Rezension Thomas Nehlert „Works Porsche 956 – The Definitive History“ - Autor: Serge Vanbockryck, Ultimate Series, Porter Press International, GB, 2019



Bei der Frage nach Porsches bekanntestem und legendärstem Rennwagen fällt einem zumeist erst einmal der Porsche 917 ein, der die Sportwagen-Weltmeisterschaft 1970 und 1971 dominierte und in der Turbo-Version anschließend die Konkurrenten in der CanAm Series das Fürchten lehrte. Aber tatsächlich gibt es eine Prototypen-Baureihe von Porsche, der einer sehr viel längeren Epoche ihren Stempel aufdrückte und die ohne Übertreibung als das erfolgreichste Fahrzeug in der Geschichte der Sportwagen-Rennen anzusehen ist – der Porsche 956 und der von ihm abgeleitete Porsche 962. Ist der Typ 917 in der Motor-Literatur mehr als ausreichend dokumentiert, so fehlt zum 956/962 trotz bereits mehrerer Publikationen bisher eine wirklich umfassende Beschreibung der Entwicklung und Rennhistorie. Diese Lücke dürfte mit dem opulenten Werk von Serge Vanbockryck nun für den 956 geschlossen sein. Allerdings bilden die beiden Bände aus dem Premium-Verlag Porter Press International nur den Anfang: noch 2020 soll ein vergleichbares zweibändiges Werk über den Porsche 962 folgen. Vanbockryck betitelt seine Bücher zutreffend als Darstellung der Entwicklung und der Renneinsätze der Werkswagen von Porsche; auf diesen liegt auch zweifellos der Schwerpunkt der Bände, aber tatsächlich werden auch die Aktivitäten der zahlreichen Kundenteams mit dem Porsche 956 gewürdigt.

Die beiden Bände sind in insgesamt neun Abschnitte mit 54 Kapiteln gegliedert. Nach einem Vorwort von Jürgen Barth erfolgt auf den ersten 130 Seiten in vier Kapiteln eine chronologische Beschreibung der Porsche-Motorsportgeschichte bis zum Jahr 1981. Schon hier wird deutlich, mit welcher Gründlichkeit der Autor recherchiert hat. Sowohl die technische Entwicklung als auch die von Porsche bestrittenen Rennen werden dokumentiert. Am Ende jedes Kapitels belegt Vanbockryck seine Erkenntnisse und Zitate mit der Angabe unzähliger Fundstellen. Richtigerweise erfolgt eine Beschränkung auf den Motorsport mit GT-Fahrzeugen, Sportwagen und Prototypen. Porsches Versuche in der Formel 2 und Formel 1 werden nur am Rande in Form einer Bildunterschrift gestreift.

Was im zweiten Abschnitt über drei Kapitel folgt, hat es in dieser Form in der PorscheLiteratur noch nicht gegeben. Die Entstehung des Porsche 956 wird in allen Entwicklungsschritten derartig detailliert beschrieben, dass sich der Leser wirklich viel Zeit gönnen sollte, um diese faszinierende Geschichte nachzuvollziehen. Das beginnt mit einer hervorragenden Analyse des Reglements der Gruppe C und der auf Grundlage dieses Regelwerks entstandenen Rennfahrzeuge auch außerhalb der Aktivitäten von Porsche. Der wesentliche Part dieses Abschnitts ist jedoch die Darstellung des Projekts 956 von der ersten Überlegung, über die Zeichnungen und Windkanalversuche am 1:5-Modell, die Erstellung erster Formen bis zur Umsetzung des Konzepts zu dem damals modernsten Rennsportwagen seiner Zeit. In nicht einmal einem Jahr war der 956 rennfertig, und Serge Vanbockryck hat jeden Schritt dorthin nachvollzogen – in ausführlicher Beschreibung und unter Zugrundelegung und fotografischer Reproduktion der einzelnen Modellformen, der aerodynamisch ausgefeilten Bodenstruktur des Ground Effect Fahrzeugs, zahlreicher Testprotokolle von den Testfahrten in Weissach und Le Castellet. Der 956 war nicht nur Porsches erster Ground-Effect-Rennwagen, sondern zugleich auch die erste MonocoqueKonstruktion des Zuffenhausener Unternehmens, in die in verschiedenen Bereichen neue Überlegungen und technische Lösungen einflossen. Die ingeniöse Leistung von Peter Falk, Horst Reitter, Eugen Kolb, Valentin Schäffer und vor allem Norbert Singer kann bis heute gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Beschreibung der Entstehung des 956 gewinnt auch dadurch besondere Authentizität, dass der Autor zahlreiche der Protagonisten zu Wort kommen lässt wie zum Beispiel Norbert Singer oder auch Jürgen Barth, der neben seiner Renn- und Versuchsfahrertätigkeit auch für den Kundensport verantwortlich war. Ein eigenes Kapitel widmet sich der Anfang der 1980er Jahre neu strukturierten und ausgebauten Rennabteilung von Porsche und der besonderen Bedeutung des Entwicklungszentrums mit angegliederter Teststrecke in Weissach. So bleibt wirklich kein Aspekt der Entstehung des 956 unberücksichtigt.

Die beiden folgenden großen Abschnitte haben die Renneinsätze des Porsche 956 in den Jahren 1982 und 1983 zum Gegenstand. Jedes einzelne Rennen, in dem die Werkswagen am Start waren, wird ausführlich beschrieben, wobei nicht nur auf den Rennverlauf eingegangen wird, sondern auch auf die jeweilige technische Weiterentwicklung des 956 und die Vorbereitung der Rennen. Da der Autor dafür nicht nur alle ihm im Werksarchiv zur Verfügung stehenden Quellen gesichtet und ausgewertet hat, sondern diese zum großen Teil in Ablichtungen reproduziert, erhält der Betrachter hier einen Einblick in die Fortschreibung einer Rennwagenentwicklung, wie er jedenfalls für einen Gruppe-CRennwagen bisher noch nicht möglich war. Es ginge zu weit, hier all die Konstruktionsdetails aufzuführen, die einer Betrachtung unterzogen werden; nur beispielhaft seien aber Elemente der Motorsteuerung, der Felgenkonstruktion, der Bremsen und ganz besonders der Aerodynamik erwähnt. Die Kapitel, die jedes Rennen für sich darstellen, schließen mit einer Ergebnistabelle ab.

 Der zweite Band beginnt mit einer vergleichbaren Dokumentation der Rennsaisons 1984 und 1985. Bemerkenswert ist – wie auch bei den Berichten zuvor – , dass zunächst auf die immer wieder geänderten Rahmenbedingungen des Reglements eingegangen wird. Da auch im Hinblick auf die amerikanische Sportwagenserie der IMSA Anpassungen des Regelwerks erfolgten, wurden die teilnehmenden Werke Jahr für Jahr vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht zuletzt dieses teilweise sinnfreie Herumdoktern an den Regeln veranlasste Porsche 1984, dem Rennen in Le Mans werksseitig fernzubleiben. Deshalb findet sich in dem Buch, das die Werksaktivitäten mit dem 956 in den Mittelpunkt stellt, kein eigenes Kapitel über die 24 Stunden von Le Mans 1984, die das PorscheKundenteam Joest für sich entscheiden konnte.

Die Berichterstattung über die Rennen 1985 erscheint einem zunächst etwas knapp. Dies findet seine einfache und auch konsequente Erklärung darin, dass Porsche 1985 bereits mit dem Typ 962 als Nachfolger des 956 antrat. So werden die Läufe mit dem 956 genau dokumentiert, die Aktivitäten mit dem 962 aber wie auch die der Kundenteams nur kursorisch behandelt. Denn eine bis ins Detail gehende Aufarbeitung der Rennen mit dem 962 erfolgt in den mittelfristig zu erwartenden Büchern gleichen Formats über den 962. Am großen Erfolg des Porsche 956 waren nicht nur Porsches Ingenieure beteiligt, sondern auch zahlreiche bekannte Rennfahrer. Unter dem Kapitel-Titel „The People“ präsentiert der Autor deshalb sehr ausführliche Biografien nicht nur von Norbert Singer als führendem Ingenieur des Projekts und Roland Kussmaul als Renningenieur und Versuchsfahrer, sondern auch von elf Rennfahrern, die sich auf den Werkswagen von Porsche verdingt hatten.Das reicht von Jacky Ickx, Derek Bell, Jochen Mass und Hans-Joachim Stuck über Vern Schuppan, Stefan Bellof, Al Holbert, Jürgen Barth und Huley Haywood bis zu John Watson und Henri Toivonen. In diesem Zusammenhang ist es für den Autor selbstverständlich, dass er nicht nur die Einsätze der Piloten für Porsche würdigt, sondern im Text auf deren vollständige Karrieren eingeht. Jedes Fahrer-Kapitel schließt mit einer Statistik derer Rennen für Porsche.

Ein besonderer „Leckerbissen“ ist das 95seitige Kapitel, in dem alle gebauten 956 Chassis für Chassis mit ihrer Entwicklungs- und Rennhistorie aufgelistet sind. Keine Testfahrt, keine technische Veränderung, kein Rennen werden in dieser gewaltigen Statistik vergessen. Man kann sich kaum vorstellen, mit welchem Arbeitsaufwand und natürlich auch Begeisterung die Auswertung der für dieses Tabellenwerk erforderlichen Unterlagen im Werksarchiv von Porsche verbunden ist.

Der neunte Teil des zweibändigen Werks beleuchtet die Sponsor-Partnerschaft Porsches mit der Tabakmarke Rothmans und deren zusätzliche imageträchtige Umsetzung bei der filmischen Dokumentation der Werkseinsätze. Eine überaus informative und umfangreiche Bibliografie und ein vollständiger, sehr hilfreicher Index bilden den Abschluss des zweiten Bandes.

Die Texte von Serge Vanbockryck lesen sich – englische Sprachkenntnisse vorausgesetzt – hervorragend; sie sind von höchster Kompetenz, großer Begeisterung und beispielhafter Recherchearbeit geprägt. Die Illustration beider Bände ist grandios. Rund 830 Fotos von vortrefflicher Auswahl und bester Reproduktion auf edlem und schwerem Mattglanzpapier müssen den Leser einfach begeistern. Sie stammen aus vielen namhaften internationalen Archiven, zum großen Teil natürlich aus dem Historischen Archiv von Porsche, das die Erstellung dieser ohne Übertreibung als Grundlagenwerk zu bezeichnenden Publikation erkennbar unterstützt hat. Insbesondere die im Doppelseitenformat gehaltenen Rennaufnahmen sind ein optischer Genuss. Große Faszination geht auch von den Abbildungen aus der Entstehung des 956 aus, derartig zahlreiche technische Details aus der Entwicklung eines Rennwagens bekommt man nur sehr selten zu sehen. Die Bücher sind dem anspruchsvollen Preis entsprechend wunderbar verarbeitet – bestes Papier, eine solide Fadenbindung, ein hochwertiger Leineneinband mit einer um den Buchrücken herumgezogenen Ledereinfassung, das alles in einem festen Leinenschuber zum Schutz dieses kostbaren Lesestoffs.

"Works Porsche 956 – The Definitive History" ist nach einem Band über die Gruppe C Porsche des britischen Teams von John Fitzpatrick die zweite Ausgabe der neuen sehr edel gestalteten „Ultimate Books Series“ von Porter Press International Publishing. Wie bereits erwähnt folgt ein weiteres Opus über den Porsche 962, und in der Planung dieser Reihe sind noch Bücher über den Ferrari 250 GTO und den McLaren F1 GTR. Man kann diesen Veröffentlichungen nur mit Vorfreude entgegensehen.

Thomas Nehlert

Works Porsche 956 – The Definitive History (2 Bände im Schuber) 
Autor: Serge Vanbockryck 
Verlag: Porter Press International, GB, 2019 
Format: 2 Bände Hardcover mit Leineneinband im Leinenschuber, 25 x 35 cm 
Umfang: 800 Seiten, etwa 830 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 540,- 
ISBN: 978-1-907085-90-1 und 978-1-907085-98-7 
Erhältlich: www.sportfahrer-zentrale.com

„Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP “, Autoren Jörg-Thomas Födisch, Rainer Roßbach, McKlein Publishing Köln, 2019 „312P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen“, Autor Gianni Agnesa, McKlein Publishing Köln, 2019



McKlein Publishing hat gerade zwei überragende Ferrari-Bücher herausgebracht. Aus Anlass der Besprechung dieser Bände soll kurz auf das in Köln beheimatete Verlagshaus eingegangen werden. 

Ende der 1970er Jahre gründete Reinhard Klein seinen auf Publikationen über den RallyeSport spezialisierten Verlag. Heute gibt es kaum eine Rallye-Zeitschrift oder ein RallyeBuch, das nicht auf das fast unerschöpfliche Bildarchiv Kleins zugreift. McKlein Publishing ist im Bereich der Illustration von Rallye-Veröffentlichungen klarer internationaler Marktführer. Da aber Bücher und Kalender über diese faszinierende Sparte des Motorsports allein keine sehr breite wirtschaftliche Grundlage bieten, wuchs das Sortiment von McKlein erheblich. Ausgangspunkt waren mehrere Bände über Deutschlands Motorsportlegende Walter Röhrl, die schließlich zu weiteren Rennfahrer-Biografien, Bildbänden und insbesondere auch Büchern in der Edition Porsche Museum führten, die weltweit Anerkennung fanden. Wer sich heute beim Kauf manchmal nicht ganz preiswerter Autobücher gerne beraten lässt, ist bei McKlein bestens aufgehoben. Reinhard Klein, seine Söhne Daniel und Sebastian sowie Mitgesellschafter Alexander Galitzki geben erforderlichenfalls gerne sehr offen Auskunft zu den im Rally- und Racing-Webshop angebotenen Büchern, so dass man nicht – wie bei großen und anonymen Webshops – erst einmal ins Blaue hinein bestellen muss. 

Der wegen der Front in Form einer Haifischmauls unter der Bezeichnung „Sharknose“ bekannte Formel-1-Ferrari 156 genießt gerade in Deutschland einen legendären Ruf, wäre doch der unvergessene Wolfgang Graf Berghe von Trips beinahe auf diesem Rennwagen erster deutscher Formel-1-Weltmeister geworden. Doch der tödliche Unfall beim Grand Prix von Italien in Monza 1961 besiegelte auf tragische Weise sein Rennfahrerschicksal. 

Das bereits durch mehrere Bücher zum Thema „Porsche“ bekannte Autorenduo JörgThomas Födisch und Rainer Roßbach hat nun die Geschichte des Sharknose-Ferrari und seiner beiden Ableger bei den Sport-Prototypen in dem Band „Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP“ in beispielhafter Weise aufgearbeitet. 

Födisch und Roßbach gehen dabei chronologisch vor und dokumentieren nach den Vorworten von Mauro Forghieri und Helmut Zwickl zunächst auf etwa 280 Seiten die Entwicklung des Formel-1-Rennwagens 156 von 1960 bis 1962. Am Anfang steht unter dem Titel „Prologo“ eine geraffte Darstellung der gesamten 156-Historie, die der durch seine Formel-1-Jahrbücher und seine Beiträge für die ehemalige „rallye racing“ bekannte Achim Schlang verfasst hat. Es verdient besondere Hervorhebung, dass die Autoren anschließend auch die Vorentwicklungsstufe des Formel-1-Wagens ausführlich beschreiben, eines auf der Grundlage des früheren Ferrari-Formel-2-Motors entwickelten Mittelmotor-Monoposto, der bereits 1960, also ein Jahr vor der 1,5-Liter-Formel-1, in vier Rennen eingesetzt worden war. Bereits während dieser frühen Entwicklung legte Ferrari den Grundstein für den durchschlagenden Erfolg des 156 im Jahre 1961, weil die Italiener das Projekt eines 1,5-Liter Formel 1 nämlich unverzüglich in Angriff genommen hatten, während die englischen Konstrukteure noch hofften, die ungeliebte 1,5-Liter-Formel würde nicht Realität werden.

Den größten Raum des Buchs nehmen sodann die ausführlichen Berichte über alle 18 Rennen der Jahre 1961 und 1962 ein, an denen der Ferrari 156 teilgenommen hatte. Diese stammen fast ausschließlich von Jörg-Thomas Födisch, während sich Rainer Roßbach der Darstellung der Erprobung und der Technik der Wagen vor Beginn der jeweiligen Rennsaison widmet. 

Durch die in die Tiefe gehenden, in Englisch und Deutsch verfassten Texte, die auch unzählige Hintergrundinformationen enthalten, wird nicht nur deutlich, wie es zu der triumphalen Saison 1961 mit dem Titelgewinn durch Phil Hill gekommen war, sondern auch, aus welchen Gründen Ferrari bereits 1962 der erstarkten und modernen Konkurrenz aus England ziemlich hoffnungslos hinterherfuhr. Natürlich wird auch dem tragischen italienischen Grand Prix 1961 und einer Analyse des Unfalls von Graf Berghe von Trips angemessener Raum gegeben. Jörg-Thomas Födisch, der sich auch als Biograf des großen deutschen Rennfahrers durch mehrere Bücher einen Namen gemacht hat, ist gerade für diese Passagen prädestiniert. 

Wenn auch Ferrari das einzige Werk ist, das seit Beginn der Formel 1 1950 bis heute ununterbrochen an der Weltmeisterschaft teilgenommen hat, so schlug doch Enzo Ferraris Herz in besonderer Weise für die großen Sportwagenrennen und die bei diesen anzutreffenden GT-Wagen und Prototypen. So war es kein Wunder, dass der V6-Motor nicht nur als 1,5 Liter den Formel-1-Wagen antrieb, sondern mit Hubräumen von zwei und 2,4 Litern auch die bildschönen Prototypen 196SP und 246SP, die das Frontdesign in Form des Haifischmauls fortführten. Die Entwicklung und Rennhistorie dieser Boliden beschreibt Rainer Roßbach detailreich und würdigt dabei nicht nur die großen Langstreckenrennen der Sportwagen, sondern auch die Einsätze in der EuropaBergmeisterschaft, die Lodovico Scarfiotti 1962 auf einem 196SP für sich entscheiden konnte. Der Teil des Buchs über die ersten Mittelmotor-Prototypen Ferraris bei den Sportwagenrennen ist rund 70 Seiten lang und nicht etwa nur ein Annex der Formel-1- Dokumentation, sondern vielmehr ein ganz wesentlicher Bestandteil des gewichtigen Bandes. 

Rainer Roßbach ist es auch, der die in dieser Epoche bedeutsamen Ingenieure, Teamchefs und Rennleiter bei Ferrari in separaten Lebensläufen beschreibt. So erfährt der Leser anhand dieser Biografien zahlreiche Einzelheiten über das teaminterne Geschehen bei Ferrari. Der Bogen der Namen spannt sich von Dino Ferrari, Vittorio Jano, Carlo Chiti über Medardo Fantuzzi und Mauro Forghieri bis zu Romolo Tavoni und Eugenio Dragoni. 

Nicht weniger als 12 Rennfahrerbiografien – aufgezeichnet vom durch zahlreiche Formel1-Publikationen und seine Beiträge in „Motorsport Aktuell“ bekannten Hartmut Lehbrink – bereichern das Buch zusätzlich: beispielhaft seien hier Graf Berghe von Trips, Phil Hill, Richie Ginther, die Gebrüder Rodriguez, Olivier Gendebien, Lorenzo Bandini und Lodovico Scarfiotti aufgeführt. 

Nach einem Anhang mit den technischen Daten und Rennergebnissen der dokumentierten Rennwagen bilden zwei Berichte vom Wiederaufbau des für die belgische Ecurie Francorchamps ungewöhnlich in Gelb lackierten 156 mit der Chassis-Nr.002 und von der Herstellung zweier Repliken der Fahrzeuge von Phil Hill und Ricardo Rodriguez aus dem Jahr 1961 den Abschluss des Buchs. 

Überzeugt „Sharknose V6“ schon durch seinen abwechslungsreich verfassten und penibel recherchierten Text ohne jede Einschränkung, so wird dieser Band durch seine atemberaubende Illustration quasi „gekrönt“. Was hier in mehr als 450 Fotografien zusammengetragen wurde, ist fast unglaublich. Zahlreiche namhafte Bild-Archive sind mit Fotos vertreten, wie zum Beispiel Sutton Images, Jesse Alexander, das Historische Archiv Porsche, Klemantaski Collection, Peter Nygaard, Dr.Benno Müller und Rainer Schlegelmilch. Einen größeren Anteil der Ablichtungen stellen McKlein, die Trips-Stiftung, der Autor Jörg-Thomas Födisch und die Collection Alexis Callier. Hinzu kommen noch Fotos aus mehreren Privatsammlungen. Der entscheidende und überwältigende Anteil der Illustration stammt aber aus dem weltberühmten Cahier-Archiv. Paul-Henri Cahier hat dieses Archiv für das Buch weit geöffnet und aus dem riesigen Fundus seines 2008 verstorbenen Vaters Bernard Cahier nicht weniger als rund 210 Aufnahmen zur Verfügung gestellt, so dass es mehr als gerechtfertigt erscheint, Bernard Cahier als Fotografen auf dem Einband festzuhalten. 

Man weiß als Betrachter zuweilen gar nicht, was am meisten begeistert: die großartigen und zum Teil großformatigen und erstmals veröffentlichten Szenen aus den Rennen und vom Rande der Strecken, die ganzseitigen Porträtaufnahmen der Rennfahrer und Ingenieure oder die Ablichtungen der technischen Details der Fahrzeuge. Insbesondere die teilweise doppelseitigen Rennaufnahmen scheinen den Leser direkt an die Pisten der 1960er Jahre zurückzuversetzen, so plastisch und lebendig wirken sie. Das ist umso bemerkenswerter, als die technischen Möglichkeiten der Fotografie zu dieser Zeit nicht mit den Gegebenheiten der heutigen Digitaltechnik vergleichbar waren. Vielleicht gerade deshalb stechen einem die künstlerische Qualität und die atmosphärische Intensität der Fotografien besonders ins Auge, die durch eine fast durchgehende exzellente Reproduktion ins rechte Licht gesetzt werden. Auch soll nicht unbemerkt bleiben, dass es gelungen ist, erstaunlich viele farbige Aufnahmen aus einer Zeit zu publizieren, zu der die Schwarzweißfotografie dominierte. Ein besonderer Leckerbissen sind auch die insgesamt fünf Gemäldewiedergaben von Michael und Graham Turner. 

Der im großen quadratischen Format präsentierte Band ist bestens verarbeitet, in einem überaus attraktiven Layout gestaltet und wird durch einen festen Schuber geschützt. Als wäre ein ohne jede Einschränkungen zu empfehlendes Ferrari-Buch noch nicht genug, legt McKlein Publishing zeitgleich noch eine weitere Publikation zur Geschichte des italienischen Werks vor: „312 P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen“. 

1967 hatte Ferrari nach einer überaus spannenden Saison mit dem 330P4 die Internationale Meisterschaft der Sport-Prototypen hauchdünn für sich entscheiden können. Aufgrund einer Reglementsänderung blieben die Italiener dieser Meisterschaft 1968 fern und überließen das Feld den überlegenen Porsche und Ford GT40. Dies änderte sich 1969, als Ferrari mit dem bildschönen 312P zu den Sportwagen-Rennen zurückkehrte. Bisher gab es über dieses Fahrzeug, das werksseitig nur in sechs Rennen im Jahre 1969 eingesetzt worden war, kaum Literatur. Das ändert sich nun mit diesem Buch, das wirklich eine Lücke schließt.

Gianni Agnesa, der in Cagliari auf Sardinien lebende Ingenieur und Ferrari-Fan, ist tief in die Geschichte des 312P eingestiegen. In acht Kapiteln beschreibt er die Entwicklung und Rennhistorie sowohl der vom Ferrari-Werk gebauten Prototypen als auch des in den Folgejahren vom amerikanischen Team NART zum Teil umgebauten und fortentwickelten Wagens. 

Am Anfang des dreisprachig in Italienisch, Englisch und Deutsch verfassten Buches stehen zwei Interviews. Giacomo Caliri, ein aus Sizilien stammender Ingenieur, der in den 1960er Jahren für die Entwicklung zahlreicher Sport-Prototypen bei Ferrari zuständig war, erteilt Auskunft über die Überlegungen und die technischen Elemente, welche die Entstehung des 312P bestimmten. Dr.Peter Schetty, der mehrere Jahre lang bei Ferrari unterschiedliche Funktionen ausübte – vom Rennfahrer bis zum Rennleiter – und 1969 die Europa-Bergmeisterschaft auf dem Ferrari 212E gewinnen konnte, gibt seine Erinnerungen an die Testfahrten und Renneinsätze mit dem 312P wieder. 

Nach Kapiteln über die Entwicklung des Wagens auf der Grundlage des CanAm Spyders 612 und die Präsentation sowie die ersten nicht problemfreien Testfahrten in Modena und Monza folgt auf rund 90 Seiten eine ausführliche Dokumentation der Saison 1969 mit allen Testfahrten und Renneinsätzen. Der Ferrari 312P traf auf das gewaltige Werksteam von Porsche, das mehrere 908 an den Start brachte. War der italienische Rennwagen auch von der Geschwindigkeit her ein mehr als ernst zu nehmender Konkurrent, so warfen ihn doch technische Defekte oder Fahrfehler immer wieder zurück. Trotz beeindruckender Leistungen blieb ihm ein Sieg versagt. Daran änderte auch die bildschöne geschlossene Coupé-Variante nichts, die aus dem offenen Barchetta entwickelt worden war und von der zwei Exemplare an den 24 Stunden von Le Mans teilnahmen. 

Am Rande geht der Autor auch auf das vom 312P abgeleitete Design-Derivat 512 Special und auf die Entstehung des den 312P als Werkswagen 1970 ablösenden 512S ein. 

Sehr detailliert werden auch auf die Jahre 1970 bis 1974 beschrieben. Zunächst setzte das NART-Team 1970 und 1971 einen 312P in beiden Jahren in Daytona und Sebring und 1970 in Le Mans ein. Wenn auch gegen die 5-Liter-Werkswagen von Porsche und Ferrari chancenlos, befand sich der 312P doch regelmäßig unter den ersten zehn Fahrzeugen im Gesamtklassement. 1972 und 1974 reaktivierte Luigi Chinetti seinen dann modifizierten 312P nochmals, um ihn in Daytona 72 und Le Mans 74 einzusetzen. Ausgerechnet bei seinem letzten Rennen erzielten Andruet/Zeccoli mit dem 312P dessen bestes Ergebnis in Le Mans und kamen auf dem neunten Rang ins Ziel. Das achte Kapitel befasst sich mit dem für den Historischen Motorsport perfekt wiederaufgebauten Ferrari 312P, Chassisnummer 0872. Dieses restaurierte Fahrzeug verfügt über ein Echtheitszertifikat des Werkes und war bereits bei einigen Veranstaltungen zu bewundern. Das Buch schließt mit den technischen Daten des 312P und einer Rennstatistik sowie einer Übersicht der verfügbaren Modellautos und einer sehr informativen Bibliografie. 

In die Texte sind zahlreiche Kurzbiografien eingeschoben, so der beiden Ingenieure Caliri und Rocchi, des Pressesprechers und Ferrari-Vertrauten Franco Gozzi und von nicht weniger als 17 Rennfahrern wie Chris Amon, Clay Regazzoni, Derek Bell, Mario Andretti und Pedro Rodriguez, um nur einige dieser Piloten zu benennen. 

Gianni Agnesa hat seine Texte mit großer Akribie und erkennbarer Begeisterung für das Thema verfasst. Es wird deutlich, dass es ihm gelungen ist, bei seinem Vorhaben zahlreiche Informationen unmittelbar am Projekt Beteiligter einzuholen und auch die mediale Unterstützung des Werks zu erlangen. So liest sich der Band nicht nur spannend, informativ und abwechslungsreich, sondern zeugt auch von hoher Authentizität. 

Mit über 250 Fotografien ist das Buch bestens illustriert. Die Aufnahmen stammen u.a. aus den bekannten Archiven von McKlein Publishing, Motorsport Images, Actualphoto, Pete Lyons und Grand Prix Library. Auch Gianni Agnesa selbst hat einige Ablichtungen beigesteuert. Die teilweise großformatigen Bilder belegen eine gekonnte Motivauswahl und überzeugen auch durch eine einwandfreie Wiedergabequalität. Auch Liebhaber der technischen Details des 312P kommen voll auf ihre Kosten, insbesondere im Kapitel über die Restaurierung des Exemplars mit der Chassis-Nr. 0872. 

Das Buch ist bestens verarbeitet, verfügt über ein gutes Layout und wird durch einen Papp-Schuber geschützt.

Thomas  Nehlert

"Sharknose V6" und "312P“ - das sind zwei repräsentative Bände, die in die Bibliothek jedes Ferrari-Enthusiasten gehören. 

Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP 

Verlag: McKlein Publishing 
Autoren: Jörg-Thomas Födisch & Rainer Rossbach 
Vorwort: Mauro Forghieri 
Fotos: Bernard Cahier Format: 29 x 29 cm, Hardcover im Schuber 
Seiten: 432 Fotos: über 450 Fotos 
Sprachen: Deutsch und Englisch Preis: € 124,90 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-947156-24-5 

312P – Ferraris vielleicht schönster Rennwagen
Verlag: McKlein Publishing 
Autor: Gianni Agnesa Format: 29,5 x 27 cm, Hardcover im Schuber 
Seiten: 264 Fotos: über 250 Fotos 
Sprachen: Deutsch, Englisch und Italienisch 
Preis: € 89,90 
Vertrieb: RacingWebShop.
com ISBN: 978-3-947156-19-1

Rezension Thomas Nehlert: Opel Jahrbuch 2020 Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon, 2019

Es müssen nicht immer die opulenten Bildbände oder großformatigen und schweren Jahrbücher sein, die dem autobegeisterten Leser Freude vermitteln. Das beste Beispiel dafür ist das nun zum 22. Mal erschienene Opel-Jahrbuch des Podszun-Verlags. Eckhart Bartels als Mitbegründer und Herausgeber des Buchs hat mit seinem Team wieder ein beachtliches Kaleidoskop der vielfältigen Opel-Themen aus der Geschichte und zur aktuellen Situation des Unternehmens zusammengestellt und detailreich recherchiert. 

Das reicht von einer ausführlichen Darstellung der Opel-Produktionsstätten in Eisenach und Bochum und der ersten Manta- und Ascona-Baureihe sowie des Kadett C über Berichte über die Geschichte der Opel-Sechszylinder-Motoren, den Opel Calibra, die 85jährige Tradition des Opel Design bis zu bemerkenswerten Analysen der Marktlage und des Modellprogramms. Hochinteressant erscheinen eine Würdigung der Jahrzehnte innerhalb des früheren Mutterkonzerns General Motors und eine Perspektivbeschreibung der Rolle Opels innerhalb des PSA-Konzerns. Auch der Motorsport kommt nicht zu kurz: Halwart Schrader schreibt über das Gordon Bennett Rennen und Stefan Müller dokumentiert die Opel-Markenrennen der 1970er Jahre. Wer sich für die Nutzfahrzeuge des Unternehmens interessiert, wird mit einer Story über den Opel Blitz bedient

Das Opel-Jahrbuch ist wie immer sehr gut illustriert, Druck und Bildreproduktion sind ausgezeichnet. Der kompakte Band mit seinem attraktiven Layout und der angenehmen Haptik rechtfertigt für Opel-Fahrer und -Freunde schon wegen seines mit höchster Kompetenz verfassten und abwechslungsreichen Inhalts eine klare Empfehlung. 

Thomas  Nehlert

Opel Jahrbuch 2020

Verlag: Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon, 2019

 Format und Umfang: Softcover , 17 x 24 cm, 144 Seiten, 250 Abbildungen 

Text: Deutsch 

Preis: € 16,95 

ISBN: 978-3-86133-937-3 

Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche 904 Stefan Bogner, Jürgen Lewandowski, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Nach den Bänden über die Porsche-Typen 918 und 959 ist dies nun die dritte Edition in diesem repräsentativen Format. Ein großformatiger Bildband mit knappen Erklärungen und ein handliches, zweisprachiges deutsch-englisches Text Book werden in einer attraktiven und stabilen Box präsentiert. 

Der Porsche 904 Carrera GTS war für die Entwicklung des Zuffenhausener SportwagenHerstellers von immenser Bedeutung. Zum einen stellte er – von der Hand des begnadeten Ferdinand Alexander Porsche gezeichnet – eine Design-Ikone dar, zum anderen war er der Ausgangspunkt einer neuen Rennwagen-Baureihe, die mit eben diesem 904 begann und sich über 906, 910, 907 und 908 bis zum 917 als Höhepunkt fortsetzte. 

Der namhafte Automobil-Historiker und Buchautor Jürgen Lewandowski hat genauestens recherchiert und so viel Interessantes über den 904 zusammengetragen, dass man das Textbuch im handlichen Format in Windeseile durchliest. Selbst der Porsche-Kenner wird dort sicherlich die eine oder andere ihm bisher unbekannte Tatsache erfahren, insbesondere über die zeitlich parallele Entstehung von 904 und 911. Hochinteressant, wie der 904 den Vierzylinder-Carrera-Motor bekam und nur später in wenigen Exemplaren mit einem Achtzylinder ausgestattet wurde. Besonders anzuerkennen ist, dass Lewandowski nicht nur das Ergebnis seiner eigenen Nachforschungen wiedergibt, sondern auch aus den Standardwerken von Karl Ludvigsen und Jürgen Barth zitiert. Barth hat zudem einen eigenen Beitrag zu dem Textband geleistet. 

Kernstück der Ausgabe ist natürlich der großformatige Bildband. 12 Kapitel, jeweils als Bildstrecke gestaltet, beleuchten den 904 Carrera GTS unter allen Gesichtspunkten. Nach der Reproduktion einiger kunstvoller Rennplakate, die von jeher bei Porsche eine große Tradition hatten, folgen Ablichtungen aus der Entwicklung des Rennwagens und von einigen technischen Details. Stefan Bogner, durch zahlreiche Porsche-Bücher und seine Curves-Reihe bekannt, zeichnet für grandiose Fotos des 904 am Österreich-Ring und auf der Großglockner-Hochalpenstraße verantwortlich. Wir sehen den schwarzen 904 von Stirling Moss und auch das Achtzylinder-Exemplar des früheren Königs von Jordanien, der mit diesem Boliden selbst Rennen gefahren war. 

Eine der schönsten Passagen des Buchs zeigt in 40 großformatigen Bildern, wie der 904 Carrera GTS den Ruhm Porsches auf den Rennstrecken der Welt mehrte – Nürburgring, Le Mans, Sebring, Rallye Monte Carlo, zahlreiche Bergrennstrecken und natürlich die legendäre und für Porsche so glorreiche Targa Florio auf Sizilien; die Sportwagenrennen der 1960er Jahre hatten einfach einen ganz besonderen Reiz. Die Fotos stammen aus dem unerschöpflichen Historischen Archiv von Porsche, das auch die Quelle für die faszinierenden Aufnahmen vom Produktionsprozess des 904 ist. 15 Seiten haben die erfolgreichen Bergspyder von Porsche zum Gegenstand, die vom 904 Carrera GTS abgeleitet worden waren. Und auch der 904 als Kunstobjekt bleibt nicht unberücksichtigt. Den Abschluss des auf schwerem Mattglanzpapier gedruckten und bestens verarbeiteten Buchs bilden 23 Fotos des 904 mit der Fahrgestell-Nummer 092, der nach Stationen in Venezuela, Florida, Japan und Kalifornien schließlich wieder in die heimatlichen Gefilde der Familie Porsche nach Zell am See zurückgekehrt ist. 

Dies ist ein zweifellos mit Herzblut in Szene gesetztes großartiges Porsche-Buch über einen ungewöhnlich schönen und erfolgreichen Rennsportwagen, der auch für die technische Entwicklung besondere Bedeutung hatte. 

Porsche 904
Autor: Stefan Bogner (Fotografie), Jürgen Lewandowski (Text) 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: Hardcover in Schmuckbox, 27 x 29 cm, 224 Seiten, 155 Abbildungen, zusätzliches Textbook (90 Seiten) 
Text: Deutsch/ Englisch 
Preis: € 128,- 
ISBN: 978-3-667-11676-5 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: CURVES – USA Denver – San Francisco Stefan Bogner, Ben Winter, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Der elfte Band der Curves-Reihe von Stefan Bogner beschreibt eine der schönsten Routen, die man sich überhaupt nur vorstellen kann: von Denver in Colorado durch die Rocky Mountains und zahlreiche Nationalparks im Westen der USA bis nach San Francisco. 

In fünf Etappen geht es von Walden zum Pikes Peak, weiter nach Monticello, Modena, über den Lake Tahoe bis zum Ziel San Francisco. Die zweisprachigen Wegbeschreibungen sind in der Form knapper Essays gehalten, die insbesondere das eindrückliche Ambiente und Lebensgefühl der Region widerspiegeln, aber auch Hinweise zum Routenverlauf und vereinzelt auch zu Unterkünften und Restaurants enthalten. Allerdings sind die Texte nur der Rahmen für die unglaublichen Fotos vom Straßenverlauf und von den Landschaften im Westen der USA. Die Fotos sind zum überwiegenden Teil doppelseitig und schaffen es tatsächlich, einen hervorragenden Eindruck von der Weite des Landes und der Großartigkeit der Gegend zu vermitteln. Rotes Berggestein unter zumeist azurblauem Himmel, ein weiter Himmel mit reizvollen Schäfchenwolken, kurvenreiche fast abenteuerliche Bergstraßen, durch die Ebenen führende schnurgerade Highways – wer einmal im Westen der USA war, wird all das wiederfinden, was diesen Teil unseres Planeten so reizvoll macht. Karten der jeweiligen Etappe und eine dem Buch beigefügte ausfaltbare Karte der Gesamtstrecke helfen bei der Orientierung. 

Zusätzliche Artikel über einige porscheverbundenen Persönlichkeiten dürfen natürlich nicht fehlen, wen wundert das schon bei Stefan Bogner! In diesem Zusammenhang bildet auch eine Bildstrecke mit einem alten 356 und dem aktuellen 911 Carrera 4S Modellreihe 992 vor dem Hintergrund der Landschaften und Örtlichkeiten des Westens der USA eine besonders interessante Ergänzung des mit 306 Seiten wirklich umfangreichen und mit 350 Abbildung grandios illustrierten Bandes.

Ein Autobuch, ein USA-Band, ein Routenführer, ein Straßenatlas, ein Porsche-Buch? Ja, von jedem etwas und doch in der Gesamtschau sehr viel mehr. 

Thomas Nehlert

CURVES – USA Denver – San Francisco 

Autor: Stefan Bogner (Fotografie), Ben Winter (Text)
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: 21 x 28 cm, 306 Seiten, 350 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 15,- 
ISBN: 978-3667115584 

Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche: Excellence Was Expected Karl Ludvigsen, Bentley Publishers, USA, 2019

Es gibt inzwischen deutlich über 1000 Buchtitel zum Thema Porsche, und ein Ende ist nicht in Sicht. Mit dieser vollständig überarbeiteten und im Umfang fast verdoppelten Neuauflage des Werks von Karl Ludvigsen wird ein neuer Maßstab in der Literatur über Deutschlands feinsten Auto-Hersteller gesetzt. Allein die Daten des vierbändigen Opus sind gewaltig: 11 kg, 2836 Seiten, 2912 Abbildungen – mehr Porsche geht nicht. 

Zur Verdeutlichung der Bedeutung dieses Werks soll zunächst kurz auf seine Historie eingegangen werden. Im Jahr 1977 vermeldete „auto motor und sport“, dass im Verlag des noblen Motor-Magazins „Automobile Quarterly“ die Erstausgabe von „Porsche: Excellence Was Expected“ erschienen sei, ein Porsche-Buch, das mit 890 Seiten, reicher Illustration und beispielhafter Recherche durch Karl Ludvigsen nur zu empfehlen sei. 1980 brachte der Bleicher Verlag München die deutsche Ausgabe heraus, die genauso schnell verkauft war wie das englischsprachige Original. Es verging eine lange Zeit bis zur zweiten Auflage, die dreibändig 2003 von Bentley Publishers in Massachusetts verlegt wurde, nur vier Jahre später folgte eine überarbeitete dritte Auflage im gleichen Format mit 1532 Seiten. Der Heel-Verlag plante eine vierbändige deutsche Ausgabe, kam aber leider nicht über den dritten Band hinaus, so dass das deutsche Werk mit 1376 Seiten unvollständig blieb. 

Jetzt, im Sommer 2019, also die ultimative vierte Auflage des Buchs von Karl Ludvigsen; und Karl Ludvigsen betont im Vorwort, dass dies die letzte Überarbeitung sein werde. Aus einst 32 Kapiteln sind nun 132 Kapitel geworden, in denen tatsächlich keine Frage zur Marken-, Modell- und Rennsportgeschichte von Porsche unbeantwortet bleibt. 

Jeder der vier Bände beginnt mit dem Vorwort, dem eine Modell-Übersicht des betreffenden Zeitraums und das jeweilige Inhaltsverzeichnis folgen. Die Inhaltsverzeichnisse sind sehr ausführlich und erleichtern dem Leser das Auffinden des ihn gerade interessierenden Themas. Aus diesem Grunde ist es auch nachzusehen, dass im Gegensatz zu den Vorauflagen ein Gesamtindex am Ende der Bände fehlt, der wahrscheinlich den Umfang der vier Bände gesprengt hätte. Am Ende jedes Bandes befinden sich eine sehr attraktiv gestaltete Zeitlinie der bedeutendsten Modelle dieser Epoche, eine auf die wesentlichen Siege beschränkte Rennstatistik sowie eine den Porsche-Enthusiasten mit Sicherheit interessierende Bibliografie. Eine Danksagung an die an dem Werk beteiligten Helfenden und ein Porträt des Autors schließen jeden Band ab. 

Karl Ludvigsen geht chronologisch vor, wobei sich die dokumentierten Zeiträume in den vier Büchern um bis zu sieben Jahre überlappen, was seinen Grund in den unterschiedlichen Zyklen der diversen Porsche-Modelle und den Rennsport-Aktivitäten in zahlreichen Motorsport-Gebieten findet. 

Der erste Band umfasst die Lebensgeschichte von Ferdinand Porsche, die Verzweigungen in den Familien Porsche und Piech sowie die vollständige Modell-Historie des 356. Ausführlichen Raum nehmen die Entwicklung des legendären Viernockenwellen-Motors sowie die Rennsportaktivitäten vom 356 bis zum 550 und 718 ein. Die eher vorübergehenden Einsätze Porsches in der Formel 2 und der Formel 1 anfangs der 1960er Jahre erfahren eine angemessene Würdigung. Als Bindeglied zwischen dem 356 und der Entwicklung des 911 schiebt Ludvigsen eine bisher fast unentdeckte Geschichte über die Planung eines „großen Porsche“ unter dem Kapiteltitel „Rise and Fall of the Big Porsche“ ein. Hier dürften selbst profunde Kenner der Porsche-Geschichte ins Staunen kommen. Gleiches gilt für die Beschreibung mehrerer Fremdaufträge für Porsche, die der Autor bis in den militärischen Bereich sehr detailliert aufgeklärt hat. Selbstverständlich nehmen die Entstehung und Entwicklung des 911 weiten Raum ein, ebenso wie die Konstruktion und Renngeschichte der Typen 904, 906, 910, 907 und 908. 

Im zweiten Buch wird die Entwicklung des 911 bis zum G-Modell unter ausführlicher Berücksichtigung des Turbo fortgeführt. Die parallele Entstehung der Transaxle-Baureihe mit 924 und 928 erhält ebenso breiten Raum wie der 914 in seinen verschiedenen Varianten am Anfang des Bandes. Weit gefächert ist die Dokumentation des Porsche Motorsports: 917 bis zum 917/30, 934/935/936 und der faszinierende Einstieg in die Gruppe C mit dem 956 und später 962 stehen für die ausnahmslos erfolgreichen Aktivitäten Porsches bei den Sportwagenrennen. Aber auch das erste Indy-Projekt wird von Ludvigsen in allen Facetten beleuchtet. 

Der dritte Band spiegelt die zunehmende Modellvielfalt bei Porsche wider. Da findet der Leser die Ausweitung der Transaxle-Modelle und ihr recht schnelles Ende, den grandiosen Technologieträger 959 sowie den für die 1990er Jahre neuen 911 namens 964 samt des nie in Serie gegangenen 965. Das Projekt des TAG-Formel-1-Motors für McLaren, die Einsätze bei der Dakar-Rallye, der mäßig erfolgreiche Einstieg in die amerikanische CART Series sowie das gründlich schief gegangene Formel-1-Engagement bei Footwork-Arrows zeigen das fast zu weite Betätigungsfeld Porsches im Motorsport dieser Zeit. Sportlich und noch mehr wirtschaftlich war Porsche in eine Krise geraten, aus der der neue Chef Wendelin Wiedeking und die von ihm eingeleiteten Maßnahmen herausführten. Nach dem gelungenen Übergangsmodell 993 brachte eine neue Modellpalette mit der Abkehr von der Luftkühlung Porsche wieder in die Gewinnzone – Boxster, 996 und schließlich der Cayenne als SUV führten zu einer gewaltigen Steigerung der Produktionszahlen. Ludvigsen beschreibt diese für das Stuttgarter Unternehmen nicht einfache Zeit genau und mit viel Hintergrundwissen. Mehr als nur eine Erwähnung finden das Projekt des viertürigen Porsche und die Renneinsätze der 993-Varianten, der drei 911 GT1-Baustufen und des WSC-Prototypen. Dabei wird auch auf das lange geheim gehaltene Denkmodell eines Le-MansEinsatzes 2000 mit dem Typ 980 LM eingegangen.

Der abschließende vierte Teil führt die Geschichte Porsches bis in die Gegenwart zum Modelljahr 2020. Hoch interessant ist da eine lange Analyse des Geschehens im Zusammenhang mit der Übernahme Porsches durch den VW-Konzern und der Auseinandersetzung zwischen Wendelin Wiedeking und Wolfgang Porsche auf der einen und Ferdinand Piech auf der anderen Seite. Die Entwicklung des 911 wird über die Baureihen 997 und 991 bis zum 992 beschrieben wie auch der Ausbau der Palette mit allen Varianten und Modellstufen von Boxster, Cayman, Macan, Cayenne und Panamera. Die Schwerpunkte im Motorsport werden durch den RS Spyder, die unzähligen GTVarianten des 911 und natürlich den grandiosen 919 Hybrid mit seinen drei Siegen in Le Mans gesetzt. Die Hinwendung zur Elektro-Mobilität findet ihren Niederschlag aber nicht nur in der Darstellung der neueren Rennfahrzeuge von Porsche, sondern auch in sehr detaillierten Berichten über den 918 und vor allem über den brandaktuellen Taycan, der bis kurz vor die jüngst erfolgte Modellvorstellung begleitet wird. 


 Foto: Thomas Nehlert
Was macht nun dieses vierbändige Werk so besonders? Da ist zunächst einmal der bereits erwähnte schiere Umfang. Eine vergleichbar lückenlose und fundierte Porsche-Geschichte in Buchform gibt es nicht. Noch entscheidender aber ist die überragende Fachkompetenz des Autors, der schon zahlreiche Bücher über Porsche publiziert hat, insbesondere auch über die Entwicklungen Ferdinand Porsches vor seiner Zeit als Unternehmer. Ludvigsen hat in einem Maße bis in die Tiefe recherchiert, wie es selbst bei Fachbüchern nicht die Regel ist. Die Dokumentation erfolgt chronologisch, steht dabei aber auf drei Säulen: die Straßensportwagen und Serienfahrzeuge, die Rennwagen und ihre Entwicklung und Rennhistorie, die unternehmerische und wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens mit allen Höhen und auch Tiefen. Es werden die familiären Divergenzen genauso aufgezeigt, wie der Weg aus der existenzbedrohenden Krise Anfang der 1990er Jahre und der wechselseitige Übernahmekampf zwischen Porsche und VW, der schließlich zur Eingliederung Porsches in den VW-Konzern führte. Auch die unmittelbare Verbindung zwischen Serienautomobilen und den Wettbewerbsfahrzeugen arbeitet der Autor bestens heraus.

Kaum jemand wird die über 2800 Seiten hintereinander weglesen; aber jeder findet zu jedem Porsche-Themenkreis die vollständige und vertiefte Sachdarstellung. Ludvigsen formuliert klar und macht auch technisch komplizierte Beschreibungen verständlich und nachvollziehbar. Das liest sich – vorausgesetzt man ist der englischen Sprache kundig – flüssig und abwechslungsreich. Eine Bereicherung ist auch, dass der Autor zahlreiche Quellen zitiert. Seien es Äußerungen von Ingenieuren, Rennfahrern und Teammanager, seien es Auszüge aus unterschiedlichen Publikationen wie Zeitschriften aus den USA, England und Deutschland, in denen unterschiedliche Testwerte und Messdaten gegenübergestellt werden. 

Mit über 2900 Abbildungen ist die Illustration der vier Bände mehr als reichhaltig. Die Fotos stammen überwiegend aus dem gewaltigen Archiv des Autors (Ludvigsen Library) und dem Historischen Archiv von Porsche. Mit der Auswahl der Motive wird das gesamte Spektrum der Thematik abgedeckt – technische Details, Fahrzeugaufnahmen, Rennfotografien, Porträts aller wesentlichen Beteiligten von der Porsche-Familie über Manager, Ingenieure, Rennfahrer und Rennleiter. Die Aufnahmen und technischen Zeichnungen sind zum Teil auch in größerem Format gehalten, die Wiedergabequalität auf gutem Papier ist in keiner Weise zu beanstanden. Aber eines ist klar: das ist kein Bildband. Die vielfältige und ansprechende Illustration ist eine wesentliche Ergänzung des überragenden Texts. Man kann diese Bände nicht einmal schnell durchblättern und sich auf die Betrachtung der zweifellos interessanten und reizvollen Fotos beschränken; man muss sich Zeit nehmen und wirklich in die Materie eindringen, will man den Wert dieses Werks erfassen. 

Gibt es keine Kritik? Doch, die gibt es – nicht an den Autor gerichtet, sondern an den Verlag. Die drei Bände der Vorauflage waren in Leinen gebunden, mit einer Fadenbindung versehen und durch einen Schutzumschlag und einen Leinenschuber geschützt. Die aktuellen vier Bände haben eine – wenn auch sehr solide – Klebebindung und jeweils ein Hardcover aus verstärkter Pappe. Wenn man sich mit einem inhaltlich so großartigen Werk in der 500-Dollar-Liga auf den Markt begibt, sollte es nicht auf ein paar Dollar mehr ankommen, um dieses Werk in einem qualitativ angemessenen Leineneinband und mit Fadenbindung zu präsentieren. 

Vielleicht bietet sich auch noch als fünfter Band ein ergänzendes „Data Book“ an, in dem die Daten aller Porsche-Fahrzeuge in tabellarischer Übersicht erfasst werden. Wenn auch Karl Ludvigsen in seinem Text und in den Modell-Zeitlinien sämtliche wesentlichen technischen Daten liefert, so wäre eine Zusammenfassung in Datenblöcken sicherlich interessant. Und dann hätte man vielleicht auch wieder Raum für einen – wie in der Vorauflage vorhanden – umfangreichen Gesamtindex, der bei einem so umfangreichen Werk sehr hilfreich wäre.

 Aber dies ändert nicht daran, dass es sich bei „Porsche: Excellence Was Expected“ um ein einzigartiges und in hohem Maße empfehlenswertes Werk handelt. 

Wer sich einen eigenen Eindruck von Karl Ludvigsen und seinem gründlichen Umgang mit technischen Themen machen will, dem sei u. a. sein rund 100minütiger Vortrag über Reid Railton vor den „Brooklands Trust Members“ aus dem Jahr 2018 (abrufbar auf YouTube) empfohlen, den er aus Anlass der Vorstellung seines zweibändigen Werks über diesen großen Konstrukteur gehalten hat. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass Ludvigsen nicht nur rund 100 Automobilbücher und unendlich viele technische Berichte verfasst hat, sondern auch viele Jahre in der Automobilindustrie bei Fiat, Ford und General Motors in leitender Funktion tätig war. 

Thomas Nehlert

Porsche: Excellence Was Expected Autor: Karl Ludvigsen 
Verlag: Bentley Publishers, USA, 2019 Format, 
Umfang: 4 Bände, Hardcover, 23,5 x 27,5 cm, 2836 Seiten, 2912 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: $ 524,95 plus Versandkosten ISBN: 978-0-8376-1769-5 
Vertrieb: http://www.bentleypublishers.com/ oder andere Internetportale

Rezension Thomas Nehlert: Ludvigsens Rückspiegel Karl Ludvigsen, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Karl Ludvigsen zählt zweifellos zu den bedeutendsten Autoren im Bereich der AutomobilLiteratur, ja wahrscheinlich ist er sogar der bedeutendste Schriftsteller auf diesem Gebiet. Er hat nicht nur über 60 Bücher, darunter seine jüngst in neuer Auflage erschienene Porsche-Bibel „Porsche Excellence was Expected“ (4 Bände, über 2800 Seiten), verfasst, er war auch in leitenden Funktionen in der Automobilindustrie tätig – bei General Motors, Ford und Fiat.

Es ist klar, dass jemand, der so tief im Geschehen rund um das Automobil verwurzelt ist, unendlich viel Interessantes zu erzählen hat. In dem vorliegenden kompakten Buch schildert er seine Erfahrungen mit herausgehobenen Persönlichkeiten dieser Szene. Insgesamt 23 Porträts gehen auf Manager, Designer, Ingenieure, Rennfahrer und „Automenschen“ ein und vermitteln dem Leser ein Hintergrundwissen von Fakten und Ereignissen, das so bisher kaum an die Öffentlichkeit gedrungen ist.

Karl Ludvigsen beginnt mit einer knappen Biografie seines Vaters, geht ausführlich auf Ferry Porsche und Louise Piech ein und würdigt Werner Breitschwerdt, Robert Lutz, die Agnelli-Brüder sowie Carlo Abarth. Von den Designern seien hier nur beispielhaft Giorgetto Giugiaro, Albrecht Goertz und Tony Lapine erwähnt. Hoch interessant sind seine Beschreibungen der Ingenieure Alex von Falkenhausen, Rudolf Uhlenhaut und John DeLorean. Bei den Rennfahrern fiel die Auswahl auf Juan Manuel Fangio, Phil Hill, Emerson Fittipaldi und Mario Andretti. Den Abschluss des Bandes bilden Berichte über die Fotografen Bernard Cahier und Rodolfo Mailander sowie über den Rennfahrer und Journalisten Paul Frère.

Der Autor beschränkt sich dabei nicht auf die Dokumentation der besonderen Leistungen der vorgestellten Personen, sondern stellt sie in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang. So wird dem Leser nicht nur Automobil-Historie näher gebracht, sondern darüber hinaus ein hohes Maß an Allgemeinbildung und historischem Wissen. Allein aus den Kapiteln über Robert Lutz, Alex von Falkenhausen und Tony Lapine erfährt man unendlich viel Neues über die Vorgänge in der Automobilindustrie und den Entwicklungsabteilungen aus der Zeit von 1950 bis 1980.

Der nicht von Ressentiments verstellte Weltblick Ludvigsens ist gerade in der heutigen Zeit eine Wohltat. Die Texte lesen sich spannend und abwechslungsreich, bei den 25 Fotos handelt es sich um Porträtaufnahmen der vorgestellten Personen. Es muss nicht immer ein riesiger Bildband sein, der einen erfreut; manchmal ist - so wie hier - ein eher im kleinen Format gehaltenes Buch inhaltlich wertvoller und lesenswerter.

Thomas Nehlert

Ludvigsens Rückspiegel 
Autor: Karl Ludvigsen 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: 15,5 x 23 cm, 224 Seiten, 25 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 19,90 
ISBN: 978-3-667-11572-0 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche 964 Carrera RS 3.8 Jürgen Barth, Norbert Franz, Robert Weber; Sportfahrer Verlag, Düren, 2017

Der Typ 964 war 1989 zunächst als vierradgetriebene Straßenversion auf den Markt gekommen. Er ersetzte nach 16jähriger Laufzeit das erfolgreiche und bis heute so beliebte sogenannte G-Modell der 911-Baureihe. Zwar deutlich moderner und leistungsstärker als der zuletzt gebaute Carrera 3.2 polarisierte er die Porsche-Kundschaft. Die einen schätzten seine technische Qualitäten, die anderen stießen sich an seinem Design. Es war keine leichte Zeit für Porsche, die Verkaufszahlen fielen in den Keller, und auch im internationalen Motorsport hatte man in Weissach schon sehr viel bessere Zeiten erlebt. 

In dieser Phase machten sich Roland Kussmaul als Projektleiter und Jürgen Barth als Chef des Porsche-Kundensports daran, die Eckpunkte für eine Wettbewerbsvariante auf der Basis des 964 Carrera RS abzustecken. So entstanden nach einer kurzen Entwicklungszeit der 964 Carrera RS 3.8 und als reinrassige Rennversion der RSR 3.8. Dieses Buch dokumentiert bis ins letzte Detail die Vorgeschichte und die Entstehung der beiden Varianten und stellt alle Exemplare, nach Chassisnummern geordnet, vor. Mit insgesamt nur 107 Exemplaren inklusive zweier Vorserienfahrzeuge und einer zusätzlichen Rohkarosserie lag die Stückzahl von RS 3.8 und RSR 3.8 damit noch deutlich unter der Produktionszahl der Gruppe-C-Rennwagen 956 und 962. 

Was die drei Autoren hier zu diesem außergewöhnlichen und raren Porsche zusammengetragen haben, sprengt den Rahmen eines normalen Typenbuchs bei weitem. Einem sehr eingehenden Vorwort von Roland Kussmaul folgt ein ausführliches Interview mit Jürgen Barth, bevor die Entwicklung zum RS 3.8, die Vorserie sowie die Typisierung wiedergegeben werden. Die Serienfertigung, die Identifikation und Auslieferung schließen sich an, wobei ein Fahrbericht von Walter Röhrl und die Pressemitteilung Porsches zum RS 3.8 diesen Abschnitt inhaltlich abrunden. 

Nach dem gleichen Muster wird auch die Entstehung des RSR 3.8 beschrieben, wobei in diesem Fall noch Reproduktionen der Homologationsblätter und eine 22seitige Darstellung der Renneinsätze des RSR folgen. 

Kernstück der Dokumentation beider Varianten ist die Beschreibung aller insgesamt 107 Exemplare von RS und RSR. Zu jedem Wagen werden die Ausstattungsmerkmale, die Historie und von Fall zu Fall unterschiedliche Dokumente wiedergegeben. Bei den RSR kommt dann noch jeweils eine fahrzeugspezifische Renngeschichte hinzu, in der alle jeweiligen Renneinsätze tabellarisch erfasst sind. 76 der 107 Stück sind auch in teilweise großformatigen Fotografien festgehalten. Man kann nur schwer ermessen, mit welch organisatorischem Aufwand es verbunden war, dieses bis ins Detail gehende Material zu beschaffen. 

Insgesamt ist das Buch mit 365 Fotos und über 200 Wiedergaben von Originaldokumenten in der Illustration hervorragend ausgestattet. Die Fotos sind von vortrefflicher Auswahl und bester Wiedergabequalität. Roland Kussmaul und Jürgen Barth stehen schon angesichts ihrer Positionen und Erfolge bei Porsche für überragende Fachkompetenz, und auch die beiden anderen Autoren haben sich zum großen Porsche-Themenkreis einen Namen gemacht. Dies schlägt sich in den tiefgehenden Recherchen und profunden Texten nieder. 

Das im fast quadratischen Format gehaltene Buch ist bestens verarbeitet und in einem attraktiv gestalteten und edlen Hardcover in Leinen gefasst. Ein fester Schuber mit Leinenüberzug schützt den wertvollen Band auch bei häufiger Nutzung wirksam. Natürlich sind 264,- Euro für ein Buch über einen sehr speziellen Porsche ein hoher Preis – angesichts des Gebotenen erscheint dieser aber bis zum letzten Cent angemessen. 

Thomas Nehlert

Porsche 964 Carrera RS 3.8 
Autoren: Jürgen Barth, Norbert Franz, Robert Weber 
Verlag: Sportfahrer Verlag, Düren, 2017 
Format, Umfang: Leinen-Hardcover im Leinen-Schuber, 24,5 x 28,5 cm, 384 Seiten, 365 Fotos, 212 Reproduktionen aus Originaldokumenten, 27 Rennstatistiken 
Text: Deutsch Preis: € 264,00 
ISBN: 978-3-945390-00-9 
Vertrieb: sportfahrer-zentrale.com 
Eine englischsprachige Ausgabe ist ebenfalls erhältlich.

Rezension Thomas Nehlert: Porsche – alle Modelle Lorenzo Ardizio, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Seit einigen Jahren bringt der Verlag Giorgio Nada Editore in Mailand eine Taschenbuchreihe heraus, in der die schönsten Modelle großer Automarken in reizvollen Zeichnungen präsentiert werden. 

Der Delius Klasing Verlag hat nun den Band dieser Reihe über Porsche ins Deutsche übertragen und im Format erweitert. Im stabilen Hardcover und bündig gefassten Farbschnitt wirkt das Buch schon äußerlich sehr gelungen, wie auch das gesamte Layout zu überzeugen vermag.

Die Texte des Autors Lorenzo Ardizio über die 200 wichtigsten Porsche-Modelle vom 356 Nr. Roadster von 1948 bis zum 911 GT3 RS von 2018 sind kompetent und abwechslungsreich verfasst. Man erfährt die wesentlichen Details über alle Fahrzeuge, seien es die Straßensportwagen, die Rennwagen oder auch die neueren SUVs und Limousinen. Insbesondere die Motorsport-Varianten kommen nicht zu kurz, so dass der handliche Band zugleich auch eine kompakte Geschichte des Porsche-Rennsports ist. 

Der Band lebt aber von den schönen Zeichnungen Michele Leonellos, der alle besprochenen Porsche-Modelle in sehr schönen und farbigen Bildern wiedergibt. Insbesondere aus diesen bestens reproduzierten Kunstwerken bezieht dieses Buch seinen Reiz. 

Natürlich erfährt der Porsche-Kenner hier keine Neuigkeiten mehr, aber er kann sich an den gelungenen Bildern erfreuen; für den Porsche-Einsteiger ist dieses Buch mit Sicherheit überaus interessant und ein Gewinn, wie es auch schon angesichts seines günstigen Preises als Geschenk hervorragend geeignet ist. 

Thomas Nehlert

Porsche – alle Modelle 

Autor: Lorenzo Ardizio 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: Hardcover , 23,5 x 23 cm, 416 Seiten, 400 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 24,90 
ISBN: 978-3-667-11251-4 Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Electric High Speed – Mercedes-Benz Design Projekt Othmar Wickenheiser, Shaker Media, Aachen, 2017

Mercedes-Benz verfügt nicht nur über eine gewaltige Tradition im Motorsport, sondern auch über eine herausragende Geschichte in der Entwicklung von Rekordfahrzeugen. In der Erkenntnis, dass sich das Automobil aktuell in der Phase eines Umbruchs befindet, wie es ihn in dieser Bedeutung noch nicht gegeben hat, legte das Stuttgarter Unternehmen zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften München unter der Leitung von Prof. Dr. Othmar Wickenheiser ein Projekt auf, in dem zehn Studenten die Aufgabe gestellt wurde, das Modell eines zukünftigen Geschwindigkeitsrekordfahrzeugs zu entwickeln. 

Mag man zunächst zweifeln, ob gerade ein derartiges Fahrzeug mit der Zukunft automobiler Fortbewegung vereinbar ist, so wird einem bei der Befassung mit dem Thema doch klar, dass gerade die Auseinandersetzung mit Konstruktionen, die eine extreme aerodynamische und zudem optisch reizvolle Gestaltung verlangen, eine besondere Herausforderung darstellt. 

Der sehr edel gestaltete Band gibt nach den Vorworten von Gordon Wagener als Chief Design Officer der Daimler AG und Othmar Wickenheiser als Leiter des Transportation Design an der Hochschule München einen knappen Abriss über die Geschichte der Rekordfahrzeuge von Mercedes-Benz bis zum Rekordwagen T80 von 1939. 

Es folgt die sehr detailreiche und auch für den Laien nachvollziehbare Dokumentation des Projekts. Die Arbeiten aller zehn Kandidaten werden in fünf Schritten wiedergegeben: Konzept und Ideenfindung, Brainstorming, Variantenphase, Renderings (Studio), Renderings (Environment). Man muss sich als Leser und Betrachter Zeit nehmen, um Zugang zu der Materie zu finden und sich in die Gestaltungsschritte „einzusehen“. Dann aber, wenn sich einem die Konsequenz der Entwicklungsschritte nach und nach erschließt, wird man zweifellos der Faszination dieses Projekts erliegen. Man begleitet den Weg von anfangs geradezu bruchstückhaften Zeichnungen bis zum technisch überzeugenden und ästhetisch gelungenen fertigen Modell und seiner Präsentation. 

Die Texte sind knapp und verständlich, der im Hochformat gehaltene und 524 Seiten umfangreiche Band lebt von seiner brillanten Illustration auf gutem Hochglanzpapier. Sowohl die unzähligen Zeichnungen mit all ihren Abwandlungen als auch die fotografische Reproduktion der Modelle realistisch im Studio und phantasievoll in einer künstlich hinzugefügten Umgebung einer Rekordfahrt ziehen den Leser in ihren Bann. Insbesondere wer sich für Design interessiert, kommt hier natürlich voll auf seine Kosten, aber auch dem von der Materie unbeleckten Betrachter erschließt sich der Gestaltungsprozess beim Design eines Fahrzeugs auf hervorragende Weise. 

Dieses Buch ist sicher kein Schnäppchen, es ist aber angesichts der Qualität des Bandes und der ungewöhnlichen Materie und ihrer überaus attraktiven Aufarbeitung jeden Cent wert. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass dieses Werk bei der Verleihung des Autobuchpreises 2019 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. 

Thomas Nehlert

Electric High Speed – Mercedes-Benz Design Projekt 

Autoren: Prof. Dr. Othmar Wickenheiser 
Verlag: Shaker Media, Aachen, 2017 
Format, Umfang: Hardcover, 20 x 30,5 cm, 524 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 119,90 ISBN: 978-1-95631-626-5 

Überall im Buchhandel erhältlich