Rezension Thomas Nehlert: Lichtjahre – Automobilsport-Lifestyle der frühen 60er Horst H. Baumann, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020



Aus nur vier Jahren von 1961 bis 1964 stammen die 166 Fotografien des begnadeten Fotokünstlers Horst H. Bauman in diesem gewaltigen Bildband aus dem Delius Klasing Verlag. Das Wirken des 1934 in Aachen geborenen Fotografen reicht weit über den Automobilsport hinaus. Seine Ablichtungen in großen Magazinen und auf FotoAusstellungen fanden ebenso internationale Anerkennung wie seine Lichtinstallationen in der Stadt der Documenta, Kassel, 1974. So ist er, 2019 verstorben, nicht nur als Fotograf, sondern noch viel mehr als Künstler in die Geschichte eingegangen. 

Bereits im Jahr 1965 war der heute als Sammlerstück gehandelte Band „Die neuen Matadore“ mit den Motorsport-Abbildungen Baumanns und dem Text von Ken Purdy erschienen. Ein Großteil der Fotos aus diesem Buch und weitere zuvor nicht veröffentlichte Aufnahmen finden sich nun in dem Werk "Lichtjahre" wieder. 

An vier Rennstrecken hatte Baumann die Fotografien aufgenommen: Le Mans mit dem 24-Stunden-Rennen, Nürburgring mit dem 1000-km-Rennen und dem Grand Prix von Deutschland, Spa mit dem belgischen und Zandvoort mit dem niederländischen Grand Prix. Die erste Hälfte der 1960er Jahre war die Epoche der 1,5-Liter-Formel-1 und der Vorherrschaft von Ferrari bei den großen Sportwagen-Rennen. Zunächst einmal beeindruckt das wirklich ungewöhnlich große Format, das eine Reproduktion der Fotos bis zu einer doppelseitigen Dimension von fast 60 x 35 cm erlaubt. Die Motivauswahl ist sehr abwechslungsreich – von packenden Startszenen und faszinierenden Rennsequenzen über technische Details bis zu Porträts aus den Cockpits und den Boxen. 

Die großartigen Aufnahmen stammen aus einer Zeit, als an vollautomatisch perfektionierte Digitalbilder noch nicht zu denken war. Deshalb ist es dem Herausgeber sehr zu danken, dass er der Versuchung widerstanden hat, die Fotos mittels einer Nachbearbeitung den heute verbreiteten Sehgewohnheiten anzupassen. Es werden die geradezu künstlerisch komponierten Bildwerke Baumanns genauso wiedergegeben, wie er sie in den 1960er Jahren aufgenommen hatte. Das heißt, die teilweise bewusst eingesetzte Unschärfe zur Verdeutlichung der Dynamik des Geschehens bleibt genauso erkennbar wie die gezielte Unterscheidung von Bildvordergrund und Bildhintergrund durch Spielen mit der Schärfentiefe. Und in Zeiten extrem auflösender Digitalfotos mag manchen Betrachter auch die deutliche Körnung in den Nachtaufnahmen in Le Mans oder den Ablichtungen bei schlechten Lichtverhältnissen am Nürburgring überraschen. Wer jedoch früher selbst einmal gerade wegen geringen Lichteinfalls auch mit hochempfindlichem Filmmaterial gearbeitet hat, kennt diese unvermeidbare Wirkung, die die Authentizität damaliger Aufnahmetechniken und Wiedergabemöglichkeiten unterstreicht. 

Baumann hatte es durch seine Bildgestaltung geschafft, dass der abgebildete Vorgang überaus realistisch transportiert wird. Zum Beispiel hat man bei einem Foto vom vollkommen verregneten 1000-km-Rennen am Nürburgring fast das Gefühl, die Feuchtigkeit und den Eifeldunst zu spüren.Und durch häufige Einbeziehung der Zuschauer, Fotografen oder Techniker am Rand der Strecke oder in den Boxen in den jeweiligen Bildausschnitt werden die Atmosphäre an der Strecke und manchmal sogar die Stimmungslage der beteiligten Personen vermittelt wie es besser nicht möglich ist. Andere Bilder wiederum transportieren die Lichtdurchflutung eines bei strahlendem Sonnenschein ausgetragenen Rennens ins Auge des Betrachters und verleihen dem Titel des Buchs "Lichtjahre" neben der Charakterisierung dieser Epoche des Motorsports eine doppelte Bedeutung. 

Drei knappe Textteile verbinden die herrlichen vier Bildstrecken miteinander. Hans-Michael Koetzle beschreibt unter der Überschrift „Verhaltener Lyriker der Kamera“ den Lebensweg Horst H. Baumanns, Etienne Bourguignon blickt auf die Autorennen der 1960er Jahre zurück und verdeutlicht deren für heutige Verhältnisse schwer nachvollziehbare Gefährlichkeit und Uli Hack – selbst renommierter bildnerischer Künstler – erinnert sich voller Empathie an Horst H. Baumann, dessen Motorsportfotografie nur für einen kurzen Abschnitt seines Werkes steht.

Der sehr gut verarbeitete und schwergewichtige Band ist auf hochwertigem und haptisch angenehmen Papier gedruckt, das Layout ist modern und attraktiv. Das ist ein prachtvolles Buch, das nicht nur den Autosport-Enthusiasten, sondern auch den Freund anspruchsvoller Fotokunst begeistern wird.

Thomas Nehlert 

Lichtjahre – Automobilsport-Lifestyle der frühen 60er 
Autor: Horst H. Baumann (Fotos) 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020 
Format und Umfang: Hardcover , 29,5 x 34,5 cm, 256 Seiten, 166 Fotos 
Text: Englisch/ Deutsch Preis: € 98,00 
ISBN: 978-3-667-11847-9 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert "Weekend Heroes II" - Autoren: Tony Adriaensens, Joel Driskill, Corsa Research, Antwerpen, 2019

1560 Seiten, 3 Bände, über 900 Fotos, 11,5 kg – das sind die Eckdaten eines wirklich außergewöhnlichen Buch-Sets.  2007 hatte Tony Adriaesens erstmals den Band "Weekend Heroes" präsentiert. Zwölf Jahre später entschloss er sich, in seinem in Antwerpen ansässigen Verlag eine Neuauflage herauszugeben. Diese ist nun im Umfang gewaltig erweitert und auf drei Bände verteilt worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es auch in den USA nicht einfach, wieder Automobilsport zu betreiben. Die Menschen hatten verständlicherweise andere Dinge im Kopf und so war an ganze Meisterschaftsprogramme zunächst nicht zu denken. Dies konnte allerdings einen überschaubaren Kreis begeisterter Sportwagen-Fahrer nicht davon abhalten, sich mit ihren Fahrzeugen auf teilweise abenteuerlichen Rennstrecken zu messen. Insbesondere im klimatisch begünstigten Kalifornien gab es schon ab 1947 wieder die ersten Wettbewerbe, die ab 1950 im wahrsten Sinne des Wortes richtig Fahrt aufnahmen. An fast jedem Wochenende fand irgendwo im Südwesten der USA so eine MotorsportVeranstaltung statt, und so ist es keine Übertreibung, die einsatzfreudigen Rennfahrer als "Weekend Heroes" zu bezeichnen.

Zwischen Sacramento und San Diego gab es Dutzende kleiner Kurse, die als Betätigungsfeld dienten. Das waren sowohl Straßen-Rundstrecken als vereinzelt auch Bergrennen. Als Austragungsorte hatten die umtriebigen Aktiven kleinerer kalifornischer Automobil-Clubs und des Sports Car Club of America (SCCA) zusätzlich Parkanlagen als auch stillgelegte oder zeitweise nicht genutzte Flughäfen ausfindig gemacht. Die Veranstaltungen fanden schnell großen Zuspruch und die Zuschauer standen ohne große Sicherheitsvorkehrungen nahe am Renngeschehen. Dies alles wirkte sehr improvisiert, spiegelte aber eine grenzenlose Begeisterung für den Motorsport wider, wie sie gerade für Zeiten nach einer Epoche der Entbehrungen typisch sein dürfte.

Tony Adriaesens, 1966 in Antwerpen geboren, hatte diese Zeit natürlich nicht miterlebt. Er hat aber in mühevoller Recherche unzählige Fotos und auch Texte dieser Ära zusammengetragen, gesichtet, ausgewertet und zu diesem gigantischen Buchwerk zusammengefügt. Das Bildmaterial stammt aus professionellen Archiven und auch aus kleineren Privatsammlungen. Überwiegend handelt es sich um großformatige Farbfotografien, die zum Teil doppelseitige Dimensionen erreichen. Allein die Wiedergabequalität ist schon überraschend – nur selten findet man bei Aufnahmen aus dieser Zeit eine derartig brillante Reproduktion. Es ist deshalb auch nur angemessen, dass beispielhaft acht Fotografen am Anfang des Werkes recht ausführlich vorgestellt werden.

Schlicht atemberaubendSchlicht atemberaubend erscheint die Auswahl der Motive und ihre fotografische Umsetzung. Die über 900 Aufnahmen wurden bei nicht weniger als 104 Veranstaltungen auf 41 Rennstrecken gemacht. 37 dieser Örtlichkeiten liegen in Kalifornien, die restlichen vier verteilen sich auf Nevada, Mexiko, Hawaii und die Bahamas. Das sind viel mehr als reine Rennbilder, das sind fotografische Kunstwerke, die den Motorsport in einzigartiger Form festhalten, und zwar nicht nur das faszinierende Geschehen auf den Pisten, sondern vielmehr noch die Menschen in den Fahrzeugen, bei der technischen Vorbereitung und am Rande der Rennen. Man muss sich für jedes der Fotos Zeit nehmen und kann dann eine eingehende Bildbetrachtung durchführen, bei der man unzählige Details feststellen wird, die in der gewöhnlichen Dokumentation eines Autorennens unbeachtet bleiben. Auch das spezielle Ambiente bestimmter Rennstrecken wird grandios eingefangen, sei es auf den Straßenkursen von Palm Springs oder Pebble Beach, den Strecken von Willow Springs, Riverside, Santa Barbara oder Torrey Pikes und auf den vielen kleinen Flughäfen mit ihren Betonpisten.

Neben den vielen eher weniger bekannten Privatfahrern findet der Betrachter aber auch Ablichtungen großer Piloten, die anfangs der 1950er Jahre ihre Karriere noch vor sich hatten – Masten Gregory, Phil Hill, Ken Miles, Richie Ginther und Carroll Shelby, um nur einige zu nennen. Insgesamt werden am Ende des dreibändigen Werks 37 Persönlichkeiten vorgestellt, die im amerikanischen Motorsport der 1950er Jahre eine bedeutende Rolle spielten, darunter neben den bereits genannten Rennfahrern auch Elliott Forbes-Robinson, Ruth Levy und John von Neumann.

Es würde "Weekend Heroes II" aber nicht gerecht werden, wenn man es ausschließlich als drei Bildbände betrachten würde. Denn Tony Adriaesens und sein Mitherausgeber Joel Driskill haben zu jeder der 104 Veranstaltungen zwischen 1950 und 1957 auch ausführliche Texte zusammengetragen, die die Rennen und ihre Protagonisten sowie teilweise auch die Örtlichkeiten im Detail dokumentieren. Dabei handelt es sich überwiegend um Berichte aus den namhaften amerikanischen Automobil- und MotorsportMagazinen "Road&Track", "Sports Cars Illustrated", "Speed Age" und „Car Life“. Wer sich die drei Bände wirklich eingehend zu Gemüte führen möchte, dürfte dafür Monate brauchen – lohnend ist das allemal! Zu jeder Abbildung gibt es zusätzlich sehr detaillierte Bildunterschriften und zumeist auch Hinweise auf die Art des verwendeten Filmmaterials und den Fotografen. Einziger kleiner Kritikpunkt: die Bildunterschriften hätten in einem etwas besser lesbaren und größeren Schrifttyp gehalten sein können. 

Die drei Bände sind bestens verarbeitet und auf hochwertigem, haptisch sehr angenehmen Papier gedruckt. Das Layout stellt geschickt die künstlerisch-fotografische Adaption des Themas in den Vordergrund, ohne die textliche Erfassung zu vernachlässigen. 

Tony Adriaesens, bekannt auch durch seine exklusiven und teilweise restlos vergriffenen Bücher "Porsche Sporterfolge", "Ten days in Sicily" (über die Targa Florio 1966) und „OttoVu“ (über den Fiat 8V), hat mit "Weekend Heroes II" einen neuen Maßstab gesetzt. Sicherlich sind rund 470 Euro grundsätzlich ein stolzer Preis für ein Druckwerk. Aber für den Automobil-Enthusiasten, der ein Herz für die Ursprünglichkeit eines sich im Aufbruch befindenden Motorsports in den 1950er Jahren im Westen der USA hat, ist bei „Weekend Heroes II“ jeder Cent bestens angelegt.

Thomas Nehlert

Weekend Heroes II 
Autoren: Tony Adriaensens, Joel Driskill 
Verlag: Corsa Research, Antwerpen 
Format: 3 Bände Hardcover, 29,5 x 28,5 cm 
Umfang: 1560 Seiten, etwa 910 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 469,- 
Erhältlich: www.sportfahrer-zentrale.com

Rezension Thomas Nehlert: Einfach eine geile Zeit – Deutsche Rennsport-Meisterschaft 1972-1985 Gustav Büsing & Uwe Mahla, Gruppe C Motorsport Verlag, Duisburg, 2020


Es ist schon neun Jahre her, dass der Gruppe C Motorsport Verlag aus Duisburg die erste Auflage dieses großartigen Buchs über die Deutsche Rennsport-Meisterschaft herausgebracht hat. Die jetzt vorliegende dritte Auflage ist bei unverändert günstigem Preis gründlich überarbeitet und erweitert worden, und zwar um rund 50 auf 304 Seiten. 

Die Deutsche Rennsport-Meisterschaft war eine der faszinierendsten Rennserien, die je auf deutschen Rennstrecken ausgefahren wurde. Zwischen 1972 und 1985 bestimmte das Championat das Geschehen im nationalen Automobilsport. Die technische Vielfalt und die abwechslungsreichen Rennen dürften in ihrem speziellen Reiz die nachfolgende Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft noch deutlich übertroffen haben. Das von zwei renommierten Kennern der Materie - Gustav Büsing und Uwe Mahla - verfasste Buch dokumentiert die Meisterschaft nach einem eingehenden Blick auf die Technik der in der DRM eingesetzten Fahrzeuge chronologisch Jahr für Jahr. Nach den Jahren 1972 bis 1976, in denen die Meisterschaft den nach dem Reglement der Gruppe 2 modifizierten Tourenwagen offen gestanden hatte, folgte 1977 bis 1981 die Epoche der gewaltigen Gruppe 5-Fahrzeuge, bevor ab 1982 die auch international bedeutsame Gruppe C den Rahmen für den Titelkampf bildete. Allein die Reihe der Namen der siegreichen Fahrer und Marken liest sich wie ein "Who is Who" des Motorsports dieser Kategorie: Hans-Joachim Stuck, Dieter Glemser, Hans Heyer, Rolf Stommelen, Harald Ertl, Klaus Ludwig, Bob Wollek, Stefan Bellof und Jochen Mass sowie Ford, BMW, Porsche und Lancia. Die Texte sind kompetent, kurzweilig und informativ. Nicht weniger als 30 Rennfahrer-Biografien ergänzen die Berichterstattung. Auch die von 1979 bis 1983 ausgetragene Deutsche Rennsport-Trophäe wird in angemessenem Umfang dargestellt. Dazu kommen ein Blick auf die Finanzierung der Meisterschaft und die siegreichen Teams sowie eine umfangreiche und bis ins Detail gehende Meisterschafts- und Rennstatistik. 

Die dritte Auflage ist durch einige Kapitel erweitert worden. So werden unter dem Titel „Helden aus der zweiten Reihe“ 30 Persönlichkeiten zusätzlich porträtiert, die die Deutsche Rennsport-Meisterschaft ebenso geprägt haben wie die bereits seit der ersten Auflage gewürdigten Repräsentanten. In einem weiteren Abschnitt erinnern sich zehn Gastautoren an besonders groteske und absonderliche Erlebnisse aus der Zeit der DRM, unter ihnen Rainer Braun, Charly Lamm, Thomas Ammerschläger, Marc Surer und Manfred Jantke. Dies liest sich höchst unterhaltsam und gibt einen ergänzenden Blick hinter die Kulissen der Rennsportmeisterschaft. Ein Personenregister und eine knappe Entstehungsgeschichte des Buchs runden den Band inhaltlich ab. 

Seit der ersten Auflage ist einer der Autoren, Güstav Büsing, leider viel zu früh verstorben und hat eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Es ist deshalb berührend, wie sich einige seiner Weggefährten, allen voran Uwe Mahla als Coautor und Tim Upietz als Verleger, in dieser dritten Auflage seiner erinnern. Dabei soll auch nicht vergessen werden, dass der Verlagsgründer, grandiose Fotograf und Autor zahlreicher Bücher und Vater von Tim, Ulrich Upietz, in der Zwischenzeit von uns gegangen ist. Er wäre stolz, zu sehen, wie seine Söhne aus der väterlichen Firma ein weit über ein reines Verlagshaus hinausgehendes Unternehmen geschaffen haben. 

Die Illustration ist wie bei allen Bänden aus dem Gruppe C Motorsport Verlag hervorragend. Auf 372 teilweise großformatigen Fotos ist das Geschehen auf und neben den Rennstrecken eindrucksvoll und packend festgehalten. Rennaction, Szenen aus Boxen und Fahrerlager sowie eindringliche Porträtaufnahmen wechseln einander ab und versetzen den Betrachter in eine besonders schöne Zeit des Motorsports zurück. Die Wiedergabequalität der Aufnahmen konnte nochmals gesteigert werden. Das voluminöse Buch gefällt zudem durch ein attraktives Layout und beste Verarbeitung sowie einen optisch und haptisch bemerkenswerten Einband.

Einfach eine geile Zeit – Deutsche Rennsport-Meisterschaft 1972-1985 

Autoren: Gustav Büsing, Uwe Mahla 
Verlag: Gruppe C Motorsport Verlag, Duisburg, 2020 
Format und Umfang: Hardcover , 25 x 30,5 cm, 304 Seiten, 372 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: € 50,- ISBN: 978-3-948501-03-7 

Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche 924 – 944 – 968 – 928 Thomas Fuths, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020



Zwanzig Jahre lang produzierte Porsche die Sportwagen der Transaxle-Baureihen, die Vierzylinder-Modelle 924, 944 und 968 sowie die Achtzylinder-Fahrzeuge vom Typ 928. Kennzeichen der Automobile waren wassergekühlte Frontmotoren, die durch eine Welle verbundenen hinter der Hinterachse liegenden Getriebe, langgezogene Fronthauben und großzügig verglaste Heckklappen. Mit diesen seinerzeit ultramodernen Sportwagen war Porsche der Zeit voraus.

Wenn auch so mancher „gusseiserne“ 911-Fahrer seine Vorbehalte hatte, so entwickelten sich die Transaxle-Porsche doch zu einem Erfolg – über 386.000 Exemplare wurden im 20jährigen Produktionszeitraum hergestellt. Gerade wer einmal einen 944 S2 oder 944 Turbo im direkten Vergleich mit einem 911 aus dieser Zeit fahren durfte, wird kaum an der Feststellung vorbeikommen, was für zukunftsweisende und brillante Sportwagen Porsche mit den Transaxle-Modellen auf die Räder gestellt hatte. Dass die Produktion dieser Wagen Mitte der 1990er Jahre eingestellt wurde, hatte in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Und es warteten bereits die neuen, kostengünstiger zu produzierende Baureihen 986 (Boxster) und 996 (911).

Thomas Fuths, Mitglied der Redaktion der Zeitschrift „Porsche Klassik“, beschreibt die Porsche 924 bis 928 in zwölf Artikeln und dokumentiert nicht nur die technischen Konzepte, sondern spiegelt auch den Variantenreichtum der Fahrzeuge wider. In knapper Form werden die verschiedenen Modelle jeder Baureihe vorgestellt, wobei auch die Motorsportvarianten wie der 924 Carrera GT/GTS/GTP/GTR Erwähnung finden. In eher essayistischer Art beschreibt der Autor einige Sondermodelle und insbesondere seine eigenen Erfahrungen mit einzelnen Exemplaren aus der Transaxle-Ära.

Gerade diese Erfahrungen sowie der Reisebericht mit dem letzten Porsche 928 GTS über die Alpen sind besonders lesenswert. Sie werden dem Titel der neuen Buchreihe des Delius Klasing Verlags „Bewegte Zeiten“ gerecht, entführen sie den Leser doch in eine Vergangenheit zurück, die einem derzeit als so unbekümmert und leicht erscheint – selbst wenn sie es jedenfalls nicht in dem Ausmaß war, wie man es heute vielleicht glaubt.

Ein Anhang mit den wesentlichen technischen Daten und Produktionszahlen aller Transaxle-Modelle schließt das kompakte Buch ab.

Die rund 120 Fotos bilden eine attraktive und qualitativ hochwertige Illustration und stammen von Markus Bolsinger, Stephan Lindloff und zum überwiegenden Teil aus dem Historischen Archiv von Porsche. Die Reproduktion aus Prospekten und Werbeanzeigen von Porsche haucht dem Band auf liebenswerte Weise den Zeitgeist der damaligen Porsche-Modelle ein und verleiht ihm zusätzliche Authentizität.- Es müssen nicht immer gewaltige und schwergewichtige Bildbände sein, die Begeisterung wecken; ein kompaktes und attraktiv gestaltetes, dazu preiswertes Buch, das inhaltlich durch Kompetenz und Leidenschaft gekennzeichnet ist, kann das genauso gut. 

Thomas Nehlert

Porsche 924 – 944 – 968 – 928 

Autor: Thomas Fuths 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020 
Format und Umfang: Hardcover , 17 x 24,5 cm, 128 Seiten, 120 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 16,90 

ISBN: 978-3-667-11835

Überall im Handel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: the Racers – Endurance Motor Racing 1963-1973 Al Satterwhite, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020


Al Satterwhite ist ein namhafter amerikanischer Gesellschaftsfotograf, der bereits als College-Schüler 1962 seine Leidenschaft für den Motorsport entdeckte. In Florida lebend, besuchte er regelmäßig die großen Sportwagen-Rennen in Daytona und Sebring. In diesem Buch sind die Fotografien, die er an diesen Rennstrecken in der Zeit von 1962 bis 1973 schoss, wiedergegeben. Zum weit überwiegenden Teil handelt es sich um Schwarzweiß-Ablichtungen, einige der rund 270 Aufnahmen sind auch farbig. Die Qualität der Bildwiedergabe ist durchgehend sehr gut. 

Es war eine Zeit, zu der es kein großes Problem war, auch in die heute zumeist streng abgeschirmten Bereiche wie Boxen und Fahrerlager zu gelangen. Dementsprechend beleuchtet Satterwhite das Renngeschehen, die Sportwagen, die Fahrer und die Mechaniker aus einem sehr nahen und fast schon intimen Blickwinkel. Der Betrachter bekommt auf diese Weise nicht nur die Action, sondern auch die Atmosphäre und die Aktivitäten hinter den Kulissen sehr eindringlich vermittelt. Satterwhite hatte auch zu den Protagonisten des Langstreckensports gute Kontakte wie z.B. zu Carroll Shelby, Dan Gurney, Phil Hill, Pedro Rodriguez oder Jacky Ickx. 

"the Racers" wird im Format eines sogenannten Scrapbooks präsentiert, das heißt, es ist ein Album, in dem die Fotos ergänzt durch Presseausweise, Fahrerlagerkarten und FotoLegitimationen collagenartig zusammengefasst werden. So entsteht ein sehr abwechslungsreiches Layout, das die dem Motorsport jener Zeit innewohnende Spannung auch grafisch transportiert. Neben den Aufnahmen von den Rennen und aus den Boxen begeistern insbesondere die zahlreichen Porträtaufnahmen großer Rennfahrer. 

Die knappen Texte sind zweisprachig englisch-deutsch, die englischsprachigen Bildunterschriften werden in einem Anhang durch die jeweiligen deutschen Fassungen ergänzt. Das Vorwort zu diesem ungewöhnlichen und lohnenden Fotobuch stammt von Brian Redman.

Thomas Nehlert

the Racers – Endurance Motor Racing 1963-1973

Autor: Al Satterwhite 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2020 
Format und Umfang: Hardcover , 23,5 x 27 cm, 192 Seiten, über 270 Fotos 
Text: Englisch/ Deutsch 
Preis: € 78,00 
ISBN: 978-3-667-11856-1

Überall im Handel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Norbert Singer – Porsche Rennsport 1970-2004“ - Autoren: Norbert Singer, Wilfried Müller, Sportfahrer Verlag, 2020


#Norbert_Singer zählt zweifellos zu den bedeutendsten Ingenieuren in der Geschichte von Porsche. Ohne ihn wäre die Erfolgsgeschichte des Unternehmens im Motorsport seit 1970 so nicht vorstellbar gewesen. Darüber hinaus dürfte er auch zu den beliebtesten Konstrukteuren im Automobilsport gehören, denn welcher andere für die Konstruktion erfolgreicher Rennwagen Verantwortliche hat schon einen eigenen Fan-Club in den USA!

Im Jahr 2019 feierte Singer seinen 80. Geburtstag, und das war für den Sportfahrer-Verlag in Düren, der übrigens auch das renommierte Quartalsmagazin „Automobilsport“ verlegt, ein willkommener Anlass, eine ausführliche Biografie über Norbert Singer zu präsentieren. Der Band wird in der bekannten Edition des Porsche-Museums veröffentlicht und ist so auch über den Museumsshop und alle Porsche-Niederlassungen zu beziehen.

 Als Autor konnte neben Norbert Singer selbst auch Wilfried Müller gewonnen werden, der sich u.a. durch Bücher über Walter Röhrl und Peter Falk einen Namen gemacht hat. Der großformatige Band gliedert sich auf insgesamt 360 Seiten in 16 Kapitel, in denen die Ingenieurskarriere Norbert Singers bei Porsche chronologisch dokumentiert wird. Zwei von Zuneigung und Empathie geprägten Vorworten von Jacky Ickx und Jochen Mass folgt im ersten Kapitel ein kurzer Abriss der Kindheit und Jugend Singers und seines Weges in die Rennabteilung von Porsche Anfang 1970. Man muss heute schmunzeln, wenn man liest, dass Norbert Singers Vater es sehr viel lieber gesehen hätte, wenn der „frisch gebackene“ Ingenieur seine Laufbahn bei Opel begonnen hätte; Porsche als damals recht kleines Unternehmen der Auto-Industrie erschien ihm als Arbeitgeber nicht sicher genug . . . 

Singer stieg 1970 direkt in das Programm mit dem Porsche 917 ein. In zwei Kapiteln hält der Ingenieur Rückschau auf diese großartige Zeit der legendären Schlachten bei den Langstreckenrennen, als dem 917 zwar kein gleichwertiger aber doch respektabler wenn auch im Wesentlichen erfolgloser Konkurrent im Ferrari 512S erwachsen war. Ausführlich wird auch Porsches absolut dominierender Einsatz in der CanAm Series mit den Typen 917/10 und 917/30 gewürdigt, bevor in drei Abschnitten die anschließende Epoche mit den verschiedenen auf der Grundlage des 911 entstandenen Rennfahrzeugen Carrera RSR, Carrera RSR Turbo und 935 Revue passiert. 

Der Übergangszeit mit dem Porsche 936 und den Rennversionen des 924 folgte Anfang der 1980er Jahre die Entwicklung des Porsche-Rennwagens, dessen Entstehung und einzigartigen Erfolge ohne Norbert Singer schlicht nicht möglich gewesen wären: zusammen mit anderen Porsche-Ingenieuren schuf er die Typen 956 und 962, die in verschiedenen Ausbaustufen bis 1994 in den Rennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft und bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreffen waren. Bis ins Detail und mit einer durch Singers Position bei Porsche bedingten einzigartigen Authentizität erhält der Leser einen tiefen Blick hinter die Kulissen des Porsche-Motorsports in der Ära der Gruppe C und vor allem natürlich auch einen Einblick in das technische Konzept und die Details des 956/962.. 

Zeitlich parallel lief bei Porsche auch das wenig erfolgreiche Indycar-Projekt 2708, auf das ebenfalls eingegangen wird. Nach der Gruppe C war Singer dann maßgeblich am Aufbau des von einem ursprünglich bei Tom Walkinshaw Racing projektierten Spyder der WSCKategorie beteiligt, der schließlich vom Joest-Team eingesetzt wurde und so zwei weitere Le Mans Siege für Porsche einfuhr. Unter der Regie des Werks lief zur gleichen Zeit die Entwicklung des 911 GT1, der zunächst für die BPR Serie und dann die GT1- Meisterschaft einsatzbereit gemacht wurde. Auch an diesem bis 1998 laufenden Projekt war Singer maßgeblich beteiligt. Es schloss sich die Planung für den lange geheim gehaltenen Prototyp LMP2000 an, der leider nie zum Einsatz kam. Umso nachhaltiger insbesondere für den amerikanischen Markt wirkte sich der Bau des überaus erfolgreichen LMP2-Prototypen mit der Bezeichnung RS Spyder aus, der zwar später auch in Europa zum Einsatz kam, in der American Le Mans Series aber sogar die übermächtigen LMP1- Prototypen von Audi das Fürchten lehrte. 

Die Biografie schließt mit einer Beschreibung des Porsche-Kundensports und der Rolle Singers bei der Entwicklung der GT3-Varianten der 911-Baureihen. Schließlich geht der Ingenieur noch auf seine Dozenten-Tätigkeit an der Hochschule Esslingen ein, die er von 2006 bis 2017 ausübte. 

Dieses Buch ist wirklich eine wahre Fundgrube. Kaum jemand dürfte einen so tiefen Einblick hinter die Kulissen der Sportwagenrennen gehabt haben wie Norbert Singer. Und er gibt in dieser Autobiografie wirklich viel seines Wissen preis. So wird jeder Fan dieser Sparte des Motorsports begeistert sein und so manche Erklärungen für Vorgänge insbesondere aus der Zeit der Gruppe C finden, die ihm bisher verborgen geblieben waren. Dabei analysiert Singer auch die Niederlagen, die Porsche ab und zu einstecken musste, mit klarer Nüchternheit, ohne intern oder gar dem damaligen Konkurrenten gegenüber Vorwürfe zu erheben. Der Ingenieur und sein Autor Wilfried Müller haben all das in gut lesbare Texte gefasst und machen technische Entwicklungen und strategische Überlegungen bei den Renneinsätzen auch für den unbefangenen Leser nachvollziehbar. 

Mit über 450 Fotos ist der Band nicht nur überaus reichhaltig, sondern auch qualitativ erstklassig illustriert. Die ausnahmslos bestens – teilweise im großen Format – reproduzierten Bilder stammen aus namhaften Archiven und aus der privaten Sammlung Norbert Singers. Den weitaus größten Teil der Ablichtungen steuert das Historische Archiv von Porsche bei. Eindrücke aus Singers Jugend, Details der technischen Entwicklungen und immer wieder Sequenzen von den Sportwagenrennen, denen Porsche häufig den Stempel aufdrückte, lassen keinen Wunsch offen. 

Wie von Publikationen des Sportfahrer Verlags gewohnt, ist das Buch auf hochwertigem Papier gedruckt, in einem sehr attraktiven Layout gestaltet und hervorragend verarbeitet. Wer sich für Norbert Singer, den Porsche-Motorsport und die Geschichte der SportwagenRennen interessiert, muss hier zugreifen und kann sich schon auf das nächste literarische Werk Singers freuen, der an einer großen Dokumentation über die Porsche 956 und 962 arbeitet. 

Thomas Nehlert

Norbert Singer – Porsche Rennsport 1970-2004 

Autoren: Norbert Singer, Wilfried Müller 
Verlag: Sportfahrer Verlag, Düren, 2020 
Format: Hardcover, 24 x 28 cm 
Umfang: 360 Seiten, etwa 460 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 59,-
 ISBN: 978-3-945390-06-1 
Erhältlich: www.sportfahrer-zentrale.com

Rezension Thomas Nehlert „Works Porsche 956 – The Definitive History“ - Autor: Serge Vanbockryck, Ultimate Series, Porter Press International, GB, 2019



Bei der Frage nach Porsches bekanntestem und legendärstem Rennwagen fällt einem zumeist erst einmal der Porsche 917 ein, der die Sportwagen-Weltmeisterschaft 1970 und 1971 dominierte und in der Turbo-Version anschließend die Konkurrenten in der CanAm Series das Fürchten lehrte. Aber tatsächlich gibt es eine Prototypen-Baureihe von Porsche, der einer sehr viel längeren Epoche ihren Stempel aufdrückte und die ohne Übertreibung als das erfolgreichste Fahrzeug in der Geschichte der Sportwagen-Rennen anzusehen ist – der Porsche 956 und der von ihm abgeleitete Porsche 962. Ist der Typ 917 in der Motor-Literatur mehr als ausreichend dokumentiert, so fehlt zum 956/962 trotz bereits mehrerer Publikationen bisher eine wirklich umfassende Beschreibung der Entwicklung und Rennhistorie. Diese Lücke dürfte mit dem opulenten Werk von Serge Vanbockryck nun für den 956 geschlossen sein. Allerdings bilden die beiden Bände aus dem Premium-Verlag Porter Press International nur den Anfang: noch 2020 soll ein vergleichbares zweibändiges Werk über den Porsche 962 folgen. Vanbockryck betitelt seine Bücher zutreffend als Darstellung der Entwicklung und der Renneinsätze der Werkswagen von Porsche; auf diesen liegt auch zweifellos der Schwerpunkt der Bände, aber tatsächlich werden auch die Aktivitäten der zahlreichen Kundenteams mit dem Porsche 956 gewürdigt.

Die beiden Bände sind in insgesamt neun Abschnitte mit 54 Kapiteln gegliedert. Nach einem Vorwort von Jürgen Barth erfolgt auf den ersten 130 Seiten in vier Kapiteln eine chronologische Beschreibung der Porsche-Motorsportgeschichte bis zum Jahr 1981. Schon hier wird deutlich, mit welcher Gründlichkeit der Autor recherchiert hat. Sowohl die technische Entwicklung als auch die von Porsche bestrittenen Rennen werden dokumentiert. Am Ende jedes Kapitels belegt Vanbockryck seine Erkenntnisse und Zitate mit der Angabe unzähliger Fundstellen. Richtigerweise erfolgt eine Beschränkung auf den Motorsport mit GT-Fahrzeugen, Sportwagen und Prototypen. Porsches Versuche in der Formel 2 und Formel 1 werden nur am Rande in Form einer Bildunterschrift gestreift.

Was im zweiten Abschnitt über drei Kapitel folgt, hat es in dieser Form in der PorscheLiteratur noch nicht gegeben. Die Entstehung des Porsche 956 wird in allen Entwicklungsschritten derartig detailliert beschrieben, dass sich der Leser wirklich viel Zeit gönnen sollte, um diese faszinierende Geschichte nachzuvollziehen. Das beginnt mit einer hervorragenden Analyse des Reglements der Gruppe C und der auf Grundlage dieses Regelwerks entstandenen Rennfahrzeuge auch außerhalb der Aktivitäten von Porsche. Der wesentliche Part dieses Abschnitts ist jedoch die Darstellung des Projekts 956 von der ersten Überlegung, über die Zeichnungen und Windkanalversuche am 1:5-Modell, die Erstellung erster Formen bis zur Umsetzung des Konzepts zu dem damals modernsten Rennsportwagen seiner Zeit. In nicht einmal einem Jahr war der 956 rennfertig, und Serge Vanbockryck hat jeden Schritt dorthin nachvollzogen – in ausführlicher Beschreibung und unter Zugrundelegung und fotografischer Reproduktion der einzelnen Modellformen, der aerodynamisch ausgefeilten Bodenstruktur des Ground Effect Fahrzeugs, zahlreicher Testprotokolle von den Testfahrten in Weissach und Le Castellet. Der 956 war nicht nur Porsches erster Ground-Effect-Rennwagen, sondern zugleich auch die erste MonocoqueKonstruktion des Zuffenhausener Unternehmens, in die in verschiedenen Bereichen neue Überlegungen und technische Lösungen einflossen. Die ingeniöse Leistung von Peter Falk, Horst Reitter, Eugen Kolb, Valentin Schäffer und vor allem Norbert Singer kann bis heute gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Beschreibung der Entstehung des 956 gewinnt auch dadurch besondere Authentizität, dass der Autor zahlreiche der Protagonisten zu Wort kommen lässt wie zum Beispiel Norbert Singer oder auch Jürgen Barth, der neben seiner Renn- und Versuchsfahrertätigkeit auch für den Kundensport verantwortlich war. Ein eigenes Kapitel widmet sich der Anfang der 1980er Jahre neu strukturierten und ausgebauten Rennabteilung von Porsche und der besonderen Bedeutung des Entwicklungszentrums mit angegliederter Teststrecke in Weissach. So bleibt wirklich kein Aspekt der Entstehung des 956 unberücksichtigt.

Die beiden folgenden großen Abschnitte haben die Renneinsätze des Porsche 956 in den Jahren 1982 und 1983 zum Gegenstand. Jedes einzelne Rennen, in dem die Werkswagen am Start waren, wird ausführlich beschrieben, wobei nicht nur auf den Rennverlauf eingegangen wird, sondern auch auf die jeweilige technische Weiterentwicklung des 956 und die Vorbereitung der Rennen. Da der Autor dafür nicht nur alle ihm im Werksarchiv zur Verfügung stehenden Quellen gesichtet und ausgewertet hat, sondern diese zum großen Teil in Ablichtungen reproduziert, erhält der Betrachter hier einen Einblick in die Fortschreibung einer Rennwagenentwicklung, wie er jedenfalls für einen Gruppe-CRennwagen bisher noch nicht möglich war. Es ginge zu weit, hier all die Konstruktionsdetails aufzuführen, die einer Betrachtung unterzogen werden; nur beispielhaft seien aber Elemente der Motorsteuerung, der Felgenkonstruktion, der Bremsen und ganz besonders der Aerodynamik erwähnt. Die Kapitel, die jedes Rennen für sich darstellen, schließen mit einer Ergebnistabelle ab.

 Der zweite Band beginnt mit einer vergleichbaren Dokumentation der Rennsaisons 1984 und 1985. Bemerkenswert ist – wie auch bei den Berichten zuvor – , dass zunächst auf die immer wieder geänderten Rahmenbedingungen des Reglements eingegangen wird. Da auch im Hinblick auf die amerikanische Sportwagenserie der IMSA Anpassungen des Regelwerks erfolgten, wurden die teilnehmenden Werke Jahr für Jahr vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht zuletzt dieses teilweise sinnfreie Herumdoktern an den Regeln veranlasste Porsche 1984, dem Rennen in Le Mans werksseitig fernzubleiben. Deshalb findet sich in dem Buch, das die Werksaktivitäten mit dem 956 in den Mittelpunkt stellt, kein eigenes Kapitel über die 24 Stunden von Le Mans 1984, die das PorscheKundenteam Joest für sich entscheiden konnte.

Die Berichterstattung über die Rennen 1985 erscheint einem zunächst etwas knapp. Dies findet seine einfache und auch konsequente Erklärung darin, dass Porsche 1985 bereits mit dem Typ 962 als Nachfolger des 956 antrat. So werden die Läufe mit dem 956 genau dokumentiert, die Aktivitäten mit dem 962 aber wie auch die der Kundenteams nur kursorisch behandelt. Denn eine bis ins Detail gehende Aufarbeitung der Rennen mit dem 962 erfolgt in den mittelfristig zu erwartenden Büchern gleichen Formats über den 962. Am großen Erfolg des Porsche 956 waren nicht nur Porsches Ingenieure beteiligt, sondern auch zahlreiche bekannte Rennfahrer. Unter dem Kapitel-Titel „The People“ präsentiert der Autor deshalb sehr ausführliche Biografien nicht nur von Norbert Singer als führendem Ingenieur des Projekts und Roland Kussmaul als Renningenieur und Versuchsfahrer, sondern auch von elf Rennfahrern, die sich auf den Werkswagen von Porsche verdingt hatten.Das reicht von Jacky Ickx, Derek Bell, Jochen Mass und Hans-Joachim Stuck über Vern Schuppan, Stefan Bellof, Al Holbert, Jürgen Barth und Huley Haywood bis zu John Watson und Henri Toivonen. In diesem Zusammenhang ist es für den Autor selbstverständlich, dass er nicht nur die Einsätze der Piloten für Porsche würdigt, sondern im Text auf deren vollständige Karrieren eingeht. Jedes Fahrer-Kapitel schließt mit einer Statistik derer Rennen für Porsche.

Ein besonderer „Leckerbissen“ ist das 95seitige Kapitel, in dem alle gebauten 956 Chassis für Chassis mit ihrer Entwicklungs- und Rennhistorie aufgelistet sind. Keine Testfahrt, keine technische Veränderung, kein Rennen werden in dieser gewaltigen Statistik vergessen. Man kann sich kaum vorstellen, mit welchem Arbeitsaufwand und natürlich auch Begeisterung die Auswertung der für dieses Tabellenwerk erforderlichen Unterlagen im Werksarchiv von Porsche verbunden ist.

Der neunte Teil des zweibändigen Werks beleuchtet die Sponsor-Partnerschaft Porsches mit der Tabakmarke Rothmans und deren zusätzliche imageträchtige Umsetzung bei der filmischen Dokumentation der Werkseinsätze. Eine überaus informative und umfangreiche Bibliografie und ein vollständiger, sehr hilfreicher Index bilden den Abschluss des zweiten Bandes.

Die Texte von Serge Vanbockryck lesen sich – englische Sprachkenntnisse vorausgesetzt – hervorragend; sie sind von höchster Kompetenz, großer Begeisterung und beispielhafter Recherchearbeit geprägt. Die Illustration beider Bände ist grandios. Rund 830 Fotos von vortrefflicher Auswahl und bester Reproduktion auf edlem und schwerem Mattglanzpapier müssen den Leser einfach begeistern. Sie stammen aus vielen namhaften internationalen Archiven, zum großen Teil natürlich aus dem Historischen Archiv von Porsche, das die Erstellung dieser ohne Übertreibung als Grundlagenwerk zu bezeichnenden Publikation erkennbar unterstützt hat. Insbesondere die im Doppelseitenformat gehaltenen Rennaufnahmen sind ein optischer Genuss. Große Faszination geht auch von den Abbildungen aus der Entstehung des 956 aus, derartig zahlreiche technische Details aus der Entwicklung eines Rennwagens bekommt man nur sehr selten zu sehen. Die Bücher sind dem anspruchsvollen Preis entsprechend wunderbar verarbeitet – bestes Papier, eine solide Fadenbindung, ein hochwertiger Leineneinband mit einer um den Buchrücken herumgezogenen Ledereinfassung, das alles in einem festen Leinenschuber zum Schutz dieses kostbaren Lesestoffs.

"Works Porsche 956 – The Definitive History" ist nach einem Band über die Gruppe C Porsche des britischen Teams von John Fitzpatrick die zweite Ausgabe der neuen sehr edel gestalteten „Ultimate Books Series“ von Porter Press International Publishing. Wie bereits erwähnt folgt ein weiteres Opus über den Porsche 962, und in der Planung dieser Reihe sind noch Bücher über den Ferrari 250 GTO und den McLaren F1 GTR. Man kann diesen Veröffentlichungen nur mit Vorfreude entgegensehen.

Thomas Nehlert

Works Porsche 956 – The Definitive History (2 Bände im Schuber) 
Autor: Serge Vanbockryck 
Verlag: Porter Press International, GB, 2019 
Format: 2 Bände Hardcover mit Leineneinband im Leinenschuber, 25 x 35 cm 
Umfang: 800 Seiten, etwa 830 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 540,- 
ISBN: 978-1-907085-90-1 und 978-1-907085-98-7 
Erhältlich: www.sportfahrer-zentrale.com

„Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP “, Autoren Jörg-Thomas Födisch, Rainer Roßbach, McKlein Publishing Köln, 2019 „312P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen“, Autor Gianni Agnesa, McKlein Publishing Köln, 2019



McKlein Publishing hat gerade zwei überragende Ferrari-Bücher herausgebracht. Aus Anlass der Besprechung dieser Bände soll kurz auf das in Köln beheimatete Verlagshaus eingegangen werden. 

Ende der 1970er Jahre gründete Reinhard Klein seinen auf Publikationen über den RallyeSport spezialisierten Verlag. Heute gibt es kaum eine Rallye-Zeitschrift oder ein RallyeBuch, das nicht auf das fast unerschöpfliche Bildarchiv Kleins zugreift. McKlein Publishing ist im Bereich der Illustration von Rallye-Veröffentlichungen klarer internationaler Marktführer. Da aber Bücher und Kalender über diese faszinierende Sparte des Motorsports allein keine sehr breite wirtschaftliche Grundlage bieten, wuchs das Sortiment von McKlein erheblich. Ausgangspunkt waren mehrere Bände über Deutschlands Motorsportlegende Walter Röhrl, die schließlich zu weiteren Rennfahrer-Biografien, Bildbänden und insbesondere auch Büchern in der Edition Porsche Museum führten, die weltweit Anerkennung fanden. Wer sich heute beim Kauf manchmal nicht ganz preiswerter Autobücher gerne beraten lässt, ist bei McKlein bestens aufgehoben. Reinhard Klein, seine Söhne Daniel und Sebastian sowie Mitgesellschafter Alexander Galitzki geben erforderlichenfalls gerne sehr offen Auskunft zu den im Rally- und Racing-Webshop angebotenen Büchern, so dass man nicht – wie bei großen und anonymen Webshops – erst einmal ins Blaue hinein bestellen muss. 

Der wegen der Front in Form einer Haifischmauls unter der Bezeichnung „Sharknose“ bekannte Formel-1-Ferrari 156 genießt gerade in Deutschland einen legendären Ruf, wäre doch der unvergessene Wolfgang Graf Berghe von Trips beinahe auf diesem Rennwagen erster deutscher Formel-1-Weltmeister geworden. Doch der tödliche Unfall beim Grand Prix von Italien in Monza 1961 besiegelte auf tragische Weise sein Rennfahrerschicksal. 

Das bereits durch mehrere Bücher zum Thema „Porsche“ bekannte Autorenduo JörgThomas Födisch und Rainer Roßbach hat nun die Geschichte des Sharknose-Ferrari und seiner beiden Ableger bei den Sport-Prototypen in dem Band „Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP“ in beispielhafter Weise aufgearbeitet. 

Födisch und Roßbach gehen dabei chronologisch vor und dokumentieren nach den Vorworten von Mauro Forghieri und Helmut Zwickl zunächst auf etwa 280 Seiten die Entwicklung des Formel-1-Rennwagens 156 von 1960 bis 1962. Am Anfang steht unter dem Titel „Prologo“ eine geraffte Darstellung der gesamten 156-Historie, die der durch seine Formel-1-Jahrbücher und seine Beiträge für die ehemalige „rallye racing“ bekannte Achim Schlang verfasst hat. Es verdient besondere Hervorhebung, dass die Autoren anschließend auch die Vorentwicklungsstufe des Formel-1-Wagens ausführlich beschreiben, eines auf der Grundlage des früheren Ferrari-Formel-2-Motors entwickelten Mittelmotor-Monoposto, der bereits 1960, also ein Jahr vor der 1,5-Liter-Formel-1, in vier Rennen eingesetzt worden war. Bereits während dieser frühen Entwicklung legte Ferrari den Grundstein für den durchschlagenden Erfolg des 156 im Jahre 1961, weil die Italiener das Projekt eines 1,5-Liter Formel 1 nämlich unverzüglich in Angriff genommen hatten, während die englischen Konstrukteure noch hofften, die ungeliebte 1,5-Liter-Formel würde nicht Realität werden.

Den größten Raum des Buchs nehmen sodann die ausführlichen Berichte über alle 18 Rennen der Jahre 1961 und 1962 ein, an denen der Ferrari 156 teilgenommen hatte. Diese stammen fast ausschließlich von Jörg-Thomas Födisch, während sich Rainer Roßbach der Darstellung der Erprobung und der Technik der Wagen vor Beginn der jeweiligen Rennsaison widmet. 

Durch die in die Tiefe gehenden, in Englisch und Deutsch verfassten Texte, die auch unzählige Hintergrundinformationen enthalten, wird nicht nur deutlich, wie es zu der triumphalen Saison 1961 mit dem Titelgewinn durch Phil Hill gekommen war, sondern auch, aus welchen Gründen Ferrari bereits 1962 der erstarkten und modernen Konkurrenz aus England ziemlich hoffnungslos hinterherfuhr. Natürlich wird auch dem tragischen italienischen Grand Prix 1961 und einer Analyse des Unfalls von Graf Berghe von Trips angemessener Raum gegeben. Jörg-Thomas Födisch, der sich auch als Biograf des großen deutschen Rennfahrers durch mehrere Bücher einen Namen gemacht hat, ist gerade für diese Passagen prädestiniert. 

Wenn auch Ferrari das einzige Werk ist, das seit Beginn der Formel 1 1950 bis heute ununterbrochen an der Weltmeisterschaft teilgenommen hat, so schlug doch Enzo Ferraris Herz in besonderer Weise für die großen Sportwagenrennen und die bei diesen anzutreffenden GT-Wagen und Prototypen. So war es kein Wunder, dass der V6-Motor nicht nur als 1,5 Liter den Formel-1-Wagen antrieb, sondern mit Hubräumen von zwei und 2,4 Litern auch die bildschönen Prototypen 196SP und 246SP, die das Frontdesign in Form des Haifischmauls fortführten. Die Entwicklung und Rennhistorie dieser Boliden beschreibt Rainer Roßbach detailreich und würdigt dabei nicht nur die großen Langstreckenrennen der Sportwagen, sondern auch die Einsätze in der EuropaBergmeisterschaft, die Lodovico Scarfiotti 1962 auf einem 196SP für sich entscheiden konnte. Der Teil des Buchs über die ersten Mittelmotor-Prototypen Ferraris bei den Sportwagenrennen ist rund 70 Seiten lang und nicht etwa nur ein Annex der Formel-1- Dokumentation, sondern vielmehr ein ganz wesentlicher Bestandteil des gewichtigen Bandes. 

Rainer Roßbach ist es auch, der die in dieser Epoche bedeutsamen Ingenieure, Teamchefs und Rennleiter bei Ferrari in separaten Lebensläufen beschreibt. So erfährt der Leser anhand dieser Biografien zahlreiche Einzelheiten über das teaminterne Geschehen bei Ferrari. Der Bogen der Namen spannt sich von Dino Ferrari, Vittorio Jano, Carlo Chiti über Medardo Fantuzzi und Mauro Forghieri bis zu Romolo Tavoni und Eugenio Dragoni. 

Nicht weniger als 12 Rennfahrerbiografien – aufgezeichnet vom durch zahlreiche Formel1-Publikationen und seine Beiträge in „Motorsport Aktuell“ bekannten Hartmut Lehbrink – bereichern das Buch zusätzlich: beispielhaft seien hier Graf Berghe von Trips, Phil Hill, Richie Ginther, die Gebrüder Rodriguez, Olivier Gendebien, Lorenzo Bandini und Lodovico Scarfiotti aufgeführt. 

Nach einem Anhang mit den technischen Daten und Rennergebnissen der dokumentierten Rennwagen bilden zwei Berichte vom Wiederaufbau des für die belgische Ecurie Francorchamps ungewöhnlich in Gelb lackierten 156 mit der Chassis-Nr.002 und von der Herstellung zweier Repliken der Fahrzeuge von Phil Hill und Ricardo Rodriguez aus dem Jahr 1961 den Abschluss des Buchs. 

Überzeugt „Sharknose V6“ schon durch seinen abwechslungsreich verfassten und penibel recherchierten Text ohne jede Einschränkung, so wird dieser Band durch seine atemberaubende Illustration quasi „gekrönt“. Was hier in mehr als 450 Fotografien zusammengetragen wurde, ist fast unglaublich. Zahlreiche namhafte Bild-Archive sind mit Fotos vertreten, wie zum Beispiel Sutton Images, Jesse Alexander, das Historische Archiv Porsche, Klemantaski Collection, Peter Nygaard, Dr.Benno Müller und Rainer Schlegelmilch. Einen größeren Anteil der Ablichtungen stellen McKlein, die Trips-Stiftung, der Autor Jörg-Thomas Födisch und die Collection Alexis Callier. Hinzu kommen noch Fotos aus mehreren Privatsammlungen. Der entscheidende und überwältigende Anteil der Illustration stammt aber aus dem weltberühmten Cahier-Archiv. Paul-Henri Cahier hat dieses Archiv für das Buch weit geöffnet und aus dem riesigen Fundus seines 2008 verstorbenen Vaters Bernard Cahier nicht weniger als rund 210 Aufnahmen zur Verfügung gestellt, so dass es mehr als gerechtfertigt erscheint, Bernard Cahier als Fotografen auf dem Einband festzuhalten. 

Man weiß als Betrachter zuweilen gar nicht, was am meisten begeistert: die großartigen und zum Teil großformatigen und erstmals veröffentlichten Szenen aus den Rennen und vom Rande der Strecken, die ganzseitigen Porträtaufnahmen der Rennfahrer und Ingenieure oder die Ablichtungen der technischen Details der Fahrzeuge. Insbesondere die teilweise doppelseitigen Rennaufnahmen scheinen den Leser direkt an die Pisten der 1960er Jahre zurückzuversetzen, so plastisch und lebendig wirken sie. Das ist umso bemerkenswerter, als die technischen Möglichkeiten der Fotografie zu dieser Zeit nicht mit den Gegebenheiten der heutigen Digitaltechnik vergleichbar waren. Vielleicht gerade deshalb stechen einem die künstlerische Qualität und die atmosphärische Intensität der Fotografien besonders ins Auge, die durch eine fast durchgehende exzellente Reproduktion ins rechte Licht gesetzt werden. Auch soll nicht unbemerkt bleiben, dass es gelungen ist, erstaunlich viele farbige Aufnahmen aus einer Zeit zu publizieren, zu der die Schwarzweißfotografie dominierte. Ein besonderer Leckerbissen sind auch die insgesamt fünf Gemäldewiedergaben von Michael und Graham Turner. 

Der im großen quadratischen Format präsentierte Band ist bestens verarbeitet, in einem überaus attraktiven Layout gestaltet und wird durch einen festen Schuber geschützt. Als wäre ein ohne jede Einschränkungen zu empfehlendes Ferrari-Buch noch nicht genug, legt McKlein Publishing zeitgleich noch eine weitere Publikation zur Geschichte des italienischen Werks vor: „312 P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen“. 

1967 hatte Ferrari nach einer überaus spannenden Saison mit dem 330P4 die Internationale Meisterschaft der Sport-Prototypen hauchdünn für sich entscheiden können. Aufgrund einer Reglementsänderung blieben die Italiener dieser Meisterschaft 1968 fern und überließen das Feld den überlegenen Porsche und Ford GT40. Dies änderte sich 1969, als Ferrari mit dem bildschönen 312P zu den Sportwagen-Rennen zurückkehrte. Bisher gab es über dieses Fahrzeug, das werksseitig nur in sechs Rennen im Jahre 1969 eingesetzt worden war, kaum Literatur. Das ändert sich nun mit diesem Buch, das wirklich eine Lücke schließt.

Gianni Agnesa, der in Cagliari auf Sardinien lebende Ingenieur und Ferrari-Fan, ist tief in die Geschichte des 312P eingestiegen. In acht Kapiteln beschreibt er die Entwicklung und Rennhistorie sowohl der vom Ferrari-Werk gebauten Prototypen als auch des in den Folgejahren vom amerikanischen Team NART zum Teil umgebauten und fortentwickelten Wagens. 

Am Anfang des dreisprachig in Italienisch, Englisch und Deutsch verfassten Buches stehen zwei Interviews. Giacomo Caliri, ein aus Sizilien stammender Ingenieur, der in den 1960er Jahren für die Entwicklung zahlreicher Sport-Prototypen bei Ferrari zuständig war, erteilt Auskunft über die Überlegungen und die technischen Elemente, welche die Entstehung des 312P bestimmten. Dr.Peter Schetty, der mehrere Jahre lang bei Ferrari unterschiedliche Funktionen ausübte – vom Rennfahrer bis zum Rennleiter – und 1969 die Europa-Bergmeisterschaft auf dem Ferrari 212E gewinnen konnte, gibt seine Erinnerungen an die Testfahrten und Renneinsätze mit dem 312P wieder. 

Nach Kapiteln über die Entwicklung des Wagens auf der Grundlage des CanAm Spyders 612 und die Präsentation sowie die ersten nicht problemfreien Testfahrten in Modena und Monza folgt auf rund 90 Seiten eine ausführliche Dokumentation der Saison 1969 mit allen Testfahrten und Renneinsätzen. Der Ferrari 312P traf auf das gewaltige Werksteam von Porsche, das mehrere 908 an den Start brachte. War der italienische Rennwagen auch von der Geschwindigkeit her ein mehr als ernst zu nehmender Konkurrent, so warfen ihn doch technische Defekte oder Fahrfehler immer wieder zurück. Trotz beeindruckender Leistungen blieb ihm ein Sieg versagt. Daran änderte auch die bildschöne geschlossene Coupé-Variante nichts, die aus dem offenen Barchetta entwickelt worden war und von der zwei Exemplare an den 24 Stunden von Le Mans teilnahmen. 

Am Rande geht der Autor auch auf das vom 312P abgeleitete Design-Derivat 512 Special und auf die Entstehung des den 312P als Werkswagen 1970 ablösenden 512S ein. 

Sehr detailliert werden auch auf die Jahre 1970 bis 1974 beschrieben. Zunächst setzte das NART-Team 1970 und 1971 einen 312P in beiden Jahren in Daytona und Sebring und 1970 in Le Mans ein. Wenn auch gegen die 5-Liter-Werkswagen von Porsche und Ferrari chancenlos, befand sich der 312P doch regelmäßig unter den ersten zehn Fahrzeugen im Gesamtklassement. 1972 und 1974 reaktivierte Luigi Chinetti seinen dann modifizierten 312P nochmals, um ihn in Daytona 72 und Le Mans 74 einzusetzen. Ausgerechnet bei seinem letzten Rennen erzielten Andruet/Zeccoli mit dem 312P dessen bestes Ergebnis in Le Mans und kamen auf dem neunten Rang ins Ziel. Das achte Kapitel befasst sich mit dem für den Historischen Motorsport perfekt wiederaufgebauten Ferrari 312P, Chassisnummer 0872. Dieses restaurierte Fahrzeug verfügt über ein Echtheitszertifikat des Werkes und war bereits bei einigen Veranstaltungen zu bewundern. Das Buch schließt mit den technischen Daten des 312P und einer Rennstatistik sowie einer Übersicht der verfügbaren Modellautos und einer sehr informativen Bibliografie. 

In die Texte sind zahlreiche Kurzbiografien eingeschoben, so der beiden Ingenieure Caliri und Rocchi, des Pressesprechers und Ferrari-Vertrauten Franco Gozzi und von nicht weniger als 17 Rennfahrern wie Chris Amon, Clay Regazzoni, Derek Bell, Mario Andretti und Pedro Rodriguez, um nur einige dieser Piloten zu benennen. 

Gianni Agnesa hat seine Texte mit großer Akribie und erkennbarer Begeisterung für das Thema verfasst. Es wird deutlich, dass es ihm gelungen ist, bei seinem Vorhaben zahlreiche Informationen unmittelbar am Projekt Beteiligter einzuholen und auch die mediale Unterstützung des Werks zu erlangen. So liest sich der Band nicht nur spannend, informativ und abwechslungsreich, sondern zeugt auch von hoher Authentizität. 

Mit über 250 Fotografien ist das Buch bestens illustriert. Die Aufnahmen stammen u.a. aus den bekannten Archiven von McKlein Publishing, Motorsport Images, Actualphoto, Pete Lyons und Grand Prix Library. Auch Gianni Agnesa selbst hat einige Ablichtungen beigesteuert. Die teilweise großformatigen Bilder belegen eine gekonnte Motivauswahl und überzeugen auch durch eine einwandfreie Wiedergabequalität. Auch Liebhaber der technischen Details des 312P kommen voll auf ihre Kosten, insbesondere im Kapitel über die Restaurierung des Exemplars mit der Chassis-Nr. 0872. 

Das Buch ist bestens verarbeitet, verfügt über ein gutes Layout und wird durch einen Papp-Schuber geschützt.

Thomas  Nehlert

"Sharknose V6" und "312P“ - das sind zwei repräsentative Bände, die in die Bibliothek jedes Ferrari-Enthusiasten gehören. 

Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP 

Verlag: McKlein Publishing 
Autoren: Jörg-Thomas Födisch & Rainer Rossbach 
Vorwort: Mauro Forghieri 
Fotos: Bernard Cahier Format: 29 x 29 cm, Hardcover im Schuber 
Seiten: 432 Fotos: über 450 Fotos 
Sprachen: Deutsch und Englisch Preis: € 124,90 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-947156-24-5 

312P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen
Verlag: McKlein Publishing 
Autor: Gianni Agnesa Format: 29,5 x 27 cm, Hardcover im Schuber 
Seiten: 264 Fotos: über 250 Fotos 
Sprachen: Deutsch, Englisch und Italienisch 
Preis: € 89,90 
Vertrieb: RacingWebShop.
com ISBN: 978-3-947156-19-1

Rezension Thomas Nehlert: Opel Jahrbuch 2020 Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon, 2019

Es müssen nicht immer die opulenten Bildbände oder großformatigen und schweren Jahrbücher sein, die dem autobegeisterten Leser Freude vermitteln. Das beste Beispiel dafür ist das nun zum 22. Mal erschienene Opel-Jahrbuch des Podszun-Verlags. Eckhart Bartels als Mitbegründer und Herausgeber des Buchs hat mit seinem Team wieder ein beachtliches Kaleidoskop der vielfältigen Opel-Themen aus der Geschichte und zur aktuellen Situation des Unternehmens zusammengestellt und detailreich recherchiert. 

Das reicht von einer ausführlichen Darstellung der Opel-Produktionsstätten in Eisenach und Bochum und der ersten Manta- und Ascona-Baureihe sowie des Kadett C über Berichte über die Geschichte der Opel-Sechszylinder-Motoren, den Opel Calibra, die 85jährige Tradition des Opel Design bis zu bemerkenswerten Analysen der Marktlage und des Modellprogramms. Hochinteressant erscheinen eine Würdigung der Jahrzehnte innerhalb des früheren Mutterkonzerns General Motors und eine Perspektivbeschreibung der Rolle Opels innerhalb des PSA-Konzerns. Auch der Motorsport kommt nicht zu kurz: Halwart Schrader schreibt über das Gordon Bennett Rennen und Stefan Müller dokumentiert die Opel-Markenrennen der 1970er Jahre. Wer sich für die Nutzfahrzeuge des Unternehmens interessiert, wird mit einer Story über den Opel Blitz bedient

Das Opel-Jahrbuch ist wie immer sehr gut illustriert, Druck und Bildreproduktion sind ausgezeichnet. Der kompakte Band mit seinem attraktiven Layout und der angenehmen Haptik rechtfertigt für Opel-Fahrer und -Freunde schon wegen seines mit höchster Kompetenz verfassten und abwechslungsreichen Inhalts eine klare Empfehlung. 

Thomas  Nehlert

Opel Jahrbuch 2020

Verlag: Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon, 2019

 Format und Umfang: Softcover , 17 x 24 cm, 144 Seiten, 250 Abbildungen 

Text: Deutsch 

Preis: € 16,95 

ISBN: 978-3-86133-937-3 

Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche 904 Stefan Bogner, Jürgen Lewandowski, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Nach den Bänden über die Porsche-Typen 918 und 959 ist dies nun die dritte Edition in diesem repräsentativen Format. Ein großformatiger Bildband mit knappen Erklärungen und ein handliches, zweisprachiges deutsch-englisches Text Book werden in einer attraktiven und stabilen Box präsentiert. 

Der Porsche 904 Carrera GTS war für die Entwicklung des Zuffenhausener SportwagenHerstellers von immenser Bedeutung. Zum einen stellte er – von der Hand des begnadeten Ferdinand Alexander Porsche gezeichnet – eine Design-Ikone dar, zum anderen war er der Ausgangspunkt einer neuen Rennwagen-Baureihe, die mit eben diesem 904 begann und sich über 906, 910, 907 und 908 bis zum 917 als Höhepunkt fortsetzte. 

Der namhafte Automobil-Historiker und Buchautor Jürgen Lewandowski hat genauestens recherchiert und so viel Interessantes über den 904 zusammengetragen, dass man das Textbuch im handlichen Format in Windeseile durchliest. Selbst der Porsche-Kenner wird dort sicherlich die eine oder andere ihm bisher unbekannte Tatsache erfahren, insbesondere über die zeitlich parallele Entstehung von 904 und 911. Hochinteressant, wie der 904 den Vierzylinder-Carrera-Motor bekam und nur später in wenigen Exemplaren mit einem Achtzylinder ausgestattet wurde. Besonders anzuerkennen ist, dass Lewandowski nicht nur das Ergebnis seiner eigenen Nachforschungen wiedergibt, sondern auch aus den Standardwerken von Karl Ludvigsen und Jürgen Barth zitiert. Barth hat zudem einen eigenen Beitrag zu dem Textband geleistet. 

Kernstück der Ausgabe ist natürlich der großformatige Bildband. 12 Kapitel, jeweils als Bildstrecke gestaltet, beleuchten den 904 Carrera GTS unter allen Gesichtspunkten. Nach der Reproduktion einiger kunstvoller Rennplakate, die von jeher bei Porsche eine große Tradition hatten, folgen Ablichtungen aus der Entwicklung des Rennwagens und von einigen technischen Details. Stefan Bogner, durch zahlreiche Porsche-Bücher und seine Curves-Reihe bekannt, zeichnet für grandiose Fotos des 904 am Österreich-Ring und auf der Großglockner-Hochalpenstraße verantwortlich. Wir sehen den schwarzen 904 von Stirling Moss und auch das Achtzylinder-Exemplar des früheren Königs von Jordanien, der mit diesem Boliden selbst Rennen gefahren war. 

Eine der schönsten Passagen des Buchs zeigt in 40 großformatigen Bildern, wie der 904 Carrera GTS den Ruhm Porsches auf den Rennstrecken der Welt mehrte – Nürburgring, Le Mans, Sebring, Rallye Monte Carlo, zahlreiche Bergrennstrecken und natürlich die legendäre und für Porsche so glorreiche Targa Florio auf Sizilien; die Sportwagenrennen der 1960er Jahre hatten einfach einen ganz besonderen Reiz. Die Fotos stammen aus dem unerschöpflichen Historischen Archiv von Porsche, das auch die Quelle für die faszinierenden Aufnahmen vom Produktionsprozess des 904 ist. 15 Seiten haben die erfolgreichen Bergspyder von Porsche zum Gegenstand, die vom 904 Carrera GTS abgeleitet worden waren. Und auch der 904 als Kunstobjekt bleibt nicht unberücksichtigt. Den Abschluss des auf schwerem Mattglanzpapier gedruckten und bestens verarbeiteten Buchs bilden 23 Fotos des 904 mit der Fahrgestell-Nummer 092, der nach Stationen in Venezuela, Florida, Japan und Kalifornien schließlich wieder in die heimatlichen Gefilde der Familie Porsche nach Zell am See zurückgekehrt ist. 

Dies ist ein zweifellos mit Herzblut in Szene gesetztes großartiges Porsche-Buch über einen ungewöhnlich schönen und erfolgreichen Rennsportwagen, der auch für die technische Entwicklung besondere Bedeutung hatte. 

Porsche 904
Autor: Stefan Bogner (Fotografie), Jürgen Lewandowski (Text) 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: Hardcover in Schmuckbox, 27 x 29 cm, 224 Seiten, 155 Abbildungen, zusätzliches Textbook (90 Seiten) 
Text: Deutsch/ Englisch 
Preis: € 128,- 
ISBN: 978-3-667-11676-5 
Überall im Buchhandel erhältlich