskeldystrophien, die nach langem Leiden 1956 zu seinem frühen Tod führte. Der Tod Dinos, der der Leidenschaft seines Vaters für den Rennsport und insbesondere die Konstruktion von Rennmotoren gefolgt war, stellte für Enzo Ferrari den schmerzhaftesten Verlust seines Lebens dar, über den er bis zu seinem eigenen Tod nie hinweggekommen ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg trat Ferrari mit seinem Rennteam in der neu geschaffenen Formel-1-Weltmeisterschaft und bei den großen Sportwagenrennen, die stets seine besondere Leidenschaft waren, an. Zuvor hatte er seinen ersten in voller Eigenverantwortung hergestellten Sportwagen vorgestellt. Der Typ "815" trug noch nicht den Namen Ferrari, allerdings schon wie in den Jahrzehnten zuvor die Rennfahrzeuge der Scuderia Ferrari das Zeichen des springenden Pferdes im Wappen. Natürlich gibt Dal Monte auch eine genaue Darstellung der Herkunft und Verwendung dieses Markenzeichens, das der italienische Kampfflieger Francesco Baracca auf seinem Flugzeug im ersten Weltkrieg angebracht hatte.

Der Aufstieg Ferraris zur Weltmarke - sei es als Produzent der namhaftesten Hochleistungssportwagen, sei es als erfolgreichstes Unternehmen im Automobilsport - füllt rund 500 Seiten in dem Buch Dal Montes. Dabei stehen - bei einer Biografie nachvollziehbar - weniger technische Details im Vordergrund als vielmehr die Leistungen Enzo Ferraris. Sein Umgang mit Ingenieuren, Rennfahrern, Konkurrenten, Kunden und Journalisten wird detailreich wiedergegeben und analysiert. Wenngleich Ferrari zahlreiche Auszeichnungen und Orden aus dem technisch-universitären Bereich zuteil wurden, so war er selbst doch kein gelernter Ingenieur und Konstrukteur, sondern ein unübertroffener Organisator und Motivator, der die zum Erfolg erforderlichen Menschen zusammenbrachte und zu Höchstleistungen antrieb. Sein gigantisches Lebenswerk war das Ergebnis dieser Fähigkeiten. Dass sein Verhalten gegenüber anderen dabei ausschließlich im Unternehmensinteresse lag, aber im Einzelfall durchaus Anlass zu Kritik bot, nahm er in Kauf. Er war ein Meister des geschliffenen Wortes und verstand es, z.B. auf den von ihm regelmäßig einberufenen Pressekonferenzen Verbündete verbal in den Himmel zu heben, in Missgunst geratene Personen jedoch durch bloße Nichterwähnung oder zunächst belanglos klingende Floskeln abzukanzeln. Sein besonderes Verhältnis zur Presse war kein Zufall. Er selbst betätigte sich nur zu gerne beim Verfassen von Büchern und Entwerfen von Presseerklärungen, war er doch schon in jungen Jahren, einer seiner beruflichen Neigungen folgend, als Sportjournalist aktiv gewesen.

Enzo Ferrari war - bedingt durch leidvolle persönliche Erfahrungen - auch ein karitativer Mensch. Mit hohem finanziellen Aufwand rief er eine Ingenieursschule ins Leben und unterstützte den Bau und den Unterhalt gesundheitlicher Einrichtungen in seiner Heimat, insbesondere aber die medizinische Forschung auf dem Gebiet der Muskelerkrankungen.

Der Autor geht an mehreren Stellen auf Enzo Ferraris Verhältnis zum Tod ein. Der Verlust Dinos steht dabei im Vordergrund, aber auch das Sterben zahlreicher Rennfahrer in seinen Wagen versetzte den großen Italiener immer wieder in Trauer aber auch Ratlosigkeit. Insbesondere im Zusammenhang mit einem Unfall bei der letzten Mille Miglia 1957, bei dem auch Zuschauer zu Tode kamen, sah sich Ferrari schweren Vorwürfen durch Politik, Justiz und Kirche ausgesetzt, die sich im Ergebnis aber als haltlos erwiesen. So war auch das Verhältnis des katholisch getauften Ferrari zu Kirche und Religion sehr zwiespältig, hier fand er wohl erst mit dem Besuch des Papstes 1988 seinen Frieden. Ferrari war zu krank, um Johannes Paul II. persönlich zu empfangen, konnte aber zumindest einen telefonischen Kontakt mit ihm halten.

Mehrere Kapitel beschreiben die letzten Jahre Ferraris, seinen auch dann noch unverminderten Einsatz für sein Rennteam, seine immer wieder aufkeimenden Zweifel an der 1969 eingegangenen und die Existenz seines Unternehmens gewährleistenden Partnerschaft mit dem Fiat-Konzern, sein Wunsch, sein Lebenswerk auch über seinen Tod hinaus zu sichern. Seinen 90. und letzten Geburtstag feierte er, so wie er es ausdrücklich gewünscht hatte, bei einem Mittagessen mit all seinen 1742 Arbeitern, bei denen er sich für ihre Arbeit bedankte und sich - seiner Ahnung entsprechend für immer - verabschiedete. Und schließlich werden auch die letzten Tage im Leben des "Grande Vecchio" auf sehr berührende Weise dargestellt. Das kurze Post Scriptum verdeutlicht, dass das Unternehmen Ferrari heute tatsächlich so gesund dasteht, dass es kaum eine Übertreibung ist, von der Unsterblichkeit des Lebenswerks Enzo Ferraris zu sprechen.

Was erhebt nun diese Biografie über Enzo Ferrari über alle anderen Bände zu diesem Thema? Zum einen ist es die schiere Vielzahl von Informationen und Fakten, die hier zusammengetragen worden ist. Alles ist belegt, der Autor ergeht sich nicht in Vermutungen oder gar in der Wiedergabe von Gerüchten. Erstmals werden bisher unbekannte Hintergründe erhellt. Es bleibt kein Aspekt, keine Facette des Lebens Ferraris unberücksichtigt. In der chronologischen Lebensbeschreibung sind derartig viele Details festgehalten, dass man fast den Eindruck einer Tagebuchaufzeichnung hat. Fast alle wesentlichen Kontakte aus dem Privaten und dem Beruflichen sind aufgezeichnet - Familienmitglieder, Geliebte, Rennfahrer, Ingenieure, Journalisten, Manager. Allein eine Liste dieser Namen von 1898 bis 1988 würde Seiten füllen. Zum anderen sind es die Herangehensweise an das Thema "Enzo Ferrari" und die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse durch den Autor. Machen wir uns nichts vor: Wer sich mit Enzo Ferrari befasst und dabei nicht zumindest Respekt und Bewunderung verspürt, kann nur ein Ignorant sein. Deshalb muss man beim Beschreiben von Ferraris Lebenswerk stets der Gefahr einer einseitigen "Hofberichterstattung" entgegenwirken. Dies ist Dal Monte hervorragend gelungen. Er stellt das Leben von Enzo Ferrari objektiv dar - voller Begeisterung, Respekt und Verständnis; aber er gibt auch Kritik dort wieder, wo es angebracht ist, zeigt auch die Kehrseite des erfolgreichen und zuweilen auch streitbaren Unternehmers und Strategen im Umgang mit Menschen auf. Dal Monte macht sich zwar manche Kritik zu eigen, aber er verurteilt nicht, er dokumentiert. Wurde Ferrari in bisherigen Publikationen, die ausnahmslos nicht diese inhaltliche Tiefe hatten, wegen des Verhaltens gegenüber seiner Ehefrau schwer angegriffen, belegt Dal Monte beispielhaft, wie die Entwicklung einer Ehe zu zwei parallelen aber mitnichten harmonischen Lebensläufen nicht das Ergebnis des Verhaltens nur einer der beteiligten Personen gewesen ist.

Ob etwas in dem Buch fehlt? Nun, da wirklich sehr genau Jahr für Jahr auf die Erfolge und Misserfolge Ferraris eingegangen wird, hätte ich mir eine knappe Würdigung der Internationalen Markenmeisterschaft für GT-Fahrzeuge über 2 Liter Hubraum 1964 gewünscht, als die Ferrari 250 GTO den Titel denkbar knapp vor den Shelby-Cobra holten, wobei die Streichung des drittletzten Rennens in Monza aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die zu Recht nicht erfolgte Homologation des Ferrari 250 LM als GT eventuell nicht ohne Bedeutung für dieses Ergebnis war. Gerade weil Enzo Ferrari die Langstreckenrennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft so wichtig waren, hätte auch eine Beschreibung des Kampfes der Ferrari 512 S gegen die unschlagbar erscheinenden Porsche 917 im Jahr 1970 nicht schaden können. Schließlich bezeichnet eine Bildunterschrift Ricardo Rodriguez irrtümlich als Pedro Rodriguez, und in der Übersetzung vom Italienischen ins Englische hat sich bei der Beschreibung des Ferrari 330 P ein Fehler eingeschlichen, denn dieser Prototyp hatte, wie in der italienischen Ausgabe richtig wiedergegeben, vier und nicht, wie in der englischsprachigen Edition vermerkt, drei Liter Hubraum. Aber all dies sind wirklich nur unbeachtliche Kleinigkeiten, die der Gesamtleistung bei der Erstellung der Biografie keinerlei Abbruch tun.

Und noch etwas: diese Biografie ist kein Bilderbuch. Zwar werden auf 64 Bildseiten insgesamt 133 Fotos reproduziert, die sehr gut ausgewählt und durchaus repräsentativ für den Lebensweg Enzo Ferraris sind, aber das ist ein "Lesebuch", das man notwendigerweise konzentriert und dennoch mit ungebrochener Begeisterung verschlingt. Wer sich mehr Abbildungen aus dem Leben Ferraris wünscht, dem sei als Ergänzung der oben bereits erwähnte herrliche Bildband "Enzo Ferrari – una vita per l'automobile" aus dem Verlagshaus Giorgio Nada empfohlen.

Ich persönlich frage mich, wie begeistert wäre Enzo Ferrari gewesen, hätte er die von Michael Schumacher auf den roten Rennwagen gewonnenen fünf Weltmeistertitel in Folge erleben können – eine Siegesserie seiner Rennwagen, wie sie Ferrari zu seinen Lebzeiten nicht vergönnt gewesen war. Und wie stolz wäre er, wenn er heute sehen könnte, welch moderne, hochproduktive und weltweit als beispielhaft geltende Fabrik sein Unternehmen nicht zuletzt durch die Leistungen des von ihm selbst so hoch geschätzten Luca di Montezemolo geworden ist!

Im Ergebnis bleibt festzuhalten: Das Buch von Luca Dal Monte ist nicht nur die eindeutig beste und abschließende Biografie über Enzo Ferrari, sondern unter den über 1000 Titeln zum Thema "Ferrari" eine weit herausragende Veröffentlichung - eine Pflichtlektüre für alle Automobil-Enthusiasten und erst recht für alle Ferraristi !

Thomas Nehlert

Enzo Ferrari - Power, Politics, and the Making of an Automotive Empire - 

Autor: Luca Dal Monte
Verlag: David Bull Publishing, Phoenix AZ, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 15,5 x 23,5 cm, 1032 Seiten, 133 Abbildungen, 
Text: Englisch Preis: € 42,50
ISBN: 978 1 935007 28 9

Rezension Thomas Nehlert: „Lang Cooper 97“, Autor Ed Heuvink, McKlein Publishing Köln, 2018

Die Sportwagenrennen in Nordamerika waren in der ersten Hälfte der 1960er Jahre durch eine enorme Vielfalt an Teilnehmern, Wertungsklassen und Rennen gekennzeichnet. Carroll Shelby hatte begonnen, mit der aus dem englischen AC Cobra entwickelten Shelby-Cobra die große GT-Klasse zu beherrschen und auch auf internationaler Ebene die Ferrari GTO das Fürchten zu lehren. Allerdings war nicht einmal das Shelby Cobra Daytona-Coupé in der Lage, gegen die zweisitzigen Rennwagen der damaligen Gruppe 7 Gesamtsiege einzufahren. Shelby griff deshalb auf das Chassis des zweisitzigen britischen Cooper Monaco zurück und stattete das Fahrzeug mit einem gewaltigen Ford V8-Motor aus. Mit dem vielversprechenden Nachwuchstalent Dave McDonald am Steuer konnte dieses als "King Cobra" bezeichnete Rennfahrzeug 1963 einige Erfolge verbuchen.

Wenn auch Ford werksseitig 1964 mit dem legendären Ford GT bei den großen Langstreckenrennen antrat und obwohl Carroll Shelby auch in dieses Großprojekt des amerikanischen Konzerns miteingebunden war, hielt er dennoch sowohl an den Einsätzen der Shelby Cobra in der GT-Weltmeisterschaft als auch an seinem Engagement in der amerikanischen Gruppe 7 fest. Ein Freund von Dave McDonald, der überaus vermögende Craig Lang, finanzierte die Entwicklung eines neuen Gruppe-7-Rennwagens. Auf der Grundlage eines neuen Cooper-Chassis mit der Nummer CM/1/64 entstand der Lang Cooper mit der Startnummer 97, der durch seine leuchtende orangefarbene Lackierung, der Lieblingsfarbe Craig Langs, auffiel. Drei Mal trat McDonald 1964 mit diesem Lang Cooper an und konnte ein Sportwagenrennen in Phoenix, Arizona, gewinnen. Im vierten Rennen auf dem Kent Pacific Raceway zerstörte Bob Holbert den Wagen schon im Training. Dave McDonald kam durch einen Unfall bei den 500 Meilen von Indianapolis ums Leben.

Carroll Shelby und Craig Lang gaben nicht auf: In kurzer Zeit wurde das zerstörte Fahrzeug durch ein neues aus England importiertes Cooper-Chassis ersetzt. Für die Karosserie auf diesem Cooper T61 zeichnete Peter Brock verantwortlich, der schon als Vater des Daytona Coupés galt. Es entstand ein atemberaubend schöner Rennsportwagen, der aufgrund der andauernden Finanzierung durch Craig Lang den Namen Lang Cooper II erhielt. Der Wagen wurde 1964 noch bei zwei Rennen von Ed Leslie und bei einem Rennen auf Hawai von Craig Lang selbst zu einem Sieg gesteuert. 1965 schied Carroll Shelby aus diesem Projekt aus, der Lang Cooper erhielt statt des Ford-Motors ein über 500 PS starkes Chevrolet-Triebwerk. Mit Charlie Hayes als Rennfahrer nahm der Lang Cooper II 1965 an sechs Rennen teil, errang aber nur einen achten und einen sechsten Rang. Das letzte Rennen mit dem Lang Cooper II bestritt Skip Scott im Oktober 1965 in Laguna Seca und kam dort auf den 14. Platz. Damit endete die Rennhistorie des Lang Cooper mit der Startnummer 97, bevor 1966 die CanAm-Series ins Leben gerufen wurde.

Der Lang Cooper II wurde verkauft und wanderte im Laufe der Zeit durch mehrere Hände, bevor er schließlich in der Sammlung von Claude Nahum in der Schweiz eine neue Heimstatt fand und in blendend restauriertem Zustand bei Veranstaltungen des Historischen Motorsports eingesetzt wird. 

Im vierten Band über Fahrzeuge aus der Nahum-Collection des Verlages McKlein Publishing in Köln wird die Geschichte des Lang Cooper bis ins Detail nachgezeichnet. Der Autor Ed Heuvink, bekannt durch zahlreiche Motorsportbücher, hat eingehend recherchiert und faszinierende Einzelheiten über die Entwicklung des Fahrzeugs und die mit ihr befassten Menschen zusammengetragen. In acht Kapiteln spannt sich der Bogen von der „Cooper Car Company“ über die verschiedenen Sportwagenrennserien der USA inden 1960er Jahren, Carroll Shelby mit seiner „King Cobra“ und den ersten Lang Cooper des Jahres 1964 bis zum Lang Cooper II, dessen Konstruktion und Renngeschichte sowie seinen Wiederaufbau. Eine Rennstatistik der Jahre 1964/1965 und eine Darstellung aller am Lang-Cooper-Projekt beteiligten Personen runden dieses edel gestaltete und hervorragend verarbeitete Buch ab.

Die Illustration des großformatigen Bandes ist mit rund 250 Abbildungen nicht nur reichhaltig, sondern sowohl von der Motivauswahl als auch von der Wiedergabequalität hervorragend. Herrliche Rennaufnahmen, Fotos technischer Details und Porträts der Fahrer und Techniker wechseln einander ab. Zum größten Teil dürften die Bilder hier erstmals veröffentlicht sein. Sie stammen aus zahlreichen Archiven, sowohl aus den großen namhaften Kollektionen als auch aus Privatsammlungen.

Natürlich ist der Lang Cooper ein recht ausgefallenes Thema, das nicht jedem Motorsport-Fan gleich präsent sein dürfte; für den Enthusiasten der Sportwagenrennen der 1960er Jahre aber ist dieses in englischer Sprache verfasste Werk ein wahrer Leckerbissen. 

Thomas Nehlert

Lang Cooper 97 – Peter Brock's Group 7 USRRC sports car

Autor: Ed Heuvink
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2018
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29 x 29 cm, 158 Seiten, über 250 Fotos
Text: Englisch 
Preis: € 79,90, Limitierung auf 999 Exemplare 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-947156-01-6

Rezension Thomas Nehlert: "Turbo May – Rennfahrer, Ingenieur, Forscher", Autor Peter Schroeder, Fotos Werner Eisele, View Verlag Bonn, 2017

Wer den Begriff "Turbo-May" hört, denkt wahrscheinlich zuerst an die durch Turboaufladung leistungsgesteigerten Ford Capri. Aber der Name Michael May steht tatsächlich für erheblich mehr als nur für bärenstarke Editionen des sportlichen Coupés der Ford-Werke aus den 1970er Jahren. Michael May entstammt einer Schweizer Familie und wurde 1934 geboren. Sein späteres technisches Wirken erfasste alle Bereiche des Automobilbaus – Fahrwerk, Motoren, Aerodynamik. Er war für viele namhafte Unternehmen tätig, blieb aber mental stets ein unabhängiger Geist. Zudem betätigte er sich lange Zeit und nicht erfolglos als Rennfahrer in den unterschiedlichsten Motorsportklassen. Nach dem Ende seiner Laufbahn als Ingenieur und Techniker engagiert sich der mittlerweile 83jährige May in der Krebsforschung. 

In diesem Aufgabenbereich findet sich auch die deutlichste Schnittmenge mit dem früheren Beruf seines Biografen, Prof. Dr. Peter Schroeder, der bis 2015 als Chirurg praktiziert hatte. Peter Schroeder – bekannt durch seine Biografien über Jochen Mass und den Rennwagenbauer Francis McNamara sowie einen Band über das Wallberg-Rennen – hat in zahlreichen langen Gesprächen mit Michael May so viel interessante Details und Hintergründe aus dem Leben des Schweizer Ingenieurs herausgefunden, dass es kein Problem war, die 200 Seiten des vorliegenden Buchs zu füllen. Angestoßen wurde das Projekt von dem renommierten Motorsport-Fotografen Werner Eisele, den eine langjährige Freundschaft mit May verbindet und der sein Archiv für die wirklich gelungene Illustration des Bandes öffnete. 

In 26 Kapiteln wird die Lebensgeschichte Michael Mays abwechslungsreich und spannend dokumentiert. Seine Kindheit und Jugend, seine nicht ganz einfachen beruflichen Anfänge, seine Laufbahn als Rennfahrer erfahren ebenso eine detailreiche Darstellung wie seine unglaubliche schöpferische Kraft als Ingenieur für Ford, BMW, Opel, Alfa Romeo, Porsche und Ferrari, um nur die bekanntesten Fabrikate zu erwähnen, die von seiner technischen Genialität profitierten. Für mich persönlich stellen sich die Kapitel über seine wechselvollen Erfahrungen bei Porsche und seine Mitwirkung an den Formel 1-Rennwagen von Ferrari in den 1960er Jahren als besonders interessant dar. Schließlich gipfelte seine Arbeit bei dem italienischen Rennstall im Gewinn der Weltmeisterschaft 1964 durch John Surtees, der sich in einem kurzen Texteinschub ebenso wie Hans Mezger von Porsche zu den großartigen Leistungen Mays äußert. Natürlich geht der Autor auch ausführlich auf Mays eigenes Unternehmen, die Turbo May GmbH, ein. Mit diesem Geschäft war der Schweizer zugleich einer der kleinsten Automobilfabrikanten der Welt. Und schließlich werden auch der von May entwickelte „Fireball Motor“ und seine Pionierarbeit an modernen Zündanlagen gewürdigt. Den inhaltlichen Abschluss des Buchs bildet eine knappe Darstellung seines Einsatzes in der Krebsforschung. 

Der Band ist erkennbar mit profunder Kenntnis, großer Begeisterung und nach langjähriger und intensiver Recherche verfasst. Die Reproduktion der rund 240 Fotografien ist gut, wobei man berücksichtigen muss, dass die Fotos zu einem Großteil aus einer Zeit stammen, in der die technischen Möglichkeiten bei vergrößerter Wiedergabe bei weitem noch nicht so weit waren wie heute. Die teilweise erstmals publizierten Bilder stammen überwiegend aus dem Archiv Werner Eiseles, aber auch von LAT und einigen werksseitigen Sammlungen. 

Noch etwas sei angemerkt: die ersten Exemplare des Buchs waren mit einigen sachlichen Fehlern und textlichen Ungenauigkeiten in den Verkauf gekommen. Der Verlag hat darauf offenkundig schnell reagiert. Nach dem nachhaltigen Lektorat durch Peter Hoffmann, übrigens Autor einer hervorragenden Biografie über den Rennfahrer Peter Lindner, vermag ich bei den aktuellen Exemplaren insoweit keinen Anlass zur Beanstandung mehr zu erkennen. Auch die Qualität des Papiers kann nun überzeugen, und die Reproduktion der Bilder ist nicht mehr durch einen so hohen Schwarzanteil geprägt wie bei den ersten Stückzahlen.


Turbo May – Rennfahrer, Ingenieur, Forscher

Autor: Prof. Dr. Peter Schroeder 
Verlag: View Verlag, Bonn, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 21 x 30 cm, 200 Seiten, rund 240 Fotografien 
Text: Deutsch 
Preis: € 39,- 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: „Jim Clark - The best of the best“, Autor David Tremayne, Evro Publishing 2018

Jim Clark zählt bis heute zu den vier bis fünf größten Rennfahrern in der Geschichte des Automobilsports. Was ihn aber von fast allen anderen in diesem Zusammenhang genannten Piloten unterscheidet, ist sein Charakter. Unfairness im Zweikampf, Ränkespiele und Intrigen innerhalb des Teams waren ihm vollkommen fremd. Er war in jeder Situation ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Seine Konkurrenten in den 1960er Jahren waren Graham Hill, Dan Gurney, John Surtees; um seine Nachfolge kämpften ab 1968 Jackie Stewart, Jochen Rindt, Jacky Ickx und Chris Amon. 

Es gibt zahlreiche Bücher über Jim Clark. Hervorhebung verdient seine 1965 auch in deutscher Sprache erschienene Autobiographie „Jim Clark at the Wheel“ - „Als Favorit am Start“ (Moderne Verlags GmbH München). Der namhafte britische Motorsport-Journalist und Buchautor David Tremayne hat nun bei Evro Publishing die wirklich ultimative Biografie über den unvergessenen schottischen Doppel-Weltmeister vorgelegt. Auf 520 Seiten bleibt in 21 chronologisch geordneten Kapiteln sowie einem ausführlichen statistischen Anhang wirklich keine Frage zum Leben und Wirken Clarks unbeantwortet. 

Tremayne schildert ausführlich die Kindheit und Jugend des Rennfahrers auf dem elterlichen Landsitz in Schottland, seine Erfahrungen als naturverbundener Schafzüchter und Landwirt und seine ersten motorsportlichen Aktivitäten auf lokaler und nationaler Ebene. Seine Verbundenheit zur Natur und zu seiner schottischen Heimat hatte Clark auch in Zeiten seiner größten Erfolge nie aufgegeben. Er war ein ruhiger, eher verschlossener Mensch, der sich vom Trubel des Rennzirkus gerne in seine Heimat in den Highlands zurückzog. Der Autor leuchtet die Persönlichkeitsstruktur des Menschen Jim Clark auf beeindruckende und in die Tiefe gehende Weise aus und verdeutlicht, wie sehr sich Clark von seinen damaligen Rennfahrerkollegen und noch mehr vom Naturell heutiger Rennfahrer unterschied. 

Die eigentliche Motorsportkarriere Clarks wird mit akribischer Genauigkeit und großer Liebe zum Detail nachgezeichnet. Keine Autosportklasse, in der der Schotte antrat, kein wesentliches Rennen werden ausgelassen. Dem Leser wird großartig vermittelt, was für ein außerordentliches Multitalent Clark war, er fuhr alles, was vier Räder hat, und er war in allen Kategorien erfolgreich – Tourenwagen, Sportwagen, Prototypen, Formel Junior, Formel 2, Formel 1, Indycars, Nascar und Rallyesport. Auch während der Zeit seiner großen Erfolge in der Formel 1 blieb er anderen Rennklassen treu – eine Vielseitigkeit, die heute ausgeschlossen zu sein scheint. Nach zwei Formel-1-Weltmeisterschaftstiteln und einem Sieg bei den 500 Meilen von Indianapolis war es schließlich diese weite Spreizung seiner Aktivitäten, die ihm im April 1968 bei einem unbedeutenden Formel-2-Rennen in Hockenheim zum Verhängnis wurde. Die Ursache seines tödlichen Unfalls auf dem Hockenheimring konnte nie mit letzter Sicherheit geklärt werden, ein Reifenschaden erscheint als am wahrscheinlichsten. 

Tremayne liefert viel mehr als eine Chronologie dieser atemberaubenden Laufbahn. Er zitiert nicht nur Clark selbst aus Gesprächen der damaligen Zeit, er lässt auch unzählige Rennfahrerkollegen, wie z.B. den vor kurzem verstorbenen Dan Gurney, und andere Zeitzeugen zu Wort kommen. So formt sich nicht nur das Porträt eines der Größten im Rennsport, sondern auch eines einzigartigen charismatischen Menschen. Es muss eine unvergessliche Erfahrung sein, diesen schottischen Rennfahrer selbst erlebt zu haben – auf der Rennstrecke aber auch neben dem motorsportlichen Geschehen. Tremayne wurde bei seinem Buch von der fast vollzähligen Gilde britischer Motorsportjournalisten unterstützt, so dass das Bild, das er von Clark zeichnet, nicht nur äußerst vielschichtig sondern auch in hohem Maße authentisch ist. 

Am Ende des Bandes stellt der Autor in einem Epilog die Frage, was gewesen wäre, wenn Clark nicht 1968 tödlich verunglückt wäre – eine sehr spekulative aber nicht uninteressante Überlegung. Die bereits erwähnte ausführliche Rennstatistik sowie ein hilfreicher Index runden das gewichtige und im attraktiven Layout präsentierte Buch ab. Schon die Titelgestaltung mit dem farbigen Foto eines im Siegerkranz strahlenden Jim Clark vor einem blau leuchtenden Himmel ist in einer Zeit, in der manche Verlage irrig zu meinen glauben, dass besonders triste Schwarzweißfotos auf dem Titel Käufer anlocken, eine wahre Wohltat. 

Die Illustration der Jim-Clark-Biografie ist gewaltig. Rund 450 Fotos, viele im ganzseitigen Format, decken die Rennfahrerlaufbahn und auch das häusliche Leben des Weltmeisters von 1963 und 1965 und 25fachen Grand-Prix-Siegers lückenlos ab. Die Aufnahmen sind hervorragend ausgewählt, von erstklassiger Wiedergabequalität und durch ausführliche Bildunterschriften überaus informativ. Sie stammen sowohl aus mehreren Privatsammlungen als auch aus den großen Motorsport-Archiven wie z. B. Getty, LAT, Revs Institute for Automotive Research, Bill Henderson Collection, Klemantaski Collection, Grand Prix Library und Cahier Archive. Zahlreiche Bilder sind erstmals veröffentlicht, insbesondere die Porträtaufnahmen Clarks ziehen den Betrachter in ihren Bann. 

Es gibt bei genauer Betrachtung nur wenige Bücher, die für den Motorsport-Enthusiasten ein echtes "must have" sind, diese Biografie über Jim Clark ist es auf jeden Fall.


Jim Clark – The best of the best
Autor: David Tremayne 
Verlag: Evro Publishing, UK, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 24 x 28,5 cm, 520 Seiten, rund 450 Fotografien 
Text: Englisch Preis: € 92,- 
Vertrieb: www.evropublishing.com 
ISBN: 978-1-910505-16-8

Rezension Thomas Nehlert: „Inside Track - Phil Hill – Ferrari's American World Champion – His Story, His Photography“ , Autoren: Phil Hill und Doug Nye; Verlag The GP Library, 2017; insgesamt 3 Bände: „The Collector's Edition 1951 – 1962“ (2 Bände) und „The Racing Autobiography 1927 – 1967“,

Phil Hill war der erste amerikanische Formel-1-Weltmeister. Er startete von 1958 bis 1964 in der Formel 1, wurde 1961 Weltmeister und gewann insgesamt drei Formel-1- Weltmeisterschaftsläufe. Darüber hinaus war er bei den großen Sportwagenrennen sehr erfolgreich, trug dreimal den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans davon und gewann die 12 Stunden von Sebring sowie die 1000 km auf dem Nürburgring jeweils zweimal. Zweifellos zählt er zu den insbesondere in Europa zu Unrecht unterschätzten Piloten, nicht zuletzt deshalb, weil er nach dem tödlichen Unfall des für die Formel-1-Weltmeisterschaft 1961 favorisierten Graf Berghe von Trips den Titel erringen konnte. Tatsächlich war Phil Hill nicht nur ein brillanter und extrem vielseitiger Rennfahrer, sondern auch eine charismatische, hochgebildete und weltoffene Persönlichkeit. Nach seiner Rennfahrerlaufbahn betätigte er sich in den USA im journalistischen Bereich und war im Historischen Motorsport aktiv. 2008 starb er im Alter von 81 Jahren in Kalifornien. 

Neben dem Rennsport war die Fotografie eine von Hills Leidenschaften. Mit seiner Leica fing er den Motorsport der 1950er und 1960er Jahre aus seiner persönlichen Sicht ein. Viele tausend Fotos waren das Ergebnis, das nun durch diese Bücher der Nachwelt zugänglich gemacht wird. Doug Nye als einer der renommiertesten Motorsporthistoriker hat das Archiv Hills gesichtet und geordnet und die Illustration für die vorliegende Biografie zusammengestellt. Phil Hill, der dem Projekt einer großen Biografie in der ihm eigenen Bescheidenheit zunächst skeptisch gegenüberstand, unterstützte das Vorhaben schließlich bereitwillig und gab sowohl Nye als auch seinem langjährigen Freund Steve Dawson in zahlreichen stundenlangen Interviews Auskunft über seine Rennsportlaufbahn. Hills Sohn Derek steuerte eigene Recherchen zur Karriere seines Vaters bei, Ian Lambot kümmerte sich um Layout und Produktion, und Paul Vestey – zusammen mit Doug Nye Gründer von "The GP Library" – stand in verlegerischer Verantwortung und beschaffte weiteres Bildmaterial. Die Arbeit an diesem Werk begann bereits zur Jahrtausendwende. 

Was nach vielen Jahren schließlich dabei herauskam, kann ohne Übertreibung als ein Benchmark der Motorsport-Literatur bezeichnet werden, und zwar sowohl von der Quantität als auch noch mehr von der Qualität. Insgesamt 1388 Seiten, 1870 Abbildungen in drei Bänden mit einem Gesamtgewicht von etwa 17,5 kg! Die ersten beiden Bände bilden die "Collector's Edition" mit den von Hill selbst gefertigten Fotos, der dritte Band ist die vollständige "Racing Autobiography". 

Der erste Band der "Collector's Edition" befasst sich nach Vorworten von Doug Nye und Steve Dawson zunächst eher kursorisch mit der Zeit von 1938 bis 1950, bevor chronologisch die Jahre 1951 bis 1956 dokumentiert werden. Jedem Jahr wird eine zusammenfassende Schilderung vorangestellt, bevor auf die einzelnen Rennsportveranstaltungen eingegangen wird. Die Texte wurzeln sämtlich in den Interviews mit Phil Hill und sind entsprechend einer Autobiografie in der Ich-Form abgefasst. Auch die Bildunterschriften als sehr ausführliche Erläuterungen stammen von Hill selbst, dem die Fotos zwecks Kommentierung alle vorgelegt wurden. Der Schwerpunkt der im ersten Band abgebildeten Rennen liegt in den USA. Neben so bekannten Strecken wie Sebring, Watkins Glen und Elkhart Lake findet der Leser u.a. auch Berichte von Veranstaltungen in Pebble Beach, im Golden Gate Park in San Francisco, auf dem Stockton Airfield und der Mac Dill Airforce Base sowie in Palm Springs.

Ein Höhepunkt beider Bände sind die Aufnahmen und Beschreibungen der alljährlichen Ferrari-Testfahrten auf der alten Rennstrecke von Modena. Da Phil Hill jahrelang Mitglied des Ferrari-Werksteams war, liegt ein besonderes Augenmerk gerade des zweiten Bandes auf dieser Zeit, und man kann sich an den zahlreichen Fotografien zu diesem Thema einschließlich einiger Aufnahmen des Commendatore Enzo Ferrari kaum sattsehen. Dabei wird auch deutlich, warum der Titel für alle drei Bände "Inside Track" lautet. Phil Hill vermittelt nämlich durch seine Fotos viele so bisher noch nie veröffentlichte Blicke in das interne Geschehen der Ferrari-Mannschaft. Neben den legendären Rennfahrzeugen sieht man auch die Piloten und vor allem auch die Ingenieure und Renntechniker bei ihrer Arbeit. Der Ferrari 156 Sharknose wird in noch unlackiertem Zustand auf der Strecke von Modena gezeigt, man kann sehen, wie Enzo Ferrari selbst die Testfahrten überwacht, und an Aufnahmen berühmter Fahrer wie z.B. von Fangio, Collins, Hawthorne, Ginther und Gendebien herrscht kein Mangel. Selbst die beiden "Rennen der zwei Welten" auf dem ansonsten in dieser Form nicht genutzten Ovalkurs in Monza werden gewürdigt. 1957 und 1958 traten dort die amerikanischen Monoposti der USAC-Serie gegen europäische Rennfahrzeuge an. Nicht minder interessant sind die Berichte von den MGWeltrekordfahrten, die 1957 und 1959 auf dem Salzsee von Bonneville ausgetragen wurden. Auch der Grand Prix von Deutschland 1959 auf der Berliner Avus erfährt eine Würdigung: Hill, dem diese Strecke wenig zusagte, ruft die Erinnerung an diesen Weltmeisterschaftslauf mit einigen Fotos aus dem Berlin vor dem Mauerbau in Erinnerung. Zahlreiche Aufnahmen von großen Sportwagenrennen in Südamerika, Europa und den USA runden die reichhaltige Illustration beider Bände der "Collector's Edition" ab. Insgesamt handelt es sich dabei zu etwa 90% um Fotos, die Phil Hill selbst gemacht hat. Um aber auch das Renngeschehen in der Außenbetrachtung nicht vollkommen auszublenden, ergänzen einige Aufnahmen bekannter Motorsportfotografen die Bildausstattung. 

Eine ausführliche achtseitige Rennstatistik hält am Ende des zweiten Bandes alle Rennen fest, in denen Phil Hill am Start war. Das ist schon deshalb hilfreich und begrüßenswert, weil die beiden Bände in Bild und Text ausschließlich die 90 Veranstaltungen wiedergeben, bei denen Hill selbst Fotos anfertigte.

Aus diesem Grunde ist es für eine vollständige Information über Phil Hill auch unerlässlich, sich neben der doppelbändigen "Collector's Edition" als dritten Band die "Racing Autobiography 1927-1967" zuzulegen. Diese lückenlose Lebensbeschreibung beginnt mit einem empathischen Vorwort Dan Gurneys, des anderen großen amerikanischen Rennfahrers der 1960er Jahre, der erst jüngst im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Nach einer Wiedergabe der Kindheit und Jugend Phil Hills mit zahlreichen Fotos aus dem Familienalbum wird die Karriere des Amerikaners von den Nachkriegsjahren bis zur Saison 1967 in 20 Kapiteln ausführlich beschrieben. 1949 und 1950 bestritt er mehrere Rennen in England, kehrte 1951 in die USA zurück und schlug 1953 den Weg des professionellen Rennfahrers ein. Nach anfänglichen Erfolgen auf unterschiedlichen Fabrikaten, stellte die Zeit bei Ferrari zweifellos den Höhepunkt der Laufbahn Hills dar. Aber auch nach dieser Epoche, die mit dem Sieg in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1961 und mehrfachen Erfolgen bei den 24 Stunden von Le Mans gekrönt wurde, blieb Hill aktiv. Nach eher mageren Zeiten bei ATS und Cooper war er maßgeblich an der siegreichen Zeit der Ford GT 40 bei den großen Sportwagenrennen beteiligt. 1966 und 1967 bestritt er mehrere Läufe der Internationalen Markenmeisterschaft mit den technisch revolutionären Chaparral des Texaners Jim Hall und konnte am Nürburgring 1966 und in Brands Hatch 1967 sogar gewinnen. 1968 beendete Hill seine Rennfahrerlaufbahn und widmete sich fortan der Restaurierung alter Automobile, war bei Veranstaltungen des Historischen Motorsports aktiv und betätigte sich – zuweilen mit dem bekannten Autor John Lamm – auf publizistische Weise, z.B. mit Fahrberichten in dem amerikanischen Automagazin "Road&Track". 

Diese Lebensgeschichte - von Phil Hill selbst überaus detailreich, ausführlich und spannend erzählt – findet der Leser in dem dritten Band von „Inside Track“. Erinnerungen von John Lamm und Hills hinterbliebener Ehefrau Alma runden den Band inhaltlich ab. Ein langes Stichwortverzeichnis erleichtert das Auffinden bestimmter Fakten. Die Illustration ist wie schon in der "Collector's Edition" gigantisch. Begeisternde Aufnahmen aus namhaften Archiven wie der Cahier Collection, der GP Library, der Revs Digital Library und zwanzig weiteren Sammlungen ergänzen sich mit den Fotografien von Phil Hill und aus dem Hill Family Archive. Die Bilder sind zum Teil im großen bis doppelseitigen Format, zeigen Rennaction, Fahrzeuge auch im Detail, Rennfahrer, Ingenieure und Techniker sowie auch das Treiben an den Rennstrecken und hinter den Kulissen. Zudem werden einige Originaldokumente wie Titel von Rennprogrammen oder z.B. der Frachtschein für einen Ferrari 212 E reproduziert. Einige wenige Fotos aus der "Collector's Edition" wiederholen sich in der "Racing Autobiography". Das ist im Interesse der Vollständigkeit so gewollt, weil beide Titel auch einzeln erworben werden können.

Alle der insgesamt über 1800 Fotos stammen aus einer Zeit, in der an die digitale Fotografie noch lange nicht zu denken war. Umso bemerkenswerter ist die hervorragende Wiedergabequalität der Bilder, selbst im weitaus größeren Format als es früher üblich war. Hier haben die Macher der Autobiografie im Rahmen einer angemessenen Bildbearbeitung eine großartige Leistung vollbracht. Die drei Bände sind bestens verarbeitet und durch zwei Leinenschuber geschützt. Druck und Bildwiedergabe auf schwerem Papier entsprechen dem von den Produzenten gesetzten hohen Maßstab. 

Natürlich stellt sich die Frage, ob selbst ein solches, neue Maßstäbe setzendes Werk einen Preis von fast eintausend Euro wert sein kann. Mag der "bibliophil veranlagte Hardcore-Motorsport-Fan" auch dazu neigen, diese Fragestellung nach Möglichkeit auszublenden, so bleibt dem ökonomisch denkenden Leser noch eine weitere Möglichkeit: In diesen Tagen kommt die etwas einfacher ausgestattete und auf 488 Seiten und 530 Fotos reduzierte "Bookshop Edition" für etwa 330,- € auf den Markt, die verkürzt das inhaltliche Spektrum von"Collector's Edition" und "Racing Autobiography" abdeckt. 


Inside Track Phil Hill – Ferrari's American World Champion – His Story, His Photography – The Collector's Edition 1951 - 1962 – The Racing Autobiography 1927 - 1967 

Autoren: Phil Hill, Doug Nye, Steve Dawson, Derek Hill 

Verlag: The GP Library, UK, 2017 

Format und Umfang: Hardcover, jeweils im Leinenschuber 32 x 32 cm, The Collector's Edition : 2 Bände, 960 Seiten, 1085 Abbildungen, The Racing Autobiography: 1 Band, 428 Seiten, 789 Abbildungen 

Text: Englisch 
Preis: € 950,- (für alle drei Bände) 
Vertrieb: www.hortonsbooks.co.uk 

ISBN: 
978 0 9954739 1 1 
978 0 9954739 2 8 
978 0 9954739 3 5

Rezension Thomas Nehlert "Magnus Walker – Urban Outlaw" - Delius Klasing Verlag, 2018

"Wie schlimm kann's schon werden?" Das ist das Motto, das Magnus Walker geleitet hat, wenn er einen neuen Schritt im Verlauf seines wechselvollen Lebens wagen wollte. Und mit diesem Satz ermuntert er andere Menschen, ihre eigenen Ideen und Vorstellungen auch gegen Widerstände anzugehen und zu verwirklichen. 

Bekannt ist Magnus Walker heute in erster Linie wegen seiner großartigen Sammlung alter Porsche 911 der ersten Generation. Er sieht nun wirklich nicht aus wie ein typischer Porsche-Fahrer, wenn es den überhaupt gibt. Lange Rastalocken, ein gewaltiger etwas zotteliger Bart und zahlreiche großflächige Tattoos – sein Äußeres ist ungewöhnlich und drückt eine eigenwillige Unangepasstheit aus, die seinen Lebensweg kennzeichnet und schließlich auch zu der Bezeichnung "Urban Outlaw" geführt hat. Nun ja, ein "Urban Outlaw" ist er vielleicht auch manchmal, wenn er mit einem seiner Porsche in Los Angeles auf einer – wie er selbst einräumt – "inspirierten Fahrweise" unterwegs ist . . . Tatsächlich ist er ein ausgesprochener Nonkonformist, der – wie man sich bei den Veranstaltungen des Delius Klasing Verlags anlässlich der Präsentation dieses Buchs selbst überzeugen konnte – überaus freundlich, geradlinig und kommunikativ ist. 

Die 2017 erschienene englische Originalausgabe seiner Autobiografie mit dem Titel "Dirt Don't Slow You Down" war ein großer Erfolg. Der Delius Klasing Verlag hat nun die um rund einhundert Fotos angereicherte deutsche Ausgabe auf den Markt gebracht. 

Walker hat seine abwechslungsreiche und spannende Lebensgeschichte aufgeschrieben: 1967 in Sheffield geboren, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen im Norden Englands auf, bevor er im Alter von 19 Jahren in die USA ging. In Los Angeles verdiente er sich sein Geld zunächst mit dem Zuschneidern von Jacken und Jeans, die er mit Badges versah. Aus diesem Geschäftszweig erwuchs nach und nach ein eigenes Unternehmen, das schließlich zu dem Fashion Lable "Serious Clothing" führte, mit dem er und seine Ehefrau Karen Zugang zur Hollywood-Prominenz fanden und vermögend wurden. Er erwarb Immobilien in Los Angeles, die unter anderem den Hintergrund für mehrere Filmproduktionen bildeten. So entstand auch der halbstündige dokumentarische Film "Urban Outlaw" über ihn und seine mittlerweile beachtliche Porsche-Sammlung. 

Walkers Begeisterung für Porsche wurzelte schon in seiner Kindheit in Sheffield. In Los Angeles war es ihm durch seinen geschäftlichen Erfolg möglich, sich den Traum vom eigenen Porsche zu erfüllen. Er erwarb ausschließlich gebrauchte Elfer, deren Gebrauchsspuren die Erfahrungen und Erlebnisse ihrer früheren Besitzer widerspiegelten. Es war diese Historie der Fahrzeuge und ihrer Menschen, die Walker interessierten. Er baute selbst an den Porsche herum, tauschte Teile aus, baute andere Motoren ein und drückte ihnen auf diese Weise seinen eigenen Stempel auf. Obwohl er sich auch Sportwagen anderer Marken anschaffte, konzentrierte er sich schließlich doch ausschließlich auf die Automobile aus Zuffenhausen. Seine Sammlung umfasst bis zu 50 Exemplare, wobei er sich nach dem Rückgang des Modegeschäftes durch den Verkauf der Elfer ein weiteres wirtschaftliches Standbein schaffte. Heute hält Walker Vorträge in der freien Wirtschaft und betätigt sich auf diese Weise als Motivationstrainer – äußerlich unverändert noch immer im Stil eines "alten Rock 'n' Rollers". 

Magnus Walker nimmt den Leser mit und gewährt ihm einen sehr unmittelbaren Blick in das Leben und die Karriere eines unangepassten, erfolgreichen und weltoffenen Geschäftsmanns, eines begeisterten Porsche-Fans. Das Thema Porsche nimmt einen breiten Raum ein, und wir lernen die meisten Exemplare seiner Sammlung kennen, vom 1964er 911 bis zum 1977er Turbo. Walker vermittelt das grandiose Erlebnis, mit einem Elfer über die traumhaften Straßen rund um Los Angeles und am Pazifik entlang zu fahren. Er schildert seine zahlreichen Kontakte zu anderen Porsche-Leuten, die nicht selten zu echten Freundschaften führten. Kurzum – er erklärt die Faszination Porsche auf ganz eigene und zudem nachvollziehbare Art. Und er ist wirklich stolz, dass Porsche ihn nun zum Markenbotschafter gemacht hat, so wie Walter Röhrl oder Richy Müller. 

Aber das ist mehr als nur ein Porsche-Buch. Es beschreibt das Familienleben Walkers in einfachen Verhältnissen in England, es verdeutlicht den Aufstieg in den USA durch Ideenreichtum, freundliche Durchsetzungskraft und vor allem harte Arbeit. Und es verschweigt auch nicht Rückschläge und tragische Vorkommnisse im Leben dieses sympathischen "Urban Outlaw". 

Das ist eine interessante und mit Unterstützung von Martin Roach gekonnt geschriebene Autobiografie, die den Leser fesselt und niemals unberührt lässt. Die über 110 Fotografien aus Walkers Leben und von seiner Porsche-Sammlung bereichern den in 15 Kapitel gegliederten Inhalt des Buchs auf attraktive Weise. 


Magnus Walker – Urban Outlaw 
Autor: Magnus Walker, Martin Roach 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2018 
Format: Hardcover, 16 x 23 cm 
Umfang: 240 Seiten 
Text und 24 Seiten mit 112 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: € 22,90 
Vertrieb: Überall im Buchhandel