Rezension Thomas Nehlert: „Ford Escort – Die legendären Mk1 & Mk2 im Rallyesport“, Autor Reinhard Klein/ John Davenport, McKlein Publishing Köln, 2018

Es gibt wohl kaum eine Marke, die über einen langen Zeitraum breiter im Motorsport aufgestellt ist als Ford. Man denke nur an die Ford GT, die Formel-1-Triebwerke von Cosworth, die Cortina und Sierra bei den Tourenwagenrennen und die mächtigen Stock Cars der Nascar-Serie. Ein ganz besonderer Schwerpunkt war und ist für Ford allerdings von jeher der Rallyesport. In der Epoche der Gruppe 2 und Gruppe 4 von den 1960er bis in die 1980er Jahre hinein war der in Großbritannien beheimatete Zweig des Konzerns mit den Ford Escort der ersten beiden Modellgenerationen bei allen großen und kleinen Rallyes der Welt präsent. 

John Davenport, der die Entwicklung der Escort von Anfang an begleitet und selbst als Beifahrer u.a. von Ove Andersson, Chris Sclater und Hannu Mikkola bis 1976 an Rallyes mit diesem Fahrzeug teilgenommen hatte, beschreibt die Historie dieses legendären und überaus erfolgreichen Sportgeräts von 1968 bis 1982. Neben unzähligen Siegen bei einzelnen Rallyes konnte der Escort für das in Boreham angesiedelte Rallye-Team 1968 und 1969 die Markenwertung der Rallye-Europameisterschaft und 1979 den Titel eines Markenweltmeisters innerhalb der Rallye-Weltmeisterschaft erringen. Der Autor schildert die ersten Entwicklungsschritte wie auch die bedeutenden Einsätze und Erfolge in den Läufen der Europa- und später Weltmeisterschaft und geht auch auf die Position des britischen Tourenwagens im Konkurrenz-Umfeld ein. 

Der Band ist chronologisch geordnet, für jedes Jahr von 1968 bis 1981 je ein Kapitel. Die zweisprachigen (englisch/deutsch), profunden und mit enorm viel Hintergrundwissen garnierten Texte von Davenport nehmen jeweils zwei bis vier Seiten ein, bevor zahlreiche Zeitzeugen – Rallyefahrer, Techniker, Teamchefs – ausführlich zu Wort kommen. Insbesondere durch die detaillierten Äußerungen der unmittelbar am Geschehen Beteiligten gewinnt das Buch eine hohe Authentizität. In besonderen Kapiteln wird auch auf die Rallye-Escorts in Deutschland und die Zeit nach 1981 eingegangen. Die Vorworte stammen von Stuart Turner und Hannu Mikkola. 

Eine ausführliche Statistik über 17 Seiten listet alle Einsätze und Ergebnisse der Escort von 1968 bis 1982 auf. Über die Illustration braucht man nicht viele Worte zu verlieren – 513 teils großformatige Fotos aus dem weltweit führenden Rallye-Archiv von McKlein lassen keinen Wunsch offen. Die Technik im Detail, die pure Rallye-Action, die Fahrer, die Service-Mannschaften – die Bandbreite der fotografischen Ausstattung dieses großformatigen Bandes ist gewaltig. Die Reproduktion der Fotografien ist erstklassig, ebenso wie die Verarbeitung des Buchs, von dem es auch eine auf 250 Stück limitierte und von Hannu Mikkola signierte Ausgabe im Leinen-Schuber gibt.

Thomas Nehlert

Ford Escort – Die legendären Mk1 & Mk2 im Rallyesport 
Autor: Reinhard Klein/ John Davenport 
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 24,5 x 30 cm, 264 Seiten, über 510 Fotos 
Text: Englisch/ Deutsch Preis: € 59,90 
Vertrieb: RacingWebShop.com 
ISBN: 978-3-947156-08-5

Rezension Thomas Nehlert: Gulf 917 – Publisher's Edition, von Jay Gillotti, Verlag Dalton & Watson Fine Books, Deerfield Illinois, USA, 2018

Dieses schwergewichtige neue Buch über die Gulf Porsche 917 ist in zwei verschiedenen Ausgaben erschienen. Die normale Edition besteht aus einem 496 Seiten dicken Band mit 460 Fotos, der von einem Schuber geschützt wird. In nur 200 nummerierten Exemplaren gibt es – in einem noch voluminöseren Schuber – die zweibändige Publisher's Edition, auf die hier näher eingegangen wird. Diese hat einen Umfang von 656 Seiten und enthält rund 620 Fotografien; sie besteht aus dem Band der regulären Ausgabe und einem zusätzlichen Band mit weiteren 160 Seiten. 

Es herrscht nun wahrhaft kein Mangel an Literatur über Porsches legendären 917. Das Werk von Jay Gillotti konzentriert sich auf eine bis ins letzte Detail gehende Dokumentation der im Gulf-Team von John Wyer Racing eingesetzten Fahrzeuge. Nach einer Darstellung der frühen Porsche-Renngeschichte und der Rennschlachten zwischen Porsche und anderen unter dem Gulf Label eingesetzten Rennsportwagen, wie z.B. dem Ford GT40, beschreibt Gillotti sämtliche Porsche 917 des Gulf Teams nach ChassisNummern geordnet. Diese auf erkennbar gründlicher Recherche beruhende Chronologie erfasst sowohl alle technischen Einzelheiten als auch die jeweilige Rennhistorie der betreffenden Fahrzeuge. Der Autor hat die vollständige Literatur zum Thema ausgewertet und selbst detaillierte Nachforschungen bei Porsche und im Historischen Archiv in Zuffenhausen angestellt. Im Kontext der einzelnen 917-Typen entsteht so eine Technikund Renngeschichte, die in dieser Form ihresgleichen sucht. 

Gillotti geht auf alle bis heute interessanten und teilweise ungeklärten Details ein. Er zitiert korrekt aus den unzähligen Quellen, stellt Schilderungen gegenüber und ist in der Bewertung von einer bemerkenswert angenehmen Zurückhaltung. Er hat wirklich die komplette Literatur gesichtet, seien es frühe Publikationen zum 917 wie der Band von Peter Hinsdale aus dem Jahr 1976, das Buch „The Racing Porsches“ von Paul Frère von 1975, die Standardwerke von Walter Näher, Thomas Födisch, Glen Smale, Peter Morgan oder Karl Ludvigsen und ganz aktuelle Publikationen wie „Steve McQueen – In the Rearview Mirror“, Ian Wagstaffs „Autobiography of 917-023“ oder Derek Bells „All my Porsche Races“. Neben der technischen Literatur hat Gillotti auch zahlreiche RennfahrerBiografien beigezogen sowie das Buch über den bekannten Rennmechaniker Ermanno Cuoghi (der später übrigens für Niki Lauda bei Ferrari gearbeitet hat) und vor allem auch die Lebenserinnerungen von John Wyer „The Certain Sound“. Die im Anhang von Band I wiedergegebene Bibliografie umfasst nicht weniger als 47 Buch-Titel. Dazu kommen noch etwa 40 ausgewertete Magazine, überwiegend Ausgaben der britischen „Motor Sport“. Allein diese Auflistung verdeutlicht, mit welcher journalistischen Akribie und mit welchem Einsatz Gillotti zu Werke gegangen ist.

Schon aus diesem Grunde empfiehlt sich die umfangreichere und eben auch deutlich kostspieligere „Publisher's Edition“. Denn im zweiten Band dieser Ausgabe beschreibt der Autor auch, wie er sich erstmals für das Thema „Porsche 917“ und für die Geschichte des John-Wyer-Racing-Teams begeisterte. Der Leser erfährt, durch zahlreiche Fotos und Dokumente belegt, wie er Kontakte zu den Protagonisten der Gulf-Renneinsätze und zum Porsche-Werk knüpfte und auf immer wieder neue Quellen und mit diesen verbundene Erkenntnisse stieß. 

Hier hat der Leser wirklich die Gelegenheit, zahlreiche Hintergrundgeschichten zu erfahren, die zwar jeweils einzeln zum Teil bereits in einigen anderen Bänden zu finden sind. Erstmals sind diese Insider-Storys hier aber konzentriert zusammengeführt worden, seien es technische Entwicklungen, seien es zwischenmenschliche Konstellationen. 

Ein heikles Thema war zum Beispiel der Umstand, dass Porsche, nachdem der Vertrag mit dem John Wyer Team abgeschlossen war und John Wyer davon ausgehen konnte, dass allein sein Team die offizielle Werksmannschaft war, beim ersten Rennen der Saison 1970 in Daytona auf einmal mit einer ziemlich gleichrangigen Mannschaft von Porsche Salzburg zusätzlich auftrat. John Wyer hat dieses Verhalten in seinem Buch „The Certain Sound“ nachvollziehbar kritisch betrachtet. Gillotti arbeitet diese Problemlage sorgfältig auf, unterlässt es aber, einen Vorwurf in irgendeine Richtung zu erheben. Und so überlässt er es auch dem Leser, welche Rückschlüsse aus dem Ausfall der Gulf-Porsche beim 24- Stunden-Rennen von Le Mans 1970 zu ziehen sind, bei dem – wie auch 1971 unter der Bewerbung von Martini Racing – ein 917 des Teams von Porsche-Salzburg siegreich blieb. Das teaminterne Duell der Fahrer Rodriguez und Siffert wird ebenso ausgeleuchtet, wobei zahlreiche Stellungnahmen von Fahrern und Mechanikern einfließen. 

Hochinteressant sind auch die technischen Erklärungen für den Einsatz der so genannten Langheckfahrzeuge und für die Verwendung der kleinen Finnen im oberen Heckbereich einiger 917. Gillotti beschreibt auch die tragischen Unfälle der beiden Spitzenpiloten Pedro Rodriguez und Jo Siffert, die beide 1971 in ganz anderen Rennwagen zu Tode kamen. Überhaupt räumt er den Fahrern und den maßgeblichen Team-Verantwortlichen in eingeschobenen Porträts einen angemessenen Raum ein. 

Natürlich erfährt auch der legendäre Film "Le Mans" von und mit Steve McQueen eine separate Würdigung mit der Beschreibung der in diesem Film verwendeten Porsche 917. Nicht zuletzt war es dieses Leinwand-Epos, das den Autor mit dem Porsche 917 in Berührung brachte. 

Und es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Gillotti auch zahlreiche Porsche 917 beschreibt, die nicht im unmittelbaren Renneinsatz von Gulf Racing standen. Dazu kommt bei allen Gulf 917 eine detaillierte Darstellung ihres Werdeganges nach den Rennen von 1970/71 bis zum heutigen Tage. Es ist erstaunlich, wie viele der 917 noch heute bei Veranstaltungen des historischen Motorsports zu sehen und vor allem zu hören sind. 

Ausführliches statistisches Material, das auch die ebenfalls von Gulf eingesetzten Porsche 908/03 umfasst, sowie zahlreiche Datenblätter runden den Inhalt des ersten Bandes ab. 

Der zweite Band, der der hier besprochenen Publisher's Edition vorbehalten ist, enthält sehr viele zusätzliche Datenblätter und vor allem weiteres Bildmaterial. Zudem wird auch auf die Konkurrenzfahrzeuge, insbesondere die Ferrari 512 S und M sowie den 312 PB, eingegangen. Ein Kapitel lässt den Leser – wie bereits beschrieben – hinter die Kulissen der Entstehung dieses gewichtigen Buchs blicken. Die Reproduktion des Prospekts vom 917 verdient ebenso Beachtung wie die der Presse-Mitteilung des Porsche-Werks vom 30. September 1969 über die bevorstehende Zusammenarbeit mit John Wyer. Außerdem sind die 200 Exemplare dieser Ausgabe von Derek Bell, Brian Redman, John Horsman und dem Autor handsigniert und dürften sich schon aus diesem Grund schnell zu wertvollen Sammlerstücken entwickeln.. 

Beide Bände sind großartig illustriert. Detailaufnahmen von der Technik, spannende Rennaction und Porträts der Fahrer und Teamverantwortlichen wechseln einander ab. Überwiegend werden zeitgenössische Bilder von den großen Langstreckenrennen 1970/71 in bemerkenswert guter Qualität gezeigt, außerdem auch Ablichtungen aus dem Porsche-Werk vom Herstellungsprozess der 917. Schließlich hat der Autor im zweiten Band auch eigene hervorragende Aufnahmen von aktuelleren Porsche-Veranstaltungen wie der Porsche Rennsport Reunion in Laguna Seca hinzugefügt. Das Schmökern in diesem opulenten 917-Wälzer wird nie langweilig, hier ist tatsächlich ein neues Grundlagen-Werk zum Porsche 917 entstanden – für jeden Fan der großen Sportwagenrennen und des Porsche-Motorsports eine ganz klare Empfehlung! 


Gulf 917 – Publisher's Edition 

Autor: Jay Gillotti 
Verlag: Dalton Watson Fine Books, Deerfield Illinois, USA, 2018 
Format, Umfang : 2 Bände im Schuber, Hardcover, 23 x 28 cm, 656 Seiten, 620 Fotos, 200 nummerierte und von Derek Bell, Brian Redman, John Horsman und Jay Gillotti handsignierte Exemplare 
Text: Englisch Preis: € 339,- 
ISBN: 978-1-85443-302-2 Vertrieb: www.RacingWebShop.com

Rezension Thomas Nehlert: Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet teNeues Verlag, Kempen, 2018

Das Interesse an edlen klassischen Automobilen scheint im gleichen Maße zuzunehmen wie die Kritik an der nüchternen Technik und der Gleichförmigkeit moderner Fahrzeuge. Automobile Pretiosen haben sich nicht nur zu gewinnversprechenden Anlagen entwickelt, sondern stellen vielmehr ein echtes Kulturgut der Industriegesellschaft dar. 

Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass es immer mehr Bücher über klassische Autos gibt, seien es kompakte Kaufratgeber, Technikhandbücher oder attraktive Bildbände. Dieser Band aus dem teNeues Verlag ist ein Buch von außergewöhnlichen Maßen, ein wahres "Coffee Table Book", in dem man mit großer Freude blättert und liest. Mit einem Gewicht von 4,5 kg und einem Umfang von 400 Seiten im gewaltigen Format von 30 x 37 cm sowie einem edlen Einband in einem alcantaraähnlichen Gewebe fällt es schon rein äußerlich aus dem Rahmen. 

Noch mehr gilt dies für den Inhalt. Die Vorworte stammen von Paolo Tumminelli und Jürgen Lewandowski. Unter den Fachleuten, die bei der Erstellung des Buchs beratend tätig waren, finden sich u. a. Leopold Prinz von Bayern und Carl-Peter Forster. Die Autoren Jürgen Lewandowski und Michael Görmann, der zugleich als Herausgeber firmiert, haben sich dem Thema der „Classic Cars“ aus vier Richtungen genähert. 

Etwa die Hälfte des Buchs beschäftigt sich mit Fahrzeugen aus privaten Sammlungen. Aus der Kollektion eines Münchner Sammlers werden nicht weniger als 19 Typen gezeigt – Aston Martin, Ferrari, Jaguar, Mercedes, Bentley, alles Modelle in bestem Zustand vom Mercedes-Benz 540 K bis zum Ferrari 250 GT Lusso. Aus verständlichen Gründen bleibt der Name des Sammlers ungenannt, wenn vielleicht die als Kennzeichen benutzten Buchstaben manchem Insider doch etwas verraten. Es folgen die Sammlung MoCo, die Porsche-Sammlung Diamand, die Abarth-Sammlung Möll, die atemberaubende Sammlung „EFA – Mobile Zeiten“ aus dem Chiemgau, die Landmark Collection Kitzbühel und eine schlicht überwältigende Zusammenstellung von Horch-Automobilen. Dazu gesellen sich zahlreiche Einzelstücke – vom Ferrari 166 MM, der auch den Einband ziert, und Opel RAK 2 über den Ferrari 166 Spider Corsa Scaglietti, einen Mercedes-Benz 600 und einen Opel GT bis zu einem VW Golf 2 Pikes Peak und Michael Schumachers erstem Weltmeisterschaftsauto, dem Benetton-Ford B194-5. 

Unter dem Titel "Events" wird auf einige große Veranstaltungen im Bereich der klassischen Automobile eingegangen wie zum Beispiel den Pebble Beach Concours d'Élegance, den Concorso d'Éleganza Villa d'Este, das Goodwood Revival und das Festival of Speed sowie die Mille Miglia. Im Zusammenhang mit der Mille Miglia äußert sich der Chopard CoPräsident Karl-Friedrich Scheufele, der diese klassische Veranstaltung mehrfach zusammen mit Jacky Ickx bestritten hat. 

Besonders vielfältig zeigt sich der Abschnitt „Connections“, in dem es um die unterschiedlichen Formen des Kontaktes in der Szene der Autosammler geht. Da wird ausführlich über Auktionen der Häuser Bonhams und RM Sotheby's berichtet, ein privater "Drivers & Business Club" wird vorgestellt und die BMW Group Classic sowie die Motorworld Group erfahren eine Würdigung ebenso wie Organisationen, die sich mit dem Organisieren von Ausfahrten mit klassischen Fahrzeugen befassen. Ausführlich werden zahlreiche zum Verkauf angebotene Oldtimer präsentiert.

Sehr reizvoll ist der vierte und letzte Abschnitt "Photography". Vier Fotografen zeigen die sehr unterschiedliche Herangehensweise beim Ablichten von Automobilen. Unter diesen für mich klar herausstechend ist Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein mit ihren unnachahmlichen Rennsportaufnahmen zwischen 1951 und 1970. Dazu im interessanten Kontrast stehen die in infrarotem Licht gestalteten Aufnahmen von Michael Görmann und die eher unterkühlten Bilder von René Staud, die den Focus geschickt auf die speziellen Formen unterschiedlicher Fahrzeuge lenken. Schließlich beeindrucken auch die von einer besonderen Lichtwirkung und Dynamik gekennzeichneten Aufnahmen Bernhard Hartmanns von zumeist winterlichen Rallyes des historischen Motorsports. 

Eigentlich könnten alle 400 Seiten des Prachtbandes unter dem Titel "Photography" stehen. Denn neben den kompetenten und leidenschaftlichen Texten und den detailreichen technischen Daten lebt dieses Buch von seiner fast berauschenden Illustration. 356 Fotos, fast ausschließlich im großen, teilweise doppelseitigen, Format, prägen den Eindruck von diesem Werk nachhaltig. Die Fahrzeuge, die durchgehend als automobile Schmuckstücke anzusehen sind, werden in brillanter Auswahl von Motiv und Blickwinkel sowie makelloser, fast plastischer Reproduktion gezeigt. Es ist als großer Pluspunkt anzusehen, dass zahlreiche Archive und Fotografen hier ihr Können zeigen. Dadurch ist die Illustration vielfältig und abwechslungsreich und hebt sich wohltuend von so manch anderem Buch ab, in dem die Bilder durchgehend und nicht selten gleichförmig von einem einzigen Fotografen stammen. 

Ausstattung, Layout und Verarbeitung des Buchs sind hervorragend - "Classic Cars Review" setzt in Inhalt und Ausstattung einen Maßstab, der dem Untertitel "The Best Classic Cars on the Planet" in vollem Umfang entspricht. 

Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet Classic Cars Review – The Best Classic Cars on the Planet 

Thomas Nehlert

Autoren: Michael Görmann (zugleich Herausgeber), Jürgen Lewandowski 
Verlag: teNeues Verlag, Kempen, 2018
Format und Umfang: Hardcover, 30 x 37,5 cm, 400 Seiten, 356 Fotos 
Text: Englisch/ Deutsch Preis: € 130,- 
ISBN: 978-3-96171-102-2 Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert:„Porsche bei der Rallye Monte Carlo 1952-1982“, Autoren: Patrick Dasse und Maurice Louche, Dingwort Verlag Hamburg, 2018

Der Hamburger Dingwort Verlag und sein Autor Patrick Dasse sind auf edel gestaltete Bücher über Alfa Romeo spezialisiert. Das wird auch so bleiben. Maurice Louche hat bisher in Frankreich eine eigene Edition mit zahlreichen Büchern zu motorsportlichen Themen herausgegeben. Nun haben sich Dasse und Louche zusammen getan und im Dingwort Verlag erstmals ein Werk über Porsche präsentiert. Bekanntlich ist das Angebot an Porsche-Literatur mehr als reichhaltig, doch es gibt tatsächlich immer noch die eine oder andere Dokumentationslücke. Insbesondere fehlt es an deutschsprachigen Bänden über Porsche im Rallyesport. Dabei war das Zuffenhausener Unternehmen gerade in dieser Sparte des Motorsports von Anfang an stark vertreten und auch erfolgreich. 

Neben der Safari Rallye und der Paris Dakar war die Rallye Monte Carlo von jeher für Porsche von besonderer Bedeutung. Mit dem insgesamt 4,8 kg schweren Zweibänder haben Patrick Dasse und Maurice Louche auf insgesamt über 900 Seiten die Einsätze aller Sportwagen aus Zuffenhausen bei dieser Traditionsrallye in der Zeit von 1952 bis 1982 praktisch lückenlos beschrieben. Der gewaltige Umfang findet seine Ursache zum einen in der Ausführlichkeit der Texte, aber auch in dem einer internationalen Vermarktung dienenden Umstand, dass der Inhalt parallel in französischer, englischer und deutscher Sprache verfasst ist. Zum anderen erklärt sich die gewaltige Seitenzahl aber auch - und dies in erster Linie – aus der schlicht atemberaubenden Illustration. 

Dazu hat der Dingwort Verlag auf zahlreiche Archive zugreifen können, vor allem auf die Sammlungen des Autors Maurice Louche, der Porsche AG und des weltweit ersten RallyeArchivs von McKlein in Köln. Selbst von den ersten Teilnahmen in den frühen 1950er Jahren finden sich in diesem Werk erstklassige Aufnahmen. Der Betrachter kann sich dem Charme der rallyetauglichen 356 ebenso wenig entziehen wie der Faszination der damals noch häufig mit reichlich Schnee gesegneten Winterrallye. Aber man sieht nicht nur die reizvollen Sportwagen, sondern auch die Protagonisten des Porsche-Rallyesports , seien es die unzähligen Privatfahrer, sei es Rennleiter Huschke von Hanstein, seien es die Werkspiloten wie Herbert Linge, Peter Falk, der unvergessene Günter Klass, Eugen Böhringer, Vic Elford und Björn Waldegard, um nur einige zu nennen. 

Dem 356 folgten der 904 GTS und der 911, der Porsches Werkseinsätze in eine dreijährige Siegesserie von 1968 bis 1970 führte. Der etwas gewöhnungsbedürftige 914/6 konnte an diese Serie nicht anknüpfen, aber dennoch erreichten Jean-Pierre Nicolas und Vincent Laverne 1978 nochmals einen Gesamtsieg für den Porsche 911. Mit dem Ende der Gruppe 4 und der Einführung der Gruppe B zur Saison 1983 fanden die PorscheEinsätze bei der Rallye Monte Carlo ein baldiges Ende. 

Die Illustration des ersten Bandes, der bis 1967 reicht, ist zum überwiegenden Teil schwarzweiß, der zweite Band von 1968 bis 1982 mit dem Schwerpunkt auf dem Porsche 911 ist fast durchgehend farbig bebildert. Auswahl und Reproduktion der teilweise großformatigen Aufnahmen sind hervorragend. Die Autoren haben versucht, alle eingesetzten Fahrzeuge zu erfassen und abzubilden. Sehr reizvoll sind auch die Aufnahmen einer bereits 1964 von Herbert Linge mit einem serienmäßigen 911 durchgeführten Testfahrt durch die französischen Seealpen. Beide Bände zeigen zur Abrundung des Inhalts auch einige der sehr attraktiven und begehrten Rennplakate von Porsche

Die Darstellung der Porsche-Historie bei der Rallye Monte Carlo ist chronologisch geordnet. Jedes Jahr beginnt mit einer Auflistung der gestarteten Porsche und einer Angabe der Startorte, des Routenverlaufs und der zugelassenen Fahrzeugklassen. Die von höchster Kompetenz und eingehender Recherche geprägten Texte beschränken sich nicht nur auf den wesentlichen Rallye-Verlauf der teilnehmenden Porsche, sondern gehen sowohl auf die spezifischen Eigenheiten des jeweiligen Reglements als auch auf die technische Entwicklung der Heckmotorsportwagen und der von 1979 bis 1982 angetretenen 924 ein.

Patrick Dasse und Maurice Louche ist hier ein sehr bemerkenswertes Buchwerk zu einem bisher wenig berücksichtigen Thema gelungen. Inhalt, Layout und Verarbeitung entsprechen in vollem Maße dem hohen Standard, den man von Publikationen aus der „Edition Porsche Museum“, in der die Bände erscheinen, gewohnt ist. Und so ist dieses zweibändige Werk jeden Cent seines sicherlich nicht unbeachtlichen Preises wert. 

Tomas Nehlert

Porsche bei der Rallye Monte Carlo 1952-1982 

Autor: Patrick Dasse, Maurice Louche 
Verlag: Dingwort Verlag, Hamburg, 2018 
Format, Umfang : 2 Bände im Schuber, Hardcover, 26 x 23 cm, 912 Seiten, 883 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: € 175,- 
ISBN: 978-3871661082 
Vertrieb: https://dingwort-verlag.de Porsche

Rezension Thomas Nehlert: "Deutsche Autos 1945-1975" und "Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986", Autor: Werner Oswald, Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018

Zweifellos gehörte der 1997 verstorbene Werner Oswald zu den großen deutschen Automobilhistorikern und Motorjournalisten. Er schrieb für "auto motor und sport" und verfasste zahlreiche Typengeschichten über deutsche Automobile. Eines seiner Standardwerke war der 1976 erschienene Band "Deutsche Autos 1945-1975", der schließlich bis zum Jahr 2000 zusammen mit anderen Autoren zu einer sechsbändigen Historie von 1885 bis 2000 ausgebaut wurde. Ein zweibändiges Werk von ihm beschrieb die Mercedes-Benz Personenwagen von 1886 bis 1985, das durch zwei weitere Bände über die Folgezeit bis 2002 von Günter Engelen ergänzt wurde. 

Nachdem der Motorbuch Verlag Stuttgart nun 2017 bereits den Typenband über die Personenwagen und Nutzfahrzeuge in der DDR einer Überarbeitung unterzogen hatte, präsentiert er nun im vergleichbaren Format die Neuausgaben von "Deutsche Autos 1945- 1975" und "Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986". Der Aufwand hat sich gelohnt.Beide Bücher überzeugen. Die Größe der Bände hat deutlich zugelegt, was insbesondere der Illustration zugute kommt. Die Texte blieben im Wesentlichen unverändert, was angesichts ihrer inhaltlichen Kompetenz und klaren Darstellung der Fakten nur gut ist. Die Tabellen sind im Layout großzügiger und somit übersichtlicher gestaltet. 

Wer die frühe Zeit der Bundesrepublik mit ihrer Begeisterung für das Automobil miterlebt hat, wird angesichts der Präsentation der Fahrzeuge der Nachkriegszeit in lebendigen Erinnerungen schwelgen. Viele Marken sind inzwischen verschwunden – Borgward, DKW, Glas, NSU oder auch Messerschmitt, Veritas und Zündapp. Der Mercedes-Band deckt sogar die gesamte Pkw-Geschichte der Marke bis 1986 ab – vom ersten Benz Motorwagen über die mächtigen Limousinen und Sportwagen der Weimarer Republik bis zu den repräsentativen Fahrzeugen der Oberklasse und den eleganten Sportwagen in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Es bleibt wirklich kaum eine Frage zu den vorgestellten Fahrzeugen offen, deren "automobile Persönlichkeiten" inzwischen natürlich einer gewissen Verklärung unterliegen, so dass sie uns heutzutage viel attraktiver erscheinen als die modernen Fahrzeuge der aktuellen Produktion. 

Waren die Erstauflagen der besprochenen Bücher auch sehr reichhaltig illustriert, so gaben die Bilder die Autos doch recht gleichförmig in kleinen Schwarzweiß-Aufnahmen wieder. Hier stellen die Neuauflagen einen großen Fortschritt dar. Zahlreiche farbige Bilder auch in größerem Format und insbesondere zeitgenössische Werbeaufnahmen lockern die Illustration auf. Reproduktion und Layout sind erstklassig. Im Mercedes-Benz-Buch ist die Zahl der Fotos mit 1256 Ablichtungen praktisch gleich geblieben, im Deutsche-AutosBand stellen 825 Bilder einen Zugewinn von über 210 Stück dar. Und noch etwas: Litt die Erstauflage des Buchs „Deutsche Autos“ von 1976 unter einer miserablen Klebebindung (heute ist eine ordentliche Klebebindung kein Problem mehr), bei der sich der Band seinerzeit nach mehrfacher Nutzung in seine Blattbestandteile auflöste, so sind nun beide vorgestellten Bände hervorragend verarbeitet und mit einer soliden Fadenbindung versehen. Ein kleiner Kritikpunkt betrifft den Mercedes-Band: Was hat ein Bild der aktuellen CLS-Klasse auf der Rückseite eines Buchs verloren, dessen Historie 1986 endet? Und vielleicht wäre es auch angemessen gewesen, im Mercedes-Buch – so wie in dem Band über Deutsche Autos geschehen – am Anfang kurz ein paar Worte über Werner Oswald zu verlieren.

Es bleibt nur zu wünschen, dass der Motorbuch Verlag entsprechend der früheren Auflagen die aktuelle Buchreihe bis zum Modelljahr 2000 fortführt. Für die Zeit danach lässt sich dieses Format in vergleichbarer Art angesichts der mittlerweile schon fast perversen Modellflut und Variantenvielfalt leider kaum fortsetzen. Die beiden hier vorgestellten Bände jedenfalls gehören in die Sammlung jedes automobilhistorisch interessierten Lesers. 

Thomas Nehlert

Deutsche Autos 1945-1975 
Autor: Werner Oswald 
Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 23,5 x 26,5 cm, 520 Seiten, 825 Fotos, 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN-Nr.: 978-3-613-04102-8 

Mercedes-Benz Personenwagen 1886-1986 
Autor: Werner Oswald 
Verlag: Motorbuch Verlag Stuttgart, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 23,5 x 26,5 cm, 584 Seiten, 1256 Fotos, 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN-Nr.: 978-3-613-04128-8

Rezension Thomas Nehlert: "Heidi Hetzer – Ungebremst leben", Autoren: Marc Bielefeld/ Heidi Hetzer, Ludwig Verlag, München, 2018,

Heidi Hetzer, wer oder was ist diese unglaubliche Frau? Eine Berliner Institution? Das ist viel zu nüchtern. Ein Berliner Urgestein? Um Gottes Willen, dafür ist sie viel zu junggeblieben. Sie gehört einfach zu Berlin so wie der Funkturm nahe der Avus. 

Für ihr gerade erschienenes Buch "Ungebremst leben" bestand nun auch ein wahrhaft beachtlicher Anlass! Mit 77 Jahren hatte sie sich mit einem deutlich älteren Auto, einem Hudson Great Eight Coach des Baujahres 1930, auf den Weg gemacht, um einmal rund um die Welt zu fahren. Am 27. Juli 2014 ging's los am Olympischen Platz in Berlin, und am 12. März 2017 war sie wieder zurück am Brandenburger Tor in Berlin. Dazwischen lagen 960 Tage und rund 85.000 km !

Ihre Erfahrungen auf dieser gigantischen Tour hat Heidi Hetzer nun verarbeitet, und der Autor Marc Bielefeld, ansonsten unter anderem auch für "National Geographic" schreibend, hat ihre Erinnerungen protokolliert und vortrefflich in Buchform gebracht. Wenn man anfängt zu lesen, legt man das Buch nicht so schnell wieder aus der Hand. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen. Man kann es kaum nachvollziehen, was für eine Energie, was für eine Kraft und was für eine Begeisterung diese Frau antreiben. Ihr uraltes Auto hatte schier endlose Macken und Pannen, gab die seltsamsten Geräusche von sich, blieb immer wieder mal stehen – und wurde immer wieder repariert, fahrbar gemacht. Für Heidi war das keine seelenlose Technik, sondern ein vertrauter und fast sensibler Kamerad – ihr "Hudo" 

Von Europa gen Osten nach Asien, über China bis runter nach Singapur, mit dem Schiff nach Australien, weiter nach Neuseeland, von dort an die Westküste der USA, durch die USA und Kanada wieder bis nach Florida, weiter nach Südamerika, dann in den Süden Afrikas und schließlich über Südeuropa wieder zurück nach Deutschland und Berlin – Heidis Erlebnisse sind an Abwechslungsreichtum und Abenteuerlichkeit kaum zu überbieten. Über alle Sprachbarrieren hinweg hat sie sich mit den Menschen verständigt, freundschaftliche Kontakte geknüpft, Probleme gelöst, ist sie im örtlichen Fernsehen aufgetreten, war aufgrund ihres offenen und freundlichen Wesens stets beliebt und hat fast immer Unterstützung erfahren, wenn dies notwendig war. Was sie in erster Linie von ihrer Expedition mitnimmt und sowohl im Buch als auch bei ihrer Ankunft am Brandenburger Tor den Menschen zu vermitteln versucht hat, das ist der Aufruf, eigene Träume zu verwirklichen, auf Fremde zuzugehen, bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben. 

Und Schwierigkeiten hat Heidi Hetzer reichlich gehabt – die Unpässlichkeiten ihres Hudo waren eigentlich ein Klacks im Verhältnis zu der schweren Erkrankung, die bei ihr in Amerika diagnostiziert wurde. Die meisten Menschen hätten das Projekt da sicher abgebrochen – nicht Heidi. Ein Monat Unterbrechung in einem Krankenhaus in Essen und dann wieder zurück nach Südamerika, und weiter ging's – zum Glück wieder gesund! Die offene Art, mit der sie auch mit dieser Lebensphase umgeht, ist mehr als nur bemerkenswert. 

Sie hat den weitaus größten Teil der Reise allein gemeistert. Die zumeist männlichen Begleiter blieben irgendwie über kurz oder lang auf der Strecke neben dieser Powerfrau. Am besten stellte sich wohl noch der in China staatlicherseits beigeordnete Mister Wang an.Der ausführliche Reisebericht ist nie langatmig, nie selbstgefällig, häufig voller schmunzelnder Selbstironie. Er wird an drei Stellen auch noch aufgelockert. Einmal schildert Heidi Hetzer ihren Lebensweg, ihre Kindheit und Jugend, ihre riesige Begeisterung für Motorräder und Autos. Der Leser erfährt von dem väterlichen Automobilgeschäft, das sie übernommen und als bedeutende Opel-Händlerin erfolgreich fortgeführt hat, bis die Umstände um Opel und General Motors sie dazu brachten, das Geschäft an einen anderen Unternehmer weiterzugeben. Außerdem gibt sie einen Überblick ihrer motorsportlichen Laufbahn – von den Avusrennen bis zu den zahlreichen Fernfahrten und Rallyes in Europa, Asien und Amerika. Ich selbst kann mich noch bestens erinnern, wie sie mit einem mächtigen Opel Diplomat V8 Coupé durch die Nordkurve der Avus donnerte - mit spektakulärem Funkenflug, weil der ziemlich weich abgestimmte Wagen in der holprigen Steilkurve immer wieder aufsetzte. 

Nicht minder interessant ist der Bericht über einen etwa einjährigen Aufenthalt in den USA 1961 im Rahmen eines Händleraustauschs. Da gewährt sie auch noch einen Blick in ihr Privatleben und vermittelt voller Begeisterung das zur damaligen Zeit ungewöhnliche Erlebnis einer Durchquerung der USA in einem VW Käfer. In diesem Zusammenhang findet sich im Text ein kleiner sachlicher Fehler: denn ein Freund in Kalifornien konnte sie 1961 kaum mit einem Porsche 911, sondern „nur“ mit einem 356 (wie auch im abgedruckten Foto dokumentiert) in Empfang genommen haben. 

Heidi Hetzer ist wieder zu Hause – aber bestimmt nicht allzu lange. Denn sie plant noch eine Afrika-Durchquerung, mitten durch die Wüste, diesmal aber mit einem etwas moderneren und vierradgetriebenen Auto. Und von der Afrika-Tour wollen wir wieder einen so tollen Bericht wie von der Weltreise.


Heidi Hetzer – Ungebremst leben 
Autor: Marc Bielefeld, Heidi Hetzer 
Verlag: Ludwig Verlag, München, 2018
Format, Umfang, Preis: Hardcover, 13,5 x 20,5 cm, 368 Textseiten plus 40 Bildseiten mit über 70 Abbildungen Text: Deutsch Preis: € 20,-
 ISBN: 978-3-453-28113-4 
Vertrieb: überall im Buchhandel

Buchvorstellung Thomas Nehlert: "Ferrari", Autoren Pino Allievi u.a., Verlag Taschen GmbH Köln, 2018

Ferrari – kein anderer Name in der Automobil-Welt übt eine größere Faszination aus, weckt eine glühendere Begeisterung und hat einen besseren Klang. Ein Ferrari verkörpert unnachahmliche Eleganz und überragende Leistungsfähigkeit. Ein Ferrari ist für viele Menschen viel mehr als nur ein Auto, er ist ein Kunstwerk auf Rädern.


Um dieser Dimension gerecht zu werden, hat der Verlag Taschen nun ein Produkt präsentiert, das man mit dem Begriff "Ferrari-Buch" nur unzureichend beschreibt. Es ist ein edler Band von gewaltigem Format, der in der sogenannten "Collector's Edition" in einer Präsentationsbox aus Aluminium ruht, die optisch den Eindruck eines Ferrari Zylinderkopfes hervorruft. Das ist nicht etwa ein bloßer Schuber, es ist vielmehr ein überaus edles Behältnis, das sich durch das Aufklappen zweier Deckelhälften öffnet und dann den Blick auf das Buch freigibt. Die Bücher in dieser Edition mit den Nummern 251 bis 1947 sind alle von Piero Ferrari, dem Sohn des Unternehmensgründers Enzo Ferrari, signiert. 

Noch wertvoller in der Ausführung ist die mit den Buchnummern 001 bis 250 versehene "Art Edition". Bei ihr ist der Band sowohl von Piero Ferrari als auch von John Elkann aus der Agnelli-Familie und dem jüngst verstorbenen CEO von Fiat, Sergio Marchionne, signiert. Die Präsentationsbox ruht auf einem über einen Meter hohen skulpturalen Ständer aus verchromtem Stahl, der die Form der Auspuffendrohre eines FerrariRennwagens in künstlerischer Gestaltung wiedergibt.


Beide Ausführungen sind von dem mehrfach ausgezeichneten australischen Industrie Designer Marc Newson geformt worden. Newson, Jahrgang 1963, hat unter anderem auch Möbelstücke designt, wie zum Beispiel seine drei Aluminium-Liegen mit der Bezeichnung Lockheed Lounge. Zwei dieser Liegen erzielten bei Auktionen Preise von bis zu 1,1 Mio. britische Pfund. So erklärt sich auch der exorbitante Preis für das künstlerische Ensemble aus Buch und Buch-Box bzw. Buch-Ständer von 5.000 bzw. 25.000 Euro. Es wäre deshalb müßig, über die Preise zu diskutieren; man erwirbt nicht nur ein Buch, sondern jeweils auch ein Kunstwerk, das sich der einem bloßen Druckerzeugnis zugrunde liegenden Kalkulation entzieht und bei dem man unter Umständen sogar mit einer Wertsteigerung rechnen kann. 

Bei dem Buch handelt es sich um einen handgearbeiteten Band, in Leder gebunden mit einem skulpturellen Ferrari-Cavallino auf dem vorderen Deckel. Auf 514 Seiten im riesigen Format 32,4 cm mal 43,2 cm wird die Faszination Ferrari grandios dokumentiert. Zwei knappe Vorworte haben Piero Ferrari und Sergio Marchionne beigesteuert. 

Redaktioneller Herausgeber des Bandes ist der bekannte italienische Motorsport Journalist Pino Allievi, der bereits zahlreiche Bücher über den Autosport publiziert hat. Er schreibt in der "Gazzetto dello Sport" regelmäßig über motorsportliche Themen und war 1988 Urheber einer vierteiligen Beilage zu Italiens größter Sportzeitung mit dem Titel "Ferrari Racconta", die auch in Buchform erschienen ist und in der zahlreiche Berichte von Enzo Ferrari höchstpersönlich verfasst worden waren. 

Das Buch ist in zwei einführende Artikel und anschließend zehn Kapitel gegliedert. Vier dieser insgesamt zwölf Abschnitte tragen die Handschrift Allievis, die anderen stammen von weiteren, ausnahmslos namhaften, italienischen Motorjournalisten, wie zum Beispiel Luca Dal Monte (bekannt durch seine epochale Biografie über Enzo Ferrari), Gianni Cancellieri, Alessandro Giudice, Daniele Bresciani, Mario Donnini, Daniele Pellegrini, Giorgio Terruzi und Paolo Artemi. 

Jedes Kapitel beginnt mit einem Textteil, zwischen acht und 16 Seiten lang. Innerhalb des Textes sind zahlreiche Fotos kleineren Formats integriert, bevor jeweils ein Originalzitat Enzo Ferraris den Übergang zum umfangreichen Bildteil vermittelt. Die Texte sind durchgehend in roter Schrift und englischer Sprache verfasst.

Das Spektrum deckt alle bedeutsamen Ferrari-Themen ab – die zeitlose Schönheit und Eleganz der Ferrari-Sportwagen, die Gründung des Unternehmens nach dem zweiten Weltkrieg, die packende Lebensgeschichte Enzo Ferraris mit all ihren Höhen und Tiefen, die großen Rennfahrer und das lebensgefährliche Risiko des Automobilsports, die bedeutenden Sportwagen-Langstreckenrennen wie Le Mans und Targa Florio, die technischen Innovationen und den technische Fortschritt bei Ferrari, die Talentschmiede Ferrari vom Rennfahrer bis zum Ingenieur und Rennleiter, die prominenten Ferrari- Kunden, die Entwicklung des Unternehmens nach Enzo Ferrari. All diese Themen werden angerissen und in ihren wesentlichen Aspekten behandelt – voller Kompetenz und Begeisterung. Dies geschieht zum Teil in einer fast essayistischen Form, die den Wesenskern des Themas für den Leser nachvollziehbar erfasst. Ohne dass alle Details der Historie eingebaut werden, wird deutlich, was für eine Persönlichkeit Enzo Ferrari war, was ihn antrieb, was ihn aber auch zuweilen in die Abgründe tiefer Verstimmung führte. Und dem Leser wird anhand der Geschichte des Unternehmens, der begeisternden Technik der Ferrari-Fahrzeuge und der absolut tragenden Rolle Ferraris in fast allen Sparten des Automobilsports erklärt, was die einzigartige Faszination Ferrari ausmacht.
Ganz wesentlicher Bestandteil des Prachtbandes ist seine Illustration. Nur die besten großen Sammlungen des Motorsports haben ihre Bilder zur Verfügung gestellt, beispielhaft seien hier das Archiv Jesse Alexander, das Archiv Louis Klemantaski, die Bilder von Rainer W. Schlegelmilch und Getty Images erwähnt. Insgesamt zieren 444 Abbildungen dieses Werk, darunter 69 Fotos im ganzseitigen und 50 im sogar doppelseitigen Format, was einer Größe von 64 x 43 cm je Aufnahme entspricht. 

Zu einer so atemberaubenden Illustration kann eine Buchvorstellung natürlich nur ein paar Anhaltspunkte liefern. Zahlreiche Bilder zeigen Enzo Ferrari und verdeutlichen seinen Werdegang vom jungen und ehrgeizigen Rennfahrer bis zum erfolgreichen Unternehmer, der nur ein Ziel kannte: mit dem Verkauf seiner luxuriösen Sportwagen den Einsatz möglichst siegreicher Rennwagen zu finanzieren. Wir sehen ihn als 21jährigen am Steuer eines CMN bei der Targa Florio 1919, als Leiter der Scuderia Ferrari in den 1930er Jahren, in seinem Werk in Maranello zwischen zahlreichen gerade produzierten Ferrari 250 GTE und als hochbetagten Chef in seinem Büro. Das Buch enthält auch eindrucksvolle Reproduktionen von Originaldokumenten – sei es die Fahrerlizenz Enzo Ferraris, seien es einige seiner handschriftlichen Tagebuchaufzeichnungen oder großformatige Schnittzeichnungen des Ferrari 125 S.

Doppelseitige Fotografien zeigen einen herrlichen Ferrari 166 MM vor der Villa d'Este, einen Ferrari 330 P4 und einen modernen Ferrari F12. Noch eindrucksvoller erscheinen die Rennsportaufnahmen sowohl von den Rennen der Formel 1 als auch ganz besonders von den Sportwagenrennen in Le Mans, Daytona, Sebring, am Nürburgring oder auf Sizilien bei der Targa Florio. Da wird nicht nur die Rennaction eingefangen, sondern durch Integrierung der Zuschauer auch das faszinierende Ambiente des Rennsports vergangener Zeiten. Alle großen Rennfahrer der Scuderia Ferrari finden ihre im Bild und Text festgehaltene Würdigung: die Weltmeister Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorne, Phil Hill, John Surtees, Niki Lauda, Jody Scheckter, Michael Schumacher, Kimi Räikkönen – aber auch Eugenio Castellotti, Lorenzo Bandini, Jacky Ickx, Gilles Villeneuve und Sebastian Vettel. In dem Kapitel über das Unternehmen nach dem Tod Ferraris erfährt auch die überragende Leistung und Bedeutung Michael Schumachers für Ferrari eine angemessene Darstellung. Viele Fotos werden nach Angaben des Verlags erstmals veröffentlicht. Unter die Haut gehen einige Aufnahmen von Unfällen im Rennsport, besonders die Ablichtungen von Bandinis schrecklichem und schließlich tödlichen Feuerunfall beim Grand Prix von Monaco 1967. Bei einigen Bildern sieht man den Fahrern während ihres Einsatzes im Rennwagen fast in die Augen, so brillant sind einzelne Momente fotografisch festgehalten, zum Beispiel Mike Hawthorne im Jahr 1958 oder John Surtees im Ferrari 158 1964.

Man könnte noch unzählige weitere Fotos von den traumhaften Straßensportwagen, den erfolgreichen Rennwagen, den großen Fahrern und vor allem vom unvergessenen Enzo Ferrari erwähnen – zu reichhaltig und abwechslungsreich ist die Auswahl fotografischer Kunstwerke in diesem Buch, um sie hier noch detaillierter zu beschreiben.


Es ist selbstverständlich, dass Text und Illustration auf bestem Papier in höchster Qualität wiedergegeben werden und dass der große und gewichtige Band erstklassig verarbeitet ist. 

So fügen sich dieses Buch und seine ganz außergewöhnliche Präsentation zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, das seinesgleichen sucht und einem – leider – nur sehr kleinen Kreis begeisterter Ferraristi vorbehalten bleiben wird, einem Kreis, der noch deutlich überschaubarer ist, als der der Ferrari-Kunden. 

Ferrari 
Herausgeber: Pino Allievi 
Autoren: Pino Allievi, Alessandro Giudice, Daniele Bresciani, Luca dal Monte, Gianni Cancellieri, Mario Donnini, Daniele Pellegrini, Giorgio Terruzzi, Paolo Artemi 
Fotos: Jesse Alexander, Getty Images, Louis Klemantaski, Rainer W. Schlegelmilch, SpA Ferrari und andere Archive 
Verlag: Taschen GmbH, Köln, 2018 

Collector's Edition (Nr. 251-1947) 
Format und Umfang: Hardcover, Ledereinband, 32,4 x 43,2 cm, 514 Seiten, 444 Fotografien, umschlossen von einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, signiert von Piero Ferrari 
Text: Englisch Preis: € 5.000,- 
ISBN: 978-3-8365-6577-6 Art Edition (Nr. 1-250) 

Format und Umfang: Hardcover, Ledereinband, 32,4 x 43,2 cm, 514 Seiten, 444 Fotografien,umschlossen von einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium und auf einem ebenfalls von Marc Newson entworfenen skulpturalen Buchständer aus verchromtem Stahl in Form von Auspuffendrohren stehend (55 x 57 x 110 cm), signiert von Piero Ferrari, John Elkann und Sergio Marchionne 
Text: Englisch Preis: € 25.000,- 
ISBN: 978-3-8365-6579-0 
Vertrieb: www.taschen.com


Rezension Thomas Nehlert: Alfa Romeo Tipo 105 (die Giulia-Baureihe) „Alfa Romeo Giulia“, „Alfa Romeo Giulia GT“, „Alfa Romeo Spider“, „Alfa Romeo Montreal“, „Alfa Romeo Junior Z“, „Alfa Romeo Arese“, Autor: Patrick Dasse, Carl W. Dingwort Verlag, Hamburg, 2018, insgesamt 6 Bände

Patrick Dasse hatte sich mit seinem gewaltigen insgesamt fünfbändigen Standardwerk "Alleggerita" über die Entwicklung und Renngeschichte des Alfa Romeo GTA als einem der erfolgreichsten Fahrzeuge in der Geschichte des Tourenwagensports bereits einen Namen gemacht. 

Nun präsentiert er in fünf Bänden die Geschichte der legendären Baureihe 105 von Alfa Romeo, bekannter unter dem Modellnamen "Giulia". Dazu kommt ergänzend ein Band über die Produktionsstätte der Giulia in Arese. Diese Historie deckt einen Zeitraum von 1962 bis 1977 ab, in dem Alfa Romeo äußerst erfolgreich war und in Deutschland als echte Konkurrenz zu BMW wahrgenommen wurde. 

Alle sechs Bände sind zweisprachig in Englisch und Deutsch verfasst und hervorragend verarbeitet. Druck und Bildreproduktion erfolgen auf hochwertigem Mattglanzpapier in bester Qualität. Die Illustration des gesamten Buchwerks ist schlicht gigantisch. 2019 Fotos auf über 2200 Seiten lassen keinen Aspekt der Modellentwicklung der diversen Giulia-Baureihen unberücksichtigt. Es handelt sich ausschließlich um zeitgenössische Fotos aus den 1960er und 1970er Jahren, die ein unglaubliches Maß an Authentizität vermitteln. Dementsprechend überwiegen die Schwarzweiß-Aufnahmen, von denen ohnehin ein ganz besonderer Reiz ausgeht. Es ist deshalb auch kein bedeutender Mangel, dass einige der Farbfotos – offenbar bedingt durch ihr Alter – etwas rotstichig sind. Die Abbildungen sind zum großen Teil im ganzseitigen Querformat gehalten und spiegeln nicht nur den optischen Reiz der Alfa Romeo wider, sondern beleuchten auch sämtliche technische Details in einer Vielfalt und Genauigkeit, die ihresgleichen sucht. Ob Kühlergrill oder Kofferraum, ob Motorblock oder Unterboden, ob Armaturenbrett oder Türverkleidung, ob Bremsen, Rückbank, Pedalerie oder Vordersitze – praktisch alle wesentlichen und somit zur Unterscheidung der Baureihen geeigneten Merkmale werden erkennbar gemacht. Immer wieder begeistern natürlich die Aufnahmen, die die ausnahmslos optisch so reizvollen Alfa in ihrer Gesamtansicht vor abwechslungsreichen Hintergründen zeigen – auf Ausstellungen, in Landschaften eingebettet oder einfach auf dem Werksgelände. 

Der Autor hatte die Gelegenheit, in den namhaftesten Archiven zum Thema Alfa Romeo zu stöbern. Besonders hervorgehoben muss in diesem Zusammenhang das Centro Documentazione von Alfa Romeo Automobilismo Storico in Arese, das großzügig Fotos zur Verfügung stellte, die zuvor noch nie öffentlich gezeigt worden sind. Allein die Zusammenstellung dieses überwältigenden Bildmaterial zeugt von einer gewaltigen Recherche Patrick Dasses. 

Aber natürlich sind die fünf Bände über die verschiedenen Modelle der Baureihe 105 keine reinen Bildbände. Es werden alle Stufen der Modellentwicklung detailliert beschrieben, alle technischen Daten festgehalten und zum großen Teil auch die technischen Überlegungen, die den Entwicklungen zugrunde lagen, dargestellt. Hierbei muss man berücksichtigen, dass diese Automobilhistorie nun rund 50 Jahre zurückliegt, so dass es umso bemerkenswerter ist, dass der Autor nicht zuletzt dank der Unterstützung von Alfa Romeo derartig viel technische Einzelheiten und Entwicklungswissen zusammentragen konnte. 

Den umfangreichsten Teil der Modellgeschichte machen die beiden Bände über die GiuliaLimousine und das Giulia GT-Coupé aus. Die klassische Giulia gehört bis heute zweifellos zu den legendärsten Fahrzeugen der Automobilgeschichte und führt bei historischen Veranstaltungen noch immer zu glänzenden Augen bei den Alfa-Romeo-Fans. Dasse beschreibt in seinem Buch in chronologischer Reihenfolge nicht weniger als 13 Grundmodelle mit 40 Typ-Varianten. Hilfreich ist dabei auch, dass er die Entstehung der Ziffernfolgen bei der Typbezeichnung in einem ausführlichen Vorwort erklärt. Das von Bertone gestaltete GT-Coupé ist ein wahrer Sportwagen-Klassiker und ein echter "Hingucker". Im Gegensatz zur Limousine deckt es bis zum Ende seiner Entwicklung auch die Motorvarianten 1750 und 2000 ab. Außerdem wird in dem Band "Giulia GT" unter den insgesamt 30 GT-Versionen auch auf den GTA eingegangen sowie auch auf den offenen GTC. Alle Varianten werden auch hier mit ihrer Technik eingehend beschrieben und in all ihren Details hervorragend fotografisch wiedergegeben. 

Im Band über den Alfa Romeo Spider beschränkt sich Patrick Dasse mangels weitergehenden Bildmaterials auf die ersten beiden Generationen bis zum Jahr 1977. Die Entwicklung vom besonders attraktiven Urspider mit seinem rundlichen Heck zum "begradigten" Fastback wird ebenso nachvollzogen wie die "Aufrüstung" vom 1300 und 1600 zum 1750 und 2000, wobei auch die US-Versionen wie schon beim GT jeweils eine besondere Würdigung erfahren. 

Manch Leser mag sich fragen, was in diesem Zusammenhang der 105-Baureihe der Alfa Romeo Montreal zu suchen hat – ein mächtiger Sportwagen mit V8-Motor auf dem Leistungsniveau eines Porsche Carrera 3.0. Nun, dieses Fahrzeug war zunächst als Ausstellungsstück für die Weltausstellung Expo 1967 in Montreal vorgesehen, mit einem Vierzylinder-Motor und der Typenbezeichnung 105.64. Und so gehört er nun einmal zur Baureihe Tipo 105. Es werden sowohl das Vorserienmodell als auch die schließlich in Produktion gegangene Version ausführlich beschrieben und illustriert. Das ist eine sehr abwechslungsreiche und hochinteressante Geschichte, die durch eine Darstellung der Renneinsätze des Montreal bei mehreren Sportwagenrennen und vor allem durch großartige Farbaufnahmen gekrönt wird. 

Der fünfte Band der 105-Typologie befasst sich mit dem Junior Z Coupé, das von 1970 bis 1975 in Zusammenarbeit mit Zagato entstand, erst als 1300 und dann als 1600. Die Kooperation mit Zagato hatte bei Alfa Romeo nicht zuletzt aufgrund des bekannten Rennsportwagens TZ und TZ2 („Tubolare Zagato“) Tradition. Die von den anderen Modellen übernommene Technik dieses kleinen, formal ungewöhnlichen Sportwagens wird wiederum genau dargestellt, wie auch die zahlreichen Fotos das unkonventionelle Design trefflich wiedergeben. 

Ein Leckerbissen der besonderen Art ist der sechste Band der Reihe, der als Ergänzung zur Historie der Tipo-105-Baureihe das Alfa-Romeo-Werk Arese beschreibt. Angesichts der steigenden Verkaufszahlen reichte Anfang der 1960er Jahre die Produktionsstätte in Portello nicht mehr aus, so dass sich Alfa Romeo entschloss, in Arese außerhalb Mailands ein neues Werk zu errichten, das 1963 seinen Betrieb aufnahm. Dorthin wurde die Herstellung der Giulia-Baureihe zügig verlegt. Patrick Dasse beschreibt in knappen aber vollkommen ausreichenden Texten nicht nur die Entstehung des Fabrikgebäudekomplexes, sondern auch alle einzelnen Schritte bei der Herstellung der Fahrzeuge in Arese von der Giesserei und Schmiede über den Komponentenbau, die Blechstanze, die Karosseriefertigung, die Lackiererei und die Innenraumherstellung bis zur Endabnahme und Fahrzeuglagerung. Dazu kommen Berichte über das Ersatzteillager, die Schulungsabteilung und die Fahrzeugentwicklung sowie die Teststrecke in Balocco. Der Schwerpunkt dieses Buchs liegt eindeutig auf den 364 Schwarzweiß-Fotos, durchgehend im ganzseitigen Format. Dieser Band ist weniger ein Autobuch als vielmehr eine Dokumentation zur Industriegeschichte im Italien der 1960er Jahre. Die atmosphärisch dichten Fotos zeigen nicht nur die Technik und den Herstellungsprozess, vielmehr blickt der Betrachter auch in die von Einsatz und Begeisterung gezeichneten Gesichter der Beschäftigten. Fotos dieser Art aus einem Produktionsprozess dürften in dieser Menge und Qualität bisher nur selten veröffentlicht worden sein. Sie stammen alle aus dem Archiv des Werkes und sind zwischen 1963 und 1972 aufgenommen worden. Sie zeigen eine für diese 50 Jahre zurückliegende Zeit bemerkenswerte Industriekultur. Nach der Übernahme von Alfa Romeo durch den Fiat-Konzern 1986 wurden Teile der Fiat-Produktion nach Arese verlegt, bevor das Werk etwa 20 Jahre später geschlossen wurde. Heute befindet sich in Arese das neue Alfa Romeo Werksmuseum. 

Die sechsbändige Buchreihe zur Alfa-Romeo-Baureihe 105 und ihrer Produktionsstätte ist mit insgesamt 534,- Euro sicherlich nicht billig. Angesichts des Gebotenen ist sie für die „Alfisti“, die sich ihr "Cuore Sportivo" mit der dazugehörigen Begeisterung für die Marke erhalten haben, aber ein echter Gewinn. 


Alfa Romeo Tipo 105 (die Giulia-Baureihe) 
Autor: Patrick Dasse 
Verlag: Carl W. Dingwort Verlag, Hamburg, 2018 
Format, Umfang, Preis: Hardcover, jeweils 25,5 x 22,5 cm, 
                                    "Alfa Romeo Giulia", 528 Seiten, 487 Fotos, € 119,- 
                                    "Alfa Romeo Giulia GT", 528 Seiten, 479 Fotos, € 119,- 
                                     "Alfa Romeo Spider", 312 Seiten, 256 Fotos, € 79,- 
                                     "Alfa Romeo Montreal", 264 Seiten, 254 Fotos, € 69,- 
                                     "Alfa Romeo Junior Z", 192 Seiten, 179 Fotos, € 59,- 
                                     "Alfa Romeo Arese", 384 Seiten, 364 Fotos, € 89,- 
                                      Text: Englisch und Deutsch 
                                      Preis: € 534,- (für alle sechs Bände) 
                                      Vertrieb: www.dingwort-verlag.de

Rezension Thomas Nehlert: "Enzo Ferrari - Power, Politics, and the Making of an Automotive Empire -" , Autor:Luca Dal Monte; David Bull Publishing, Arizona, 2018;

Es gibt weit über 1000 Buchtitel zum Thema "Ferrari". Auch die Anzahl der Biografien über Enzo Ferrari ist beachtlich. Da sind zunächst einmal die zahlreichen unterschiedlichen Ausgaben der Auto-Biografie, die Enzo Ferrari erstmals im Jahr 1962 unter dem vielsagenden Titel "le mio gioie terribili" herausbrachte, 1964 vom damaligen Verlag "Moderne Industrie" in München auch auf Deutsch präsentiert. Nach sechs Auflagen wechselte der Titel im März 1970 in "le briglie del successo", bevor im Jahr 1974 das sogenannte "Red Book" erschien - eine großformatige und reichhaltig illustrierte Neuauflage, die sich zu einem sehr raren Sammlerstück entwickelte, da sie nur an einen ausgewählten Kunden- und Freundeskreis verschenkt wurde. 1976 verfasste Enzo Ferrari unter dem Titel "il flobert" ein sehr unterhaltsames Buch über italienische Motor-Journalisten, mit denen ihn eine wahre Hassliebe verband. 1979 und 1980 folgten zwei Neuauflagen seiner Erinnerungen mit der Bezeichnung "Ferrari 80", bevor der Prachtband "piloti che gente . . ." das schriftstellerische Werk Enzo Ferraris 1983 krönte. Neben der gesuchten OriginalWerksausgabe mit 360 Seiten gab es nach und nach deutsche und englische Editionen und - schließlich in fünfter Auflage - eine stark erweiterte 500 Seiten dicke Fassung. Der Schwerpunkt der Ausführungen Enzo Ferraris lag, wie der Titel verrät, auf den Rennfahrern, mit denen er im Laufe seines Lebens Kontakt hatte. 1998 schob Giorgio Nada Editore noch einen großformatigen Bildband über Enzo Ferrari nach; in "Enzo Ferrari - una vita per l'automobile" waren die teilweise aus Ferraris Privatarchiv stammenden Fotos mit von dem Commendatore seinerzeit verfassten Bildunterschriften versehen.

Diese autobiografischen Bände sind - glücklich und gewollt - durch die subjektive Sicht des Commendatore geprägt. Selbstverständlich aber haben sich auch mehrere Autoren mit dem Leben des großen Italieners befasst. Hervorzuheben ist insoweit der 1988 publizierte Band "Ferrari - l'Unico" von Gino Rancati (auch auf Deutsch und Englisch verlegt), einem italienischen Journalisten, den eine tiefe Freundschaft mit Ferrari verband und der deshalb auch einen fast intimen Einblick in das Leben Ferraris hatte. Gleiches gilt für den großformatigen Band von Ferraris langjährigem Pressesprecher und Vertrauten Franco Gozzi "Memoirs of Enzo Ferrari's Lieutenant" von 2002. Durch eine journalistische Distanz objektiver ist die Biografie von Richard Williams "Enzo Ferrari" aus dem Jahr 2001. Ein wirklich nicht empfehlenswertes Machwerk, das das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt wurde, ist der Band "Enzo Ferrari - the Man, the Cars, the Races" von Brock Yates aus dem Jahr 1991. Yates, ein inzwischen verstorbener früherer Chefredakteur der Zeitschrift "Car&Driver", hatte zwar durchaus eingehend recherchiert, wurde dann aber von seinem Ferrari-Hass getrieben und erging sich in einer teilweise weit unter der Gürtellinie liegenden Verbreitung von Gerüchten und Vermutungen. Das ist keine sachliche Kritik an der sicher zuweilen polarisierenden Persönlichkeit Ferraris, sondern eine blanke Schmähschrift.

Diese - sicherlich unvollständige - Darstellung der früheren Literatur über Enzo Ferrari verdeutlicht, dass es bisher wirklich noch keine erschöpfende, auch hohen Anforderungen entsprechende und im Rahmen sachlich-kritischer Würdigung auch faire Biografie über den Gründer des berühmtesten Rennwagenunternehmens der Welt gibt. Das hat sich mit dem Erscheinen des rund 1000seitigen Buchs von Luca Dal Monte gründlich geändert !

Luca Dal Monte, 1963 geboren, mit Hochschulabschluss an der Universität von Kentucky, war im Bereich der Presse-Kommunikation bei Peugeot, Toyota, Pirelli, Ferrari und Maserati sowohl länger in den USA als auch in Italien tätig. Er hat bisher rund zehn Bücher zu Themen des Motorsports verfasst, unter anderem auch den Roman "La Scuderia", für den die Geschichte der Scuderia Ferrari in den 1930er Jahren die Vorlage geliefert hatte. Nun hat Dal Monte über zehn Jahre recherchiert, unzählige Quellen aufgetan und gesichtet und zahlreiche Zeitzeugen interviewt, um diese gigantische Biografie über Enzo Ferrari zu erstellen, die 2016 unter dem Titel "Ferrari Rex" im Verlag Giorgio Nada Editore in italienischer Sprache erschienen ist. Im Frühjahr 2018 hat das renommierte amerikanische Verlagshaus David Bull Publishing die englischsprachige Version herausgebracht.

Um es vorwegzunehmen: Das ist das Standardwerk über das Leben Enzo Ferraris, das die bisher vorhandene Literatur zwar nicht überflüssig macht, aber doch ausnahmslos in den Schatten stellt. 1032 Seiten, 40 Seiten Index und nicht weniger als 2636 Fußnoten als Quellenverweise verdeutlichen, mit welch wissenschaftlicher Akribie hier gearbeitet worden ist. Einem Vorwort von Luca di Montezemolo schließen sich 48 Kapitel an, in denen das Leben Enzo Ferraris von der Geburt am 18. Februar 1898 bis zum Tod am 14. August 1988 chronologisch und bis ins Detail nachvollzogen wird. Ein Post Scriptum zeigt in knapper Form auf, welche motorsportlichen Erfolge das Unternehmen Ferrari nach dem Tod des Firmengründers erzielt hat und wie wirtschaftlich solide sich das Ferrari-Werk heute präsentiert.

Schon im ersten Kapitel räumt Luca Dal Monte mit der Legende auf, ein schwerer Schneesturm in Modena im Februar 1898 hätte die taggenaue Registrierung der Geburt Enzo Ferraris am 18. Februar verhindert - zu dieser Zeit lag in Modena kein Flocke Schnee. Genau beschreibt der Autor die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Norditalien zur Jahrhundertwende, schildert die ersten Kontakte des jungen Enzo mit dem Automobil und dem Automobilsport, der ihn sofort in seinen Bann zog. Kindheit und Jugend Ferraris, seine Bindungen an das Elternhaus, der frühe Verlust von Bruder und Vater und sein Weg in die Selbständigkeit schon in jungen Jahren werden bis ins Detail dokumentiert. Nach dem ersten Weltkrieg knüpfte der schon damals überaus eloquente und zielstrebige Italiener wesentliche Kontakte zu Ingenieuren und auch Rennfahrern in Turin. Im Alter von 26 Jahren hatte er seinen ersten eigenen Betrieb auf die Beine gestellt, der sich mit dem Aufbau von Karosserien auf vorgefertigten Chassis beschäftigte. Wenngleich sein Unternehmen "Carrozzeria Emilia" schlussendlich in die Liquidation ging, so war diese schmerzhafte Erfahrung für Ferrari doch mehr als lehrreich. Parallel startete er eine Karriere als Rennfahrer, in der ihm auf den Fahrzeugen von CMN und insbesondere Alfa Romeo durchaus beachtliche Erfolge auf italienischen Rennstrecken bis hin zur Targa Florio beschieden waren.

Genau beleuchtet Dal Monte die Gründung und den Aufbau von Ferraris eigenem Rennstall, der "Scuderia Ferrari" im Jahre 1929 sowie die Hintergründe seines vorübergehenden Rücktritts als Rennfahrer. Ursprünglich hatte Ferrari die Absicht, seine Scuderia nach seiner Heimatstadt Modena mit deren lateinischem Namen "Mutina" zu benennen, rang sich dann aber doch zu der Verwendung des eigenen Familiennamens durch. Die Scuderia Ferrari setzte zunächst parallel zum Alfa-Werk Rennfahrzeuge von Alfa Romeo ein, bevor sie nach dem werksseitigen Rückzug von Alfa quasi zum Werksrennstall des italienischen Unternehmens aufstieg. Zu allen großen italienischen Rennfahrern - Campari, Antonio Ascari, Varzi und vor allem Tazio Nuvolari - hatte Enzo Ferrari enge Verbindungen, viele von ihnen fuhren zeitweise für seinen Rennstall. Gleiches galt für die großen Ingenieure wie Bazzi, Jano und deutlich später Lampredi und Colombo. 1939 erfolgten die schmerzhafte Trennung von Alfa Romeo und der Übergang der Scuderia Ferrari zu einem vollkommen unabhängigen Rennstall, der fortan in Konkurrenz zu Alfa stand.

Das ständige Auf und Ab, die Überwindung von Krisen und Niederlagen, der von brennender Begeisterung getragene Kampf um die Vorherrschaft auf den Rennstrecken und die mit diesem Bestreben verbundenen Auseinandersetzungen mit den Ferrari umgebenden Menschen beschreibt Luca Dal Monte haarklein und belegt seine Ausführungen stets durch Zitate und Quellenangaben. Dabei spart er das außerhalb des Lebens als Rennfahrer und Unternehmer gelegene Geschehen nicht aus. Er verdeutlicht, dass Enzo Ferrari sehr gut in der Lage war, mit den jeweiligen politischen Strömungen zu spielen und diese zum Nutzen seines Unternehmens einzusetzen. Insoweit ähnelte er Ferdinand Porsche, der wie Ferrari an sich ein unpolitischer Mensch war, aber die Bedeutung politischer Beziehungen sehr wohl erkannt und genutzt hatte. Bis ins hohe Alter pflegte Ferrari einen sehr geschickten Umgang mit den Gewerkschaften und erreichte es so, dass sein Werk von den in Italien doch häufigen Streiks nur sehr eingeschränkt betroffen war.

Ein weiterer Fixpunkt im Leben Ferraris war sein Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Auch da war er ein Getriebener. Ferrari und die Frauen - allein das würde ein ganzes Buch füllen. Mit Laura war er seit April 1923 verheiratet, und die Ehe hatte bis zum Tod seiner Frau 1978 Bestand. Allerdings war das Verhältnis schon früh durch ein psychisches Leiden Lauras beeinträchtigt. So sehr Enzo bemüht war, ein geordnetes Eheleben aufrechtzuerhalten, so sehr ging er doch seiner Neigung nach, Verbindungen zu anderen Frauen aufzunehmen. Es ist erstaunlich, wie viele Erkenntnisse der Autor auch in diesem Zusammenhang zusammengetragen hat. Es entsteht so ein sehr vielschichtiges und - für manchen Leser - auch zwiespältiges Bild von Enzo Ferrari. Mit seiner Ehefrau hatte Enzo seinen 1932 geborenen Sohn Alfredo, genannt Dino; aus der Beziehung mit Lina Lardi ging 1945 sein zweiter Sohn Piero hervor.

Dino litt seiner Geburt an einer schweren Erkrankung aus der Gruppe der Muskeldystrophien, die nach langem Leiden 1956 zu seinem frühen Tod führte. Der Tod Dinos, der der Leidenschaft seines Vaters für den Rennsport und insbesondere die Konstruktion von Rennmotoren gefolgt war, stellte für Enzo Ferrari den schmerzhaftesten Verlust seines Lebens dar, über den er bis zu seinem eigenen Tod nie hinweggekommen ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg trat Ferrari mit seinem Rennteam in der neu geschaffenen Formel-1-Weltmeisterschaft und bei den großen Sportwagenrennen, die stets seine besondere Leidenschaft waren, an. Zuvor hatte er seinen ersten in voller Eigenverantwortung hergestellten Sportwagen vorgestellt. Der Typ "815" trug noch nicht den Namen Ferrari, allerdings schon wie in den Jahrzehnten zuvor die Rennfahrzeuge der Scuderia Ferrari das Zeichen des springenden Pferdes im Wappen. Natürlich gibt Dal Monte auch eine genaue Darstellung der Herkunft und Verwendung dieses Markenzeichens, das der italienische Kampfflieger Francesco Baracca auf seinem Flugzeug im ersten Weltkrieg angebracht hatte.

Der Aufstieg Ferraris zur Weltmarke - sei es als Produzent der namhaftesten Hochleistungssportwagen, sei es als erfolgreichstes Unternehmen im Automobilsport - füllt rund 500 Seiten in dem Buch Dal Montes. Dabei stehen - bei einer Biografie nachvollziehbar - weniger technische Details im Vordergrund als vielmehr die Leistungen Enzo Ferraris. Sein Umgang mit Ingenieuren, Rennfahrern, Konkurrenten, Kunden und Journalisten wird detailreich wiedergegeben und analysiert. Wenngleich Ferrari zahlreiche Auszeichnungen und Orden aus dem technisch-universitären Bereich zuteil wurden, so war er selbst doch kein gelernter Ingenieur und Konstrukteur, sondern ein unübertroffener Organisator und Motivator, der die zum Erfolg erforderlichen Menschen zusammenbrachte und zu Höchstleistungen antrieb. Sein gigantisches Lebenswerk war das Ergebnis dieser Fähigkeiten. Dass sein Verhalten gegenüber anderen dabei ausschließlich im Unternehmensinteresse lag, aber im Einzelfall durchaus Anlass zu Kritik bot, nahm er in Kauf. Er war ein Meister des geschliffenen Wortes und verstand es, z.B. auf den von ihm regelmäßig einberufenen Pressekonferenzen Verbündete verbal in den Himmel zu heben, in Missgunst geratene Personen jedoch durch bloße Nichterwähnung oder zunächst belanglos klingende Floskeln abzukanzeln. Sein besonderes Verhältnis zur Presse war kein Zufall. Er selbst betätigte sich nur zu gerne beim Verfassen von Büchern und Entwerfen von Presseerklärungen, war er doch schon in jungen Jahren, einer seiner beruflichen Neigungen folgend, als Sportjournalist aktiv gewesen.

Enzo Ferrari war - bedingt durch leidvolle persönliche Erfahrungen - auch ein karitativer Mensch. Mit hohem finanziellen Aufwand rief er eine Ingenieursschule ins Leben und unterstützte den Bau und den Unterhalt gesundheitlicher Einrichtungen in seiner Heimat, insbesondere aber die medizinische Forschung auf dem Gebiet der Muskelerkrankungen.

Der Autor geht an mehreren Stellen auf Enzo Ferraris Verhältnis zum Tod ein. Der Verlust Dinos steht dabei im Vordergrund, aber auch das Sterben zahlreicher Rennfahrer in seinen Wagen versetzte den großen Italiener immer wieder in Trauer aber auch Ratlosigkeit. Insbesondere im Zusammenhang mit einem Unfall bei der letzten Mille Miglia 1957, bei dem auch Zuschauer zu Tode kamen, sah sich Ferrari schweren Vorwürfen durch Politik, Justiz und Kirche ausgesetzt, die sich im Ergebnis aber als haltlos erwiesen. So war auch das Verhältnis des katholisch getauften Ferrari zu Kirche und Religion sehr zwiespältig, hier fand er wohl erst mit dem Besuch des Papstes 1988 seinen Frieden. Ferrari war zu krank, um Johannes Paul II. persönlich zu empfangen, konnte aber zumindest einen telefonischen Kontakt mit ihm halten.

Mehrere Kapitel beschreiben die letzten Jahre Ferraris, seinen auch dann noch unverminderten Einsatz für sein Rennteam, seine immer wieder aufkeimenden Zweifel an der 1969 eingegangenen und die Existenz seines Unternehmens gewährleistenden Partnerschaft mit dem Fiat-Konzern, sein Wunsch, sein Lebenswerk auch über seinen Tod hinaus zu sichern. Seinen 90. und letzten Geburtstag feierte er, so wie er es ausdrücklich gewünscht hatte, bei einem Mittagessen mit all seinen 1742 Arbeitern, bei denen er sich für ihre Arbeit bedankte und sich - seiner Ahnung entsprechend für immer - verabschiedete. Und schließlich werden auch die letzten Tage im Leben des "Grande Vecchio" auf sehr berührende Weise dargestellt. Das kurze Post Scriptum verdeutlicht, dass das Unternehmen Ferrari heute tatsächlich so gesund dasteht, dass es kaum eine Übertreibung ist, von der Unsterblichkeit des Lebenswerks Enzo Ferraris zu sprechen.

Was erhebt nun diese Biografie über Enzo Ferrari über alle anderen Bände zu diesem Thema? Zum einen ist es die schiere Vielzahl von Informationen und Fakten, die hier zusammengetragen worden ist. Alles ist belegt, der Autor ergeht sich nicht in Vermutungen oder gar in der Wiedergabe von Gerüchten. Erstmals werden bisher unbekannte Hintergründe erhellt. Es bleibt kein Aspekt, keine Facette des Lebens Ferraris unberücksichtigt. In der chronologischen Lebensbeschreibung sind derartig viele Details festgehalten, dass man fast den Eindruck einer Tagebuchaufzeichnung hat. Fast alle wesentlichen Kontakte aus dem Privaten und dem Beruflichen sind aufgezeichnet - Familienmitglieder, Geliebte, Rennfahrer, Ingenieure, Journalisten, Manager. Allein eine Liste dieser Namen von 1898 bis 1988 würde Seiten füllen. Zum anderen sind es die Herangehensweise an das Thema "Enzo Ferrari" und die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse durch den Autor. Machen wir uns nichts vor: Wer sich mit Enzo Ferrari befasst und dabei nicht zumindest Respekt und Bewunderung verspürt, kann nur ein Ignorant sein. Deshalb muss man beim Beschreiben von Ferraris Lebenswerk stets der Gefahr einer einseitigen "Hofberichterstattung" entgegenwirken. Dies ist Dal Monte hervorragend gelungen. Er stellt das Leben von Enzo Ferrari objektiv dar - voller Begeisterung, Respekt und Verständnis; aber er gibt auch Kritik dort wieder, wo es angebracht ist, zeigt auch die Kehrseite des erfolgreichen und zuweilen auch streitbaren Unternehmers und Strategen im Umgang mit Menschen auf. Dal Monte macht sich zwar manche Kritik zu eigen, aber er verurteilt nicht, er dokumentiert. Wurde Ferrari in bisherigen Publikationen, die ausnahmslos nicht diese inhaltliche Tiefe hatten, wegen des Verhaltens gegenüber seiner Ehefrau schwer angegriffen, belegt Dal Monte beispielhaft, wie die Entwicklung einer Ehe zu zwei parallelen aber mitnichten harmonischen Lebensläufen nicht das Ergebnis des Verhaltens nur einer der beteiligten Personen gewesen ist.

Ob etwas in dem Buch fehlt? Nun, da wirklich sehr genau Jahr für Jahr auf die Erfolge und Misserfolge Ferraris eingegangen wird, hätte ich mir eine knappe Würdigung der Internationalen Markenmeisterschaft für GT-Fahrzeuge über 2 Liter Hubraum 1964 gewünscht, als die Ferrari 250 GTO den Titel denkbar knapp vor den Shelby-Cobra holten, wobei die Streichung des drittletzten Rennens in Monza aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die zu Recht nicht erfolgte Homologation des Ferrari 250 LM als GT eventuell nicht ohne Bedeutung für dieses Ergebnis war. Gerade weil Enzo Ferrari die Langstreckenrennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft so wichtig waren, hätte auch eine Beschreibung des Kampfes der Ferrari 512 S gegen die unschlagbar erscheinenden Porsche 917 im Jahr 1970 nicht schaden können. Schließlich bezeichnet eine Bildunterschrift Ricardo Rodriguez irrtümlich als Pedro Rodriguez, und in der Übersetzung vom Italienischen ins Englische hat sich bei der Beschreibung des Ferrari 330 P ein Fehler eingeschlichen, denn dieser Prototyp hatte, wie in der italienischen Ausgabe richtig wiedergegeben, vier und nicht, wie in der englischsprachigen Edition vermerkt, drei Liter Hubraum. Aber all dies sind wirklich nur unbeachtliche Kleinigkeiten, die der Gesamtleistung bei der Erstellung der Biografie keinerlei Abbruch tun.

Und noch etwas: diese Biografie ist kein Bilderbuch. Zwar werden auf 64 Bildseiten insgesamt 133 Fotos reproduziert, die sehr gut ausgewählt und durchaus repräsentativ für den Lebensweg Enzo Ferraris sind, aber das ist ein "Lesebuch", das man notwendigerweise konzentriert und dennoch mit ungebrochener Begeisterung verschlingt. Wer sich mehr Abbildungen aus dem Leben Ferraris wünscht, dem sei als Ergänzung der oben bereits erwähnte herrliche Bildband "Enzo Ferrari – una vita per l'automobile" aus dem Verlagshaus Giorgio Nada empfohlen.

Ich persönlich frage mich, wie begeistert wäre Enzo Ferrari gewesen, hätte er die von Michael Schumacher auf den roten Rennwagen gewonnenen fünf Weltmeistertitel in Folge erleben können – eine Siegesserie seiner Rennwagen, wie sie Ferrari zu seinen Lebzeiten nicht vergönnt gewesen war. Und wie stolz wäre er, wenn er heute sehen könnte, welch moderne, hochproduktive und weltweit als beispielhaft geltende Fabrik sein Unternehmen nicht zuletzt durch die Leistungen des von ihm selbst so hoch geschätzten Luca di Montezemolo geworden ist!

Im Ergebnis bleibt festzuhalten: Das Buch von Luca Dal Monte ist nicht nur die eindeutig beste und abschließende Biografie über Enzo Ferrari, sondern unter den über 1000 Titeln zum Thema "Ferrari" eine weit herausragende Veröffentlichung - eine Pflichtlektüre für alle Automobil-Enthusiasten und erst recht für alle Ferraristi !

Thomas Nehlert

Enzo Ferrari - Power, Politics, and the Making of an Automotive Empire - 

Autor: Luca Dal Monte
Verlag: David Bull Publishing, Phoenix AZ, 2018 
Format und Umfang: Hardcover, 15,5 x 23,5 cm, 1032 Seiten, 133 Abbildungen, 
Text: Englisch Preis: € 42,50
ISBN: 978 1 935007 28 9

Rezension Thomas Nehlert: „Lang Cooper 97“, Autor Ed Heuvink, McKlein Publishing Köln, 2018

Die Sportwagenrennen in Nordamerika waren in der ersten Hälfte der 1960er Jahre durch eine enorme Vielfalt an Teilnehmern, Wertungsklassen und Rennen gekennzeichnet. Carroll Shelby hatte begonnen, mit der aus dem englischen AC Cobra entwickelten Shelby-Cobra die große GT-Klasse zu beherrschen und auch auf internationaler Ebene die Ferrari GTO das Fürchten zu lehren. Allerdings war nicht einmal das Shelby Cobra Daytona-Coupé in der Lage, gegen die zweisitzigen Rennwagen der damaligen Gruppe 7 Gesamtsiege einzufahren. Shelby griff deshalb auf das Chassis des zweisitzigen britischen Cooper Monaco zurück und stattete das Fahrzeug mit einem gewaltigen Ford V8-Motor aus. Mit dem vielversprechenden Nachwuchstalent Dave McDonald am Steuer konnte dieses als "King Cobra" bezeichnete Rennfahrzeug 1963 einige Erfolge verbuchen.

Wenn auch Ford werksseitig 1964 mit dem legendären Ford GT bei den großen Langstreckenrennen antrat und obwohl Carroll Shelby auch in dieses Großprojekt des amerikanischen Konzerns miteingebunden war, hielt er dennoch sowohl an den Einsätzen der Shelby Cobra in der GT-Weltmeisterschaft als auch an seinem Engagement in der amerikanischen Gruppe 7 fest. Ein Freund von Dave McDonald, der überaus vermögende Craig Lang, finanzierte die Entwicklung eines neuen Gruppe-7-Rennwagens. Auf der Grundlage eines neuen Cooper-Chassis mit der Nummer CM/1/64 entstand der Lang Cooper mit der Startnummer 97, der durch seine leuchtende orangefarbene Lackierung, der Lieblingsfarbe Craig Langs, auffiel. Drei Mal trat McDonald 1964 mit diesem Lang Cooper an und konnte ein Sportwagenrennen in Phoenix, Arizona, gewinnen. Im vierten Rennen auf dem Kent Pacific Raceway zerstörte Bob Holbert den Wagen schon im Training. Dave McDonald kam durch einen Unfall bei den 500 Meilen von Indianapolis ums Leben.

Carroll Shelby und Craig Lang gaben nicht auf: In kurzer Zeit wurde das zerstörte Fahrzeug durch ein neues aus England importiertes Cooper-Chassis ersetzt. Für die Karosserie auf diesem Cooper T61 zeichnete Peter Brock verantwortlich, der schon als Vater des Daytona Coupés galt. Es entstand ein atemberaubend schöner Rennsportwagen, der aufgrund der andauernden Finanzierung durch Craig Lang den Namen Lang Cooper II erhielt. Der Wagen wurde 1964 noch bei zwei Rennen von Ed Leslie und bei einem Rennen auf Hawai von Craig Lang selbst zu einem Sieg gesteuert. 1965 schied Carroll Shelby aus diesem Projekt aus, der Lang Cooper erhielt statt des Ford-Motors ein über 500 PS starkes Chevrolet-Triebwerk. Mit Charlie Hayes als Rennfahrer nahm der Lang Cooper II 1965 an sechs Rennen teil, errang aber nur einen achten und einen sechsten Rang. Das letzte Rennen mit dem Lang Cooper II bestritt Skip Scott im Oktober 1965 in Laguna Seca und kam dort auf den 14. Platz. Damit endete die Rennhistorie des Lang Cooper mit der Startnummer 97, bevor 1966 die CanAm-Series ins Leben gerufen wurde.

Der Lang Cooper II wurde verkauft und wanderte im Laufe der Zeit durch mehrere Hände, bevor er schließlich in der Sammlung von Claude Nahum in der Schweiz eine neue Heimstatt fand und in blendend restauriertem Zustand bei Veranstaltungen des Historischen Motorsports eingesetzt wird. 

Im vierten Band über Fahrzeuge aus der Nahum-Collection des Verlages McKlein Publishing in Köln wird die Geschichte des Lang Cooper bis ins Detail nachgezeichnet. Der Autor Ed Heuvink, bekannt durch zahlreiche Motorsportbücher, hat eingehend recherchiert und faszinierende Einzelheiten über die Entwicklung des Fahrzeugs und die mit ihr befassten Menschen zusammengetragen. In acht Kapiteln spannt sich der Bogen von der „Cooper Car Company“ über die verschiedenen Sportwagenrennserien der USA inden 1960er Jahren, Carroll Shelby mit seiner „King Cobra“ und den ersten Lang Cooper des Jahres 1964 bis zum Lang Cooper II, dessen Konstruktion und Renngeschichte sowie seinen Wiederaufbau. Eine Rennstatistik der Jahre 1964/1965 und eine Darstellung aller am Lang-Cooper-Projekt beteiligten Personen runden dieses edel gestaltete und hervorragend verarbeitete Buch ab.

Die Illustration des großformatigen Bandes ist mit rund 250 Abbildungen nicht nur reichhaltig, sondern sowohl von der Motivauswahl als auch von der Wiedergabequalität hervorragend. Herrliche Rennaufnahmen, Fotos technischer Details und Porträts der Fahrer und Techniker wechseln einander ab. Zum größten Teil dürften die Bilder hier erstmals veröffentlicht sein. Sie stammen aus zahlreichen Archiven, sowohl aus den großen namhaften Kollektionen als auch aus Privatsammlungen.

Natürlich ist der Lang Cooper ein recht ausgefallenes Thema, das nicht jedem Motorsport-Fan gleich präsent sein dürfte; für den Enthusiasten der Sportwagenrennen der 1960er Jahre aber ist dieses in englischer Sprache verfasste Werk ein wahrer Leckerbissen. 

Thomas Nehlert

Lang Cooper 97 – Peter Brock's Group 7 USRRC sports car

Autor: Ed Heuvink
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2018
Format und Umfang: Hardcover im Schuber, 29 x 29 cm, 158 Seiten, über 250 Fotos
Text: Englisch 
Preis: € 79,90, Limitierung auf 999 Exemplare 
Vertrieb: RacingWebShop.com
ISBN: 978-3-947156-01-6