Rezension Thomas Nehlert: Electric High Speed – Mercedes-Benz Design Projekt Othmar Wickenheiser, Shaker Media, Aachen, 2017

Mercedes-Benz verfügt nicht nur über eine gewaltige Tradition im Motorsport, sondern auch über eine herausragende Geschichte in der Entwicklung von Rekordfahrzeugen. In der Erkenntnis, dass sich das Automobil aktuell in der Phase eines Umbruchs befindet, wie es ihn in dieser Bedeutung noch nicht gegeben hat, legte das Stuttgarter Unternehmen zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften München unter der Leitung von Prof. Dr. Othmar Wickenheiser ein Projekt auf, in dem zehn Studenten die Aufgabe gestellt wurde, das Modell eines zukünftigen Geschwindigkeitsrekordfahrzeugs zu entwickeln. 

Mag man zunächst zweifeln, ob gerade ein derartiges Fahrzeug mit der Zukunft automobiler Fortbewegung vereinbar ist, so wird einem bei der Befassung mit dem Thema doch klar, dass gerade die Auseinandersetzung mit Konstruktionen, die eine extreme aerodynamische und zudem optisch reizvolle Gestaltung verlangen, eine besondere Herausforderung darstellt. 

Der sehr edel gestaltete Band gibt nach den Vorworten von Gordon Wagener als Chief Design Officer der Daimler AG und Othmar Wickenheiser als Leiter des Transportation Design an der Hochschule München einen knappen Abriss über die Geschichte der Rekordfahrzeuge von Mercedes-Benz bis zum Rekordwagen T80 von 1939. 

Es folgt die sehr detailreiche und auch für den Laien nachvollziehbare Dokumentation des Projekts. Die Arbeiten aller zehn Kandidaten werden in fünf Schritten wiedergegeben: Konzept und Ideenfindung, Brainstorming, Variantenphase, Renderings (Studio), Renderings (Environment). Man muss sich als Leser und Betrachter Zeit nehmen, um Zugang zu der Materie zu finden und sich in die Gestaltungsschritte „einzusehen“. Dann aber, wenn sich einem die Konsequenz der Entwicklungsschritte nach und nach erschließt, wird man zweifellos der Faszination dieses Projekts erliegen. Man begleitet den Weg von anfangs geradezu bruchstückhaften Zeichnungen bis zum technisch überzeugenden und ästhetisch gelungenen fertigen Modell und seiner Präsentation. 

Die Texte sind knapp und verständlich, der im Hochformat gehaltene und 524 Seiten umfangreiche Band lebt von seiner brillanten Illustration auf gutem Hochglanzpapier. Sowohl die unzähligen Zeichnungen mit all ihren Abwandlungen als auch die fotografische Reproduktion der Modelle realistisch im Studio und phantasievoll in einer künstlich hinzugefügten Umgebung einer Rekordfahrt ziehen den Leser in ihren Bann. Insbesondere wer sich für Design interessiert, kommt hier natürlich voll auf seine Kosten, aber auch dem von der Materie unbeleckten Betrachter erschließt sich der Gestaltungsprozess beim Design eines Fahrzeugs auf hervorragende Weise. 

Dieses Buch ist sicher kein Schnäppchen, es ist aber angesichts der Qualität des Bandes und der ungewöhnlichen Materie und ihrer überaus attraktiven Aufarbeitung jeden Cent wert. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass dieses Werk bei der Verleihung des Autobuchpreises 2019 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. 

Thomas Nehlert

Electric High Speed – Mercedes-Benz Design Projekt 

Autoren: Prof. Dr. Othmar Wickenheiser 
Verlag: Shaker Media, Aachen, 2017 
Format, Umfang: Hardcover, 20 x 30,5 cm, 524 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 119,90 ISBN: 978-1-95631-626-5 

Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Colours of Speed – 50 Jahre Porsche 917 Edition Porsche Museum, Motorbuch Verlag Stuttgart, 2019

Aus Anlass der faszinierenden Sonderausstellung "50 Jahre Porsche 917“ hat das Porsche Museum in Stuttgart diesen Band herausgebracht. Als "roter Faden" dienen die zehn Ausstellungsstücke vom ersten – wieder aufgebauten – 917 001 bis zum gewaltigen CanAm-Boliden 917/30-002. Wenngleich am Ende des im praktischen Querformat gestalteten kompakten Buchs durch das Porsche Museum darauf hingewiesen wird, dass der Ausstellungsband nur einen Auszug aus der Ära des 917 darstelle, so kann man ohne Übertreibung feststellen, dass er dennoch einen wirklich gelungenen Überblick über die Entwicklung, die Rennhistorie und die am Projekt beteiligten Personen gibt.

Allein ein Auszug aus den insgesamt 21 Porträts liest sich wie ein „Who‘s who“ der Porsche-Historie: Ferdinand Piech, Hans Mezger, Valentin Schäffer, Peter Falk, Norbert Singer, Eugen Kolb. Dazu kommen noch zahlreiche Rennfahrer wie z.B. Jo Siffert, Kurt Ahrens, Vic Elford und Hans Herrmann. Die Technik des Anfang der 1970er Jahre bahnbrechenden 917 wird ausführlich dokumentiert, genauso wie seine größten Rennerfolge. Und natürlich werden sowohl der Film „Le Mans“ von Steve McQueen als auch die Rekordfahrt in Talladega zum Ende der 917-Epoche berücksichtigt.

Sehr interessant ist auch, dass der 917 in Kontext zum Vorgänger 908 und zu den TurboVersionen des 911 gesetzt wird. Das Buch endet mit der Designstudie "917 Living Legend" aus dem Jahr 2013. Das Vorwort stammt von keinem Geringeren als Porsches MotorenLegende Hans Mezger.

Der Band ist mit einem attraktiven Layout versehen. Die Illustration ist bestens. Auf den 320 Seiten findet man über 310 Fotos, die zum Teil das Format des Buchs ganz- oder sogar doppelseitig ausschöpfen. Die Aufnahmen stammen fast ausnahmslos aus dem Porsche Archiv und begeistern sowohl von den Motiven als auch von der Wiedergabequalität. Ein Leckerbissen der besonderen Art ist die – wenn auch dem handlichen Format in der Größe angepasste – Reproduktion von 54 Rennplakaten aus der Zeit von 1969 bis 1974.

Dieser sehr reizvolle Band verdeutlicht, dass es nicht immer ein gewaltiges „Coffee Table Book“ sein muss, wenn man sich über einen der berühmtesten Rennwagen der Motorsportgeschichte informieren möchte.

Thomas Nehlert

Colours of Speed – 50 Jahre Porsche 917
Herausgeber: Porsche Museum, Stuttgart 
Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart, 2019 
Format und Umfang: Hardcover , 24,5 x 17,5 cm, 320 Seiten, über 300 Fotos 
Text: Deutsch Preis: € 19,95 
ISBN: 978-3-613-30909-8 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Porsche 356 made by Reutter Frank Jung, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Auf 336 Seiten beschreibt Frank Jung, der Urenkel des Unternehmensgründers Albert Reutter, die Geschichte des Stuttgarter Karosserie-Werks Reutter, die intensive Verbindung zwischen Reutter und dem nach dem Krieg aufstrebenden jungen PorscheWerk sowie die Entstehung und Entwicklung des Porsche 356. 

Das Buch ist die zweite Auflage des 2011 erstmals erschienenen Bandes, im Format deutlich größer und durch weiteres Bildmaterial im Umfang erweitert. Bereits 2006 war aus Anlass des 100jährigen Jubiläums von Reutter die Publikation "Stuttgarter Karosseriewerk Reutter" von Uta und Helmut Jung - den Eltern des Autors - herausgekommen, wobei inhaltliche Überschneidungen dieser beiden Bücher zum besseren Verständnis der Zusammenhänge durchaus gewollt sind. Allerdings liegt der Schwerpunkt des hier besprochenen Bandes, wie schon der Titel erkennen lässt, auf der Geschichte des Porsche 356.

Jung stellt zunächst die Historie des Karosseriewerks von 1906 bis 1949 dar und beschreibt die Anfänge der Zusammenarbeit von Reutter mit dem Konstruktionsbüro Porsche anhand der Porsche-Typen 7, 8, 12, 32 und 60. Auf etwa 140 Seiten folgt die Dokumentation der Kooperation von Reutter und Porsche von 1949 bis 1964, die also die gesamte Produktionszeit des legendären 356 in all seinen Entwicklungsstufen bis zum Beginn der 911er-Herstellung umfasst. Dabei werden auch die elementaren Bezüge zur Firma Recaro nicht ausgelassen, deren Name sich aus den Begriffen "REutterCAROsserie"“ ableitet.

Ist schon dieser Abschnitt sehr reichhaltig illustriert, so schließt sich auf den anschließenden 110 Seiten nach einem Blick auf die Lehrwerkstatt des Unternehmens eine Bilddokumentation zur Produktion des 356 an, die ihresgleichen sucht. Bis ins Detail wird der Herstellungsprozess des 356 verfolgt und wiedergegeben. Schon allein wegen der Reproduktion dieser zeitgenössischen Aufnahmen in ganz erstaunlicher Qualität lohnt sich der Erwerb des Buchs. 

Aber auch die übrigen Fotografien und Abbildungen - insgesamt nicht weniger als über 700 - vermögen zu begeistern und zeigen ein ungewöhnliches Kapitel deutscher und insbesondere schwäbischer Industriegeschichte. Zahlreiche Fotos stammen aus dem privaten Reutter-Archiv und aus dem unerschöpflichen Fundus des Historischen Archivs von Porsche, dessen Leiter Frank Jung inzwischen ist. Sein Vorgänger in dieser Funktion, Dieter Landenberger – inzwischen Leiter von Heritage Volkswagen Communications - hat das Vorwort verfasst, mit dem er diesem Buch seine wichtige Position innerhalb der kaum noch überschaubaren Porsche-Literatur zuweist. In dem Zusammenhang ist ausdrücklich auf das im Anhang befindliche Literatur- und Quellenverzeichnis hinzuweisen, das dem Leser noch zusätzliche Erkenntnismöglichkeiten zu diesem automobil- und zeithistorisch interessanten Thema eröffnet.

Das Buch ist hervorragend verarbeitet und insbesondere in dieser zweiten überarbeiteten Auflage auch im Layout attraktiv und modern gestaltet.

Thomas Nehlert

Porsche 356 made by Reutter Autor: Frank Jung 
Verlag: Delius Klasing 
Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: Hardcover , 23,5 x 27 cm, 336 Seiten, über 170 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-667-11585-0 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: IMSA 1969-1989 – The Inside Story of how John Bishop built the World‘s Greatest Sports Car Racing Series Mitch Bishop and Mark Raffauf, Octane Press, USA, 2019

Angesichts des Niedergangs der großen Prototypen-Klasse LMP1 bei den Sportwagen-Rennen in der World Endurance Championship und der Konzeptionslosigkeit der Fédération International de l‘Automobile (FIA) fragt man sich, weshalb es die amerikanischen Veranstalter von Sportwagenrennen schaffen, hervorragenden Motorsport zu bieten, der erkennbar auch eine bemerkenswerte Zukunftsperspektive hat. Nun, es war indes nicht immer so, denn zu den Zeiten, als sich die American Le Mans Series und die GrandAm Series gegenseitig Konkurrenz machten, war diese Kategorie des Motorsports auch in den USA in eine Krise geraten. Erst die Zusammenführung der beiden Championate in der IMSA WeatherTech Sportscar Championship mit der attraktiven und kostengünstigen DPI-Klasse für Prototypen brachte eine Wende zum Guten. Mit der Wiederbelebung der IMSA Series wurde an eine große Tradition im amerikanischen Motorsport angeknüpft. 

Wer sich für die Entstehung der „International Motor Sport Association“ (IMSA) und deren erste Blütezeit interessiert, ist mit diesem grandiosen und gewichtigen Buch hervorragend bedient. Die Autoren Mitch Bishop und Mark Raffauf sind mit der IMSA auf unterschiedliche Weise eng verbunden. Mitch Bishop ist der Sohn von John Bishop, der die aus dem „Sports Car Club of America“ (SCCA) hervorgegangene IMSA zusammen mit seiner Ehefrau Peggy und mit dem Vater der NASCAR Series, Bill France Sr., 1969 gegründet hatte. Mark Raffauf ist seit 1974 für die IMSA bis hin in leitende Funktionen tätig gewesen und bekleidet noch heute die Funktion eines Senior Directors.

Das großformatige Buch ist chronologisch in 12 Kapitel untergliedert. Der erste Abschnitt stellt sich als interessante Zeitreise in die Geschichte der Familie Bishop während der letzten 100 Jahre dar und verdeutlicht die bereits sehr frühe und intensive Verbindung zur Fliegerei und zum Motorsport. Anschließend wird auf rund 15 Seiten die Entwicklung der zunächst ausschließlich von privater Seite betriebenen Rennen mit Sportwagen in den USA unter dem Banner des SCCA dokumentiert. Angesichts des Interesses mehrerer Automobilwerke an dieser Sparte des Autosports musste die Organisation der Sportwagenrennen neu geordnet werden. Dies führte schließlich 1969 zur Gründung der IMSA, deren erste Rennen aber erstaunlicherweise Läufe mit Fahrzeugen der Formel Ford waren. 

Die entscheidende Rolle bei den Rennen der IMSA Series spielten zunächst für lange Zeit die GTFahrzeuge und auch die Tourenwagen. Nicht zuletzt um eine Dominanz der Porsche zu verhindern, waren anfangs Turbo-Motoren verboten. Nachdem aber die 12 Stunden von Sebring und die 24 Stunden von Daytona als Amerikas größte Sportwagen-Rennen in die IMSA Series aufgenommen worden waren, musste auch das Regelwerk entsprechend angepasst werden. Der Weg führte in mehreren Schritten bis zur GTP Klasse, die – grob umschrieben – der Gruppe C entsprach, aber auf eine Begrenzung des Treibstoffverbrauchs verzichtete. Zweifellos war die Epoche mit diesen mächtigen Prototypen von 1981 bis 1993 die große Blütezeit der IMSA Series. Die bei den Gesamtsiegen dominierenden Marken waren Porsche, Jaguar, Nissan und Toyota.

Das Buch deckt diese Ära bis zum Jahr 1989 ab, da sich die Eheleute Bishop in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen zurückzogen. Selbst wer meint, sich im US-Motorsport schon ganz gut auszukennen, wird hier immer wieder neue Informationen entdecken. Mitch Bishop und Mark Raffauf haben unendlich viel Material gesichtet und ausgewertet, Hintergrundgeschichten ans Licht gebracht und eigene Erfahrungen einfließen lassen. Ihre Schilderungen beschränken sich nicht nur auf das Renngeschehen, die teilnehmenden Fahrzeuge und Fahrer, sondern gehen auch detailliert auf das sich mehrmals verändernde Regelwerk ein und auf die Erwägungen, die zu den jeweiligen Reglementsänderungen führten. In vielen Kapiteleinschüben befassen sich die Autoren mit besonders bemerkenswerten Rennwagen der IMSA Series, mit außergewöhnlichen FahrerPersönlichkeiten und auch mit einzelnen Hintergrundaspekten.

 Fast wie ein Krimi liest sich das zehnte Kapitel, das die kriminellen Aktivitäten einiger Teamchefs und Fahrer beleuchtet. Da Motorsport nun einmal teuer ist, hatten sich einige der Beteiligten das Geld durch Drogenhandel beschafft, so dass die IMSA zeitweise scherzhaft als „International Marijuana Smugglers Association“ bezeichnet worden war. Den inhaltlichen Abschluss des Buchs bildet eine siebenseitige Meisterschaftsstatistik, die nicht nur die jeweilige Spitzenkategorie der IMSA Series abbildet, sondern auch die entsprechenden Unterklassen. Dazu kommen noch eine Bibliografie und ein Index. 

Das alles liest sich überaus spannend, die Texte sind von höchster Kompetenz bis ins letzte Detail und dazu auch noch abwechslungsreich. Nicht minder begeisternd ist die Illustration. Rund 360 Fotos zeigen die IMSA-Rennen von allen Seiten: Rennaction, fantastische Fahrzeuge, gute FahrerPorträts. Zahlreiche Aufnahmen sind in wirklich großem Format, teilweise doppelseitig, gehalten und vermitteln eine dichte und prickelnde Atmosphäre. Der Band ist bestens verarbeitet und auf hochwertigem Mattglanzpapier hergestellt. Ordentliche Englischkenntnisse sind allerdings schon erforderlich, wenn man den Inhalt dieses Buchs über die herrlichen Bilder hinausgehend genießen  möchte.

Thomas Nehlert

IMSA 1969-1989 – The Inside Story of how John Bishop built the World‘s Greatest Sports Car Racing Series 

Autoren: Mitch Bishop, Mark Raffauf 

Verlag: Octane Press, USA, 2019 

Format, Umfang: Hardcover, 30,5 x 27,5 cm, 372 Seiten, 360 Fotos 

Text: Englisch Preis: € 94,90 

ISBN: 978-1-937747-89-3 

Vertrieb: RacingWebShop.com möchte. IMSA

Rezension Thomas Nehlert: 50 Jahre Porsche 914 Jürgen Lewandowski, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2019

Bei den Porsche-Kunden und -Fans war es nicht gerade eine "Liebe auf den ersten Blick", als ihnen vor 50 Jahren der Porsche 914 präsentiert wurde. Aber selbst die größten 914- Skeptiker werden dieses Fahrzeug nach der Lektüre des hier besprochenen Buchs mit anderen Augen betrachten.

Erstmals wird durch den namhaften Automobil-Historiker und Buchautor Jürgen Lewandowski die Entwicklung des als Gemeinschaftsproduktion von Volkswagen und Porsche entstandenen Typ 914 so detailliert und vollständig dokumentiert, dass wirklich keine Frage mehr offen bleibt. Der Verfasser hat in jahrelanger Recherche unglaublich viel Material und Hintergrundinformationen zusammengetragen und zu einem Buch verarbeitet, das ohne Übertreibung als Benchmark innerhalb der wahrhaft reichhaltigen Porsche-Literatur angesehen werden muss. Dabei konnte er auf sein eigenes umfangreiches Archiv zurückgreifen, das eine der größten Privatsammlungen automobiler Druckwerke in Deutschland ist.

Das Buch ist in 13 Kapitel gegliedert. Im ersten Abschnitt beschreibt Lewandowski die von jeher enge und schon familiär begründete Verbindung von Volkswagen und Porsche mit all ihren Erfolgen und auch Krisen. Die ersten Überlegungen des VW-Konzerns zu einem preisgünstigen Mittelmotorsportwagen in den 1960er Jahren werden ebenso eingehend dargelegt wie die vertrauensvollen Kontakte zwischen Ferry Porsche und Heinrich Nordhoff. Dennoch war die Entscheidungsfindung zum VW-Porsche mit zahlreichen Meinungsverschiedenheiten und Hindernissen verbunden, die nach dem Wechsel von Nordhoff zu Lotz auf Seiten VWs nicht geringer wurden. Insbesondere die Schaffung einer Vertriebsregelung für den Mittelmotorsportwagen gestaltete sich schwierig, weil zu viele unterschiedliche Interessen – nicht zuletzt auch aus den USA – berücksichtigt werden mussten. Mit großer Akribie und fesselnd beschrieben, schildert Lewandowski im dritten Kapitel diese Problemlage und vermittelt dem Leser Hintergrundinformationen, die zum Teil bisher unbekannt waren.

Zwischen dem ersten und dritten Kapitel analysiert Michael Mauer, der aktuell für das Porsche-Design verantwortlich ist, in einem ausführlichen Interview die formale Gestaltung des 914, die schon damals wie auch heute als optisch ungewöhnlich aber in hohem Maße funktionell zu würdigen ist. 

Die Entwicklung des 914 anhand der Vorgaben eines Anforderungskatalogs wird im vierten Abschnitt in allen Einzelheiten beschrieben, und zwar sowohl in der Entstehung des in der Bevölkerung als „Volks-Porsche“ (VoPo) bezeichneten Sportwagens als auch in der Fortentwicklung über die Modelljahre 1970 bis 1976. Nicht minder spannend lesen sich die folgenden Kapitel über den leider nicht über das Projektstadium und eine ganz kleine Stückzahl hinausgekommenen 916 und den nur in zwei Einzelstücken für Ferry Porsche und Ferdinand Piech gebauten 914 S, einen mit dem Rennmotor des 908 versehenen, äußerlich besonders zurückhaltend gestalteten 914 mit den Fahrleistungen eines Supersportwagens. Am Beispiel des Projekts 916 und seines vorzeitigen Endes wurde sehr deutlich, woran auch die Vermarktung des 914/6 mit dem Sechszylinder-Motor aus dem 911 krankte – am einfach viel zu hohen Preis, nämlich sowohl im Verhältnis zum mit dem Vierzylinder-VW-Motor ausgestatteten 914 als auch im Vergleich zum preisgünstigsten 911. 

Mit der Entwicklung des 914/6 GT und seinem Einsatz im Motorsport befassen sich die Kapitel sieben bis neun. 1970 konnte diese ausschließlich für den Renn- und Rallyeeinsatz konzipierte Variante insbesondere bei einigen Langstreckenrennen überzeugen, nicht zuletzt mit einem sechsten Gesamtrang und dem Sieg in der GTWertung bei den 24 Stunden von Le Mans und mit einem Triumph beim sogenannten Marathon de la Route auf dem Nürburgring. Der auch intern bei Porsche nicht unumstrittene Einsatz bei der Rallye Monte Carlo 1971 mit seinem eher mäßigen Erfolg führte schlussendlich zum Abbruch weiterer werksseitiger Entwicklung des 914/6 GT für den Motorsport. Allerdings blieb er aufgrund seiner hohen Zuverlässigkeit noch lange ein bei Privatfahrern geschätzter Wettbewerbssportwagen, der sich auch als erstes Fahrzeug der von Herbert Linge ins Leben gerufenen ONS-Streckensicherungsstaffel unschätzbare Verdienste erwarb. Diesem Einsatzgebiet widmet Jürgen Lewandowski ebenso ein eigenes Kapitel wie einem mit herrlichen Erinnerungen garnierten 914/6 GT-Fahrbericht von Eckhard Schimpf. 

Ein Höhepunkt des Buchs ist zweifellos der Abschnitt über einen nie über das Planungsstadium hinausgekommenen Nachfolger des Typ 914. Unter Berücksichtigung eines anspruchsvollen Anforderungskatalogs beschäftigte man sich bei Porsche bereits 1972 mit verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten für einen zukünftigen EinsteigerSportwagen; favorisiert wurde das Frontantriebskonzept für einen deutlich geräumigeren 2+2-Sitzer mit verglaster Heckklappe. Allerdings wurde dieser Sportwagen nie Realität. Stattdessen kam 1976 der Porsche 924.

Nach einem Blick auf mehrere Sondermodelle auf der Grundlage des 914 – vom durch Albrecht Graf Goertz entworfenen 914/6 bis zum von Ital Design stammenden Tapiro – wird der "Volks-Porsche" noch einmal abschließend aus heutiger Sicht der Dinge gewürdigt – mit all seinen Erfolgen und den diversen Schwierigkeiten, die entstehen, wenn zwei Werke mit unterschiedlicher Ausrichtung ein gemeinsames Ziel verfolgen. 

Ein zehnseitiger Anhang mit den technischen Daten aller Modell- und Motorvarianten des 914 und eine Bibliografie schließen das Buch inhaltlich ab. 

Gerade dieser Bibliografie kommt eine besondere Bedeutung zu. Denn Lewandowski hat nicht nur die vollständige Sekundär-Literatur ausgewertet, sondern belegt seine Ausführungen auch durch Zitate aus vielen grundlegenden Publikationen, hier sollen in erster Linie und nur beispielhaft die Werke von Karl Ludvigsen, Paul Frère, Eckhard Schimpf und Brian Long erwähnt werden. So ist es dem Leser auch möglich, in diesen weiteren Quellen zu stöbern und sich selbst über das eigentliche Thema hinausgehende Erkenntnisse zu verschaffen. Noch entscheidender als diese – heute leider nicht immer selbstverständlichen – Quellenangaben dürften aber die vertrauensvollen Kontakte gewesen sein, die der Autor nicht nur zum Historischen Archiv von Porsche, sondern auch zum internen Kreis des Zuffenhausener Unternehmens bis hinein in den Familienverbund unterhält. So war es ihm möglich, tatsächlich bisher im Verborgenen gebliebene Fakten ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, die den bisher etwas vergessenen 914 in einem neuen und überaus interessanten Licht erscheinen lassen. 

Zur Illustration braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Rund 170 Aufnahmen, zum Teil erstmals publiziert und ausnahmslos in bester Wiedergabequalität, verleihen dem Band einen angemessenen Rahmen. Viele sind im großen Format gehalten und geben auch technische Details wieder. Besonderen Reiz üben auch die für die 1970er Jahre so typischen Ablichtungen aus der Porsche-Werbung aus. Das Buch ist sehr gut verarbeitet und erscheint in attraktivem Layout. Angesichts der Tatsache, dass es bisher zum 914 keine vergleichbare Veröffentlichung gibt, und der Qualität der Umsetzung des Themas ist dieser Band wirklich ein Meilenstein in der fast unendlichen Porsche-Literatur. 

Thomas Nehlert

50 Jahre Porsche 914 

Herausgeber: Edition Porsche Museum 
Autor: Jürgen Lewandowski 
Verlag: Delius Klasing 
Verlag, Bielefeld, 2019 
Format und Umfang: Hardcover , 23,5 x 27 cm, 224 Seiten, über 170 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-667-11586-7 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Twice Around the Clock – The Yanks at Le Mans - 1923-1979 Tim Considine, Toll Hall Sexton Books, 2018

Wenn man Roger Penske, den man wohl ohne Übertreibung als Motorsport-Tycoon der USA bezeichnen kann, fragt, welches Rennen er nach den unzähligen Erfolgen seiner Teams bei den Indycars, in der NASCAR Series, bei vielen großen Sportwagenrennen, der American Le Mans Series und sogar den Tourenwagen der australischen Supercars Series denn unbedingt noch gewinnen möchte, so lautet die Antwort stets: die 24 Stunden von Le Mans. Das bedeutendste Autorennen der Welt übt von jeher eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Motorsportler in Amerika aus. 

Tim Considine hat sich nun mit einem geradezu überwältigenden Buch auf rund 1100 Seiten dieses faszinierenden Themas angenommen. Manch einem mag der Name Tim Considine bekannt vorkommen. In den 1950er und 1960er Jahren zählte er zu den bekannten Kinder- und Jugendlichen-Darstellern im amerikanischen Film und Fernsehen. So war er in Deutschland sicherlich durch die Rolle des ältesten Sohns Mike in der Familienserie "Meine drei Söhne" einem größeren Publikum bekannt. Nach seiner TV-Karriere betätigte er sich überaus vielseitig – als Rennfahrer, Buchautor und Fotograf. Er war für längere Zeit der Präsident der "Motor Press Guild", der größten Vereinigung von Motorjournalisten in den USA. Und er wurde bereits mit dem "Motor Press Guild Dean Batchelor Award" ausgezeichnet. 

Die größte Epoche amerikanischer Teams bei den 24 Stunden von Le Mans ist in der Erinnerung fast aller Motorsport-Enthusiasten natürlich die Zeit von 1964 bis 1969, als Ford mit einem unglaublichen Einsatz von technischem Knowhow, Menschen und Geld schlussendlich Ferrari bei dem Langstreckenrennen besiegen konnte. Aber die Geschichte der Amerikaner – der "Yanks" - in Le Mans ist eine viel längere und größere. 

Band 1 umfasst die Zeitspanne von 1923 bis 1959, und tatsächlich waren die USA von Anfang an bei dem 24-Stunden-Rennen präsent. Schon beim ersten Rennen belegte das französische Team von Charles Montier mit einem von einem Triebwerk des T-Modells von Ford versehenen Ford-Montier Special den 14. Platz im Gesamtklassement. 1928 waren nicht weniger als vier Chrysler 72 Six am Start. In der Vorkriegszeit traten auch noch Fahrzeuge von Ford, Stutz und Duesenberg an der Sarthe an, amerikanische Fahrer und Teams blieben allerdings eine Ausnahme. 

Das änderte sich 1949, als der aus Italien stammende in den USA lebende Generalimporteur für Ferrari, Luigi Chinetti, mit einem Ferrari 166 MM den ersten Sieg für Ferrari errang. Fortan spielten Fahrer, Teams und Marken von jenseits des Atlantiks stets eine bedeutende Rolle, wie zum Beispiel die von Briggs Cunningham eingesetzten Cadillac oder Cunningham-Chrysler. 1954 tauchte als Fahrer erstmals Carroll Shelby auf, der Anfang der 1960er mit seinen Shelby Cobra Daytona Coupés ins Renngeschehen eingreifen sollte. Phil Hill, Dan Gurney, Ed Hugus und Masten Gregory waren große amerikanische Fahrer, die schon in den 1950er Jahren in Le Mans starteten. 

Im zweiten Band dokumentiert Considine die Jahre 1960 bis 1969. Das war die große Zeit der Amerikaner in Le Mans. Schon zum Anfang dieses Jahrzehnts beeindruckten die mächtigen Chevrolet Corvette von Briggs Cunningham und die Maserati "Birdcage" des Camoradi Teams sowie natürlich die zahlreichen Ferrari GT des North American Racing Teams (NART) von Luigi Chinetti. 1963 waren erstmals ein Shelby Cobra und ein AC Cobra Ford unter den Teilnehmern. Henry Ford II. war nach dem Platzen des Deals mit Enzo Ferrari überaus verärgert und wollte nichts unversucht lassen, die siegreichen Italiener in Le Mans zu schlagen. Mit einem bis dahin nicht gekannten Aufwand stellte Ford ein Programm auf die Beine, das ab 1966 geradezu zwangsläufig zum Erfolg führte – vom GT 40 über den Mk.II bis zum Mk.IV. Ziemlich alle amerikanischen Fahrer von Rang und Namen fanden sich an der Sarthe ein, sowohl in den Teams von Ford als auch in anderen Mannschaften: Dan Gurney, Mario Andretti, Phil Hill, A.J. Foyt, Richie Ginther, Masten Gregory, Mark Donohue und Bob Bondurant. War die FordWerksmannschaft 1966 und 1967 siegreich gewesen, so führten die GT 40 des John Wyer Teams die Siegesserie auch nach dem Rückzug des Werks noch 1968 und 1969 fort. 

Die folgende Ära von 1970 an, die Gegenstand des dritten Bandes ist, wurde durch die Siege von Porsche und Matra geprägt. Dennoch blieb die Präsenz amerikanischer Teilnehmer bemerkenswert. Insbesondere die zahlreichen Einsätze des North American Racing Teams - zunächst mit den bildschönen Ferrari 512S und 512M, später den kaum weniger eindrucksvollen Ferrari 365 GTB/4 Daytona - müssen hier hervorgehoben werden. Ein Highlight war zweifellos der von Roger Penske 1971 in der attraktiven blaugelben Sunoco-Lackierung an den Start gebrachte Ferrari 512M mit den Fahrern Mark Donohue und David Hobbs. Dazu kamen aus amerikanischer Sicht immer wieder einzelne privat eingesetzte Chevrolet Corvette. 

Der Autor beschreibt die Renneinsätze der amerikanischen Teams, Fahrzeuge und Fahrer in chronologischer Reihenfolge. Er schildert die Rennstrategien, die teaminternen Vorgänge und gibt auch zahlreiche Hintergrundgeschichten wieder. Dabei kommen nicht nur Considines bis ins Detail gehende Wissen und seine hervorragende Fachkompetenz zum Tragen, sondern ebenfalls in ganz ungewöhnlich ausführlichem Umfang Originaläußerungen der unmittelbar an den Rennen beteiligten Personen. Hier wird deutlich, welch jahrelange und in die Tiefe gehende Recherche Eingang in dieses Werk gefunden hat. Viele der zitierten Protagonisten sind inzwischen verstorben; das ändert nichts an der Authentizität ihrer den Leser fesselnden Darstellungen. Jeder der Rennberichte endet mit einem ausführlichen Rennergebnis, in dem natürlich alle Teilnehmer und nicht nur die aus den USA stammenden aufgelistet sind. 

Jeder der drei Bände endet mit mehreren Anhängen: von einem sehr ausführlichen Quellenverzeichnis zu den vom Autor wiedergegebenen Zitaten über eine chronologisch geordnete Teilnehmerliste bis zu einer Erfolgsstatistik der amerikanischen Rennfahrer. Eine Auflistung der Ergebnisse der Fahrzeuge und ein nach Fahrzeugen, Personen und Teams gegliederter Index runden diesen Teil der Bücher ab. So bleibt wirklich keine Frage zum Thema unbeantwortet. 

Das Vorwort stammt von Dan Gurney, dem großen amerikanischen Rennfahrer, der 2018 verstorben ist und den man ohne Übertreibung als eine Lichtgestalt des Motorsports bezeichnen kann. Den Ausführungen Gurneys ist nicht nur sein sehr persönlicher Bezug zu den 24 Stunden von Le Mans zu entnehmen, sondern auch die Tatsache, dass bis heute insgesamt über 300 Rennfahrer aus den USA an dem französischen Langstreckenrennen teilgenommen haben.

Die begeisternde Illustration des Buchs mit rund 900 Fotografien steht dem hervorragenden Text in nichts nach. Dabei muss man – wie bei jedem Band über die Geschichte des Autosports – berücksichtigen, dass die Fotos aus Zeiten stammen, in denen man von den heutigen Möglichkeiten der Sportfotografie noch weit entfernt war. Aber gerade auch die alten Abbildungen, teilweise schwarzweiß, lösen Freude aus und vermitteln dem Leser einen hervorragenden Eindruck vom Motorsport weit zurückliegender Epochen. Die Bilder sind zum beachtlichen Teil im großen bis doppelseitigen Format gehalten und versetzen den Betrachter mit ihrer brillanten Motivauswahl quasi ins Geschehen auf und an der französischen Rennstrecke. Ein besonderes Verdienst der Herausgeber liegt darin, dass sie Bildmaterial sehr unterschiedlicher Archive genutzt haben. Neben den großen Fotosammlungen sind auch zahlreiche kleinere Kollektionen vertreten, so dass die gesamte Illustration überaus interessant und abwechslungsreich ist. 

Die drei Bände werden durch einen stabilen Schuber geschützt und sind erstklassig verarbeitet. Der Einband in einer etwas gummiartigen Laminierung ist ungewöhnlich, dürfte aber sehr pflegeleicht sein. Die Qualität des Papiers und der Reproduktion von Text und Fotos bietet ebenfalls keinen Anlass zu Kritik. 

Zweifellos sind rund 400,- € für ein Motorsportbuch ein stattlicher Preis; dieser erscheint aber angesichts des Gebotenen in jeder Hinsicht als angemessen. Da bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum endet diese Chronologie 1979? Nun, nach gegenwärtigen Erkenntnissen sind weitere vier Bände über die Zeit von 1980 bis jetzt geplant – hoffentlich müssen wir nicht allzu lange auf ihr Erscheinen warten. 

Thomas Nehlert

Twice Around the Clock – The Yanks at Le Mans - 1923-1979 
Autor: Tim Considine 
Verlag: Toll Hall Sexton Books, Tennessee, USA, 2018 
Format:Umfang: 3 Bände Hardcover im Schuber, 24,5 x 29,5 cm, 1096 Seiten, 900 Fotos 
Text: Englisch Preis: € 399,- 
ISBN: 978-0-9993953-0-1 
Vertrieb: RacingWebShop.com

Rezension Thomas Nehlert: The Porsche 911 Book – Revised Edition- teNeues Verlag, Kempen, 2018

Fünf Jahre nach der ersten Auflage dieses gewaltigen Bandes präsentiert der teNeues Verlag eine "Revised Edition", die um 16 Seiten und zahlreiche Fotos erweitert und auf den aktuellen Stand der Entwicklung des Porsche 911 im Jahr 2018 aktualisiert worden ist.

Im Übrigen knüpft das Buch an die Ausgabe von 2013 an, so dass die Besprechung der Erstausgabe auch für diesen neuen Band ihre Gültigkeit behält: Die Fotos stammen von René Staud René Staud, einem der bedeutendsten und mit Sicherheit künstlerischsten Automobil-Fotografen. In chronologisch geordneten Kapiteln werden auf rund 240 Abbildungen die technische Entwicklung vor allem aber die formale Gestaltung des 911 von den ersten Studien bis zum aktuellen 991 fotografisch dokumentiert - und das in einer Weise, die nur als optischer Leckerbissen bezeichnet werden kann. So aufwendig und so anspruchsvoll dürfte der Zuffenhausener Traumsportwagen bisher noch nicht beleuchtet, belichtet und bebildert worden sein! Das sind nicht einfach Auto-Illustrationen, das sind großformatige Bild-Kunstwerke über den Elfer. Fast ausschließlich bedecken die Fotografien das Format des aufgeschlagenen Buchs, nehmen also in der Breite 58cm und in der Höhe 37 cm ein. Sie zeigen nicht nur die unendlichen Varianten und Ausbaustufen von Europas traditionsreichstem Sportwagen, sie sind auch ein faszinierendes Spiel mit Lichteffekten, Farben und Bildhintergründen. Die knappen Texte stammen von Jürgen Lewandowski, einem der bekanntesten Automobilhistoriker deutscher Sprache. In jedem Kapitel sind auch die wesentlichen technischen Daten der gezeigten Porsche 911 tabellarisch festgehalten. Dieser herrliche Band ist kein technisches Kompendium - solche gibt es bereits im Übermaß -, er ist die optische Vermittlung des Traums vom Porsche 911. 

Die Titel sind in englischer Sprache verfasst, was sich aus der internationalen Gestaltung des Buchs in fünf Sprachen, nämlich in Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Chinesisch erklärt. Inhaltlich abgerundet wird dieses 336 Seiten umfangreiche opulente Werk durch ein Extra zur besonderen künstlerischen Gestaltung der Fotomotive und eine Kurzbetrachtung zum Thema "Wer träumt als junger Mann nicht von einem 911 . . ." Zu dieser Frage kann ich nur sagen, der Traum vom 911 ist alters- und gechlechtsunabhängig! 

Das schwergewichtige Buch ist bestens verarbeitet, die Reproduktion der brillanten fotografischen Kunstwerke auf optisch und haptisch überaus ansprechendem Mattglanzpapier ist ausnahmslos hervorragend. 

Thomas Nehlert

The Porsche 911 Book – Revised Edition 

Autoren: Jürgen Lewandowski, René Staud (Fotos) 
Verlag: teNeues Verlag, Kempen, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 29 x 37 cm, 336 Seiten, über 235 Fotos 
Text: Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Chinesisch 
Preis: € 100,- 
ISBN: 978-3-96171-151-2 Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: „Porsche 964 – 30 Years 1988-2018“ – Autoren: Andreas Gabriel, Manfred Hering, Tobias Kindermann, Verlag Berlin Motor Books 2018

Wer von den klassischen luftgekühlten Porsche 911 schwärmt, der denkt zumeist an das sogenannte G-Modell, das bis 1989 gebaut wurde, oder an den Typ 993, der zum Modelljahr 1994 in Produktion ging. Indes lag in der Zwischenzeit von 1988 bis 1993 ein für die Entwicklung des 911 besonders bedeutsames Modell, der Typ 964, der – gemessen am G-Modell – einen enormen Fortschritt bedeutete. Der bärenstarke, dumpf grummelnde 3,6-Liter-Motor stellte ebenso einen Meilenstein in der ElferHistorie dar wie die aerodynamisch optimierte Karosserie und die besonders harmonische übrige Antriebstechnik. Ja, der 964 behagte wegen seiner etwas wulstigen Stoßfänger, der Abkehr von den klassischen Fuchs-Felgen und der ungewöhnlich hohen Wartungskosten, die unter anderem in dem gekapselten Motor ihre Ursache hatten, nicht jedem „gusseisernen“ 911-Fan, aber bei objektiver Betrachtung war er ein ganz hervorragender Sportwagen. 

Bücher zum 964 gab es bisher kaum. Das hat sich nun geändert. Denn der neue Band aus dem Verlag BerlinMotorBooks von Andreas Gabriel kann ohne Übertreibung als Benchmark der Literatur zu dieser Porsche-Baureihe bezeichnet werden. Man hat ja häufig den Eindruck, dass über jedes 911-Modell inzwischen wirklich alles gesagt ist – weit gefehlt! Denn was Gabriel hier durch intensive Recherche, zahlreiche Gespräche und Auswertung unzähliger Fotos und Archivdokumente zu Tage gefördert hat, ist teilweise unglaublich. Deshalb will ich gleich mit den Fakten aus der Porsche-911- Historie beginnen, die hier wahrscheinlich erstmals öffentlich präsentiert werden. 

Im Zusammenhang mit einem ausführlichen Interview, dass Reinhard Seiffert, der frühere Chefredakteur des „Christophorus“, mit Helmuth Bott 1988 geführt hatte, wird ein bisher unveröffentlichtes Foto gezeigt, auf dem Bott nur wenige Monate vor seinem Tod, Peter Falk, F.A. Porsche und der unvergessene Huschke von Hanstein zusammen zu sehen sind. Ein ganzes Kapitel widmet sich der bisher weitgehend unbekannten Aerodynamik-Studie E19 auf der Grundlage des Carrera 3.2. Aufnahmen dieser Studie werden hier ebenso erstmals veröffentlicht wie weiter hinten im Buch detaillierte Texte und beeindruckende Fotos zum Projekt 965, einem zunächst geplanten „Super-Turbo“ als Nachfolger des G-Modell-Turbos mit formalen Anklängen an den 959. Diese vielversprechende aber offenbar zu aufwendige Konstruktion wurde 1988 schließlich aus Kostengründen zu Gunsten des etwas weniger komplizierten 964 Turbo aufgegeben. Selbst ein mit hohem Fachwissen ausgestatteter Porsche-Fan entdeckt hier also mit Sicherheit noch Neues und kommt schon deshalb kaum am Erwerb dieses gewichtigen Buchs vorbei. 

Der sehr edel gestaltete, hervorragend verarbeitete und von einem ausgezeichneten Layout geprägte Band gliedert sich in drei Abschnitte – Carrera 4, Carrera 2 und Turbo. Das ist so auch ganz logisch, denn der Carrera 4 war als erstes Modell mit Vierradantrieb noch vor der Heckantriebsvariante auf dem Markt. Breiten Raum nimmt deshalb auch eine Darstellung der Entwicklung des 911 zu einem Fahrzeug mit vier angetriebenen Rädern ein. Neben dem schon angeführten Interview mit Helmuth Bott aus dem Jahr 1988 wird der Leser von einem sehr ausführlichen, sich zweisprachig über 20 Seiten erstreckenden Gespräch gefesselt, das Andreas Gabriel mit Friedrich Bezner geführt hat. Bezner leitete bei Porsche die Entwicklung der Modellreihen 964 und 993, und ihm war es auch zu verdanken, dass der Elfer entgegen den Vorstellungen von Professor Fuhrmann nicht durch den 928 abgelöst wurde. Seine Energie und Überzeugungskraft und die Genialität des Heizungsspezialisten Walter Pross sorgten auch dafür, dass einer der Schwachpunkte der luftgekühlten Elfer, die unzureichende und schwankende Leistung der Heizung, abgestellt werden konnte. In dem Dialog mit Bezner bleibt wirklich kein Entwicklungsschritt vom G-Modell zum 964 geheim, und ein tieferer Blick hinter die Kulissen des damaligen Geschehens ist kaum vorstellbar.

Innerhalb der drei großen Abschnitte findet jeweils eine Unterteilung in drei Titel statt. Zunächst werden chronologisch die Modelljahre mit ihren im Laufe der Zeit erfolgten Änderungen dokumentiert. Dann schließt sich eine ausführliche Beschreibung aller einzelnen Modelle an, bevor eine hochinteressante Kaufberatung der jeweiligen Modellreihe den Abschnitt beendet. Bei der Darstellung der einzelnen Modelle ist es einfach unglaublich, wie viele Sonder- und Spezialversionen neben den traditionellen Coupé-, Targa- und Cabrio-Varianten Andreas Gabriel gefunden hat. Nur beispielhaft seien hier erwähnt: Carrera 4 Leichtbau, Carrera 4 „30 Jahre 911“, Carrera 2 Cabrio Turbolook, 911 America Roadster, Carrera RS America Coupé, Carrera RS Coupé N/GT, Carrera 2 Speedster Turbolook, Turbo S Leichtbau, Turbo Cabriolet und Turbo 3.6 Flachbau- und Package-Variante. Selbstverständlich werden auch alle Speedster-, RS-, RSR- und Cup-Modelle präsentiert. 

Dabei ist es auch verblüffend, dass der Autor zu den unterschiedlichen und zum Teil sehr raren Varianten überragendes Hintergrundwissen vermittelt, das nur durch seine exzellenten Kontakte zu Porsche zu erklären ist. Das wird auch gerade bei der technischen Analyse der diversen RS- und Cup-Varianten deutlich. So hat Gabriel zweifellos einen Namen bei Porsche, schließlich war es ihm vergönnt, für sein früheres Werk über den Porsche Cayenne sogar ein Interview mit Dr. Wolfgang Porsche zu führen. 

Ein Kapitel für sich sind die Kaufberatungen. Hier beleuchtet der Autor schonungslos auch die – nicht sehr vielen - Schwächen der zahlreichen 964-Modelle und gibt dem Interessenten nicht nur hilfreiche Fakten, sondern auch Empfehlungen zum nun einmal notwendigen Kostenrahmen der unterschiedlichen Varianten mit auf den Weg. Gabriel scheut sich auch nicht, zwischen den Abschnitten von Carrera 4 und Carrera 2 auf die seinerzeit überaus bedrohliche Lage von Porsche Anfang der 1990er Jahre einzugehen. Er zeigt die damaligen massiven Management-Probleme auf, die das Unternehmen beinahe seine Existenz gekostet hätten und schließlich durch die glückliche Verpflichtung Wendelin Wiedekings gelöst werden konnten. 

Das großformatige und auf wertvollem Mattglanzpapier gedruckte Buch ist hervorragend illustriert. Auf 205 erstklassig reproduzierten Fotos werden alle 964- Versionen bis ins Detail von außen und innen gezeigt, ebenso die Technik der Fahrzeuge. Ein großer Teil der Fotos stammt aus dem Porsche-Werksarchiv, insbesondere wenn es um die Entwicklungsträger und Aufnahmen aus der Produktion geht. Nicht minder beeindruckend sind aber Fotografien der künstlerisch ins Licht gesetzten 964 aus privater Hand. Wie zum Beispiel ein schwarzer Carrera RS 3.8 vor schwarzem Hintergrund geradezu „inszeniert“ wird, das können auch ein Jeff Zwart und ein René Staud nicht besser. Zudem wird durch die Nutzung diverser Privatfahrzeuge auch das breite Farbspektrum der Porsche-Modelle ausgereizt – vom minzfarbenen Cabrio über den dunkelvioletten Speedster bis zum gelben Carrera RS. Hier findet man nicht nur Lesestoff, sondern auch einen Augenschmaus vom Feinsten.

Für die umfangreichen Tabellen mit den technischen Daten der vorgestellten PorscheTypen war Tobias Kindermann zuständig. Weitere Unterstützung bei der Erstellung des Buchs hat Andreas Gabriel durch Manfred Hering, den Inhaber des Wuppertaler Unternehmens „Early 911S“, erfahren.

Kurz und gut: mehr und bessere und optisch reizvollere Informationen zum 964 als in diesem Buch gibt es nicht. Und wenn man den Band neben das nicht minder gelungene und vergleichbar gestaltete Buch von Gabriel über das G-Modell legt, fragt man sich, ob der sehnsüchtig erwartete nächste Band dieser Reihe über die luftgekühlten Porsche 911 von einem Urelfer oder einem 993 auf dem Buchtitel geziert werden wird.

Thomas Nehlert

Porsche 964 – 30 Years 1988-2018 

Autoren : Andreas Gabriel, Manfred Hering, Tobias Kindermann 
Verlag: Berlin Motor Books, 2018 
Format und Umfang: Hardcover mit Schuber, 26,5 x 31,5 cm, 380 Seiten, 205 Fotos 
Text: Deutsch/ Englisch 
Preis: € 99,80 
ISBN: 978-3-9814592-4-1 
Erhältlich über: http://berlinmotorbooks.de

Rezension Thomas Nehlert: Formel E – Die Story Edwin Baaske, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2018

Das ist das erste deutschsprachige Buch über die Formel E. Im gewaltigen Format dokumentieren mehrere Autoren und zahlreiche Fotografen die ersten vier Jahre dieser neuen Rennserie, der zunächst mit Skepsis begegnet wurde, die aber inzwischen einen festen Platz im internationalen Autosport-Terminkalender einnimmt. Das Konzept ist neu und – angesichts der Zuschauerzahlen – begeisternd. Kurze, abgasfreie und fast lautlose Rennen in den Zentren der großen Metropolen locken die Menschen in großen Mengen an. Dazu kommt eine bemerkenswerte Publikumsnähe, verbunden mit zahlreichen weltbekannten Rennfahrern, die zum großen Teil zuvor in der Formel 1 Rennen bestritten hatten. 

Der Band im Coffee-Table-Format übertrifft alle Erwartungen. Überragend die Illustration mit rund 270 Fotos, überwiegend doppelseitig in Postergröße. Pralle Action wird in brillanten Farbaufnahmen eingefangen, das ganz spezielle Ambiente dieser zukunftsträchtigen Rennserie findet sich dabei ebenso wieder wie faszinierende Bilder ungewöhnlicher technischer Details. Großartig sind die zahlreichen Porträtaufnahmen der Rennfahrer in Schwarzweiß. Dank des Formats dieser Bilder schaut man den Piloten teilweise in Lebensgröße in die Augen – Felix Rosenqvist, Lucas di Grassi, Jaime Alguersuari, Jacques Villeneuve, Bruno Senna, Nick Heidfeld, Jérome d'Abrosio ! Ein zusätzlicher optischer Genuss sind die künstlerisch gestalteten Großaufnahmen der Metropolen, in denen die Formel E bisher zu Gast war. 

Aber das ist viel mehr als ein albumartiger Großbildband, das Buch ist auch überaus faktenreich. So werden alle bisherigen vier Meisterschaftssaisons und sämtliche 45 Rennen statistisch dokumentiert. Der Gründer und Chef der Serie Alejandro Agag sowie FIA-Boss Jean Todt kommen ausführlich zu Wort, und auch Fahrer, Techniker sowie zwei Bürgermeister der Austragungsorte äußern sich. Das Vorwort stammt von Georg F.W. Schaeffler, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Schaeffler AG, die in Form des Abt-AudiTeams maßgeblich an der Serie beteiligt ist. 

Mit der anstehenden Saison 2018/2019 tritt die Formel E in ihre nächste Entwicklungsstufe ein, und auch auf diese Perspektive geht der Band ein und zeigt bereits die optisch deutlich akttraktiveren Fahrzeuge der Zukunft, in der fast alle deutschen Automobilhersteller werksseitig in der Formel E vertreten sein werden. Sicherlich ist auch im sportlichen Bereich der Elektromobilität noch viel zu tun, so muss schon kurzfristig die Ladung der inzwischen sehr kräftigen Batterien ebenfalls mit regenerativer Energie erfolgen. Aber der Weg in die Zukunft ist aufgezeigt, und er kann sehr faszinierend sein, wie dieser opulente Band zu einem ganz ungewöhnlich günstigen Preis dokumentiert. 

Thomas Nehlert


Formel E Autoren: Edwin Baaske, Jörg Walz 

Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 29,5 x 37 cm, 304 Seiten, über 270 Fotos 
Text: Deutsch Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-667-11442-6 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert: Christophorus XL – 70 Jahre Porsche Sportwagen Edwin Baaske, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2018

Der "Christophorus" ist die Zeitschrift, die Porsche seinen Kunden zukommen lässt und die auch jeder Fan abonnieren kann. Bisher sind 389 Ausgaben erschienen. Aus Anlass des 70jährigen Unternehmensjubiläums ist diese Sonderausgabe im gewaltigen Format 26,5 x 36 cm erschienen. 

Auf 148 Seiten wird das Thema "Porsche" in 17 großartig illustrierten Artikeln aus den unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Das beginnt mit einem Bildbericht vom Rennsport Reunion 2018 in Laguna Seca und setzt sich mit einer Fahrt im alten 911 R über die französischen Seealpen bis nach Monza fort. Ein Höhepunkt ist zweifellos Dieter Landenbergers Bericht über die Ortschaft Teloché nahe Le Mans, in der Porsche lange Zeit in einer Garage sein Quartier für das 24-Stunden-Rennen aufgeschlagen hatte. Erinnerungen an das bekannte Jägermeister Racing Team, ein Rückblick von Walter Röhrl, eine Betrachtung zum immer noch faszinierenden Porsche 928, eine Dokumentation zum Turbo von Herbert von Karajan und ein Porträt des für die Entwicklung der aktuellen Elfer so wichtigen August Achleitner folgen. Anschließend geht es mit einem Kurzinterview mit Dr.Wolfgang Porsche, einem Bericht über die Notizen von Ferdinand Porsche, einer Darstellung des 356 Nr.1, einer Reise zu den für die Entstehung von Porsche wichtigen Orten wie Maffersdorf, Gmünd, Wien und Stuttgart tief in die frühe Geschichte des Unternehmens. Nicht weniger interessant sind das Porträt eines PorscheModellsammlers, ein Bildbericht über klassische Porsche auf der GroßglocknerHochalpenstraße und das E-Design zukünftiger Porsche. Ein Fahrbericht vom neuen 992 auf der Turracher Höhe und ein Blick in die Zukunft von "Style Porsche" runden den Inhalt des edel gemachten Magazins ab. 

Aber das ist noch nicht alles: Am Ende des Heftes ist eine Hülle eingeklebt, in der sich eine DVD befindet. 70 Jahre Porsche in gut 100 Minuten. Es gibt ja schon zahlreiche Versuche, die Geschichte Porsches filmisch zu erfassen, zumeist waren die Ergebnisse bisher eher von zweifelhafter Qualität. Nicht so hier: Der Film ist der Höhepunkt des Pakets aus Heft und DVD. Wie ein roter Faden ziehen sich die Äußerungen Wolfgang Porsches durch den Film. Dr. Porsche, der für mich ein Beispiel ist, wie gut sich sympathische Freundlichkeit mit unternehmerischem Erfolg verbinden kann, erzählt sehr lebendig über die Porsche-Familie, das Unternehmen, die Sportwagen-Philosophie aber auch die Krisen des Unternehmens. Die Filmszenen beleuchten mit vortrefflicher Schwerpunktsetzung sowohl die Straßensportwagen und ihre Entwicklung vom 356 bis zum Taycan als auch die Rennhistorie mit fast allen wesentlichen Rennfahrzeugen des Stuttgarter Unternehmens. Dabei kommt hervorragendes zeitgenössisches Filmmaterial zum Einsatz, viele Aufnahmen dürften in dieser Zusammensetzung hier erstmals gezeigt werden. 

Besonders hervorzuheben ist, dass zahlreiche Zeitzeugen - auch ausführlich - zu Wort kommen: sowohl Techniker, Designer und Ingenieure wie Herbert Linge, Hans Mezger, Harm Lagaay, Peter Falk und Norbert Singer als auch Rennfahrer wie Jacky Ickx, Hans Herrmann, Hans-Joachim Stuck und Walter Röhrl . Überaus interessant sind die Ausführungen des "Porsche-Retters" Wendelin Wiedeking und des Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um die Schilderung der Krise Anfang der 1990er Jahre geht. 

Soweit es überhaupt möglich ist, die komplexe und wechselvolle Geschichte von Porsche im Film festzuhalten, ist dies hier bestens gelungen. Schon allein die DVD lohnt es, sich diese XL-Ausgabe des "Christophorus" zu sichern. 


Christophorus XL – 70 Jahre Porsche Sportwagen 
Herausgeber: Dr.Ing.h.c.F.Porsche AG, Edwin Baaske 
Verlag: Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2018 
Format und Umfang: 26,5 x 36 cm, 148 Seiten, über 140 Fotos, incl. DVD 102 Minuten 
Text: Deutsch Preis: € 15,- ISSN: 2626-4900