Rezension Thomas Nehlert: "M1 procar", View-GmbH, Bonn, 2017

Jeder kennt heute die inzwischen legendären M-Modelle von BMW, allen voran M3 und M5 als auch M2 und M4. "M" steht dabei an sich für "Motorsport", denn die M-GmbH ging 1978 aus der 1972 gegründeten Motorsport-GmbH von BMW hervor. Die M-GmbH startete unter der Leitung von Jochen Neerpasch mit einem sensationellen Fahrzeug, das für die Nutzung sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf den Rennstrecken konzipiert worden war, dem BMW M1. 

Das von Michael Thiers View-Verlag herausgegebene Buch "M1 Procar" dokumentiert die Entstehung, die technische Entwicklung und vor allem die Renneinsätze dieser Wettbewerbsversion des M1 bis ins letzte Detail. Autor des Buchs ist Jochen von Osterroth, Motorsportfans bekannt durch zahlreiche Fachbücher und als langjähriger Redakteur der unvergessenen Zeitschrift "rallye racing", die von August 1966 bis Ende 2001 ein unverzichtbares Printmedium im Bereich Automobilsport war. Als rallye-racingMann verfolgte von Osterroth, der übrigens im Ehrenamt auch Vorsitzender des MittelalterVereins Oberwesel ist, nicht nur die Geschichte des M1, sondern auch sämtliche Rennen der Procar Series in den Jahren 1979 und 1980. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen war er wie kaum ein anderer dazu berufen, dieses gigantische Buch über den BMW M1 Procar zu verfassen. 

Das 276 Seiten umfangreiche Buch gliedert sich in elf Kapitel. Nach Vorworten von Jochen Neerpasch und Max Mosley werden im ersten Abschnitt die Entstehung der M-GmbH und die Entwicklung des M1 von den ersten Ideen bis zur Umsetzung dieses für damalige Zeiten einzigartigen Projekts dargestellt. Dank der hervorragenden Kontakte des Autors kommen in diesem Zusammenhang auch zahlreiche Protagonisten zu Wort, die unmittelbar mit dem M1 Procar zu tun hatten. Beispielhaft seien Jochen Neerpasch, der leider vor nicht allzu langer Zeit verstorbene Paul Rosche, Martin Braungart und Rainer Bratenstein erwähnt. Nicht zuletzt wird auch der Einsatz von Max Mosley und Bernie Ecclestone gewürdigt, ohne die eine Installation der Procar Series im Vorprogramm der Formel 1 und bei einigen weiteren ausgesuchten Rennen nicht denkbar gewesen wäre. Und schließlich muss auch Uwe Mahla erwähnt werden, bekannt durch unzählige Veröffentlichungen und durch seine mehrjährige Tätigkeit als Pressesprecher des BMWMotorsports. Mahla hat von Osterroth bei der Erstellung des Buchs maßgeblich unterstützt. Gleiches gilt für Günter Nötzold, der sein ganzes Wissen und auch Teile seines Bildmaterial eingebracht hat. 

Den größten Raum des Buchs nimmt die Dokumentation der beiden Jahre der Procar Series 1979 und 1980 ein. Sämtliche Startaufstellungen der insgesamt 18 Läufe, ausführliche Rennberichte und Porträts der beiden Titelträger Niki Lauda und Nelson Piquet lassen keine Frage offen. Dabei wird auch deutlich, dass diese Serie nicht mit einem Markenpokal im heutigen Sinne zu vergleichen ist, sondern ein beinhartes und hoch dotiertes Championat war, in dem in der Regel die fünf Trainingsschnellsten der Formel 1 auf renommierte Tourenwagen- und Sportwagen-Piloten trafen.

Weitere Kapitel über die M1-Einsätze in der amerikanischen IMSA-Serie, bei den 24 Stunden von Le Mans, in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft und in vereinzelten Rallyes schließen sich an. Eine interessante Würdigung erfahren die künstlerisch gestalteten Exemplare des Procars, sei es das von Andy Warhol bemalte Art-Car 1979, der Nürburgring-M1 oder der als Werbeträger verwendete Wirtshaus-M1. Ausführliche Rennergebnisse der Procar-Rennen 1979/80 und eine dreiseitige Auflistung aller M1 Procar-Fahrgestelle schließen das Buch ab. 

Die Texte des Autors und die zum Teil selbst verfassten Beiträge der am Procar-Projekt Beteiligten verraten nicht nur eine auch heute noch sehr hohe Begeisterung für das Thema, sondern eine aus der Nähe zum damaligen Geschehen stammende überragende Kompetenz.So hatte Jochen von Osterroth nicht nur, wie bereits ausgeführt, sämtliche Rennen der Procar Series jeweils vor Ort verfolgt, sondern auch schon seinerzeit journalistisch begleitet. 

Die Illustration ist mit 221 Fotografien nicht nur sehr reichhaltig, sondern auch in Auswahl und Reproduktion der Abbildungen auf hochwertigem Mattglanzpapier hervorragend. Die Bilder stammen aus zahlreichen namhaften Archiven, darunter auch aus der Sammlung von BMW Classic. Mehrere Aufnahmen erscheinen im gewaltigen Doppelseitenformat, also in den Maßen 48x32 cm; eine bestechende Luftaufnahme dieser Größe zeigt beispielsweise das M1 Procar-Feld in der Grundigkehre des Nürnberger Norisrings. 

Ein paar Worte müssen auch zu der Ausführung dieses imponierenden Buchs verloren werden, weil diese wirklich außergewöhnlich ist und neben dem in jeder Beziehung überzeugenden Inhalt den zweifellos stattlichen Preis erklärt und rechtfertigt. Der Einband besteht aus einem Buchrücken mit Silberprägung und einem Cover in Halb-LeinenAusführung in silberner Farbe, die Buchdeckel sind aus einem Spezialpapier in besonderer Glattleder-Haptik gefertigt, ein geprägter M1 procar-Schriftzug auf dem vorderen Einband ziert das Buch genauso wie ein Web-Etikett und ein Lesebändchen in den BMW-M-Farben. Bei dieser Liebe zum Detail versteht es sich schon von selbst, dass Verarbeitung und Bindung auch höchsten Ansprüchen genügen. Dem Schutz des Buchs dient ein stabiler silberfarbener Schuber. 

Dieses Werk ist eine Zierde jeder Sammlung von Motorsport-Literatur, für wahre BMWFans ein Highlight und für die Eigentümer der noch vorhandenen raren BMW M1 unverzichtbar. Angesichts der limitierten Auflage von 500 Exemplaren dürfte es sich schnell zu einem echten Sammlerstück entwickeln.

Thomas Nehlert. 

M1 procar

Autor: Jochen von Osterroth 
Verlag: View GmbH Bonn, 2017 
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29,5 x 32 cm, 276 Seiten, 221 Fotos 
Text: Deutsch Preis: € 220,-, 
Limitierung auf 500 Exemplare 
ISBN: 978-3-945397-08-4

Rezension Thomas Nehlert: „Alan Mann Racing – F3L/P68“ und „Ford Escort RS1600-Safari 1972“ McKlein Publishing, Köln, 2017

Wenn wir uns mit im Automobilsport erfolgreichen Werken befassen, denken wir zunächst immer nur an Ferrari und Porsche, Mercedes und BMW und vielleicht noch an Bugatti und Alfa Romeo. Dabei gibt es einen Konzern, dessen Tradition und Erfolge im Motorsport zumindest so bemerkenswert sind wie die Siege der geläufigen "Edel-Fabrikate". Es gibt praktisch kein motorsportliches Betätigungsfeld, in dem Ford nicht schon einmal aktiv war.

McKlein Publishing in Köln und der Autor Ed Heuvink haben im Laufe der vergangenen drei Jahre drei besonders außergewöhnliche Rennfahrzeuge von Ford mit drei sehr edel gestalteten und großformatigen Büchern dokumentiert. Der erste Band dieser Trilogie beschrieb 2015 das Urmodell des Ford GT mit der Chassisnummer 101. Jetzt wird diese Reihe mit den Büchern über den Ford P68 und den Escort RS1600, der im internationalen Rallyesport eingesetzt worden war, abgeschlossen.

Als die FIA für das Jahr 1968 die großvolumigen Rennsportwagen vom Kaliber des Ford GT aus der Prototypen-Klasse ausschloss, entwickelte Len Bailey für das Team von Alan Mann in England einen neuen 3-Liter-Prototypen, der von Anfang an durch sein begeisterndes Design bestach. In der rennsportlichen Realität indes erwies sich dieser Ford P68 mit dem der Formel 1 entliehenen Cosworth-V8-Motor als reiner Fehlschlag. In den Jahren 1968 und 1969 trat dieser Rennwagen in sieben Rennen an, fiel aber regelmäßig mit Defekten der unterschiedlichsten Art aus. Neben seinem Aussehen vermochte allein sein imposantes Motorengeräusch zu überzeugen.

Ein in der Schweiz lebender Sammler verfügt – neben dem britischen Rennfahrer David Piper - noch über eines der wenigen Exemplare des Ford P68. Er gab den Anstoß zu diesem Buch, das sich nicht nur mit diesem Prototypen befasst, sondern zunächst auch mit der Ford-Motorsportgeschichte und der Entwicklung des legendären 3-Liter-V8-Cosworth-Motors, dem in der Formel 1 erfolgreichsten Triebwerk aller Zeiten. Darüber hinaus bekommt der Leser auch einen ausgezeichneten Einblick in die Geschichte und die Struktur des Alan-Mann-Rennteams. Nach einer eingehenden Dokumentation der Rennhistorie des P68 geht der Autor auch auf die Einsätze des porträtierten Fahrzeugs im aktuellen historischen Motorsport ein. Das Vorwort zu dem in neun Kapitel gegliederten Band stammt von Richard Attwood, einem britischen Rennfahrer, der über eigene Erfahrungen mit dem P68 verfügt, und zwar sowohl aus der Zeit der eigentlichen Renneinsätze als auch aus den Fahrten bei Oldtimer-Veranstaltungen. Nicht minder bemerkenswert erscheint das Geleitwort von Henry Mann, dem Sohn des früheren Teamchefs Alan Mann.

Gerade angesichts der kaum noch überschaubaren Anzahl von Büchern über die weitaus bekannteren und erfolgreichen Prototypen und Sportwagen von Porsche und Ferrari und auch über den Ford GT40 ist dieser Band über ein zuweilen in Vergessenheit geratenes Projekt ein echter Leckerbissen. Ed Heuvink hat genau recherchiert und zahlreiche bisher nicht bekannte Fakten zusammengetragen, um dieses attraktiv gestaltete und bestens illustrierte Buch zu erstellen. Die zum großen Teil im ganzseitigen Format gehaltenen Fotos stammen aus zahlreichen namhaften Archiven wie z.B. LAT, McKlein, Ford und Bernard Cahier. 

Im Gegensatz zum glücklosen Ford P68 war der Ford Escort RS 1600 ein sehr erfolgreiches Wettbewerbsfahrzeug im internationalen Motorsport, insbesondere bei den Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft. Einer der herausragenden Siege war der bei der East African Safari Rallye 1972; ein Ford-Sieg an sich wäre ja nichts so Besonderes gewesen, aber 1972 konnte mit Hannu Mikkola und Gunnar Palm erstmals ein nicht aus Ostafrika stammendes Fahrerteam diese unglaublich harte Rallye für sich entscheiden. Deshalb ist jenes Siegerfahrzeug – nun ebenfalls in der Schweiz beheimatet – auch ein Unikat von eminenter Bedeutung. Ed Heuvink und der frühere Rallyefahrer John Davenport dokumentieren hier die Historie des Siegerfahrzeugs, wobei sie den Aufbau derSportabteilung und die Planung und den Ablauf der Einsätze von Ford im Rallyesport voranstellen. Für den technisch interessierten Leser dürfte auch die Darstellung der Entwicklung der Rallye-Fahrzeuge von Ford von den Anfängen mit dem Ford V8 und dem Zephyr über den Lotus Cortina bis zum Escort RS 1600 ein Highlight sein, und man erfährtu.a. auch eine Menge über das beachtliche Feld der Konkurrenten von Ford bei den großen Rallyes. Natürlich liegt der Schwerpunkt des im gleichen Format wie das P68-Buchgehaltenen Bandes auf der Vorbereitung und dem Verlauf der East African Safari 1972. 

Deshalb ist es nur konsequent, dass die Vorworte zu diesem ebenfalls auf 999 Exemplare limitierten, großartig illustrierten Buch von den Safari-Siegern Hannu Mikkola und Gunnar Palm stammen, die noch heute ihre berechtigte Freude über den historischen Erfolg von 1972 wiedergeben. Umfangreiches statistisches Material und eine beeindruckende Fotostrecke zum Escort RWC 455K runden das Buch inhaltlich ab. 


Alan Mann Racing F3L/P68 

Autor: Ed Heuvink
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2017
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29 x 29 cm, 158 Seiten, über 210 Fotos
Text: Englisch Preis: € 79,90, Limitierung auf 999 Exemplare 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-9274-5897-0

Ford Escort RS 1600 - Safari 1972

Autoren : Ed Heuvink, John Davenport
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2017
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29 x 29 cm, 158 Seiten, 190 Fotos
Text: Englisch Preis: € 79,90, Limitierung auf 999 Exemplare 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-9274-5898-7

Rezension Thomas Nehlert „Porsche Klassik – Special Edition 911“ Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Wenn die Produktion eines gewöhnlich als "Sportwagen-Ikone" bezeichneten Fahrzeugs die Stückzahl von einer Million erreicht, ist das etwas sehr Besonderes. Der 1963 in seiner Urform als 901 vorgestellte Porsche 911 hat dieses Ziel am 11. Mai 2017 erreicht. Das ist Anlass genug, dieses für einen Hochleistungswagen einmalige Jubiläum mit einer edel und attraktiv gestalteten Sonderausgabe des Magazins "Porsche Klassik" zu würdigen.

Auf 148 Seiten präsentiert der Delius Klasing Verlag 15 Geschichten und Berichte über den Sportwagen-Klassiker aus Zuffenhausen. Der Automobil-Historiker und durch zahlreiche Bücher bekannte Autor Jürgen Lewandowski zeichnet die Entstehung des Porsche 901 nach und widmet einen Artikel dem Schöpfer der 911-Form, Ferdinand Alexander Porsche. Außerdem beschreibt er den Andial 964 Carrera 4, der mit 680 PS als stärkster Straßen-Porsche erst jetzt durch den neuen GT2 RS abgelöst wird. Bastian Fuhrmann stellt die in Kalifornien beheimatete R-Gruppe und deren Gründer Ray Crawford mit seinem 911 S vor, vermittelt dem Leser einen Eindruck von der Sloan Sammlung in New York und berichtet über außergewöhnliche Porsche-Kunden und ihre Porsche 911. Außerdem steuert er einen ausführlichen Fahrbericht vom in klassischem Grün gehaltenen Jubiläumsexemplar des 911 durch Schottland bei. Weitere Texte befassen sich unter anderem mit dem Porsche-Club Westfalen, einem ungewöhnlichen Rennfahrzeug mit der Bezeichnung "912 RSR Lightweight", einem 911 Carrera RSR 2.8 sowie einer gigantischen Sammlung von Porsche-Modellautos. 

Die Special Edition 911 ist reichhaltig und hochwertig illustriert, liest sich interessant und abwechslungsreich und macht die immense Vielfalt des Themas "Porsche 911" deutlich. Trefflich passt auch der Preis zum Thema des Hefts: 9,11 €. 


Porsche Klassik Sonderausgabe "Special Edition 911" 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Kartoniert, 23 x 28 cm, 146 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 9,11 

Überall im Zeitschriftenhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „The Next 100 – Ideen, Visionen, Meinungen zur Welt von morgen“, BMW Group München, Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2016

BMW hat 2016 den 100. Geburtstag gefeiert. Dem Selbstverständnis des Unternehmens entsprechend wurde relativ knapp Rückschau auf die Geschichte gehalten. Der Schwerpunkt der Feierlichkeiten lag in der Entwicklung von realitätsbezogenen Zukunftsvisionen. So verhält es sich auch mit diesem Buch, einem beachtlichen Wälzer von fast 600 Seiten Umfang. Das ist kein Autobuch im engeren Sinne. Das ist ein Band, der die Möglichkeiten und die Notwendigkeit aufzeigt, wie sich ein Unternehmen der Autoindustrie positionieren muss, um zu überleben.

Dabei wird jedoch davon ausgegangen, dass es auch in Zukunft den Wunsch geben wird, individuelle Fahrzeuge zu besitzen. Dokumentiert wird das schon in den Kapiteln über vier Zukunftsstudien der Fahrzeugentwicklung: Motorrad Vision Next 100, Mini Vision Next 100, Rolls-Royce Vision Next 100 und BMW Vision Next 100. Das Konzept der Mobile wird ausführlich dargelegt und in ausgezeichneten Abbildungen faszinierend vorgestellt. 

Allein der Fahrzeugbau wird aber schon mittelfristig ein Autounternehmen kaum tragen. Hoch interessant deshalb das Kapitel "Was wird aus der BMW Group?". Der Chefredakteur dieses Buchs, Adriano Sack, hat mit zahlreichen Mitarbeitern und Führungskräften bei BMW gesprochen und deren Vorstellungen wiedergegeben. Das reicht vom Fahrzeugbau über die unterschiedlichsten Mobilitätsprojekte wie autonomes Fahren, CarSharing, Pay-per-Use-Modellen, perfekt individualisierten Modellen bis zum Datensammeln und Datenschutz, „veganen“ Automobilen und teilweise schon errichteten Erlebniswelten. Es wird deutlich, dass sich sowohl die Geschäftsfelder als auch die Arbeitsplätze vollkommen ändern werden - sei es in der Produktion, sei es im Verkauf oder der Kundenbetreuung. 

In sieben "Gesprächen über das Morgen" treffen jeweils eine ranghohe BMWPersönlichkeit und ein im Bereich der Zukunftsforschung aktiver Wissenschaftler oder Künstler aufeinander. Dem vorangestellt sind mit Daten unterlegte Prognosen zur biologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung auf diesem Planeten. In die gleiche Richtung gehen zehn sehr unterschiedliche Essays unter dem Titel "Weltuntergang war gestern". 

Zum Glück bleibt aber die BMW-Historie nicht vollkommen außen vor. Das erste der insgesamt elf Kapitel schaut unter der Überschrift "Zurück in die Zukunft" auf über 60 Seiten auf bedeutsame Motorräder, Fahrzeuge und Konzepte von BMW zurück und spart in diesem Zusammenhang auch den Motorsport nicht aus. Und im zehnten Kapitel werden auf rund 50 Seiten überraschende Kreationen präsentiert, die man in den Archiven von BMW gefunden hat. 

Ein echter Leckerbissen ist das Kapitel "Fast and Curious", in dem Visionen zur Mobilität aus der bis zu tausenden von Jahren zurückliegenden Geschichte in teilweise prachtvollen Zeichnungen mit einprägsamen und ausführlichen Bildunterschriften gezeigt werden 

Die Texte stammen von Michael Seitz und Dr. Petra Thorbrietz. Das liest sich sehr spannend und verdeutlicht den immensen Wandel, der die Autoindustrie schon jetzt mit voller Härte getroffen hat. Viele der aufgezeigten Entwicklungen und Prognosen sind unausweichlich, in einigen Feldern ist vielleicht das letzte Wort noch nicht gesprochen, so dass beim Leser - durchaus gewollt - so manche offenen Fragen und Zweifel bleiben. 

Die Illustration ist mit rund 420 Fotos und zahlreichen Grafiken und Ablaufdiagrammen sehr reichhaltig. Die Abbildungen aus der BMW-Geschichte und zu den vier Fahrzeugen Vision Next 100 sind besonders reizvoll. Das Buch ist hervorragend verarbeitet und auf hochwertigem matten Papier überaus attraktiv gestaltet. Natürlich ist es als ein von BMW herausgegebenes Werk unvermeidlich auch ein Promotion-Book; das tut aber dem gelungenen Inhalt keinen Abbruch.

Thomas Nehlert

The Next 100 – Ideen, Visionen, Meinungen zur Welt von morgen 

Autor: Michael Seitz und Petra Thorbrietz, Redaktion: Adriano Sack 
Verlag: Hoffmann & Campe Verlag Hamburg, 2016 
Format und Umfang: Hardcover, 23 x 30 cm, 592 Seiten, rund 420 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 98,00 
ISBN: 978-3-445-50421-7 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert "Kunst und Technik – Eine neue Einheit“ Ausstellungskatalog der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie für Kunst und Objekt Plathner.27 in Hannover vom 24.Mai bis 28. Juli 2017

"Die Möglichkeiten, sich künstlerisch mit dem Thema Automobil auseinanderzusetzen, sind Legion, ein unendlicher Ozean, aus dem wir eine winzige Auswahl gefischt, zusammengestellt haben."

Mit diesem Satz endet das Geleitwort des renommierten deutschen Automobil-Historikers und langjährigen Kurators des wundervollen Hamburger Automuseums "Prototyp" Martin Schröder für den 40seitigen Katalog zu der Ausstellung "Kunst und Technik – Eine neue Einheit". 

Die Exponate der Ausstellung waren vom 24. Mai bis zum 28. Juli 2017 in der Galerie Plathner.27 in Hannover zu bestaunen. Die Verbindung von Kunst und Technik lag auch dem von Walter Gropius geschaffenen Konzept des Bauhauses in Weimar zugrunde. Und so verwundert es auch nicht, dass die Werke der Ausstellung in Hannover auf vielfältige Weise Verbindungen zwischen Gebäuden, Automobilen als technischen Gegenständen und Kunstwerken in Form von Fotografien und Zeichnungen herstellen.

Dabei ist allerdings der banale Begriff des Automobils etwas zu einfach. Wer etwas über Martin Schröder, der an der Ausstellung maßgeblich beteiligt war, Bescheid weiß, wird nicht verwundert sein, dass insbesondere Rennwagen einer künstlerischen Ausleuchtung unterzogen wurden, die für Schröder von jeher eine besondere Bedeutung haben: der Auto Union Rennwagen Type C 1936, der Auto Union Type D 12-Zylinder 1938, der Cisitalia 360 von 1947, der Mercedes-Benz Rekordwagen von 1938 und der Borgward RSvon 1955. 

Der Auto Union Type C von 1936 nimmt dabei besonders großen Raum ein. Mehrere Fotos von Manfred Zimmermann zeigen diese automobile Ikone in der Aufsicht und in der Seitenansicht. Dieter Osler lichtet dieses beeindruckende Rennfahrzeug zusammen mit dem als Weltkulturerbe eingestuften Gebäude des Fagus-Werks in Alfeld an der Leine ab – und dabei kommt auf plastische Weise wieder die Verbindung zu Walter Gropius zustande, denn ein Foto zeigt den Rennwagen aufgerichtet vor dem Gropius-Glaswinkel des Fagus-Werks. Dazu kommen technische Zeichnungen und vier illustrierte Fotografien von Ben Wiesenfarth und Guido Herrmann; Wiesenfarth setzt dabei ein im Maßstab 1:8 gehaltenes Modell des Typ C fotografisch in Szene, und Herrmann übermalt die Fotografien in einer Weise, die den Übergang von Foto und Malerei fließend erscheinen lässt.

Unter Verwendung technischer Zeichnungen des Auto Union Type C von Janos Rakoczis schafft Uwe Schloen durch das teilweise Übermalen mit schwarzer Tusche und Deckweiß sowie den Einsatz eines Kohlestifts sechs Gouachemalereien, die der Ausstellung und auch dem vorliegenden Katalog besondere Akzente verleihen.

Weitere Fotos zeigen kunstvoll technische Details des von Ferdinand Porsche 1947 konstruierten Cisitalia und des Mercedes Rekordwagens, mit dem Rudolf Caracciola am 28. Januar 1938 auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt einen Rekord von 432 km/h aufstellte. Schließlich sollen noch zwei Fotografien nicht unerwähnt bleiben: Der von JuliusWeitmann abgelichtete Ventiltrieb des Borgward Rennmotors von 1955 stellt sich dem für die Technik zu begeisternden Betrachter ebenso als eigenes Kunstwerk dar wie die von Martin Schröder selbst fotografierte Kurbelwelle des Auto Union Type D 12-Zylinder in der nach Hellmuth Hirth benannten Bauweise. 

Wer es als Kunst- und Automobil-Interessierter nicht geschafft hat, die Ausstellung in Hannover zu besuchen, dem sei dieser attraktiv gestaltete Katalog empfohlen – eine Empfehlung, die auch mit einem Zitat aus Martin Schröders Geleitwort schließen soll: „Alle Personen und alle Arbeiten interpretieren das Thema 'Kunst und Technik – Eine neue Einheit' am Automobil, dem alle Lebensbereiche umfassenden Phänomen des vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts.“ 


Kunst und Technik – Eine neue Einheit
Verlag: plathner.27, 
Galerie für Kunst und Objekt
Format und Umfang: Kartoniert, 23,5 x 30 cm, 40 Seiten 
Text: Deutsch 
Preis: € 19,80
zu beziehen über: https://plathner27galerie.com/verkauf/

Rezensionen Thomas Nehlert „Carrera RS“ Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim, TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015

Für Porsche-Fans und Porsche-Fahrer war der 1972 vorgestellte und im Folgejahr in Produktion gegangene 911 Carrera RS mit 2,7 Liter Hubraum, 210 PS und dem prägnanten aber aerodynamisch so effektiven Entenbürzel der Traumwagen schlechthin; und er ist es bis heute geblieben. Diesem einzigartigen Porsche haben Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim ihr herrliches Buch "Carrera RS" gewidmet.

Dreizehn Jahre nach der längst vergriffenen und teilweise zu aberwitzigen Preisen gehandelten Erstauflage hat der TAG-Verlag diese überarbeitete und deutlich erweiterte Ausgabe des Prachtbandes herausgebracht. Der Umfang ist von 256 auf 434 Seiten angewachsen, und auch die Illustration hat mit rund 1000 Abbildungen beträchtlich zugelegt.

Der Inhalt lässt sich am Besten durch die Titel der elf Kapitel dokumentieren: "Carrera Panamericana", "Vorgänger", "Porsche 916", "Entwicklung", "Produktion", "Technik", "Modelle & Ausstattungen", "Sondermodelle", "Presse & Marketing", "Sport" und "Alle Carrera RS". Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass wirklich kein Aspekt des 911 Carrera RS unberücksichtigt geblieben ist. Zahlreiche Anhänge mit Reproduktionen aus der Betriebsanleitung, Kundendienstinformationen, Homologationspapieren, den technischen Daten sowie einem Personenregister und einem Literaturverzeichnis runden dieses hervorragende Werk ab. Neben der spannenden Entwicklungsgeschichte, der technischen Dokumentation mit vielen Schnittzeichnungen und Fotografien technischer Details und der Vorstellung des Ausstattungsprogramms inklusive einer Darstellung aller verfügbaren Lackierungen begeistern insbesondere die motorsportliche Historie des RS und die Auflistung aller produzierten Fahrzeuge. Sowohl die Leidenschaft der Autoren für das Thema als auch die unglaublich in die Tiefe gehenden Recherchen zum Carrera RS sind unübersehbar.

Das Buch ist in einer edlen Leinenausstattung mit einem soliden Schuber aufgelegt, die Qualität von Papier, Druck, Bildreproduktion und Verarbeitung ist ausnahmslos erstklassig. Wie schon die erste ist auch diese Auflage auf 3000 Exemplare limitiert, die sicherlich alsbald vergriffen sein werden. Und so relativiert sich der hohe Preis dieses außergewöhnlichen Buchs über einen außergewöhnlichen Sportwagen.

Carrera RS Autoren: Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim
Verlag: TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 434 Seiten im Leinenschuber, rund 1000 Abbildungen
Text: Deutsch (die englischsprachige Ausgabe ist bereits vergriffen)
Preis: € 438,00

"Carrera 2.7" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 

Nur kurz nach dem Buch über den Porsche 911 Carrera RS erschien in gleichem Format der Band "Carrera 2.7" von Ryan Snodgrass. Der Autor hat dieses Werk in seinem Verlag Parabolica Press in den USA verlegt, gedruckt wird es - wie auch "Carrera RS" - im Media Druckwerk Hamburg, und für die Gestaltung ist ebenfalls wie beim RS-Buch Christoph Mäder verantwortlich.

Nachdem der Carrera RS als Sondermodell und Höhepunkt des 911 in seiner Urform nur kurz produziert worden war, verwendete Porsche das 2,7-Liter-Triebwerk mit 210 PS auch im nachfolgenden G-Modell ab Modelljahr 1974 mit den den US-Vorschriften entsprechenden so typischen kantigen Stoßfängern und behielt diesen Carrera 2.7 für zwei Jahre im Modellprogramm, bevor er zum Modelljahr 1976 vom Carrera 3.0 abgelöst wurde. Mit dieser doch sehr überschaubaren Produktionszeit entwickelte sich auch der Carrera 2.7 zu einem sehr raren Modell, das in den Fahrleistungen dem legendären Carrera RS in nichts nachstand.

Mit der gleichen Akribie und Leidenschaft wie im RS-Buch werden hier die Technik, die Entwicklung, die Ausstattungsmerkmale und die Motorsporteinsätze des Carrera 2.7 dokumentiert. Die neun Kapitel des 406 Seiten umfangreichen Buchs lauten "Carrera Unveiled", "Drivetrain", "Rolling Classic", "Body", "Interior", "Special Models", "Racing", "Accessoires" und "Literature". Dazu kommen noch vier Anhänge mit dem Homologationsblatt für Renneinsätze, den technischen Daten und einer Aufstellung der technischen Veränderungen von Mai 1973 bis Juni 1975. Da bleibt wahrhaft keine Frage zum Carrera 2.7 unbeantwortet. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass Georg Konradsheim, ein Autor des RS-Buchs, für den Band über den Carrera 2.7 das Vorwort geschrieben hat. Gerade die enge Verbindung zwischen den beiden Büchern macht den Erwerb beider Bände so reizvoll.

Auch "Carrera 2.7" ist mit weit über 650 Abbildungen großartig illustriert. Auswahl und Reproduktion der bis ins Detail gehenden Fotos begeistern ebenso wie die edle Ausstattung und makellose Verarbeitung. 

Carrera 2.7 
Autor: Ryan Snodgrass 
Verlag: Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 
406 Seiten im Leinenschuber, über 650 Abbildungen Text: Englisch 
Preis: € 279,00 

"turbo 3.0" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, Ende 2017

"911 R", TAG Motor Books GmbH, Hannover, Ende 2017

Voraussichtlich noch dieses Jahr werden beide Verlage jeweils ein weiteres Luxusbuch im vergleichbaren Format herausbringen. Bei Parabolica Press hat Ryan Snodgrass seinen 536 Seiten dicken Band über den Porsche Turbo 3,0 – den Ur-Turbo also – fast fertig. Unter dem Titel „turbo 3.0“ wird das auf 2500 Exemplare limitierte Werk ab Oktober wahrscheinlich 380,00 € kosten. 

Zu dem neuen Buch von TAG Motor Books ist nur soviel bekannt, dass es sich um ein Buch über den Porsche 911 R handeln wird, und zwar sowohl über das aktuell gerade ausverkaufte Sondermodell der Baureihe 991 als auch über die ursprüngliche Version des Ur-Elfers von 1967. 

Alle Bände sind über den jeweiligen Verlag und auch bei "racingwebshop.com" erhältlich bzw. bestellbar.




Rezension Thomas Nehlert „Auto Union DKW - Im Spiegel der Werbung von 1949 bis 1966“, Ralf Friese, Delius Klasing Verlag,

DKW war ein nach dem ersten Weltkrieg gegründetes Unternehmen, das 1932 in der Auto Union aufging und in der Zeit von 1949 bis 1966 in Ingolstadt frontangetriebene Zweitakt-Fahrzeuge herstellte. Die wahre Herkunft des Namens DKW beruhte auf der Entwicklung eines DampfKraftWagens durch Jorgen Skafte Rasmussen und seinen Freund Mathiesen im Jahr 1916, wenngleich auch die Bezeichnung des zur gleichen Zeit von Hugo Ruppe entwickelten kleinen Zweitaktmotors als "Des Knaben Wunsch" und die Titulierung eines Fahrradhilfsmotors als „Das Kleine Wunder“ zur Begründung der Abkürzung DKW herhalten dürfen. 

Im vorliegenden qualitativ hochwertigen Buch werden auf über 330 Abbildungen die Nachkriegsmodelle von DKW unter Bezugnahme auf Werbung und Prospekte in drei Abschnitten dokumentiert. Gut 100 Seiten befassen sich mit den Personenwagen vom DKW F 10 über den 3=6 und AU 1000 bis zum Junior, F 11/F 12 und F 102. Es schließen sich die kommentierten Reproduktionen von Prospekten des Munga-Geländewagens und der Lieferwagen vom F 89 über den F 800 bis zum F 1000 L an. Zu jedem auszugsweise wiedergegebenen Prospekt hat Ralf Friese eine kurze Beschreibung hinzugefügt. Diese Kommentare gehen nicht nur knapp auf das jeweilige Fahrzeug ein, sondern charakterisieren auch das gezeigte Prospektmaterial, das zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des Autors Ralf Friese stammt. 

Auf diese Weise entsteht nicht nur ein überaus reizvoller Überblick über die Entwicklung der DKW-Modelle, sondern insbesondere auch eine Rückschau auf Grafik, Fotografie und Inhalt der Werbung in den 1950er und 1960er Jahren. Hält man heutzutage teilweise über 100seitige Bücher als Prospekte in den Händen, so begnügte sich die Auto-Industrie seinerzeit mit 4- bis 16-seitigen Faltblättern, die durch gelungene künstlerische Gestaltung und eine Beschränkung auf die wesentlichen Daten überzeugten. Allerdings konnte die Modellvielfalt damals mit der heutigen Flut von Varianten und Ausstattung auch nicht annähernd mithalten. 

Es ist eine wahre Freude, durch einen Blick auf die zeitgenössischen Prospekte die damalige Motorisierung noch einmal vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Die kunstvoll gezeichneten Illustrationen zeigen überwiegend ein heiles Familienidyll, in dem der „Herr des Hauses“ am Steuer sitzt, seine Frau mehr als Zierde neben dem DKW steht und manchmal auch die Kinder voller Stolz im oder am neuen DKW posieren. Wenn auch diese früheren Zeiten nicht besser waren, so erinnert man sich mit solch gelungenen Vorlagen doch nur zu gerne.


Autor: Ralf Friese 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 23,8 x 27,2 cm, 160 Seiten, rund 330 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10913-2 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Verlorene Freunde - Das Leben und Sterben der größten Rennfahrer“ Elmar Brümmer und Ferdi Kräling, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Früher war es ein omnipräsentes Thema: der Rennfahrer-Tod. Und die heute zum Glück gewonnene Sicherheit im Automobilsport darf nicht darüber hinweg täuschen, dass Motorsport nach wie vor eine überaus gefährliche Angelegenheit ist. Der tragische Tod von Jules Bianchi hat dies vor nicht langer Zeit wieder in Erinnerung gerufen. In der Epoche zwischen 1960 und 1990 jedoch kamen jährlich mehrere Rennfahrer durch Unfälle auf den Rennstrecken oder auch bei Abstürzen mit ihren Privatflugzeugen ums Leben. 

Der 144 Seiten umfangreiche Band würdigt insgesamt 19 in dieser Zeitspanne verstorbene Piloten in umgekehrt chronologischer Reihenfolge ihres jeweiligen Todesdatums. Die Porträts reichen von Michele Alboreto, Ayrton Senna und Stefan Bellof über Manfred Winkelhock, Rolf Stommelen, Gilles Villeneuve, Harald Ertl, Ronnie Peterson, Carlos Pace, Tom Pryce, Graham Hill, Francois Cévert, Joseph Siffert, Pedro Rodriguez bis zu Jochen Rindt, Piers Courage, Gerhard Mitter, Jim Clark und Graf Berghe von Trips. Die einzelnen Kapitel sind sechs bis zehn Seiten lang. Die Texte hat der bekannte Motorsport-Autor Elmar Brümmer mit tiefgehender Kenntnis und Einfühlsamkeit verfasst, wobei er auch die tödlichen Unfälle und ihre Ursachen zutreffend analysiert. 

Die rund 75 Fotos stammen zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des renommierten Motorsportfotografen Ferdi Kräling. Zu jedem der gewürdigten Fahrer findet der Leser ein bis zwei großformatige Aufnahmen, die die betreffenden Piloten am Steuer der von ihnen gefahrenen Rennwagen zeigen, und ein ganzseitiges Porträtbild. Dazu kommen noch einige Fotos, die das Unfallgeschehen wiedergeben. Am beeindruckendsten sind allerdings die Fahrerbilder, die große Erinnerungen wachrufen. Für mich ragt unter all diesen Ablichtungen das Porträt von Jim Clark ganz besonders heraus; der 1968 verunglückte Schotte beeindruckte nicht nur durch sein unglaubliches fahrerisches Können, sondern auch durch seine Vielseitigkeit und seine charismatische Ausstrahlung – ähnlich wie etwa 25 Jahre später Ayrton Senna. 

Dies ist ein hervorragend verarbeitetes Buch mit brillanter Bildwiedergabe auf edlem Mattglanzpapier, das den älteren Leser in die Zeit seiner Jugend zurückversetzt und dem jugendlichen Betrachter die heute kaum nachvollziehbare Gefährlichkeit des Motorsports vor 50 Jahren vor Augen führt. 


Autoren: Elmar Brümmer (Texte), 
Ferdi Kräling (Fotos) 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 21,6 x 28,6 cm, 
144 Seiten, rund 75 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 ISBN: 978-3-667-10970-5 


Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“, Mats Kubiak, Delius Klasing Verlag, Bielefeld,

Porsche ist die letzte verbliebene Automarke, die im Rahmen der "Edition Porsche Museum" in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verlagen eine eigene Buchreihe herausgibt. Der neueste Band der Edition aus dem Delius Klasing Verlag befasst sich mit dem Wirken und Schaffen Erich Strengers, der das Erscheinungsbild des Stuttgarter Unternehmens im Bereich der "gedruckten Kommunikation" wesentlich geprägt hat. 1952 gründeten Richard von Frankenberg und er die bis heute erscheinende Kundenzeitschrift "Christophorus", zweifellos die beste Zeitschrift auf dem Gebiet der Kundenpflege, die inzwischen in der 380. Ausgabe in elf Sprachen und in einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren auf den Markt kommt. Außerdem gestaltete Strenger zahlreiche Prospekte und Werbeanzeigen für Porsche, bevor er sein eigenes Unternehmen vom für Porsche tätigen Atelier in eine unabhängige Werbeagentur umwandelte. Seinen Lebensabend verbrachte der 1922 geborene Erich Strenger auf Mallorca, 1993 verstarb er. 

Mats Kubiak, Sohn des durch mehrere Bücher über den Porsche 356 und Porsche 911 bekannten Achim Kubiak, zeichnet in sieben Kapiteln das Leben Erich Strengers nach. Nach einem Blick auf Strengers Privatleben bilden die Abschnitte über den „Christophorus“, die Porsche-Prospekte, -Werbeanzeigen und -Rennplakate auf rund 110 Seiten den wesentlichen Teil des Bandes. Beschreibungen zur Werbeagentur Strenger und die Würdigung seiner Freien Arbeiten schließen sich vor einem dreiseitigen Fußnotenverzeichnis an. 

Die Texte sind verhältnismäßig kurz, verraten aber eine sorgfältige Recherche, geben sie doch auch Äußerungen einiger Weggefährten Strengers und auf diese Weise zudem viele Interna der Kommunikationsstrategie bei Porsche wieder. Es spricht für Porsche, dass auch die etwas zwiespältige Trennung von Erich Strenger, die aber immerhin zur großzügigen Übergabe eines 911 führte, nicht ausgespart wird. Und wen es interessiert, wie es zu der für Porsche-Betriebsanleitungen und Prospekte charakteristischen bordeauxroten Farbgestaltung kam, der erfährt ebenfalls unter dem Begriff "HKS17" Aufklärung. 

Das Buch ist in einem kompakten Format gehalten und liegt beim Lesen angenehm in der Hand. Die Kehrseite davon ist, dass die im Original großflächigen Plakate und Prospekte diesem Buchformat entsprechend nur stark verkleinert wiedergegeben werden können. Die Qualität der Reproduktion der rund 195 Abbildungen auf wertvollem offenporigen Papier ist sehr gut, so dass man trotz der reduzierten Größe die prachtvolle grafische Gestaltung der Porsche-Rennplakate von den Läufen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, den 24 Stunden von Le Mans oder aus der CanAm-Serie genauso genussvoll betrachten kann wie die liebevoll ausgeführten Prospekte vom Porsche 904 GTS, vom 911 Carrera RS und all den Varianten des 356. Nicht weniger reizvoll sind die phantasievollen Werbeanzeigen und vor allem auch die abwechslungsreichen und künstlerisch anspruchsvollen Titelblätter des „Christophorus“ - namentlich im Ursprung ja der Schutzheilige der Reisenden, der beim Mitbegründer der gleichnamigen Zeitschrift, Richard von Frankenberg, sowohl auf der Rennstrecke als auch im Straßenverkehr gut zu tun hatte . . . 


Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“

Autor: Mats Kubiak 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Hardcover, 19,2 x 25,6 cm, 192 Seiten, rund 195 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10969-9

Rezension Thomas Nehlert „Porsche Klassik – Ausgabe 11“ und „Porsche Klassik – Ausgabe 11 (Hefte 1-10)“ Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Richard von Frankenberg und Erich Strenger gründeten im Jahre 1952 das Magazin "Christophorus", welches das Porsche-Werk bis heute seinen Kunden inzwischen fünfmal jährlich zukommen lässt. Diese Zeitschrift ist nicht nur die älteste aller PorschePublikationen, sondern gilt nicht ohne Grund als bestes Kunden-Periodikum im AutomobilSektor. Frühe Hefte werden als Sammlerstücke zu immensen Preisen gehandelt. Vom „Christophorus“ sind bis heute 380 Ausgaben erschienen, zuletzt in elf Sprachen mit einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren. 

Seit den 1980er Jahren sind unzählige weitere Titel zum Thema "Porsche" hinzugekommen – von den Blättern der zahlreichen Porsche-Clubs bis zu unabhängigen Zeitschriften in fast allen Ländern, in denen Porsche-Fahrzeuge verkauft werden. Erst jüngst ist in Kalifornien von Pete Stout ein Luxus-Magazin mit dem sich auf die dreiziffrigen Typenbezeichnungen von Porsche beziehenden Titel "000“ ins Leben gerufen worden – das Jahresabonnement mit vier Heften zum grenzwertigen Preis von 350 $.

Der Delius Klasing Verlag, der als sogenannter "Corporate Publisher" auch für den "Christophorus" redaktionell mitverantwortlich ist, bringt seit 2012 das zweimal im Jahr erscheinende Magazin "Porsche Klassik" heraus. Jede Ausgabe hat einen Umfang von 130 Seiten. Der Themenschwerpunkt liegt sowohl auf der Unternehmensgeschichte als auch auf historischen Porsche-Modellen vom 356 über den 911 und die TransaxleFahrzeuge bis zu den Rennwagen. 

Unlängst ist die elfte Ausgabe von "Porsche-Klassik" erschienen, wieder mit zahlreichen Berichten aus der Geschichte des Sportwagenherstellers. Ein Themenschwerpunkt ist der Vergleich dreier Generationen des Porsche 911 Turbo: der 964 3.8 Liter, der 993 und der ganz aktuelle 991/2 zeigen, dass der Turbo in jeder Entwicklungsstufe das Nonplusultra eines alltagstauglichen Hochleistungssportwagens war und ist. So unschuldig die weiße Lackierung der gefahrenen 911 Turbo auch wirkt, so gewaltig ist doch das Leistungsvermögen aller Modelle. Ein weiterer Leckerbissen für die Elfer-Freunde ist der Bericht über den alten 911 R, den seinerzeit Gérard Larrousse pilotierte. Als noch relativ kostengünstiger Einstieg in die Porsche-Welt wird der 944 vorgeschlagen, eine Vorstellung befasst sich mit einem viersitzigen 928-Prototypen, und die Rennsporthistorie findet ihre Berücksichtigung mit einem Artikel über den 904/03. Ein Blick in die US-Szene, zahlreiche Standard-Rubriken und natürlich eine Würdigung Walter Röhrls aus Anlass seines 70. Geburtstages runden das weite Spektrum der Porsche-Themen ab. 

Die Texte stammen wie immer von ausgewiesenen Porsche-Spezialisten, die Illustration auf hochwertigem Papier mit teilweise großformatigen und künstlerisch gestalteten Aufnahmen entspricht dem hohen Qualitätsanspruch des Magazins. 

Zeitgleich mit der elften Ausgabe hat der Delius Klasing Verlag aus Anlass des fünfjährigen Bestehens von "Porsche Klassik" einen Jubiläumsschuber mit den ersten zehn Ausgaben herausgebracht. So kann jeder Porsche-Enthusiast seine Kollektion vervollständigen, und das lohnt sich. Hier nur ein kurzer Ausschnitt einiger Themen der ersten zehn Hefte: 

Nr.1: Die Design-DNA des 911, 550 Spyder – Spurensuche James Dean; 
Nr.2: Ferdinand Alexander Porsche, 911 Targa, 928 GTS, H-J. Stuck in Le Mans; 
Nr.3: Der Turbo, Porsche in Kalifornien, 914, Le Mans 1953; 
Nr.4: 50 Jahre Porsche 911; 
Nr.5: Ikone Porsche 356, Targa Florio, 911 G; 
Nr.6: Porsche in den USA, 911 Speedster G-Modell, 996-Tipps; 
Nr.7: Carrera RS, Vierzylinder: 924-944-968, Mark Webber im Turbo; 
Nr.8: Walter Röhrl: 911 Carrera 2 im Vergleich mit Carrera 4, 30 Jahre 959; 
Nr.9: Mittelmotor-Spezial, McQueen privat in Le Mans; 
Nr.10:911 Carrera Club Sport, Jägermeister 914/6, 50 Jahre Fuchs-Felge. Allein diese nur sehr auszugsweise Übersicht verdeutlicht die große Themenvielfalt der "Porsche Klassik". 

Und wo bekommt man sonst tatsächlich nicht weniger als 1300 Seiten über die Porsche-Historie für nur € 89,- !

Thomas Nehlert

Porsche Klassik Ausgabe 11 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Kartoniert, 23 x 28 cm, 130 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 8,00 

Überall im Zeitschriftenhandel erhältlich Porsche Klassik Jubiläums-Schuber (Ausgaben 1-10) 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 Format und Umfang: Schuber, 23,7 x 29,3 cm, 1300 Seiten Text: Deutsch Preis: € 89,00 

Nur beim Delius Klasing Verlag online bestellbar